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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-03 · Heft 18 (3.5.1918) · p. Seite 208

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 18 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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•208 zeitweilig ol% Leiter des journalistischen Auslandsdienstes der Bolschewiki nach Stockholm begab. Bemerkenswert ist, daß er unausgesetzt nnt dem radikalen /Flügel der Sozialdewokratie . Deutschlands Beziehungen unterhalten hat, und als Mitgrdeiter an der „Bremer AMiterPoiMk"/tgtigMwesen ist. . Daß 'der ganze Artikel nicht eben judenfreundlich istgeht aus seinem ganzen Ton, noch mehr aus Anfang und Schluß hervor. Wir können eine derartige Einführung eines sehr befähigten Staatsmannes unserer ehemaligen Gegner in keiner Weife billigen. Tut Herr Radek, wie wir ihn doch wohl nennen wollen, da er diesen Namen angenomrüen hat, woran ihn. kein Mensch hindern kann, seine Pflicht, so wollen wir ihn nicht nach seiner Parteirichtung, sondern nach seinen Taten beurteilen; daß er von Juden , stammt und vielleicht auch noch Jude ist, heftet ihm in unseren Augen keinen Makel am. Auch unsere politischen Gegnep täten wohl gut, eünen Staatsmann weniger nach seiner Vergangenheit zu beurteilen und an seine Abstammung hämische Bemerkungen zu knüpfen, sondern abzuwarten, was der Betressende leistet. Die antisemitische „Reichspost" in Wien fährt in ihrem hetzerischen Treiben fort. Sie bringt in einer ihrer letzten Nummern solgÄide Korrespondenz, die in ihrer ganzen Ausdrucksweise an die schlimmste Epoche wüster Agitationen gemahnt. Jüdische Spottlieder i n Wie n. Wir erhalten von einem Einjährigsreiwilligen folgende Zeilen: Was man als Urlauber im jüdisch gewordenen Wien nicht alles erlebt! Gehe ich da gestern in Pötzleinsdorf spazieren, als eine Schür kleiner Mädchen, geführt von einer Lehrerin, singend'von einem Schulaustfilug heimkehrte. Man sieht so selten lustig-fröhliche Kinder, sie tragen ja alle den Stempel der Entbehrung an der Stirn. Um so erfreuter war ich und um so lieber hörte ich zu. Was aber sangen die Kinder, als sie in Pötzleinsdorf einzogen? Ein Spottlied aus die kirchliche Litanei. „Hevzbub, bitt' für unsl" tönte es im Chor, dann folgte ein Gemurmel, das wohl eine betende Prozession verhöhnen sollte, und endlich noch ein Spottvers. Als aber die Kleinen stockten, den Text noch nicht richtig behalten hatten, korrigierte sie die Lehrerin Und Erzieherin und sang ihnen den richtigen Reim vor. Unterdessen wären die Ausflügler nähergekommen, und jetzt fand sich des Rätsels Lösung. Die Lehrerin war Jüdin, und auch die Mehrzahl der Kinder trug statt des Zeichens der Not, der Armut und des Kriegselends die Merkmale ihrer Raste. Ich hatte schon gute Lust, die Intervention eines Wachmannes anzurufen, unterließ es aber, als die Anführerin, aufmerksam geworden durch mein Stehenbleiben, den Kindern das Weiterfingen untersagte. Auf Befragen einiger Nachzüglerinnen erfuhr ick), daß es sich um eine Klaffe der Schule 2. Bezirk, Czerninplatz 8, Direktor Beer Markus, handle. Ich bitte, auf dem Wege der Veröffentlichung den Vorfall zur Kenntnis des Wiener Publikums zu bringen und die maßgebenden Faktoren auf ihre Pflicht zu verweisen. Es gehört ohnehin zu den traurigsten Erfahrungen, die ein Urlauber machen kann, wenn man die maßlose - Arroganz deS Judentums im Hinterlande sieht und kaum einen Menschen mehr antvifft, der da Halt! zu rufen wagt. Im Jntereste unserer Zukunft aber wäre mit allen Mitteln zu verhinderndaß auch die Kinderherzen schon systematisch vergiftet werden. (Name und Wohnort des Einsenders sind der Redaktion bekannt.) Wcks den Mer erwähnten. Fall betrifft,: so halte ich es für ganz undenkbar, daß so etwas geschehen ist; eine solche verwegene Taktlosigkeit .einer', 'jüdischen.Lehpers.n,....'W den mildesten Ausdruck zu gebrauchen, halte ich für völlig ausgeschloffen; vielleicht ergreift auch hier wie in dem -gleich zu erwähnenden Falle ein Korrespondent der österreichischen Kaiserstadt das Wort, um die Sache richtig zu stellen.? ' ' ' .. ' -;//■;•/ ■ Der Wiener Vorfall, auf den ich.noch einmal einzugehen habe, ist der in Nummer 15 auf Seite^-17L-.jery^Hhx.- hatte bei der Wiedergabe des Artikels bezweifeltdaß die. Talmudstelle, die von. dem österreichischen Blatte zitiert war. wirklich.vorkommt. Nun erhalte ich von Herrn Rabbiner Ch: Bloch, dev. gegenwärtig im Felde ist, folgende Zuschrift, die ich gern veröffentliche. „Der von'der 'Meichspost" angeführteTalniudspruch: ,>Wenn du irr den Krieg ziehst, so gehe an letzter .Stelle, dümit du als erster. heimkehren /kannst,^ k 0 m m t im Talmud n i ch t v 0 r. Gleich nachdem ich die Verleumdung in der „Reichspost" gelesen hatte,; richtete ich an die Schriftleitung dieses Blatter eine Zuschrift, in der ich zur Kenntnis brachte, daß dieser Spruch im Talmud nicht vorkommt, ich verpflichtete mich auch, im Fälle die betreffende Stelle nachgewiesen werden wird, 50 Kronen zu einem von der Schristleitung der „Reichspost" bestimmten Zwecke zu erlegen. Selbstverständlich ist bis heute keine Richtigstellung erschienen, dazu fehlt es den Helden der „Reichspost" an Mut. Gegenüber der «von der „Reichspost" falsch angeführten Talmudstelle verweise ich auf eine Stelle in „Buch der Mbote^ . (Abteilung Verbote § 58} des großen jüdischen N?ligionsPhilysypHen. ..-und Rechtslehrers Maimonides. Es heißt dort folgendermaßen; „Es ist strengstens verboten, im Kriege die Feinde zu fürchten und vor ihnen zu fliehen, sondern es ist die Pflicht, tapfer und heldenhaft standzuhalten und so das Herz des Volkes zu stärken. Wer sich aber drückt, der vergeht sich gegen das Gebot: Du sollst vor ihnen keine Angst haben. Nur so kann man den wahren Glauben verwirklichen." * . Sehr bedauerlich ist, daß der in Oesterreich erstarkte Antisemitismus sich nicht bloß in vielen ungebärdigen Artikeln mancher Hetzblätter bekundet, sondern auch in widrigen Ausschreitungen. Von solchen berichtet die „Jüdische Rundschau' vorn 28. April: < „Die Unruhen begannen am Dienstag, den 16., auf dem Sczepanstb platz. Jüdische Läden wurden geplürrdert, vorübergehende Juden überfallen. Die Haupkhelden waren zumeist Legionäre, Studenten und Eifenbahnbeanrte. Mit Hilfe der Kondukteure, wurden jüdische Fahr gäste aus den Straßenbahnen geschleppt und grausam mißhandelt. Sämtliche nichtjüdischen Läden blieben unberührt. Der 51jährige so eben aus dem Militärdienst -entlassene jüdische Landsturmmann P. Möller, Vater von 12 Kindern, wurde vom Mob. aus den Ring geschleppt und dort so zugerichtet, daß er noch am gleichen Abend starb. Polizei und Militär schaute ruhig zu oder begnügte sich mit Scheim Manövern. Es hat sich eine jüdische Selbstwehr gebildet. Im Zionistische Zentralkomitee hat bereits bei der Regierung die nötigen Schritte unternommen. Ein Judenpogrom fand auch in Alt-Sa Mc (Galizien) statt, dein viele alte Juden und wehrlose Frauen zum Opfer fielen. Eine Schar Soldaten überfiel die mit Todestage ihres Rabbi an seinem Grabe in Alt-Sandec versammelten Juden auf dem Wege zum Bahnhof und mißhandelte sie. Die Juden, die ihre Zuflucht in den Abteilen des Zuges suchten, wurden von dort herausgeschleppt unb ihres Geldes, ihrer Schuhe und Kleidungsstücke beraubt. Die Bahn beamten zeigten sich nicht. Die polnische Presse sucht diese Vorfälle totzuschweigen oder abzuleugnen. Von anderer Seite werden die Pogromtage in Krakau ebenfalls ein gehend geschildert und die Roheit der Ausschreitungen an einer Reibe von Vorfällen nachgewiesen. So schleppte man am 17. April einen 51jährigen Kaftanjuden aus der elektrischen Bahn auf den Ring und schlug ihn fast tot. Er wurde in ein jüdisches Hotel gebracht und starb dort noch am Abend. Eine tausendköpsige Menge verteidigte den Leichnam gegen die Polizei, bis es dieser um Mitternacht doch gelang, ihn förtzüschleppen. Die amtliche Sektion ergab eine „natürliche" Todesursache („herzkrank, verminderte Widerstandsfähigkeit einem in einem Krawall erlittenen Stoß gegenüber"). Auch die völlige Teilnahmlofl'gkeit der Polizei bei diesen Krawallen ist bemerkenswert. £0 heißt es in einem Bericht: „Heute vormittag zog ein johlender und bewaffneter" Zug die Krowoderska entlang, begleitet von zwei reitenden Polizisten. Diese ritten ruhig weiter, als man sich daran machte' einen jüdischen Laden anzugveifen. Als alles zu Ende war, kam ein Trupp Wiener Deutschmeister in stürmischem Laufschritt die Straße herauf, unter der Führung eines Polizeikommissars. Der Kommissar führte die Truppe gemütlich durch die Karmelinka, Batorego und

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