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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-03 · Heft 18 (3.5.1918) · p. Seite 207

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 18 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
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207 einMracht -wurden; auch im Südosten macht sich ein Wiederbeginn der Feindseligkeiten bemerkbar. Alle diese Unternehmungen jedoch sind nicht imstande, das Bild der Gesanrtlage ]\i ähbfcrn,tirtb^ *geei9«ct, ja nicht einmal dazu bestimmt, eine Entscheidung herbeizuführen. ... * - ‘ Was die jüdischen Angelegenheiten betrifft, so stehe liier zunächst eine Notiz aus der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", über die weitere Aufklärung erwünscht wäre. Sie lautet: Dresden, 24. April. (Privattelegranun.) Dem sächsischen Landtag ist ein Gesetzentwurf zugegangen, wonach I s r ael i t en von der kirchlichen BesitzwechseMgabe befreit sind, wenn sie Besitzivechsekabgaben an ihre Religionsgemeinschast zu entrichten haben. . * Vielfach haben "wir uns mit dem A n t i s e m i t i s m u s zu l-eschäftigen. Ueber den in der letzten Woche erwähnten antisemitischen Vorstoß eines Frankfurter Pfarrers erhalten wir jetzt einen ausführlichen Bericht aus der „Frankfurter Zeilung" (18. April), den wir bei der Wichtigkeit der Sache, des Zusammengehens aller liberalen Parteien, des mannhaften Auftretens des Vorsitzenden der Versammlung und der dertzeißungsbollen Antwort des Oberbürgermeisters hier folgen lasten. Er lautet: Stadtverordneter Dr. Gehrke brachte «den „Fall Kübel" zur Sprache. Er hält eine Kritik an, -der Tätigkeit eines Pfarrers deshalb firr berechtigt,'weil ein Mitglied des Magistrats dem Konststoviinn angehört. Pfarrer Kübel habe in seiner Silvesterpredigt die Aeußerung eines österreichischen Erzbischofs zustinunend wieder- ^egeben, die etwa besagte: die Weinberge würden -bespritzt, dannt die jüdischen Wucherer mehr Geld verdienen. - Das Frankfurter Bureau des Vereins zur Bekämpfung des Antisemitismus habe Pfarrer Kübel um AuMäruag gebeten. Er habe sie verweigert. "Das Konsistorium lmbe die Aeußerung zugegeben und sie entschuldigt. Dr. Gehrke stellte lest, daß Pfarrer Kübel die Kanzel zur antisemitischen Agitation nützbraucht habe. Derselbe Vorwurf sei dem Konsistorium zu machen, das die Aeußerungen Kübels für gerechtfertigt halte.. Pfarrer Kübel Imbe den konfessionellen Frieden in Frankfurt erbrochen und. das Konsistorium habe sich ihm angeschlossen. Was sage Stadtrat Konnstorialrat Meckbach dazu, der Mitglied -des Konsistoriunls sei? Stadtrat Meckbach suchte das Schreiben des Konsistoriums zu rechtfertigen. Stadtverordneter Zielowski (Soz.) erklärte, daß sich seine poliitiüüen Freunde dem Protest von Dr. Gehrke anschließen. Es sei nicht das ersternal, daß die Kanzel für antisennitische Zwecke benutzt worden sei; der frühere Pfarrer Werner sei ausgesprochener Antisemit gewesen-. Das Konsistorium hätte den Pfarrer anweisen müssen, tünftig antisemitische Aeußerungen zu unterlassen. Die Rechtfertigung Meckbachs fei verunglückt. Der Magistrat solle seinen Kirchenrat belehren. Oberbürgermeister Vpigt betonte, daß der Magistrat den Antiiemitisnms entschieden bekälnpft, und nuemte, daß das Kollsistorium in seiner Antwort nicht geschickt gewesen sei. Der Magistrat werde sich noch mit der Angelegenheit beschäftigen Es sei anzunehmen, dotz er dem Konsistorium seine Bedenken über die Behandln llg der Angelegenheit ausdrücke. Z Stadtverordneter Dr. Rumpf (Natl.) erblickt in der Erwiderung des Konsistoriums eine Verlelgenheitsantwort. Der Vorsitzende, Städtrat Dr. Friedleben, weist auf dcrs Recht der Stadtverordnetenversammlung hin, dagegen aufzrltreten, wenn der religiöse Frieden gestört werde. Im Anschluß an diesen Bericht bringe ich folgende Erklärung des Herrn Pfarrer Kübel, die nach dem Worte: „^uäiatur altera pars", ein Anrecht darauf hat, gehört zu werden, ^ie lautet: in der letzten StadtverordnetenversarrinTung ist auf Grund '"rzureichender Kenntnis -des Sachverhalts der Borwurf der 'UlNsemitisä^n Hetzerei gegen .mich erhoben worden. Ichweise dkesen Vorwurf, den bereits meine Vorgesetzte Behörde für unbegründet ^klärt hat, mit aller Entschiederchei-t zurück. Die Predigt, die m Frage steht, bietet dem Vorwurf keinen Anhaltspunkt; außerdem wider« .'tcht ihn" meine ganze sonstige Derckweife und nreine amtliche und außeranMiche Tätigkeit. Äussührliche Antwort werde ich an anderer Stelle erteilen. Besonders verwahre ich mich dagegen, daß nran Aeußerlmgen, die ich auf nreiner Kanzel getan haben soll, in Verbindung mit meiner Tätigkeit als Vorsitzender der Vaterlandspartei bringt und diese dadurch zu schädigen sucht. Die Vaterlarrdspartei hat, auch durch meinen Mund, wiederholt erklärt, daß ihr, ohne Rücksicht auf die Konfession, jeder Deutsche, dem an einem vollen Sieg und Frieden liegt, als Mitglied willkommen ist. Bei dieser Stellung der Vaterlandspartei wird es auch in Zukunst bleiben. I. Kübel, Pfarrer. * Wenn wir auch sonst nicht eben gewillt sindjeden antisemitischen Angriff zu erwähnen oder. gar abzudrucken, so müssen wir mit einem Artikel des Herrn Prof. I. Reincke, Mitglied des.Herrenhauses, eine Ausnahme machell. Schon wegen der Persönlichkeit des Verfassers, dann aber auch wegen der vornehmen Zeitung „Der Tag", in welcher der Artikel erschienen ist. Er führt den Titel „Sobelsohn" und zeigt schon in dieser Ueberschrist seine Tendenz. Der Artikel bezieht sich auf den russischen Diplomaten Radek, der ursprünglich den Namen Sobelsohn geführt haben soll. Es wird erzählt, daß der Genannte, der bei den Verhandlungen in Brest - Litowst den deutschen Forderungen entgegengetreten war, zum Direktor des Departements „Zentraleuropa" im Moskauer Auswärtigen Ministerium ernannt worden sei. Es wird ferner erwähnt, daß Radek die von Trotzki zur Revolutionierung der deutschen Schützengräben gegründete Zeitung „Die Fackel", die in deutscher Sprache geschrieben war, herausgegeben habe. Dann wird auf Grund der Mitteilungen von Herrn Konrad Haenisch folgendes über Radek gesagt: _ ' Zu Krakau geboren, ist Lobelsohn von Hanse aus österreichischer Staatsangehöriger, -der bereits als Gymnasiast leidenschaftlich den sozialdemokratische Ideen huldigte. Nach Allsbruch der russischen Revolution im Herbst 1905 bekämpfte er in Warschau den Zarismus und umchte bei dieser Gelegenheit Bekanntschaft mit dom Gefängnis. Nachdem er sich ans 'diesem befreit hatte, wandte er sich nach Deutschland, llnr hier durch Mitarbeit au der „Nellen Zeit", der „Leipziger Botkszeitung", der „Dortmunder Arbeiterzeitung" und der „Bremer Bürgerzeitung" der Sozialdeiuokratie zil dielum, wobei die Fragen der mlslvärtilgen Politik sein Spezialgebiet bildeten. Durch großeil Fleiß wllßte er sich ein so reiches Wissen anzuoignon, daß er bald, als eine der ersten Autoritäten alls deln Gebiete der Allslandspolitik' l'nter den sozialvem,okratischen Schriftstellerll Delltschlmlds galt. Be- - reits 1910 sagte er die Wahrscheinlichkeit des konnnenden Weltkrieges voraus, ohne jedoch die Hoffnung allszllgeben, daß dllrch Intervention des revolutionären internationalen Proletariats der Krieg noch vermieden werdeil kölwe. In diesem Bestrebeil nahm er mit Rosa Luxemburg den üußerstell linftnt Flügel der deutschen Sozialdemokratie ein und bekäiulPfte mit Heftigkeit besonders die gemäßigten Richtungen, innerhalb der Partei. Die Art seiner Polemik stchrte ihn bald in schwere Konflikte persönlicher Art, da auch seine sozialdenlokratischeu Gegner ihn keineswegs glimpflich behandelten und allerlei üble Gerüchte über ihn. in Umlauf kamen. - Dies alles führte dahin, daß Radek zunächst aus der Polnischen, dann auch aus der deutschen Sozialdemokratie ausgeschlossen wurde. / Haenisch ist der Meinung daß jene Beschuldigllngen persönlicher Art gegen ihn zum mindesten nicht erwiesen feien!, noch weniger der später, gegen ihn.. erhobene Borwurf, Polizeispitzel zu sein. Bei Ausbruch des Krieges weilte Radek in Deutschland und bekämpfte aufs schärfste die Bewilligung der Kriegskredite, um später von der Schweiz aus zusammen mit dom Nationälrat Gvimny der' durch die Affäre Hofsmann bekanntgeworden ist, die. Haltung der deutschen Sozialdemokratie in der schroffsten Weise anzugreifen. Dochmuß anerkannt werden, daß Radek die Haltung der sozialdemokratischen Parteien in den Ententestaaten mit der gleichen Entschiedenheit bekämpfte und unermüdlich für die Beendigung des Krieges durch eine internationale proletarische Revolution einträt. Mit Lenin zusammen ist er dann aus -der Schweiz in einem plombierten Eisenlmhmoageir dllrch Deutschland mch Schloeden nach Petersburg gefahren, voll um alls er sich

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