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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-03 · Heft 18 (3.5.1918) · p. Seite 206

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 18 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
Seite 206 (sequence 2)
Language
German
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206 er sicherlich nicht, daß diese in der Theorie so heruliche A u t o - nomie in den allermeisten Fällen zur Autokratie..einzelner Willensmenschen geworden ist, die sich oft Dizehnte als Alleinherrscher in den/ GMeinden HnrlHusetzfn wußten und in gutem, aber auch insofern Sinne ihr Schicksal waren. Die Verbände stnd in die Lücke getreten, die der Verzicht der Berliner Judenschaft auf ihre Führerrolle hinteÄeß. Cs hat sich im Lande die Meinung befestigt, daß die Gemeinde. der Hauptstadt ungeachtet der vorzüglichen in ihr wirksamen Kräfte in gesetzgeberischer Hinsicht ein Faktor des Stillstandes und damit des Rückschritts geworden sei. Sie ist sÄtwriert - und gewährt nach außen das Bild blühenden Gedeihens. Davon ausstrahlen zu lassen, sieht sie keinen Grund; der Kritik glaubt sie standhalten zu können. Da wird es also Pflicht der Verbände sein, den Staub aus den ehrwürdigen Perücken zu klopfen und die Gemeinde für ihre preußische Aufgabe zurückzugewinnen. Der reich gewordene Bruder muß einmal an seine weniger gut situierte Verwandtschaft erinnert werden, die in Orten zweiten bis zehnten Ranges und auf dem platten Lande wohnt. Die Eigenart der Berliner Großgerneinde wird auch in einem größeren Verbände ihre Würdigung finden. Aber wir erinnern an die Frage der P a r o ch i a l e i n t e i l u n g, die gar nicht zu umgehen ist und die ihre Fortsetzung im Lande in der Bildung von Provinzial- und B ezirks g emeind en finden muß. Berlin kann gewiß sein, daß es der Sitz einer Landesgemeinde Preußens wird und daß es bei einein entschlossenen Heraustreten aus seiner Reserviertheit und Vereinzelung durch die Wechselbeziehungen mit den besten Kräften und Säften aus dem Lande reichlich entschädigt werden wird. In dieser Richtung wird also sein bisheriger passiver Widerstand zu überwinden sein, daß das Bessere das Gute von selbst verdrängt. Ganz anderer Art ist der aktive zu bewerten, den die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" der Gesamtorganisation leisten dürste. Diese Vereinigung hat sich gewisse Verdienste um die Befriedigung ritueller Bedürfnisse deutscher und osteuropäischer Juden während der Kriegszeit erworben und glaubt, nunmehr auch die Führung in der inneren religiösen Haltung aller deutschen Juden beanspruchen zu dürfen. Erwarteten ihre Anhänger, daß die preußische Neuorientierung ihren Grundsätzen zur gesetzlichen Anerkennung verhelfen werde, sie würden sich entschieden für sie einsetzen. Da sie aber das Gegenteil befürchten, suchen sie sie als „Zwangso r g a n i s a t i o n" in Verruf zu bringen, bevor noch ein Buchstabe des neuen Entwurfes feststeht. Als ob Gesetz nicht das gerade Gegenteil von Zwang wäre und Organisation etwas anderes als Zusammenfassung der wertvollsten Kräfte zur höchsten und vollkommensten Leistung. Es ist nun die Aufgabe, gerade im Hinblick auf diesen Widerstand das Vertrauen der preußischen Regierung für unser Werk zu gewinnen. Das kann von verschiedenen Seiten geschehen. Zunächst hat es die Tendenz, die nationaljüdischen Bestrebungen zu verneinen und unwirksam zu machen: nicht etwa die des Kulturzionismus, der als Geistesströmung sich ausleben mag, aber die rein politischen. Wenn diese heute von den meisten deutschen Zionisten selber abgelehnt werden, desto besser. Man erstrebt keine Neuordnung innerhalb eines Staates, wenn man diesem nicht die Kraft und den Willen zumUtet, den letzten und höchsten Interessen, für die man ihn in Anspruch nimmt, vollauf gerecht zu werden. Dieses Zeichen starker und uneingeschränkter Staatsgesinnung kann angesichts der tausendfachen Beweise einer gleichen Gesinnung im Verlaufe des opferreichsten aller Kriege seines Eindrucks nicht verfehlen. Für Preußen kommt noch hinzu, daß eine Zusammenfassung zur Landesgemeinde in der .Richtung des. - Ausgleichs zwischen älteren und neueren Provinzen wirken muß. Es kann nicht ausbleiben, haß Hannover, Hesiesi-HKssau und Altonh ihrerseits auf Reservatrechte aus wer ftastEschen, welftschey sind dHckMers HM zügyststen DtzrlNÜgeMMheit werden Uerzichten inüffen, oder bester, daß ihr Einstüß eine Angleichunst der älsteren HrMinzdn än. die neuevsn zugunsten 'der' ersteren Herbeiführen würde'. Bekanntlich ist die tödliche Indifferenz des Staates gegen das Judentum als RKWonsgemeirftchäft nirgends so vollkommen -dsttzchgesührt wie in Berlin — die Krone kennt die dortige Gemeinde nur aus angenehmen, geschäftlichen Beziehungen — und in den Älteren, zum historischen Preußen gehörigen Landesbesten. Wir würden den'Gegnerrt sine« Vorsprung lassen, wenn wir von vornherein der gründsäMihM BevoMigüNg ihrer Richtung nichts Gleichwertiges meinten entgegensetzen zn können. Die äußeren Gunstbezeugungen sind mit einem Gefühl der Bewertung gepaart, das der Allgemeinheit abträglich ist und vorgeschrittenen Juden gegenüber nicht stand, hält. Man begreift gerade im protestantischen Preußen, wenn diese Dinge in klares Licht gestellt werden, daß der Widerstand gegen die katholisierende Richtung auch im Judentum ihr historisches und kulturelles Recht hat. Volle Zustimmung wird Geheimrat Loewe mit seiner strengen Abweisung jeglichen Gewisienszwanges finden. Wir gestehen auch der Trennungsorthodoxie, so tief wir ihre Stellung zu den gemeinsamen Fragen des deutschen Judentums beklagen, die volle bona fides zu, und sie wird uns nur in sachlicher, ehrlicher, wenngleich entschiedener Opposition finden. Der Kampf Berlin —Frankfurt muß einmal ausgefochten werden! Nur wenn die Vorkämpfer bc§ neuen Entwurfes gleichwertige religiöse Energien einzusetzen haben, werden sie Sieger bleiben. Dafür bieten sich ihnen nach unserer Kenntnis der Dinge die preußischen Rabbiner wahrscheinlich aus allen Lagern mit alleiniger Ausnahme der Mitglieder der Freien Vereinigung als Mitstreiter an. Welche Gedanken in ihren Kreisen über das rabbinische Amt nach Geltung ringen, möchten wir in einem zweiten Artikel darlegen. Schon heute aber töne, damit keine Zeit verlorengehe, unser Mahnruf: Ans Werk! Mt Woche. Berlin, 30. April 1918. instweilen ist über den Kämpfen im Westen noch nichte zu sagen. Zwar werden die Vorstöße auf beiden Seiten fortgesetzt; unsere Gegner rühmen sich in ihrer Werse mancher Erfolge; von deutscher Seite wird auf die Schwierigkeiten de? Nachschubs der Truppen, der für sie nötigen Ernährung, der Munition und der Kanonen hingewiesen. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß. die-deutsche Offensive, von deren Ermatten, ja von . deren Erfolglosigkeit unsere Gegner z» berichten sich erkühnen, sobald alles nach den großartigen Plänen unserer Heeresleitung zusammengebracht ist, wieder frisch einsetze und zu dem gewünschten Resultat führe. Auch von der großen, längst erwarteten Offensive der Oesterreicher gegen Italien ist es merkwürdig still geworden. Auch hier müssen wir uns in Geduld fügen, dürfen aber wohl die Erwartung hegen, 'daß die Italiener, die nicht bloß der englischen, und französischen Hilfskräfte beraubt sind, sondern sechs ihrer Divisionen ihren arg bedrängten Bundesgenossen zugeschickt haben, dem Ansturm unserer Verbündeten nich! gewachsen sind, wie sie ja auch, mit ihren Helfern vereint, sieh unfähig zeigten, einem gewaltigen Ansturm zu widerstehen. An bedeutsamen Kriegshandlungen fehltes freilich weder im Westen noch im Süden; im Westen ist die wichtige Mellung des K e m m e l b e r g e s erstürmt, wobei über 6500 Gefangen e

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