Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1918)
- Date
- 1918-04-26
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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87. Jahrgang Nr, 17 Berlin, 26.A?ril'i9f8 ®clIaBC zur „Allgemeinen Leitung de- IudentumK". kvrrrl-onvrnMn und Aschrichteu. Deutschland. E. R. Berlin, 21. April. Die heutige Sitzung der Repräsentant e n v e rf gmütlit n g wurde vorn Vorsitzenden, Direktor/.Dr. Minden, mit'einem von der Versammlung stehend angehörten Nachruf für Herrn Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen eröffnet. In ihm, führte er aus, verschmolzen sich Judentum und Deutschtum, der kategorische Imperativ mit M'izw-al), das Snum cuique #i.t ktn Begriff der Z-eda-kah. Mit Lrauerndem Herzen steht die Berliner Judenheit an der. Bahre ihres großen Lehrers, dessen Verdienste an dieser Stelle eingehend zuschildern, er für überflüssig halte. Der Vorstand hat diese durch die Bereiitulna eines Ehrenbegräbnisses gewürdigt. Wir werden dem Dahingeschiedenen ein treu-es Gedenkenbewiahren.. — Eingegangen ist ein Schreiben der Gattin des Verstorbenen, in dem sie ihren'Dank für die Ehrungen, die ihrem Mann von der Verwaltung erwiesen wurden, ausspricht. Darin weist sie auch auf die persönlichen Beziehungen hin, die ihr Haus mit der Familie Minden verknüpfen. Herr Dr. Minden teilt mit. daß er insofern sich einen- Schüler Cohens nennen dürfe, als er als Sekundaner mehrere hebräische Stunden bei ibm erhalten. Coden werde stets ein leuchtendes Ideal. Nr die Judenheit bleiben. — Im Namen der Versammlung bat der Vorsitzende Herrn Oscar Ti.etz zu seinem 60. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche übermittelt. — Herr Armeerabbiner Dr. Winter spricht in einem Schreiben seinen herzlichsten Dank für einen ib-m vom Vorstände bewilligten Zuschuß zur Abhaltung der Sederabende für 100 indische Kameraden aus. — Die' Versammlung beschließt die Annahme folaender Zuwendungen: Von Herrn Siegfried Han'ff 200 Mark zur Erhöhung des Kavitals der Kurt-Hansf-Stistuna. Von Herrn Vernhard Steiner 350 Mark für WohlMigkeiisanstalten. 2000 Mark Nr das kl. Waisenhaus. Don Herrn Georg Leichtentritt 2000 Mark für die Armenkommifsion. Von Herrn Kommerzienrat Julius Cassirer 1000 Mark kür das Hokvital. Don den Ebelenten David Blau 2000 Mark zur Grabpfleae. Von Herrn Albert, Kirschstein 70 000 Mark zur Errichtung einer Georg-Kirschstein-Stiftuna. Nr indische Studenten. Von Herrn Kommerzienrat Julius Cassirer 5000 Mark an das Krankenhaus Nr indische Lungenkranke. Von Herrn Rabbiner Dr. G a l l i n e r 200 Mark zur Kavitalserböhun-g der Dr.-Hol^man-Stiftung. Von .Herrn Sanitätsrat Dr. Hermann Hirfebbero 5000 Mark zur Kin-dern>oMab.rtsvsleae und ärztliches Jnffrurnentarmin und Bücher Nr einen nnbemittelten Arzt. Von Herrn Egon S. Fürstenberg 12 000 Mark für die Alterversorgunabanstalt.' Von Herrn Bertbold Naumann ^0 000 Mark zur. Erhöhung der Juliil§-Neumnna-Schillerstistuna. Van Herrn Carl Kallmänn 2000 Mark rur Verstärkung der K(>.rbuN'd-Emma-Kall'Mann-Stifhrno. Aus dem Nachlaß des Herrn Geheimen Sanitätsrattz Dr. Ludwig Vlotk^ 300 Mark Nr die Alterversoranngsanstalt an hie Emil- und- Clara - V in c us -l^ti kti ina. 300 Mark an die ArmenkomMission für die -Wbert-Vinens-Stiftnna. - Herr Emil V i n c it a referiert sodann über die Vorlage betr. An h wart des Gemeindevorstandes auf Resolutionen und Jnitiativanträae der Revräsentantenversammlung und spricht daher, einige Wünsche ans. Ueber die Einführung geordneter Gemeindeseelsorge.teilt von seiten des Vorstandes Herr Kommerzienrat E i s n e r mi-t. daß -ein Weg ürr Besserung der Derbältnifse sich finden werde, sobald Herr Rabbiner Dr. Baeck in Berlin sein wird. — Bm dem Pünkt „Verwendung des KranVenhgusgrrmdstückes" bittet.Herr Sanitätsrat Dr, Sfe int ha l, dort eine Kapelle zur Abhaltung von Tranerfeiern errichten zu lassen, damit es den Gemeindemitgliedern möglich wird, den Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Es wäre vielen nicht möglich, den. Weg nach Weißenkee einzuMa-gen. Auf diesem Grundstück wird auch die Errichtung eines Jüdischen Waisenhauses gevlant. Herr Dr. Ginsb erg bittet, die Arbeiten der Bau kommt si-ion zu. beschleunigen, damit die jüdischen Handwerker hier Beschäftigung finden. Diese hätten durch den Krieg sehr gelitten. Die Gemeinde müsse dafür sorgen, daß diese Stände, wenn der Krieg vorüber ist, möglichst bald Gelegenheit haben, ihr Brot zu finden. und zwar unter .geregetteren Verhältnissen als vor dem Kriege. — Es folgt die Vorlage betr. Ersatzwahlen für di>e Repräsentantenversammlung. Der Vorstand hat im Einklang mit der gemischten Deputation beschlossen, eine Ersatzwahl füx den Rest der Wahlperiode der Ausgeschiedenen stattsirlden zu lassen , undden Wahltermin auf den 2. Juli d. I. anAuberaumen. Herr Dr. Levy, R'eferent in dieser Angelegenheit, bittet gleichlautend zu beschließen. Nach''längeren Verhandlungen, über die wir in. unserer nächsten Nummer eingehend berichtenwerden/ wird beschlossen, die Ersatzwahl für die ausgeschiedenen Repräsentanten erst im Herbst dieses Jahres stattsinden zu lassen. Der Vorsitzende spricht sodann den au sge schiede neu Vorstehern Herren Justizrat Breslau.er und Geheimrat Pieck den herzlichsten' Dank für ihre treue Arbeit aus. — Hierauf erfolgt-die -feierliche Amtseinführuna und Verpflichtnna der zu Vorstandsmitgliedern wiedergewählten Herren Sanitätsrat Dr. Wilhelm Fe i/lchenfeld Kommerzienrat Dr. Jur. h. c. Carl L. Netter und Geheimen Sanitätsrat Dr. Julius Stern sowie der nengewählten Vorstandsmitglieder Amtsgerichtsrat Wolfs und Königlicher Baurat Bernhard Marc ns e. Direktor Minden drücht seine Befriedigung darüber-aus. die seit Jahren in ihren Aemtern bewährten Herren Dr. Feilchenfeld. Dr. Netter und Dr. Stern wieder als Mitglieder der höchsten Gemeindebehörde begrüßen zu können, und äußert seine Freude darüber, hast in tat beiden neugewählten- Herren . Vertreter ' des durch keine Pflichttreue berühmten preußischen Beamtenstandes als Mitarbeiter kür die Gemeindeverwaltung gewonnen sind. — Bei Punkt 9: „Verschiedene Dorfraaen für die Revision des Gemeindestatuts" -kolat eine lebhafte Debatte. Man einigt sieb auf folgende Resolution: „Die Revräsentantenversammlung wolle beschließen, den Vorstand zu ersuchen, der Repräsentantenverkammluna mit möglichster Beschleunigung den Entivurf eines revidierten Gemeindestatuts zur Beratung und Beschlußfassung vorzulegen. — Herr Siegfried Sachs gibt einen übersichtlichen, vortrefflich au-sgea-rbeiteten Bericht über den Rechnungsschluß 'der Hauvtverwaltung. Herr Benas Le vv spricht ihm hierfür den Dank der Versammlung aus. — Dem Verband der Deutschen Juden wird für die Besoldung von neuen Hilfsrabbinern im Felde vom 1. Januar d. I. ein monatlicher Betrag von 405.92 Mark, der Jüdischen Brüdergemeinde Neukölln für die Zeit vom 1. Januar 1917 bis 31. März 1918 in Höhe von 10000 Mark, der Jüdischen Reliaionsaemeinde Charlottenburg die bisberiao Subvention bis zum 30. S-evtern'ber d. I. in Höbe von 5750 M. bewilligt, falls jedoch der Verkauf des Grundstückes früher er folgt, nur bis zu diesem Zeitpunkt. Danrit schließt die öffentliche Sitzung. BeErt, 23. April. Der Jüdisch-liberale I u g e n d- Verein zu Berlin sendet uns den Mrickt über feine Tätigkeit im Jahre 1917/18. Ueber diesen Zeitraum sind in diesen Blättern bereits zwei Berichte veröffentlicht. Außer den in diesen Berichten erwähnten Vorträgen hat der „Jli" noch folgende Veranstaltungen gehabt: Am 20, März 1917 sprach Herr Hirschfeld über: „Die Vesiach-Haggadah und ihr Bilderschmuck", am 24. Avril Herr Rabbiner Dr. H o ch f e l d. über: „Die Bedeutung der hebräischen Sprache für Gottesdienst und Unterricht", am 5. Juni Herr Hirsch selb über: „Wraham Geiger", am 7. Januar 1918 Herr Abraham über: „Neuer Kamps um den israelitischen Provbetisrnus." Am 23. Januar referierte Herr Hirsckneld über seine Thesen zum Verbandsthema: „Wie gewinnen wir die schulentlassene Jugend?" Am 19. Februar sprach Herr Rabbiner Dr. Lewkowih über: „Die Grundsätze des iüdisch^religiösen Liberalismus." Während die im Jahre 1917 veranstalteten Zusammenkünfte nur schwach besucht waren, hob sich die Zahl der Teilnehmer im zweiten Halbjahr bedentend/obgleich es noch, immer sehr viel Mitglieder gibt, die sich nur selten oder gar nicht bei uns sehen lassen. Der Vortrag des Herrn Dr. Lewkowitz erregte so lebhaftes Interesse, daß wir beschlossen haben, ihn drucken zu lassen. Seit dem 15. Januar d. I. hält Herr Hirschfeld in jeder Woche, in welcher keine größere Ver- , anstaltung stattfindet, einen Bibelkursus über das Thema: „Der geschichtliche Wert der Bibel." Herr Rechtsanwalt Stern hat uns in