Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-26 · Heft 17 (26.4.1918) · p. Seite 204

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 17 (26.4.1918)
Date
1918-04-26
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3229339-3229356--73962-3286433
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

■ - -■ ' ' ... . *. «3.?;-- * v ' worden. Der Sklave, schlug •. Schritte erschallten, eine schmäle^ Lucke! wurde frei und .ein. Schwert. wurde -vorgeschoben.,? £ •.* f h_ -i ■£ c; Ü f: „Ben Pinchas^ MtzFek Heräbgekässen^Ünb das Tor' in Halber' Breite geöffnet. Beim Licht der Fackel sah Amram ein hohe gewölbte Halle mit reichgeschmtzten Seitengalerien und silbernen Inschriften an den gemalten Wänden. - Ein alter Mann beugte sich tief vor ihm: „Gesegnet sei dein Eingang, o Amram, Sohn des Pinchas", grüßte er. „Der Ewige Möge deine Schritte segnen und dich begnaden, wie du mich begnadet hast." Amram war beim Anblick des Mannes aufgefahren, doch die jähe Regung schwand in derselben Sekunde. Aber in seine Augen war etwas Neues, Funkelndes gekommen; sie glühten seltsam im Dämmer, phosphoreszierend und verschlingend. Der Alte war ein Mann von ungefähr sechzig Jahren. Seine Gestalt erreichte, kaum die Mittelgröße, sein Antlitz war edel, bartgeschmückt,. die Augen waren von starken Brauen beschattet. Er hchte Eindruck gemacht, wenn seine Mundwinkel nicht jenen eigensüchtigen Zug ausgewiesen, der sich bei grausamen oder geizigen Menschen vorsindet. ' ,-Friede mit dir, Abilkajin, Sohn-des Birha", entgegnete der Hauptmann, starren und leergewordenen Auges. Der Alte klatschte mit den Händen und ein Diener eilte herbei, der Amram Schwert und Helm abnahm; ein anderer' bemächtigte sich des Mantels und wusch Amrams Füße itt duftender Flüssigkeit, dann brachte er neue, nie zuvor benutzte Kleider. Abilkajin hatte sich entfernt und war bald zurückgekehrt, prächtiger als züvor gekleidet. Sein Haupt war mit einem sidvliischen Schleier umhüllt, darauf silberne Zeichen eingewebt waren. Er trug eine römische Toga aus grauer chinesischer Seide, seine Füße staken in geflochtenen Sandalen-. Um den Leib trug er ein grünes Tuch geschlungen, aus dessen Falten ein schmaler, krummer Dolch hervorsah. Er winkte seinem Gast und begann vorauszuschreiten durch eine schier endlose Reihe von Gemächern, deren eines das andere an Pracht und erlesenem Geschmack übertraf. In den Winkeln lagen, scheinbar achtlos, die Kostbarkeiten einer Welt gehäuft. Sie gingen durch Säle, die taghell beleuchtet waren, obgleich es Nacht war und man die Quelle des. flutenden Lichtes nicht sah; gingen durch Räume, wo zierliche Springbrunnen sangen und ein gewölbter, künstlicher Himmel, besetzt mit feurigen, kreisenden Sternen, blühende und dustvolle Gewächse beschien; gingen immer weiter in.der unheimlichen Stille, stiegen Treppen hinab, Treppen heraus; gingen durch langgedehnte Säulengänge, deren Rundgang in Erz schimmerte, und saßen auf Stühlen, die lautlos in die Tiefe fuhren; schlossen die Augen, geblendet von einem Roten, das Gold zu sein schien;-stiegen, gingen, fuhren hinab, kamen nach oben, bis sie auf einmal tiefe Finsternis umgab. Und als es sich mählich hellte, befand sich Amram in der Halle, von wo er ausgegangen war. Auf einem niedrigen Schemel saß Abilkajin und sah ihm forschend ins Gesicht. Amram glaubte aus einem Traum zu erwachen, zugleich war er sich deutlich des Erlebten' bewußt. Abilkajin winkte einladend und Amram setzte sich auf ein Polster vor dem runden Tischchen. Nun trugen die Diener auf Silberplatten und in Goldgefäßen Spellen herbei. Amram glaubte seinen Augen nicht trauen zu würfen: Da war alles, was sonst in Friedenszeiten eines reichen Mannes Tafel zierte: duftiges Brot, zartes Lammfleisch, mancherlei Geflügel in verschieden^ licher Zubereitung, topasfarbiger Wein, galiläischer Honig, indische Gewürze, frisches Obst und schäumende Milch.sowie zahlreiche Beilagen, die er kaum dein Namen nach kannte und die man aus geheimnisvollen Ländern bezog. In der Stadt war seit Wochen kaum ein Bisse» Brot zu Haben.-War Amram doch erst vor kurzem Zeuge gewesen, wie zwei Fdumäer sich um den Preis eines kümmerlichen Kleien- - brotes auf Leben und Tod gefordert Hatten. Und er sah im Geiste denSieger, dertrnMeNen'Aügesöas'GeLäckverschlang. und. sah.den Todwunden, der, noch im Sterben seines Hungers nicht kedig, seinen brechenden Blick auf den Efserkdvn gerichtet hielt. . Amram, geschwächt durch wochenlange Entbehrungen, aß mit verhaltener Gier und unersättlichem Verlangen; er trank dazu viele Krüge gemischten Weines und schlang die Früchte hinab. Und er fühlte, wie ein Strom von Leben seine. Adern durchfloß und wie seine alte Kraft zurückkehrte. . Abillajin aß nur wenig und. sah sinnend auf seinen Gast. .. ... ■ * Die Maultiere standen gesattelt und mit verschnürten Ballen beladen, die das tragbare Vermögen- Abilkajins bärgen. Dieser ging unruhevoll durch die schimmernden Gemächer, die, nun ihres Schmuckes beraubt, von entgeisterter Oede erfüllt waren. In den Winkeln grinste die Leere und die Farben der Wandteppiche schienen verblaßt und trauernd. Wohin. er sich auch wandte, die Erregung verließ ihn nicht; sie lauerte überall und ängstigte sein Herz. (Fortsetzung folgt.) Litrrarilchr Mitteilungen. Was ei ni g t d i e Konse sf i onen? Vorträge von Walther Nithack-Stahn, Pfarrer an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin, und Prof. Dr. Hermann Cohen, Geheimer Regierungsrat in Berlin. Gehalten am 9. Juni 1917. Hutten- Verlag G. m. b. H., Berlin SW 11. Selbst auf, die Gefahr hin, eine zweite Besprechung! dieser wichtigen und 'inhaltreichen Schrift zu geben, weise ich auf die Veröffentlichung hin, weil sie gew-issermaßen das Vermächtnis unseres bedeutenden Lehrers und Meisters; enthäilt. Seine in diesem Büchlein mit der eines christlichen Theologen vereinigte Rede ist schon dadurch bedeutsam, daß sie in einem nicht jüdischen, allerdings viele jüdische Elemente enthaltenden Vereine gehalten worden ist, bedeutsamer jedoch durch ihren Inhalt. Cohen fordert zunächst, -daß die K-onverrit-en in Zukunft nicht vor den Bekenntnistreuen bei staatlichen Stellen bevorzugt werden, daß die Konversion überhaupt von der evangelischen Landeskirche verschmäht würde, so lange, -als der . Staat die Bekehrung belohne. Er eifert gegen den -immer stärker werdenden' Materialismus, verlangt wahrhafte Toleranz pnd.Aufklärung, deren Wesen und Geschichte er in sehr -schöner Weise darlegt, besonders ausführlich eingehend -aus einen Dialog des Nieolaus v. Eues, eines Philosophen des 15; Jahrhunderts, und auf einen französischen Philosophen des 16. Jahrhunderts, Jean Bodin. Als einigendes Moment der Religionen gibt er die Nächstenliebe an und -den Verzicht aus -den Anspruch auf isolierte Absolutheit. Er schließt mit einem warmen Appell zur Treue und zur Einigkeit. Wie eine Mahnung aus dem Grabe tönt dieser warmherzige Aufruf, in - dem der Redner sich -und seinen Hörern die mesfiänische Zeit ausmalt, die in einer Verschwisterung vonAufklärung und Toleranz bestehe, durch welche -wahrhafte.Humanität erzeugt werde, Es sind schöne, kräftige Worte, die geeignet find, -das lichtvolle Wesen 'des Philosophen darzulogen und ihn als. Verkünder! wahrhaften Friedens hinzustellen. ' ' L. G. Mcherrmlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurückfendung der Bücher findet in keinem Falle statt. D. H.'G. Romansammlung, zeitgenvsiischer Schriftstellers Die Ausgewiesenen. Roman in Bildern aus dem Kriegsjahr 1914/15 von Clara Schott. .Deutsche Handelsgesellschaft Schleppegrell u.- Co. (Inh. Max Schleppegrell), Abt. Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1916. Aus Oesterreichs Vergangenheit. Quellenbücher zur österreichischen Geschichte, Nr. 7.. „Denken und Fühlen im Vormärz." Von Prof. Dr. Alfred Kleinberg, Teschen i. Schl. Schülwissenschaftlicher Verlag A. Haase, Leipzig, Prag, Annahos, Wien.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.