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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-26 · Heft 17 (26.4.1918) · p. Seite 203

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 17 (26.4.1918)
Date
1918-04-26
Page
Seite 203 (sequence 11)
Language
German
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——- 203 Schwierigkeiten des Krieges.. Bei der Veamtenlaufbahn z. B. hat sich ergeben, daß. eine. Reihe von Behörden, darunter die meisten MerpoMEWnetz, während des Krieges Anwärter, für.die Beanrtenkaufbahn Äberhaupt . prinzipi ell nicht. emstellt. Wir konnten daher hier nur unsere zrckünsti-ge Arbeit vordereiten>. Wir haben ein besonderes Blatt für die Kriegsteilnehmer herausgegeben, in welchem wiv auf die Bedeutung Der Kapitülantenlaüfbahin hin» rveisen. Wir haben uns weiter bemüht, die vorhandenen jüdischen mittleren Beamten ausfindig zu machen und sie zu veranlassen, sich unZ. mit ihrem Rat und ihren Erfahrungen zur Verfügung zu stellen. Auf dem Gebiete der Landwirtschaft und des Gartenbaus gehen uns in größerer Zahl Meldungen von jungen Leuten zu, die Lehrstellen, namentlich aus Landgütern, suchen. Die Beschaffung solcher Stellen ist jedoch ungeheuer schwer. Die Zahl der jüdischen Gutsbesitzer, die sich uns zur Aufnahme von Lehrlingen zur Verfügung gestellt haben, ist verschwindend gering. Auch eine Aufforderung in der Zeitschrift „Im Deutschen Reich", uns Lehrstellen bei jüdischen oder christlichen Gutsbesitzern nachzuweisen, ist völlig erfolglos geblieben. Es ist jedoch zu hoffen, daß auch hier nach dem Kriege die Verhältnisse sich bessern werden. Der. von vielen Seiten als wichtig bezeichneten Frage einer Zuführung der Viehhändler, deren Geschäftsbetrieb auf absehbare Zeit lahmgelegt ist, zur Viehzucht und zum Ackerbau haben wir weiter ernste Beachtung geschenkt. Im Regierungsbezirk Aachen ist zu diesem Zweck von den Beteiligten unter Leitung des dortigen Rabbiners D.r. Jaulus ein besonderer Verein gegründet, der für seine Zlvecke bereits ein Kapital von 53 000 Mark zusammengebracht hat. Gegenstand unserer Erörterungen war ferner der in den Kreiseudes Zentralvereins ziemlich verschieden beurteilte Plan der Gründung einer jüdischen Gartenstadt bei Berlin. Der Zuführung der deutschen Juden zu landwirtschaftlicher Nebenbetätigung neben ihrem bisherigen Beruf dient ein uns von Herrn Geheimem Baurat Fraenkel vorgelegter Plan einer großen Organisation, für den demnächst die Mitarbeit des Zentralvereins in An» spruch genommen werden soll. Der Frage der Berufswahl für sabbattreue Juden schenken wir weiter besondere Beachtung. Wir arbeiten hier mit dem Verein der Sabbatfreunde und anderen Organisationen zusammen. Besonderen Schwierigkeiten begegnet wiederum unter den Kriegsverhältnissen die Durchführung unseres Planes, systematisch an die Jugend und ihre Eltern vor dem Abgang aus der Schule heranzutreten. In Berlin sind wir zu diesem Zweck mit der Vereinigung Jüdischer Schulmänner und dem Schulvorstand der Jüdischen Gemeinde in Verbindung getreten und hoffen, nachdem zu Michaelis 1917 bereits ein Versuch in kleinerem Umfange gemacht ist, zu Ostern 1918 wenigstens alle von den Gemeindeschulen abgehenden Schüler und Schülerinnen zur Ausfüllung unseres Fragebogens zu veranlassen und sie mit der dortigen Beratungsstelle in Verbindung bringen zu können. Die Angliederung der Hauptstelle an den Zentralverein hat sich in der vorliegenden Form durchaus bewährt. Der Zentralverein hat durch die. Berufsberatung ein neues Betätigrwgsfeld und neue Anregung für feine Ortsgruppen bekommen. Bei jeder Gelegenheit hat die Hauptstelle auf ihre Angliederung an den Zentralverein und auf die finanzielle und moralische Unterstützung durch den Verein, hingewiesen und auf diese Weise, namentlich auch bei der obenerwähnten Verschickung von Stadtkindern aufs Land, Propaganda.für den.Zentralverein gemacht. Anderseits hat es -sich auch praktisch bewährt, daß die Hauptstelle dem Zentralverein nur angegljedert und nicht mit ihm verschmolzen ist. Auf diese Weise war es möglich, auch Persönlichkeiten heranzuziehen, die sonst dem Zentralverein fernstehen, 'deren. Mitarbeit, über im Interesse der Sache, die doch schließlich über dem Vereinsinteresse stehen muß, nicht entbehrt werden kann. Die örtlichen Stellen mutzten schon im Kosteninteresse selbständig gestaltet werden, sie sind nach den mit den großen jüdischen Verbänden vereinbarten Richtlinien an den einzelnen . Orten im Zusammenwirken mit diesen begründet. Auf diese Weise läßt sich auch rechtfertigen, daß wir prinzipiell verlangt haben, daß die örtlichen Kosten am Orte selbst aufgebracht werden müssen. . Es dürfte sich, empfehlen, jedenfalls während des Krieges an diesem Organisationsprinzip festzuhalten. gez. Dr. B a um. Vir Macht aus Jerusalem. Von Jakob Ftngermann.' fahle Dämmerung war herabgesunken. Im Tale ' flammten die Feuer auf und der heiße Wind trieb graue Rauchschwaden -über, die Stadt. Da und dort, an den entlegenen Punkten, hatte der Ansturm aufgehört. Die Kämpfer lagen ermattet hinter schützenden Vorwerken und es begann still zu werden. Vom Essener-Tor brüllte noch der Kampflärm herüber. Man vernahm das Anprallen der römischen Geschosse und es dröhnte von den gewaltigen Mauerbrechern, die unausgesetzt ihr tödliches Werk verrichteten. „Es geht zu Ende mit uns!" brummte ein riesiger Mann, der lang ausgestreckt im Schatten einer Mauernische lag. „Es geht zu Ende! Man wird uns erwürgen, wie der Geier die Taube erwürgt." Er lachte schmetternd. Dieses Lachen war voll Hohn und stach seltsam von dem brütenden Ernst der anderen ab. „Meinst du?" fragte nach einer Weile der Hauptmann, indem er sein Schwert im hellen Mond aufleuchten ließ. „So gewiß ich Metullam ben Thera heiße, Herr", grollte der Riese, „so gewiß ist unsere heilige Stadt binnen einer Woche römisch" Der Hauptmann war aufgestanden und nünkte seinem Sklaven, der eilfertig hinzusprang, die schwelende Fackel in der Rechten. Der Hauptmann flüsterte ihm einige Worte ins Ohr. Ein Zittern durchrann des Sklaven Leib, dann schritt er gehorsam voran. Er bog in eine Seitenstraße ein«. Ueber Leichen, Trümmer, zerborstene Mauern ging sein Weg. Sein Herr ging hinter ihm, «den Leib in einen weiten Mantel gehüllt, das Antlitz verborgen. Nur der eherne Helm warf Blitze im rotglühenden Schein der Fackel, die der Sklave sorglich hochhielt. Eben prasselte ein, Hagel brennender Pfeile auf hie Verteidiger nieder. Hunderte fielen, doch Hunderte standen, wie aus der Erde gestampft, Muter den Gefallenen auf und trieben die Feinde zu Paaren. Die Luft gellte vom Geheul des Kampfes, Hörner schmetterten wilde Signale, Schilde krachten, Schwerter schlugen hämmernd aufeinander und es roch nach Oel und Blut. Amram betrat die Zinne und blickte hinab auf die stürmenden Legionen. Sein Blick war voll Nacht, er hielt die Stirn gesenkt und mit der Faust umspannte er krampfhaft den Knauf des Schwertes. „Herr, o Herr", drängte der Sklave, „so komm' doch! Sieh, wie sie die Wege versperren. O Herr!" Es war vollends finster geworden. Die gewaltigen Mauerbrecher standen plötzlich still, wie versteinert. In ihrer Regungslosigkeit aber lag eine Drohung auf morgen und es schien wie ein Atemholen zu erneutem Morden. Die erschöpften Verteidiger ruhten entkräftet und betäubt von den unsäglichen Qualen des Hungers und des fürchterlichen Kampfes. Man hatte in den letzten Tagen nur noch ein winziges Maß Getreide aus den Opfervorräten des Tempels erhalten; im übrigen lebte man vom Abfall der Straße, auch Leder und Stroh wurden nicht verschmäht. In den Zisternen war kein Naß, und es mangelte an Oel. und Wein. Amrams Herz schlug heftig und schmerzlich, indem er all dies überdachte. In der Oberstadt blieb der Sklave vor einem vornehmen Hause stehen. Die massiven, eisernen Tore waren geschlossen; an einer dünnen Kette hing eine kunstvolle Ampel herab, ohne zu brennen, denn das Oel war von Hungernden gestohlen

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