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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-26 · Heft 17 (26.4.1918) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 17 (26.4.1918)
Date
1918-04-26
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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Auf diesen Riesenzuwachs sowohl an Wert wie' an Zahl erfolgte ÄNA wenn auch kleinere, so -och ebenfalls sehr be» beuterche Vermehrung durch die am 16. September 1905 erfolgte Schenkung der Freifrau v. Rothschild. Damit wurde die Hehraica- und Judaica-Sammlung der Frankfurter Stadtbibliothek die vvllständigste des Kontinents. Die Zahl der im Besitz der Frankfurter StadMbliothek befindlichen Inkunabeln stieg nunmehr auf 57. Die Jostsche Bibliothek enthält 870 Bände, diejenige vonBrüll 5250. von Berliner 3200 Bände, und die Genisa-Fragmente, die bis zum Jahre 1000 Mirückgehen, bestehen aus 4300 Stück., Die Rothschildsche Bücherei hat eine» Umfang von 3030 Bänden, während die Merzbachiana aus ungefähr 6000 Bänden besteht. Ein Gang durch die Sammlungen läßt uns einige der herrlichen Bücher in ihren vorzüglichen Lettern, ihrer tiefschwarzen Färbe und ihren reichen, bunten Initialen neu und frisch, als hätten sie soeben die Presse verlassen, bewundern. Und dabei sind das doch Werke, die 1477, 1484,1486 und 1491 gedruckt sind. Sie haben ihren Weg aus Italien, Spanien, der Türkei, den Balkanschaben, Sesterreich, der Schweiz und Dänemark nach - Frankfurt a. M. gesunden. Aber auch aus Frankfurt selbst finden wir ein schon 1512 gedrucktes Buch: Thomas Murner, Religionsvorschristen für Ostern, ein Buch aus Heddernheim aus dem Jahre 1546, Bußgebete, gedruckt bei Chajim Schwarz. Dann gelangen wir zu den langen Reihen der modern-jüdischen Literatur, zu den endlosen Jahrgängen der jüdischen Zeitschriften von der karäischen bis zur zionistischen Literatur. Wahrlich einen Hauch der Ewigkeit verspürt man hier, wo die hervorragendsten Geister des Judentums, von seinen frühesten Anfängen bis zur Jetztzeit, auf uns herniederblicken und ihre Weisheit verkünden. . . Der Bewahrer und Ordner all dieser Schätze ist nicht nur ein mit hervorragendem Organisationstalent begabter Bibliothekar, sondern auch einer der hervorragendsten Kenner der gesamten hebräischen und jüdischen Literatur. Wo irgendwo in der Welt uralte jüdische Handschriften stecken, er weiß es, kennt ihren Inhalt und sucht sie für Frankfurt zu erwerben. Ihm ist nicht nur so obenhin bekannt, was in all den hier aufgespeicherten Büchern enthalten ist, sondern er hat den größten Teil dieser Werke fast lückenlos im Kopfe und feine mannigfachen jndisch-wisfenschaMchen Arbeiten genießen in Fachkreisen größte ^Wertschätzung. Dieser Aufsatz Wer die Frankfurter Hebraica und Judaica wäre unvollständig, wenn wir ihren Bibliothekar nicht, nennen würden: eS ist Herr Dr. Aron Freinrann. L. M. Line drutlchr Tondichterm. Don Netz ler- Cohn. ar das 19. Jahrhundert das Jahrhundert des Kindes, so darf man das 20. Jahrhundert, in welchem der Weltkrieg den breitesten Raum in der Geschichte aller Zeiten einnehmen wird, das Jahrhundert des Krieges und —der Frau nennen. Ja, neben dem Weltkriege ist die Wirksamkeit, die Befähigung für alle bisher dem Manne allein zugesprochenen Betätigungen auf vielen Gebieten des Lebens zur Domäne der Frau übergegangen. Zuerst geschah es „der Not gehorchend" — dann, als sich herausstellte, daß die Frauen nicht nur 'wandlungsmäßig im Wesen und der Sinnesart — nein, auch im Arbeiten sind, daß ihnen bisher verschlossene Arbeitsgebiete zu eigen gegeben wurden. Sie, d. h. die verschiedenen Gebiete der weiblichen Mitarbeit und des Alleinschafsens, hier aufzuzählen, gebricht es nicht nur an Raum, sondern erübrigt sich; wir wissen es alle nur gl gut, wie die Frauen überall den fehlenden Mann zu ersetzen bestrebt sind wie opferfähig und geschickt sie sich erwiesen haben!. . Auch in der Kunst leisten Frauen Anerkennenswertes; und viele haben sich auch aus diesem Felde Erfolg zu verzeichnen. Die Leitung dieses Blattes, von der richtigen Erkenntnis ausgehend: Ehre, wem Ehre gebührt, läßt es sich angelegen sein, das Wirken und Können von Frauen, welche sich in der Oessentlichkeit Verdienste erworben, hier zu registrieren. Fräickein Amalie Felsenthal, geboren zu Iserlohn im Dezember 1841, hat jetzt demnach ein Alter von 76 Jahren erreicht. Sie ist als Kinderliederdichterin und Komponistin nicht nur seit Jahrzehnten in Englands Schulen eingesührt, sondern auch in Deutschland; namentlich jedoch in ihrer Weiten Vaterstadt Leipzig ist sie in Schulen, Kinderhorten, Fröbelschen Kindergärten und in Familien überall geschätzt und rühnstichst bekannt geworden. Dr. Hermann Kletke schreibt ihr seinen Dank in den . wärmsten Ausdrücken für die Zusendung von Opus -9, zweite Folge ihrer Lieder. Fräulein Felsenthal vertonte sechs Lieder von ihm. Er sandte ihr als Gegengeschenk sein Schumann-Album, das ihm der Meister selbst mit Widmung und dem Bilde Kletkes hatte zugehen lassen. Bekanntlich vertonte Robert Schumann Kletkes berühmtes- Kinderlied „Der Sandmann". Am 26. September 1883 sandte Kletke aus Bad Lqndeck ihr das Schumann-Album mit seiner eigenen Widmung und schrieb dazu wehmütig: . . . . Wir Kind erliederdichter werden ja eigentlich nicht zu den Dichtern gezählt,.. . . jedenfalls sind Ihre reizenden Gedichtchen und die schöne Vertonung dazu das Beste auf diesem Gebiete, das mir je zu Gesicht gekommen" . . . Ein Lehrer in Wertheim a. Rh. fragt beim Verlag Raim u n d G e r h a r b in Leipzig an, ob er nicht noch wenigstens ein Exemplar des Kinderalbums Opus 8 von Fräulein Felsenthal erhalten könne. Trotz aller Mühe habe er keines mehr auftreiben können. So was Gutes, Zweckentsprechendes zum Unterricht in der Schule und im Hause gäbe es nicht zum zweiten Male! — Hätte der Verlag nichts mehr, dann bäte er um Angabe der Adresse der Tondichterin. — Unsere Tondichterin lebte lange in England, wo sie an einem Institut unterrichtete. Die berühmte Musikverlags, sirma I. Cur wen & So n s in London hat Fräulein Felsenthals fünfzig Kinderlieber bereits in zwei Auflagen erscheinen lassen. „Old Nation Edition Dorothys Songs. A Collection ok Songs kor use in Kindergardens and för young children in the Words original by Cate T. Sizer. The music by Amalie Felsenthal, London", hat sich bereits in den meisten englischen Schulen und vielen Familien eingebürgert. Auch in Berliner Familien besitzen diese vertonten Kinderlieber viele kleine und große Freunde. Die Tondichterin widmete ihr Opus 9 Frau Dr. Henriette Goldschmidt, der weit über Leipzigs Mauern hochverehrten Frauenrechtlerin und Begründerin der Frauenuniversität in Leipzig. Frau Dr. Goldschmidt besuchte Fräulein, Felsenthal vor mehreren Jahren in Lichterfelde, wo die Dichterin im Israelitischen Lehrerinnenheim ihren Lebensabend verbringt. Leider ist sie seit einem Vierteljahr ans Bett gefesselt. Der Krieg und dessen Konsequenzen haben es verschuldet. Unter den fünfzig von ihr vertonten Liedern befinden sich neben einer Anzahl eigener Kinderlieder solche von L. Fürst, Staub, G. Ch. Dressenbach, Hosfmannvon Fallersleben, Egenter, I. I. Babler, Enslin, Kletke. „Reiterlied",. „Der Reitersmann", „Die Sonne sank" von Hoffmann von Fallersleben (?), „Kindertanz" von Fürst u. a. haben herzige Melodien. Die „Leipziger Jllustierte Zeitung" von 1890, die „Deutsche Musikzeitung", „The Musical Herald", Januar 1890, widmen Fräulein Felsenthals Kinderliederalbum längere Besprechungen, in denen sie den echt kindlichen, herzerquickenden Ton der Dichterin und deren hübsche Vertonung rühmend her-

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