Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1918)
- Date
- 1918-04-26
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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200 War die weise Hat sie sich zu ihrer heuttgen' üöervagsndssi Bedeutung emporgeschwungen - Den ersten Grund zu ihr legte derchereits 1704 verstorbene Sprachforscher Hiob- Ludolf, indem er der Sta-dkden größten Teil seines orientalistischen,zahlreiche Bibelausgaben' und grammatische Schriften enthaltenden,, Büchersammlung vermachte. Nach mehr als, hundert Jahren, im Jahre 1822, kamen durch den Ansall der Klosterbibliotheken auch wertvolle Bücher anderer Gattung zur Stadtbibliothek, wie Ausgaben der Mischna, des Talmud und selbst Gebetsammlungen, die wohl durch Konfiskationen ihren Weg in jene gefunden haben mochten. Weiteren beträchtlichen Zuwachs brachten dann zwei größere Schenkungen: die eiüe erhielt die Stadtbibliothek aus dem Nachlasse des 1860 verstorbenen Lehrers des Philanthrvpiuums, Dr. Isaak Marcus Jost; die andere stiftete im Jahre 1867 Justizrat' Dr S, Fuld zum Gedächtnis seiner Eltern, des hervorragenden Talmudgelehrten Aron Moses Fuld (geft1847) und dessen 1862 verstorbener Gattin Schönchen Fuld, geh. Zostsche Schenkung durch ihren Reichtum an Schriften zur jüdischen-Literatur und Geschichte, insbesondere zur Geschichte der Jttdenemanzipation uüd zur Reformbewegung im Judentüme, ' die Fuldsche aber durch ihre Bestände an Werken der rabbinischen und namentlich' der Talmudliteratur hervorragend, so wurde die Sammlung der Hebraica und Judaica im Jahre l 893 durch den Ankauf der Bibliothek des 1891 verstorbenen Rabbiners Dr. Nehemias Brüll, wozu die Frankfurter Israelitische Gemeinde wie auch, auf Anregung des Herrn Heinrich Emden, eine Anzahl Privater erhebliche Beträge beigesteuert hatten, weiter abgerundet und damit zu einer Sammlung höheren Stils erhoben. ' Denn die Brüllsche Bibliothek enthält nicht nur eine große Anzahl bemerkenswerter jüdisch-deutscher Schriften, sondern sie erstreckt sich überhaupt' auf alle Wissensgebiete der hebräischen und jüdischen Literatur. Nun erst war die Sammlung eines systematischen Ausbaues würdig und sie erhielt diesen teils durch regelmäßige umfassende Anschaffungen sowohl von Neuheiten wie von älteren Drucken aus den Mitteln des laufenden Bibliotheketats, teils durch den im .Jahre 1899 erfolgten Hinzutritt der Bibliothek des vor einigen Jahren verstorbenen bekannten Gelehrten Dr. Abraham Berliner, Dozenten am Rabbinerseminar in Berlin. Die wissenschaftliche Bedeutung dieser letzteren Büchersammlung bestand/ abgesehen von ihren sonstigen vielen Seltenheiten, vornehmlich in ihrer einzigartigen Sammlung hebräischer Gebetbücher aller Zeiten, aller Länder und Städte Mit ihren verschiedenen Riten. Die Bibliothek Berliner wurde auf Anregung des verstorbenen Rabbiners Dr. Horowitz durch opferbereite Mitbürger (Freiherr und Freifrau Wilhelm Earl v. Rothschild, W. Bonn, Ed. Cohen, Charles L. Hallgarteii, G. Speyer. Theodor Stern und einen ungenannten, Ausland lebenden Frankfurter) um eine namhafte Summe erworben und der Stadt zum Geschenk gemacht. Nachdem dann noch'.1899 durch Rabbiner Dr. Horovitz mit Unterstützung mehrerer Gönner der Anstalt eine größere Sammlung interessanter Fragmente aus der Genisa, der Esra-undderKaräer-Synagoge bei Kairo und 1900 durch ihren unermüdlichen Förderer Eh. L, Hallgarten eine solche synagogaler Musikliteratur als Änialie Lelsenthal. (Jugeridbild.) Geschenk überwiesen worden' war,/ ehhielteü die Hebräiag und Judaica der FranksurterStädtbibliothek irn Jähre 1901 eisten weiteren außerordentlich wertvollen Zuwachs durch die Wilhelm Carl v. Rothschildsche Stiftung seitens' der Freifrau Mathilde v. Rothschild, die der StadtbibliothA erstiubte, aus der Büchersammlung ihres im Januar'190 l verstorbenen Gemahls alle zur) Vervollständigung ihrer Bestände geeigneten Werke auszusuchen. Das Ergebnis dieser Auswahlwaren 23 teilweise aus Pergament gedruckte Inkunabeln und eine umfangreiche' Kollektion von Werken der Hebräistik: Bihelausgaben, Ritualien, jüdisch-deutsche Schriften, darunter viele Cimelien, alles aber in tadellosen, teilweise sogar in selten schönen Exemplaren. 1 . ’ Nun gelangen wir zu der bedeutendsten Erwerbung der Frankfurter Stadtbibliöihek auf dem Gebiete des jüdischen Schrifttums^ Im Mai 1903 konnte sie die seither in Müncheil befindliche Abraham Merzbachersche Büchersammlung ihx eigen nennen, eine Sammlung, die in chrer Bedeutung Nur noch pon ' dem Britischen Museum und der Bodleiana in Oxford übertroffen wird. Wiederum war es dem Opfersinn der Frankfurter Bürger zu danken, daß die Merzbachersche Sammlung der' Frankfurter Stadtbibliothek einverleibt werden konnte. Was den hohen Wert dieser Erwerbung ausmacht, ist eine einzigartige Sammlung von Talmuddrucken und Responsenwerken. Diese beiden Zweige sind fast erschöpfend vertreten. Einige der ersten Talmuddrucke sind die einzigen bekannten Exemplare; sie dienten dem verdienten Münchener Gelehrten, dem verstorbenen Rabinowitz, zur Bearbeitung seiner kritischen Talmudausgabe. Dieser war auch der Sammler der fast 6000 Bände umfassenden Bibliothek. Ein hervorragender Platz gebührt den 156 Handschriften, von denen etwa 20 auf Pergament geschrieben sind. Bon den mit Miniaturen versehenen Manuskripten sei hier der Maimonides- Kodex aus dem 13. Jahrhundert gemannt, der zu den besterhaltenen illuminierten Handschriften gezählt werden kann. Eine Bibelhandschrist aus dem ’ Anfang des 13. Jahrhunderts, die schon einen- Verkaufsvermerk aus dem Jahre. 1365 trägt, enthält eine ganze Reihe vorzüglich gelungener Vollbilder. Von großem historischen Werte sind die in-Mnem Manuskripte aus dem Jahre 1460 enthaltenen Mitteilungen über die Hussitenkriege. Gar manche der Handschriften sind von der Fachwelt schon verwertet worden. Wir nennen nur die kulturgeschichtlich bedeutsamen Memoiren der Glückel von Hameln, die der verstorbene Professor David Kaufmann(Budapest) nach dieser Handschrift herausgab. Von den Druckwerken sind an erster Stelle 34 Inkunabeln (Druckwerke vor dem Jahre 1500s zu nennen, so daß die Zahl der in der Frankfurter.Stadtbibliothek vorhandenen Inkunabeln jaus 53 stieg, . Wenn man erwägt, daß bis heute nur hundert hebräische Inkunabeln bekannt sind, wird man den Wert dieser Exemplare nicht hoch genug anschlagen können. Von den.weitaus meiste» Werken ist die erste Ausgabe vorhanden; so die erste Gesamtausgabe des babylonischen und jerusalemischen Talmuds, die der Patrizier Bamberg in Venedig Herstellen.ließ.- Von hohem Werte sind die fast vollständig vertretenen Wevke der Karäer. Das gleiche gilt von den Responsenwerken; sie umfassen allein 480 Nummern in ungefähr 650 Bänden.