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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-26 · Heft 17 (26.4.1918) · p. Seite 199

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 17 (26.4.1918)
Date
1918-04-26
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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109 engeren und dürftigeren Verhältnissen anders sein können? Wer bisher nur im Rabbinat die Möglichkeit seiner materiellen Versorgung sehen konnte, wird fortan im Hinblick aus die Akademie sich frei entscheiden können, ob er unter den Geisteswisserrs'chaften auch die der jüdischen Altertumswissenschaft sich zur Wähl stellen kann. 2, Dem Mangel in der jüdischen Gelehrsamkeit steht zur Seite der in der religiösen Bildung der modernen Juden. Dieser Mangel 'ist offenkundig und er richtet uns großen Schaden an, besonders im protestantischen Urteil über unsere religiöse Gesinnung. Keineswegs ist etwa der Religionsunterricht, wie er gelehrt und wie er ausgenommen wird, allein an diesem großen Uebelstande schuld. Aber es darf nicht in Abrede gestellt werden, daß ein Teil der Schuld ihm allerdings hierbei zufällt. Es genügt hier, auf die bekannte Tatsache hinzuweisen, daß die ' Notwendigkeit seiner Verbesserung allgemein empfunden wird. Die Art dieser Verbesserung ist ein schwierigesProblem, zu dessen Lösung wir hier nur von dem GesichtspunkteunsererAkademie beitragen möchten. Der unbestrittene Satz der gesamten Unterrichtslehre ist es, daß nur derjenige der richtige Lehrer sein könne, der sein Lehrfach wissenschaftlich beherrscht, und bei der zentralen Bedeutung der Religion für das gesamte Innenleben des Menschen muß es daher um so dringlicher zu fordern sein, daß der Religionslehrer an der höheren Schule mit dem ganzen Umfange der Literatur und Geschichte des Judentums vertraut sei. Dem Rabbiner allein kann es aus die Dauer bei der Fülle seiner für das Predigtamt, für die Seelsorge, für die soziale Stellung der Juden und endlich für seine wissenschaftliche Repräsentation nicht aufgebürdet werden, den wissenschaftlichen Religionsunterricht, wie er an den höheren Schulen erforderlich ist, allein zu verwalten. Nun trifft es sich, wie füreinander berechnet, daß die beiden sachlichen Interessen unserer modernen Religiosität, die Gelehrsamkeit und die allgemeine Bildung, mit den beiden technischen Interessen sich verbinden, welche selbst ihrerseits in der Akademie sich zusammenschließen. Wir haben das wichtige Moment der Besoldung in Betracht gezogen, welches die Akademie für die Berufswahl des jüdischen Studenten der Geisteswissenschaften in Aussicht stellt. Diese Besoldung kann jedoch in absehbarer Zeit keine vollkommen ausreichende sein, sofern sie nur auf die theoretische Leistung einer Forschungsarbeit bezogen bleibt. Es ist nun ober zu erwarten, daß der junge Gelehrte von der Wichtigkeit der religiösen Bildung in unserer Jugend Einsicht gewonnen habe und daß daraus das Pflichtgefühl in ihm erwacht ist, «ach unserer alten Losung das Lernen mit dem Lehren zu verbinden, um im Lehren wiederum in seiner eigenen Ent- >vicklung innerlich zu wachsen. So verbinden sich in dem jungen Pflänzling der Akademie die Wissenschaft und die Bildung zu dem einheitlichen Zwecke der Stärkung unserer Gemeinschaft.. Ebenso aber gehen auf diesem Wege auch die beiden materiellen Fragen der Besoldung zusammen. Wenn doch die Akademie selbst für den Lebensunterhalt ihrer Jünger vorerst «icht ausreichende Mittel zur Verfügung haben dürfte, so '«erden sich unter ihnen viele so bereit als geeignet finden, an die höheren Schulen der Provinz hinauszugehen, um dort den wissenschaftlichen Religionsunterricht zu übernehmen. 11 ub in jenen Städten wird es den Gemeinden oder einzelnen Perbänden der Eltern ein leichtes sein, einem solchen Aeligionslehrer ihrer Kinder in der Höhe des Akademiesoldes ein angemessenes Gehalt auszuwirken. Und durch die Summierung dieser beiden Besoldungen wird der junge jüdische belehrte für dert Beginn seiner wissenschaftlichen Wirksamkeit nnen gesicherten Lebensunterhalt erwarten dürfen, der hinter dein des öffentlichen wissenschaftlichen Oberlehrers nicht hirückstehen dürfte. Der wissenschaftliche Betrieb aber wird durch die Verbindung mit der Lehrtätigkeit in keiner Weise gefährdet. Denn diese Religionsoberlehrer werden sich ebenso in einem beständigen Ortswechsel bewegen können, wie überhaupt in einem Personenwechsel, für den die Art und der Umfang der von den einzelnen übernommenen wissenschaftlichen Aufgabewie der jeweilige Stand von deren Bearbeitung maßgebend sein wird. In dürrem Umriß haben wir hier das Bild der Akademie im Verhältnis zur Wissenschaft und zur Bildung, sowie zur Berufsstatistik zu entwerfen versucht. Möchten Sachverständnis und guter Wille diese Striche zu einem Idealbilds unserer religiösen Zukunft ausgestalten. „Zeit ist's." Dieses Psalmenwort gilt es zu beherzigen. Es darf nicht länger gesäumt werden, an der rechten Stelle, im Mittelpunkt unserer gesamten Kulturlage das Hilfswerk anzusetzen. Wir dürfen nicht ausschließlich unsere Fürsorge auf die sozialen Nöte unserer Glaubensgenossen lenken. Wir dürfen auch an unserem Geiste nicht krank und nicht siech werden. Das jüdische Herz muß stärker als bisher in Mitleid schlagen für den jüdischen Geist. Unsere Mildtätigkeit muß Großmut werden für die Erhaltung, für die Verjüngung unserer Wissenschaft, für die Verbreitung und Vertiefung des Eifers um die Erforschung unserer heiligen Literatur und unserer ehrwürdigen Geschichte in deren ganzem Kulturumsang. Ist sie doch das älteste und immer zugleich das jüngste Glied der Kulturgeschichte der Menschheit- Bevor wir dieses geistige Bollwerk unseres Fortbestandes errichtet haben, werden wir uns gegen alle Anfechtungen und Verführungen nicht ausgerüstet haben. Denn wir dürfen uns darüber nicht hinwegtäuschen, daß für den Abfall vieler von uns die Unkenntnis des Geistes des Judentums und seiner Bedeutung für uns, für die allgemeine Kultur nicht unwesentlich mitverantwortlich ist. Möge »der Stern von Jakob" über dem Unternehmen der Akademie walten! Sir hebräische undTiidischrMchrrri in der Frankfurter Stadtbidliothrd. ie Stadt Frankfurt besitzt den . Vorzug so manches Sehenswürdigen, um das andere Städte sie beneiden. Eine einzigartige, in ganz Deutschland nicht wiederzufindende Kostbavkeit aber, die selbst vielen alteingesessenen, aus ihre Vaterstadt stolzen Bürger kaum bekannt ist, ist die „Hebraica- und Judaica-Sammlung" in der Frankfurter Stadtbibliothek, das ist eine Sammlung hebräischer und das Judentum betreffender Werke. Freilich, der Fachmann schätzt diese Sammlung und wo immer in Deutschland irgendein Gelehrter oder Schriftsteller ein jüdisches oder hebräisches Buch braucht, das anderwärts gar nicht zu beschaffen ist, wendet er sich nach Frankfurt; hier muß es sein und hier ist es auch.. Denn was irgendwie für Geld zu beschaffen war, ist hier angeschafft worden. Aber das große Publikum ist schon lange nicht mehr auf diese köstlichen Schätze hingewiesen worden. Es war im Juli 1902, als gelegentlich einer Rabbinerversammlung die Bibliothekare der Frankfurter Stadtbibliothek eine kleine Ausstellung besonders sehenswerter hebräischer Werke veranstalteten. Aus der Vorrede des damals herausgegebenen Katalogs erfuhren weitere Kreise zum ersten Male etwas über die Entstehungsgeschichte dieser bemerkenswerten Sammlung. Nicht von jeher war die hebräische Abteilung der Frankfurter Stadtbibliothek besonders wertvoll, im Gegenteil, sie war lange Jahre hindurch recht klein und mittelmäßig und erst stufen-

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