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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-19 · Heft 16 (19.4.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 16 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Wirtschaftliche Verewigung Kriegsbeschäidlgter Ha nun (Wests.) sucht Anschluß an alle Vereine, die es sich zur Ausgabe machen, die Lage der in diesem Kriege verletzten Krieger zu verbessern. Wir begrüßen diesen neuen Verein um so mehr, als er sich in feirteu Gegensatz zu den Behörden stellt und seine, Ziele durch diese zu erreichen sucht, -was unseres Erachtens -die beste Gewähr bietet, -den Kriegsbeschädigten die wirtschaftliche und materielle Sicherstellung zu ermöglichen. er. Homburg v. d. Höhe, 12. April. Auf eine hundertjäh r i g e W i r k s a m k e i t kann der hiesige Israelitische Holzverein zurückblicken, der im Jahre 1818 begründet wurde, um arme jüdische Einwohner unserer Stadt mit ihrem Bedarf an Winterholz zu versehen. Die Hundertjahrfeier wurde entsprechend dem Ernste der Zeit mit einer schlichten-, aber behaglichen freier im „Hotel Braunschweig" begangen. Herr Rabbiner Dr. W r n lte r, der eigens zu diesem Zwecke aus dem Felde zur-ückgekommen' war, hielt eine inhaltsreiche Festrede; eine zweite wirkungsvolle Ansprache hielt Herr Rabbiner Dr. Horowitz aus Frankfurt a. M. In allen Reden wurde der segensreichen Tätigkeit des Holzvereins gedacht, und zahlreiche Spenden und Glückwünsche von außerhalb bewiesen, daß dem Jubilar auch außerhalb unserer Gemeinde Interesse entgegengebracht wird. Im Jubiläumsjahr 'flössen dem Verein 1200 Mark an Spenden zu; die Mitgliederbei träge beliefen sich auf 325 Mark; an Rückzahlungen wurden 5600 Mark vereinnahmt, so daß insgesamt etwa 7800 Mark zur Verfügung standen, die bis auf einen Rest von 70 Mark wieder zur Verausgabung für die satzungsgemäßen Zwecke des Vereins kamen. — Der 1886 in unserer Gemeinde begründete ,, V e r e t n z u r A u s st a t tu n g israelitischer Mädchen", der jüdischen Mädchen Beihilfen zur Aussteuer oder zur Ausbildung für einen Lebensberuf bzw. zur Begründung eines Geschäfts gewährt, besitzt ein Vermögen, von etwa 40 000 Mark. Im letzten Berichtsjahr gingen 334 Mark an Mitgliederbeiträgen und 1310 Mark an Spenden ein. — Karlsruhe i. B., 12. April. Auch im Großherzogtum Baden beschäftigten sich die Negierung und die gesetzgebenden Körperschaften mit der Frage der Reform der Ersten- Kammer. Es liegen drei Anträge vor, von denen diejenigen des Zentrums und der Nationalliberalen eine Verstärkung der Ersten Kammer um je einen Vertreter der evangelischen und« der katholischen Kirche verlangen, wogegen von sozialdemokratischer Seite für den Fall der Annahme der vorerwähnten Anträge auch eine Vertretung der Israeliten und der Altkatholiken in der Ersten Kammer verlangt wird. Die Anträge kamen in der Versassungskonrnrission der Zweiten Kammer zur Verhandlung. Der Vertreter der Regierung behielt sich die endgültige Stellungnahme noch vor. Die Abstimmung wurde zurückgestellt. Grltkrreich-Anygrn. er. Wien, 12. April. Am 4. d. M. verstarb hier im patriarcbalischen Alter von 76 Jahren der durch seine unermüdlichen Forschungen auf j ü di scha rchäol o g-i sche nt und talmudischem Gebiet berühmte Altertumsforscher Abraham Epstein. Der Verstorbene war am 19. Dezember 1841 in Wolhynien als Sohn einer jüdischen Gelehrtenfamilie geboren, in der jüdische Gelehrsamkeit seit nahezu vier Jahrhunderten gepflegt wird. Epstein empfing in seiner Heimat eine gediegene wissenschaftliche und jüdische Ausbildung, die er durch Reisen und Studien in Westeuropa vertiefte. Hier machte er die Bekanntschaft von R a P o P o r t, Frankel und M i ch a e l S a ch s, die für sein Leben von ausschlaggebender Bedeutung wurde. In seinem dreiundvierzigsten Lebensjahre widmete er sich ganz der jüdischen Wissenschaft. Von seinen Arbeiten feien besonders hervorgehoben eine kritische Ausgabe von „Eldad-ha-Dani" mit den Lesarten verschiedener Manuskripte, „Der Brief Eldads und die zehn Stämme" und zahlreiche ändere Werke. Nur wenige der Arbeiten des Verstorbenen sind in Buchform erschienen; in deutscher Sprache sind hier seine „Jüdischen AI tert ft irrt e r" zu. nennen, diel zwar im wesentlichen eine Zusammenstellung von kleineren Einzelarbeiten, aber für seine Arbeitsweise besonders ch,avakteristi'sch sind. Er schrieb zahllose biographische, historische und kritische Arbeiten für die jüdische wissenschaftliche Presse, speziell für die „Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums" und die „Revue des Etudes juives“, in denen die meisten Arbeiten, des unermüdlichen Gelehrten erschienen- Seit 1876 war Epstein in Wien ansässig. Er war der Besitzer einer großen Bibliothek, welche zahlreiche wertvolle Manuskripte enthält. Die jüdische Wissenschaft beklagt den Heimgang eines eifrigen Jüngers und treuen Förderers. Kumsmen. 22 Bukarest, im April. Die Sederfeievn im Felde gestalten sich allgemach zu immer imposanteren Festen aus; mag wohl die immer größer werdende Sehnsucht unserer Brüder draußen nach solchen familiären Zusammenkünften die Ursache sein, mag auch das Interesse, das die Heimat diesen Feldveranstältungen entgegenbringt, wohl zum Gelingen der Sederabende beigetvagen haben,, oder mögen schließlich auch die Herren Fcldrabbiner durch die nun jahrelange Uebung die Organisation dieses Festes wie etwas Selbstverständliches hinnehmen: Tatsache äst, daß wir Kameraden in Rumänien zwei prachtvolle Sederabende, wie sie uns die Heimat vielleicht so nicht einmal hätte bieten können, in Bukarest verbringen durften. Unser Feldrabbiner Dr. Sänger, der uns jüdischen Soldaten nun zum vierten. Male im Felde den. Seder gegeben, hat alles mögliche getan, um uns. nicht nur die Heimat zu ersetzen, sondern auch noch eine der schönsten Erinnerungen unseres religiösen Lebens uns in die Seele zu pflanzen. 550 Kameraden hatten sich zur Teilnahme gemeldet, und was es heißt, nn Kriegs gebiet für so viele Menschen eine weiß gedeckte Tafel mit Tellern, Besteck und Gläsern herzurichten, das habe ich aus. dem Munk des Feldrabbiners selbst erfahren, der mir auf meine erstaunte Frage, woher er sich diese Dinge alle habe beschaffen können, antwortete, daß das auch, das Ergebnis einer vierwöchigen Arbeit sei. Am Vorabend des Pessachfest.es war in der großen Tenchelsynagoge feierlicher Gottesdienst mit Predigt, der auch von zahlreicher Zivilbevölkerung, soweit noch Platz vorhanden war, besucht gewesen ist. Von da aus gingen wir zu dem von der Kommandantur zur Verfügung gestellten Hotelsaal, wo an sieben Langtischen arnd einem Quertisch die große Tafel gedeckt war. Es war ein ungemein feierlicher Anblick, den Feldrabbiner, mit dem schon bekannten FeldPredigerhuL auf dem Kopfe, von etwa 30 Offizieren umgeben, an der Kopftafel sitzen zu sehen und daran anschließend die vielen jüdischen Kameraden der deutschen, österreichisch-ungarischen, bulgarischen und türkischen Armeen. Auch deutsche und österreichische hilfsdienstwillige Damen, einige deutsche Schwestern hatten sich als willkommene Gäste eingefunden. Der erste Teil des Seder wurde -in althergebrachter üblicher Meise abgehalten, den: sodann das für Kriegsverhältnisse wahrhaft opulente Mahl folgte. Es gab eine sehr gute Fleischbrühe, Kartoffeln und Braten, soviel man wollte, etwas Mehlspeise und Zigarren und Zigaretten, dazu mehr als die übliche Ration von vier Bechern an gutem Rotwein. Inliebenswürdiger und entgegenkommendster Weife hatten die deutsche und die österreichische Intendantur zur Verfügung gestellt, was der Feldrabbiner gewünscht hatte. Die Bedienung all der Feldgrauen hatten 28 jüdische Mädchen der besten Bukarester jüdischen Gesellschaft gern und freudig übernommen. Durch die dankenswerte Fürsorge des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens war es dem Feldrabbiner möglich gewesen, eine große Anzahl Schriften den Kameraden zu überreichen, und dank der Großzügigkeit des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes konnte -auch eine große Menge der bekannten Wohlfahr tskarten den Soldaten als Erinnerung mitgegeben werden. Ganz besonderen Dank aber verdient unser Feldvabbiner für die große ausdauernde Arbeit, die er bei der Mazzothbeschasftnrg geleistet hat. Jede Militärperson seines umfangreichen Gebietes bekam-, sobald sie sich auf -die mehrfache Aufforderung hin gemeldet, 5 Kilogramm Mazzoth und außerdem noch an den beiden Seder abendeir, soviel sie habenwollten. Bei dieser Gelegenheit sei auch erwähnt, daß auch die jüdische Zivilbevölkerung in Bukarest durch die tätige Mithilfe des Feldrabbiners allein in der Lage war, 150 0 00 Kilogramm Mazzoth für die Juden Bukarests herzustellen. Beide Sederabende verliefen in gleich schöner Weise, nicht minder auch die drei zahlreich besuchten Gottesdienste, die unser Feldrabbiner abhielt. Wir Kameraden sind alle unserem rührigen Feldvabbiner Dr. Sänger von ganzem Herzen dankbar für die wunderschönen Abende und Tage, die er uns bereitet hat, und wenn er uns den Wunsch mitgab, im kommenden Jahr in der Heimat und am Familientisch den Seder feiern zu dürfen, so sei ihm auch an dieser Stelle im Namen aller Kameraden für ihr: und seine Familie der gleiche Wunsch in Herzlichkeit nnd Dankbarkeit erwidert. Ein Teilnehmer.

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