Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1918)
- Date
- 1918-04-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 gründung reicht nicht aus. Dasselbe gilt von dem Aufnahnreritual. Dein Judentumder Propheten, entsprechen, -nach dem Worte Simons des Gerechten, die drei Grundlagen: Schule, Synagoge, Werke der Liebe. Die Schule, als Kinderschule «und Volksschule, hat dem jüdischen Gemeinschaftsleben zu allen Zeiten ein charakteristisches Gepräge gegebenH Die Synagoge, eine höchst originale Neuschöpfung, ist in ihrem Grundgedanken im Mittelalter nicht immer klar erkannt worden. Hier hat die Reform -reinigend gewirkt. Trotz der Nachfolge, -die sie bereits gefunden, bleiben ihr hier noch besondere Aufgaben in der Beseitigung orientalischer Laudesbräuche, der Formelhaftigkeit der Gebete, ihrer Unverständlichkeit infolge ungerechtfertigter Vermeidung der Landessprache -und besonders >a.uch hinsichtlich der Gleichstellung der Frau im- Gotteshaus. Ebenso hat die Reform noch besondere Aufgaben in der Schule, die die anderen auS gebotener Rücksicht nicht erfüllen können. In den Werken der Liebe, zu- Schutz und Trutz, zum Helfen und Heilen geht die Reform» mit allen in allenr Hand in Hand. E. M. Berlin, 16. April. Das Iüdis che Kindergenesungsheim in Bad Simen berichtet nach zweijähriger Pause über die beiden letzten Geschäftsjahre. Im Jahre 1916 wurden 289 Kinder, und zwar 177 Knaben und 112 Mädchen, in neun Abteilungen im Vereinsheim Elmen ausgenommen; 1917 wurden 294 bedürftige und schwächliche Schüler verpflegt. Die Kinder blieben vier bis sechs Wochen im Heim. Die Kurerfolge der kleinen Patienten, die teilweise in stark unterernährtem Zustande in die Anstalt ausgenommen wurden, befriedigten, sie hatten 'fast durchweg erhebliche Gewichtszunahmen zu verzeichnen. In der Wirtschaftsführung der Anstalt ist eine bedeutungsvolle Wandlung dadurch eingetreten, daß «der Grundbesitz in Elmen nicht mehr verpachtet, sondern für den »eigenen Ansta'ltsbedarf durch eine jüdische Gärtnerei -bewirtschaftet wird. Die durch diese Einrichtung entstehenden erheblichen Ausgaben wurden zum großen Teil schon im ersten Jahre durch die Ertrüge dieser Eigenwirtschaft ausgeglichen. Die Pfleglinge des Heims werden, zu leichten- Landarbeiten mit herangezogen. Durch »die hierdurch gebotene abwechselu ngsreiche Beschäftigung soll in ihnen gleichzeitig die Neigung zur Landwirtschaft erweckt werden. Auch die Einrichtung einer eigenen Milchwirtschaft ist geplant und soll, ebenso wie die Verstärkung des Gartenbetriebes, durchgesührt werden«, sobald die erforderlichen- Mittel aufgebracht sind. Aus. den vom K i n d e r s par v e r e i n ausgegebenen Sparbüchsen sind dem Kindergenesungsheim 5566 Märk im Jahre 1916 und 5552 Mark im Jahre 1917 zugeflossen. An größeren Spenden waren zu, verzeichnen eine Stiftung von Frau Ber'ta Mannheimer im Betrage von 10 000 Mark, ein Vermächtnis des verstorbenen Herrn Salo Eassirev von 6000 Mark und »mehrere Zuwendungen in Teilbeträgen von 5000 Mark und weniger. Das Vermögen des Vereins beträgt 352 800 Mark. Das Jüdische Kindergenesnngsheim in Bad Elmen hat seit seinem Bestehen bereits 3600 jüdische kranke, erholungsbedürftige Kinder ausgenommen. Die segensreiche Arbeit des Vereins verdient in dieser Zeit besondere Anerkennung und Förderung, weil sie dem Judentum und den: Staate wertvolle junge Glieder erhält. E. M. Berlin, 16. April. Die Hauptversammlung der Hilfskasse für israelitische Kantoren und Kultusbeamte fand am 7. April in den Rämnen der Bne-Brith-Loge statt. Nach einer einleitenden Ansprache des Vorsitzenden, Herrn Deutschland, erstattete der Rendant, Herr S ie gmnn d R o ch e l s o h. n, den Kassenbericht, nach welchem das Vermögen der Kasse zurzeit etwa 60 000 Mark betrügt und die finanziellen Verhältnisse sich erfreulich gestaltet haben. Nach dem beifällig aufgenommenen Kassenbericht hielt Oberkantor Neustadt (Berlin) ein Referat über die Ausgestaltung der Propaganda. Herr Neustadt richtete an alle Kantoren Deutschlands die dringliche Aufforderung, der Hilfskasse beizutreten, um-die Kasse zu stärken und so das eigene Interesse zu ivahren. Obwohl sich auch der Vorstand der Kasse eifrig bemühe, alle berechtigten Ansprüche zu erfüllen, sei es doch noch nicht möglich, allen herantretenden Forderungen gerecht zu» werden. Aus diesen Erwägungen heraus sei die Notwendigkeit entstanden, die Beiträge zuerhöhen, um größere Unterstützringen gewähren zu können. Durch die finanzielle Sicherung werde es sicherlich gelingen, den ganzen Stand zu heben und fein Ansehen noch mehr als bisher zu festigen. Der Krieg habe bisher der Ausgestaltung der Propagandatätigkeit hinderlich im Wege gestanden, jetzt sei jedoch die Zeit gekommen, diese Tätigkeit im vollen Umfange aufzunehmen. Nur so werde es gelingen, der Kaffe die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen, um ihre allmähliche Entwickelung zueiner Pem sionskasse in die Wege zu leiten. In der anschließenden Aussprache fand der Gedanke der Pensionskasse vielseitige Billigung. Besonders trat der frühere Vorsitzende der Kasse, Herr Stadtverordneter Jonas, lebhaft für die beschleunigte Durchführung dieser Idee ein. Der von Herrn Lewin angeregte Plan, eine Kantorenschule ins Leben zu rufen, fand bei. der Versammlung keinen Anklang. — An den geschäftlichen Teil schloß sich ein Vortrag des Oberkantors Wilhelm Klein (Berlin) über die Aussprache des Hebräischen im Gott es dien st. Gesangliche Vorträge verschiedener Mitglieder beschlossen den anregenden Abend. — München, 12. April. Die rumänische Judenfrage behandelte ein Vortrag, den Hauptmann a. D. Schmalz im Richard- Wagner-Saal vor einem zahlreichen Publikum hielt. Er zeichnete zunächst den geschichtlichen Hintergrund. Die Artikel 43 ff. des Berliner Kongresses mit ihrer Forderung der völligen Gleichberechtigung der rumänischen Juden waren von der rumänischen Regierung nur formell erfüllt, in der Praxis wurde die verheißene Naturalisation immer umgangen. Für alles Unheil werden die Juden verantwortlich gemacht, weit mehr als Bratianu und seine Spießgesellen oder die Dynastie. Eine , ganze Reihe von Fällen schnödester Behandlung konnte der Vortragende aus eigener Beobachtung Mitteilen. „Leider," fuhr er fort, „haben auch wir es an dem wünschenswerten Verständnis ihnen gegenüber fehlen lasien, statt von der englischen Judenpolitik zu lernen. Politisch und wirtschaftlich kann es uns nicht gleichgültig sein, ob auch künftig der Berliner Vertrag so wenig seinem Geist nach erfüllt wird: ein starkes Judentum, dankbar gegen seinen Befreier, wird ein nicht zu unterschätzendes Gegengewicht gegen englische und französische Einflüsse bilden, und die Juden stellen handelspolitisch einen Machtfaktor dar, mit dem man bei uns im Reich rechnen sollte." Der Vortragende betrachtet als das wirksamste Mittel, um die Rumänen, die uns nie lieben werden, dauernd an uns zu fesseln, wenn die nach dem Krieg notwendig werdenden rumänischen Anleihen in Deutschland untergebracht würden: der Macht des Geldes werden sie sich beugen, wie sie sich unserem Schwert gebeugt haben. J. A. Nürnberg, 12. April. Das E i ser n e Kreuz erster Klaffe erhielt Leutnant d. R. Otto Metzger, Sohn des Kirchenrats Ludwig Metzger. Das Eiserne Kreuz zweiter K la sse erhielten: Assistenzarzt Dr. Hi r mheimer: Unterarzt Dr. Jakob Deutsch aus Fürth; Landsturm gefreiter Theod. Frankel, Lehrer und Kantor der Kultusgemeinde Nürnberg: Gefreiter Bankprokurist Felix Schönfeld; Artillerieun.teroffizier Benno Friedmann, Sohn des Juweliers Benno Friedmann: Albert Schönwalder, Sohn »der »Frau Amalie Sichönwalder: Sallh Weg lein, Mitarbeiter der Firma D. u. M. Katzenberger. Das M »i l i t ä r v e r di e n stk r e u z d r i- :t t c «r K l a f s e erhielten: Kanonier Fritz D i n k e l sbüh le r im 9. Bayerischen Feldartillerieregiment. Sohn »des Kaufmanns Theodor Dinkelsbühler: Unteroffizier Heinrich Wollner, z. Z. Ortskommandant^!r Sint Druden (Belgien). Den Michels-Orden vierter K l-a s \ e erhielt Fabrikant Aug. Bauer n f r e.u n d. Die Preußische R o t e - K re uz-Medaille dritter Klasse erhielt die Kaufmannsgatti'N Rosa Fechheime-r. Zu Majoren 'befördert wurden: Hauptmann Albert Rosenwald, Königlicher Staatsanwalt., z. Z. Referent im Generalkommando des 3. Armeekorps: Hanptmann Löwensohn. g/g Hamm!♦ W., 12. April. Unter dem Namen „W i r t - schaft l i che Vereinigung Kriegsbeschädigter Ha mm (Wests.)" mit dem Sitz in Hamm bildete sich ein Verein, der alle Kiriegsbeschädigten -und aktiven Feldzugsteilnehmer, die an der Front 'Mitgewirkt haben, vereinigen will. Wenn eine Kriegsbeschädig-tenorgani-sation die Unterstützung., aller Behörden verdient, so ist es diese. Die Richtlinien geben zu Beanstandungen irgendwelcher Art keinen Anlaß. So wünschen wir, daß endlich mit diesem Verein eine Organifation geschaffen werde, in der sich die Kriegsbeschädigten aller Klassen wohln'chlen und die, ohne sich in die Streitigkeiten auf politischem und religiösem Gebiet zu mischen, ' die Sache der Kriegsbeschädigten in den Vordergrund ^stellt. Die