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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-19 · Heft 16 (19.4.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 16 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Oolrn. 2 Wchrfcha«,12 April. Aus der russischen Zeit besteht noch in Polen das Gesetz, das Juden das Wohnen auf bäuerlichem Boden verbietet. Bis heute ist dieses Gesetz in Polen noch nicht abgeschafft. Vor einiger Zeit wurden drei Juden im Dorfe Kofieglowa von: Genveinderichter verurteilt, ihre Wohnstätten zu verlassen, mit der Begründung, daß diese auf bäuerlichem Bodenerrichtet wären. Cs handelte sich um drei Farmtien, die schon seit langen Jahren in dem Dorfe wohnen und für die dieses Urteil die Vernichtung ihrer Existenz bedeutet -hätte. Der bekannte Rechtsanwalt «und Führer der Jüdischen Volkspartei Noah Pr i lutzkh nahm sich der Familien an und reichte zunächst eine Bitte an den polnischen Justizminister ein, indem er darauf hinwies, daß das Urteil ungesetzlich sei-, da die Juden nicht auf bäuerlichem Boden wohnten, sondern ihr Land einem Gutsherren gehörte. " Außerdem sei die Geltung des Gesetzes unter den gegenwärtigen Verhältnissen ungerecht und ungesetzlich. Er forderte den Justizminister auf, zunächst die Ausweisung der Juden aus dem Dorfe zu verhindern. Der Justizminister entsprach dieser Aufforderung in einem Telegramm, das die Vertreibung der Juden aus dem Torfe verbot. Dieser Tage ist nun die Berufung, die gegen das Urteil des Gemeinderichters eingereicht wurde, im Warschauer polnischen Kreisgericht zur Verhandlung gebracht worden. Das Gericht hat das Urteil des Gemeinderichters aufgehoben. Der Fall ist insofern von prinzipieller Bedeutung, als er zeigt, daß grundsätzlich nach das alte ungerechte russische Gesetz in Polen als zu-Recht bestehend anerkannt wird Es mutz gefordert werden-, daß die gesetzgebende polnische Körperschaft das ungerechte Gesetz möglichst bald aufhebt. ' Von Osh und fern. — Dem Bulgarischen Generalkonsul zu Berlin Kommerzienrat Mandelbaum wurde von König Ferdinand von Bulgarien das Großoffiziierskreuz des bulgarischen Zivilverdienstordens mit dem Stern verliehen. — Der Kaufmann Edmund J.aeobh (Berlin) hat die Rote-Kreuz-Medaille zweiter Klaffe«, Fräulein Dr. Margarethe Levy, Assistenzärztin an der Charite, die Rote-Kreuz- Medaille dritter Klasse erhalten. — Das Mitglied der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde Herr Oscar Tietz begeht am 19. b. M. seinen, 60. Geburtstag. — In dem in der vorigen Nummer erschienenen Bericht über die Beerdigung Hermann Cohens heißt es zum Schluß: Das Grab Hermann Cohens liegt in der Chrenreihe neben dem Lasters. Das beruht auf eineni Irrtum unseres Referenten. Das Grab Eduard Lasters befindet sich in der Ehrenreihe auf -dem Friedhof in der Schönhauser Allee. — Herr Sani'tätsrat Dr. W o l P e in Thorn, stellvertretender Vorsitzender der Repräsentantenversarumlung, hat das Verdienstkreuz für KriegshAse erhalten. — Der Kultusbeamte Herr Jacob Frühling in Bentschen (Posen), der beinahe fünfzig Jahre im Amte ist, feierte seinen 80. Geburtstag. — Die S y na g o g e n g e m e i> n d e zu Breslau hat auf die achte Kriegsanleihe 3 70 000 Mark gezeichnet, aus. die früheren sieben Anleihen insgesamt 1401300 Mark. — Die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klaffe ist Herrn Rabbiner Dr. Emil Cohn (Bonn) verliehen worden-. — Aus Worms a. Rh. wird uns berichtet: Wilhelm Guggenheim, Sohn des Herrn Samuel Guggenheim, wurde zum Leutnant der Reserve befördert. Er ist Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klaffe und der Hessischen Tapfer keitsmedaille und erhielt auch vor kurzem -das Hessische Kriegsehrenzeichen in Eisen. — Herr Ludwig G uggen hei m wurde zum Handelsrichter ernannt. — Dem Vorsitzenden der Synagogengemeinde Marburg i. W., Herrn Kaufmann David .Bachmann, wurde das Verdienstkreuz für Kriegshil.se verliehen.. — Die gleiche Auszeichnung erhielt Herr Bankier Heinrich Schmu lwitz (Schönebeck a. d. Elbe). — In Koburg ist im hohen Alter von 87 Jahren Herr Samuel Seligmann verschieden. Der Entschlafene hat 38 Jahre lang, davon sechs als Vorsteher, dem Vorstand der Shnagogengemevnide angehört. — Aus Hannover wird uns berichtet: Tie Anlage eines neuen Friedhofes für unsere Gemeinde stößt auf vielfache Schwierigkeiten. Gegen das Projekt einer großen Anlage von etwa dreißig Morgen Umfang bei K i r ch r o d e haben die Anlieger lebhaften Protest erhoben. Die Stadt hat der Gemeinde bisher noch keinen Grundbesitz zur Anlage eines Friedhofes verkauft. — Der Vorsteher der Jüdischen Gemeinde m ®IbiodeT, Joseph Heß, beging seine-goldene Hochzeit, die durch einen Gottiesdienst in der Synagoge von der gesamten Gemeinde mitgefeiert würde. — Aus Nürnberg wird uns geschrieben: In der letzten Äprilwoche soll hier eine „Erziehungswoche" veranstaltet werden, die von den Konfeffionen gemeinsam veranstaltet wird. Die Israelitische Gemeindebibliothek beteiligt sich gleichfalls mit einer Vortragsreihe. Es werden an vier aufeinanderfolgenden Tagen sprechen: Herr Rabbiner Dr. F re u de nt ha l über die allgemeinen Grundsätze der Erziehung der israelitischen Jugend, Herr Dr. Bamberg er über die Erziehung der schulentlassenen männlichen Jugend, Fräulein. Sidouie Werner aus. Hamburg. über die Erziehung der weiblichen Jugend, Herr Dr. med. Grünbaum über Nerven und Erziehung. — Der Begründer rmd Leiter der Gebrüder Bing A.°G., Herr Geheimer Kommerzienrat Ignaz Bing (Nürnberg), ist nach langer Krankheit im Alter von .78 Jahren gestorben. Die Nachricht vom Mieden dieses um die. Nürnberger Industrie hochverdienten Mannes begegnet inallen Kreisen . der Bevölkerung herzlichster Teilnahme. — Die Mitglieder der Verwaltung.der Frankfurter Volksfpende Wolfgang Auerbach und Moritz Emden erhielten'das Verdienstkreuz für Kriegshilfe. — Die Juden Württembergs haben dem König zu feinem 70. Geburtstage als Ausdruck ihrer dankerfüllten Freude durch die Israelitische Oberkirchenbehörde eine Huldigungsgabe dargebracht,, mit der Bitte, diese der leiblichen und geistigen Fürsorge für die israelitische . Jugend des Landes zuwenden zu wollen. Zu diesem Zweck waren die Thoraspenden am 23. Mbruar und 2. März d. I. verwendet worden. — Aus dem Haag wird uns geschrieben: Die Spendeneingänge des Jüdischen Nationalfonds in den Monaten Januar -und Februar 1918 betragen 2 2 6 9 8 0 Frank. Folgende Länder haben hierzu beigetragen: Oesterreich 94 192 Kronen, Polen und Litauen: österreichische Okkupation 11516, deutsche Okkupation 40072 Mark, Deutschland 29 863 Mark, England 565.9.2 Pfund Sterling, Nordamerika 2425 Dollar, Südslawische Länder 14 000 Kronen, Holland 3020 Gulden, Südafrika 282.12.5 Pfund Sterling, Bulgarien 5698 Leva, Frankreich 2219 Frank, Dänemark 1220 Kronen, Belgien 1255 Frank, Schweden 568 Kronen, Australien 33 Pfund Sterling, Ungarn 1076 Kronen, andere Länder 16 Frank. — Im österreichisch-ungarischen Heere sind an der Front über 134 000 Juden. Die Zahl wurde anläßlich der Mazzothversorgung auf Peffach festgestellt. — Mit Erlaubnis der deutschen Militärverwaltung für Rumänien hat sich in Bukarest ein Jnformationsbureau gebildet, das sich zur Ausgabe gemacht hat, zuverlässige Angaben über die in Rumänien als Internierte oder Kriegsgefangene verstorbenen Juden sowohl aus Rumänien selbst wie aus den Ländern der Zentralmächte zu beschaffen. Die erforderlichen Unterlagen sollen mit Hilfe der rumänischen Gemeinden gesammelt werden. Das Komitee will alle Ermittlungsergebniss'e, welche die jüdischen Soldaten oder Internierten aus den Ländern der Zentralmächte betreffen, den jüdischen Heimataemeinden zur Verfügung stellen. — Der langjährige Manager der Jüdischen Kolon!albank in London, Herr Theodor Hirsch, der seit 15' Jahren das Hauptbureau der Bank geleitet bat, ist noch längerer Krankheit im Alter von 59 Jahren am 8. März in- London verschieden. Der Entschlafene war in weiten Kreisen bekannt und hochangesehen. Die Verwaltung des Jewish Colonial Trust und mit ihr die jüdische Oeffentlichkeit werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. —. Dem soeben erschienenen Tätigkeitsbericht der Warschauer Jüdischen Gemeinde kür die Jahre 1912 bis 1917 ist zu entnehmen, daß die Summe der im Laufe dieser fünf Jahre erhaltenen Hilfsgelder rund .3 Millionen Rubel beträgt, wovon anderthalb Millionen vom Berliner Verteilungskomitee der amerikanischen Hilfsgelder und über 550 000 Rubel vom Magistrat überwiesen wurden. Für Bildung und Erziehung sorgt die Gemeinde durch 22 Anfangsschulen mit 870 Schülern, 31 Chedari-m mit 1400 Schülern und die Abendkurse für Erwachsene mit 1700 Besuchern. Außer 10 Fachschulen werden 15 Heime und Asyle unterhalten. Ferner hat die Warschauer Jüdische Gemeinde als Pessachgabe amerikanischer Juden über Holland 1 200 000 Mark für die linbemitteliten' erhalten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Ltatz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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