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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-19 · Heft 16 (19.4.1918) · p. Seite 187

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 16 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
Seite 187 (sequence 7)
Language
German
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ihnen durch den Besuch wissenschaftlicher, technischer oder, gewerblicher Anstalten die Grundlage für eine spätere gute Existenz geschaffen. Als Vorstandsmitglied des Vorschußvereins für hilfsbedürftige Mitglieder der Jüdischen Gemeinde befand er sich öfters im Gegensatz zu den anderen Kuratoren dadurch, daß er Darlehensgesuche auch bei nicht völlig genügend erscheinender Sicherheit befürwortete, lediglich aus dem Drange heraus, rechtlichen, mühsamen Menschen möglichst schnell unter die Arme zu greifen. Armen war er ein stiller, unermüdlicher Helfer. Charakteristisch ist sein Brief an die jüdische Armenkommission, durch den er nach einer Sitzung, in der einige von ihm befürwortete Bittgesuche trotz Anerkennung der Notlage der Bewerber wegen sonstiger Unwürdigkeit abgelehnt werden mußten, eine größere Summe übersandte mit der Bestimmung: für unwürdige Arme. Ganz in diesem Sinne wirkte später sein Sohn, der leider zu früh verstorbene Kinderarzt Professor Dr. Hugo Neumann, der in seinen Schöpfungen: Unterkunft für hilfsbedürftige Wöchnerinnen und deren Säuglinge, Dr. Hugo Neumanns Kinderhaus und andere, Wohlfahrtseinrichtungen schuf, in denen Elenden und Bedürftigen geholfen wird, ohne nach ^Würdigkeit und Unwürdigkeit zu fragen. Ebenso ist die erst vor zwei Jahren verstorbene Witwe, Frau Julie Neumann, ganz den Fußtapfen des verstorbenen Gatten gefolgt, indem sie als Gründerin des Komitees Chänuka-Bescherung und Vorsitzende des Jüdischen Mädchenstiftes sowie als Mitglied der Jüdischen Waisenkommission sich in wahrhaft mütterlicher.. Weise der Jugend annahm, daneben aber oft auch fördernd uüd erzieherisch auf die ganze Familie ihrer Schützlinge einwirkte. Das ist an I. Neumanns Wirken das Erhebende, «daß es sich forterbte auf die Seinen, und daß seine vorbildliche Tätigkeit, die reiche Früchte trug, nachgeahmt und fortgesetzt wurde von denen, die ficE> seines Namens und Erbes würdig erwiesen. Der Moses des Michel pngwls. Von S. A s ch n e r. er Moses war bekanntlich für das Grabmal des Papstes Julius II. (1503 bis 1513) bestimmt. UeLer die schmerzliche Geschichte des Kunstwerks hat sich der Meister selbst in einem dramatisch pointierten, aktenmäßig wirkenden Brief an Monsignore Aliotti, Rom 1542, kurz vor dem 24. Oktober (Frey, „Briefe M. A.", Berlin 1907, S. 162 f., 312) ausgesprochen: „Ich finde," klagt er, „meine ganze Jugend habe ich verloren, seitdem ich an dieses Grabmal gebunden bin." Daher bezeichnet sein Freund Condivi (Kapitel 19 f.) in seiner „Vita" des Gewaltigen die durch Intrigen des Bramante tzintertriebenen und immer wieder aufgenommenen, doch nur notdürftig vollendeten Arbeiten als Tragedia del sepolcro, deren erster Akt der päpstliche Auftrag im Jahre 1608 war. Nach Condivi (Kapitel 21) hat der Künstler ein Freigrab geplant, ein großartiges Mausoleum in drei Stockwerken. Den unteren nahmen tragende Sklaven ein (Louvre-Sklaven); im zweiten sollte Moses als Vertreter des Alten Bundes, Paulus als der des Neuen, Vita aetiva und 'ontemplativa, letztere aus Dante genommen, ihren Platz finden; oben war der Papst selbst, von Engeln emporgetragen, dargestellt. (Abbildungen in Freys „Zeichnungen M. A." und bei F. Knapp, „M. A.", S. 167.) Durch das Ganze ging (Üübke, „Knust der Renaissance", 1903, Stuttgart, S. 236) ein kräftiges Kresoendo, indem, sich der Blick von den irdischen über die heroischen, wie den Moses, zu den himmlischen Gestalten erhob. So war der herrliche Plan. Was aber nach Jahren heißer Mühsal endlich ans Licht trat, war das enttäuschende, von Schülern schülerhaft ausgeführte Wandgrab in San Pietro in Vincoli (1545), deffen Nische der Moses-Koloß, wie Wölfflin treffend bemerkt, unwillig zu sprengen droht, während die Bewegung in den beiden stillen und ziemlich matten Neben«- figuren abslaut. Nach einigen war Moses schon am 24. Juni 1508, also gleichzeitig mit der Sixtina 1508/12, in Angriff genommen und in den Jahren 1513/18 vollendet. 1516 erfolgte die Besichtigung durch den Papst. Nach Frey war das Bildwerk jedoch Ende 1542 noch nicht fertig, da sich Buonarotti damals den Erben Julius' II. gegenüber in einem neuen Vertrag verpflichtete, es demnächst eigenhändig zu liefern. Jndeffen kann es sich dabei wohl nur um ein letztes Feilen und Bessern gehandelt haben, weil Geist und Stil des Werkes unweigerlich in eine viel frühere Periode gehören. Viel umstritten ist die Interpretation desselben. Condivi (Kapitel 24) sagt nur, Moses fei „in nachdenMcher Haltung" davgestellt, „Liebe und Schrecken" im Antlitz. Die Neueren aber haben ihm eine Novelle erfunden, obwohl solche eher der modernen Plastik als der des 16. Jahrhunderts eigentümlich sind. Knapp z. B. glaubt, Moses erblicke soeben den Greuel des goldenen Kalbes und fahre zornig vom Sitze aus. Wölfflin, „Klassische Kunst", S. 70, es sei der letzte Moment vorm Aufspringen gegeben; ähnlich Lübke. Nach Karl Justi greift er mit der Linken nach den Eingeweiden, dem Sitz des Zorns in der Vorstellung des Alten Testaments. Daß diese Deutung schon älteren Datums sein muß, lehrt Kaulbachs Fresko im Treppenhaus des Berliner Museums, wo der Glaubensheld direkt nach Angiolo kopiert ist, jedoch mit den Trümmern des Kalbes unter den Füßen. Nur Kutna, „Ost und West" 1909, Heft 8/9, S. 518, urteilt maßvoller und glaubt in der Statue nur ein allgemeines, repräsentatives Stimnrungs- und Charakterbild zu erkennen. In der Tat ist in Anbetracht ihres Zwecks kaum eine andere Auffassung denkbar. Da sie gleichzeitig mit den Propheten der Sixtina entstanden ist, teilt sie ihre psychologischen Voraussetzungen mit diesen und stellt den «Größten aller Propheten, ja, ihren und des Alten Bundes Inbegriff dar. Jene hat der Künstler festgohalten,wie sie von der Glut ihrer göttlichen Gesichte überrascht, erfüllt und durchleuchtet werden. Ihre Ekstase kommt wie ein Sturm über sie: bei den ersten noch als sanftes, fernes Wehen, bei den folgenden immer heftiger anschwellend, bei Jona endlich als Orkan, unter dessen Wehen der sich windet wie ein von wilden Wogen herumgewirbeltes Schiff. So ist auch der Mann Moses als Werkzeug und Mundstück des göttlichen Geistes gestaltet. Er hat ruhig gesessen, als er plötzlich die Stimme Gottes vernimmt, die aus dem weiten Raum zu chm kommt. Da geht ein Ruck durch seine mächtige Gestalt; das Haupt fährt herum, etwa wie bei dem Jesajas von der Decke, Die Züge, namentlich die Augen, nehmen einen gespannten, scharfen Ausdruck an, das Bein zuckt nach hinten, der linke Arm lockert sich, ein wundervolles Drama aufbegehrender Bewegung, welcher die monumentale Ruhe des auf den Gesetztafeln sich stützenden rechten Armes und des felshaft ragenden Julius Neumann geh. eint 18. April 1818. 'Mt?

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