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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-19 · Heft 16 (19.4.1918) · p. Seite 183

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 16 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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183 Kämpfen der Truppen aller Gattungen gehen die Fortschritte der deutschen Waffen langsam, aber sicher vorwärts. Avmentiöres ist genommen; immer mehr wird der eine Teil der Gegner gegen die Küste zurückgedrängt und der andere Teil auf dem Rückzuge nach Paris belästigt. Vergeblich ist die tapfere Gegenwehr unserer Feinde; sie bringt ihnen nur ungeheuere Verluste, die so groß sind, daß man davon spricht, daß die ganze portugiesische Armee aufgerieben sein soll. Unsere Feinde sind genötigt, selbst ihren Rückzug einzugestehen, und wenn sie auch ihre Niederlagen bemänteln, ihre Einbußen geringer darstellen, als sie wirklich sind, die von den deutschen Truppen eingenommenen Plätze und Höhen, die sie früher als uneinnehmbar, als äußerst wichtig bezeichnet hatten, nun als unbedeutend anzugeben sich bemühen, wenn sie auch so tun, als wenn unser ganzer Vormarsch nur ein zufälliger Augenblickserfolg wäre, dem ihr Gegenstoß ein Ende bereiten könnte und würde, wenn sie auch laut verkünden, daß ihre Lücken wieder ergänzt, die verlorenen Geschütze und die eingebüßte Munition durch andere und reichlichere ersetzt worden sei, so wissen sie selbst am besten, daß all diese Angaben falsch sind und daß kein Mensch, vielleicht am wenigstens sie selbst, an das Zutreffende ihrer Lügen glaubt. Denn unsere Fortschritte sind unaufhaltsam, das Gelände, auf dem sie sich bewegen, wird immer Keiner und die Beute, die wir erlangt haben an Mannschaften, Geschützen, Lebensmitteln und anderen Vorräten, schädigt die Feinde nicht bloß für den Augenblick, sondern schwächt sie für die Dauer, wenn sie sie auch leider nicht völlig kampfunfähig macht. Freilich ist von einer Geneigtheit zum Frieden von ihrer Seite noch immer nicht die Rede. Im Gegenteil werden alle Mittel, nicht bloß die kriegerischen, gebraucht. Die Franzosen versuchen in ihrer verlogenen Art, Deutschland und Oesterreick voneinander zu trennen. Nach den in diesen Tagen veröffentlichten Briefen des Kaisers Karl von Oesterreich an unseren Kaiser und nach des letzteren Antwort darf man mit Bestimmtheit sagen, daß Clemenceau oder seine Getreuen den Brief Kaiser Karls, in dem dieser den Anspruch der Franzosen auf Elsaß-Lothringen als gerechtfertigt anerkannt haben soll, gefälscht haben. Wird dieser plumpe Schwindel in seiner ganzen Niedertracht erwiesen, so darf man wohl bei der Heißblütigkeit der Franzosen annehmen, daß die Tage des Herrn Clemenceau gezählt sind. Aber man darf sich nicht erkühnen zu sagen, daß damit die Kriegshetzer in Frankreich von der Bildfläche verschwinden. Nur hoffen darf man, daß die Franzosen, wenn sie, völlig von den Engländern getrennt, aus ihre eigene Macht angewiesen sind, zum Bewußtsein kommen, wie fürchterlich und unersetzlich es sei, daß immer größere Teile ihres Landes nicht bloß von den deutschen, sondern von den wirKichen Barbarenhorden, den Engländern, verwüstet und dem Erdboden gleich gemacht werden und daß sie sich damit für die Zukunft unheilbares Weh zusügen. Herrschte Vernunft in diesem unglücklichen Lande, so müßte man den Schluß ziehen, daß sie endlich dazu kommen, ihre törichten, durch nichts begründeten Ansprüche aufzugeben, und von dem Verlangen ergriffen werden, von der Großmut ihrer Gegner Ruhe zu erlangen. Gelingt dann ferner der oft angekündigte, bisher aber noch nicht begonnene Vorstoß der österreichischen Truppen gegen Italien, so dürfte man auch hier die Vermutung aufstellen, daß dieses bellagenswerte, von seinen Bundesgenossen, die nun alle ihre Truppen für sich benötigen, so schmählich im Stich gelassene Land, das, auf seine eigenen Hilfskräfte angewiesen, sich in großer Not befindet, am Rande unsäglichen Elends steht, den ungeheuren Treubruch, den es an uns begangen, bereuen wird, wenn es auch nimmer imstande ist, ihn vergessen zu machen, und daß es' seinerseits von dem Kampfe Abstand nimmt und, Oesterreich gegenüber seine wahnsinnigen Aspirationen, an denen es jetzt noch wie ein Tollhäusler festhält, aufgebend, den Frieden nachsucht. Ist dann, was man, sobald man von starkem Optimismus erfüllt ist, als eine Möglichkeit für die nächsten Wochen oder Monate in Aussicht nehmen kann, Frankreich und Italien beseitigt, so dürfte man eher an einen nahen Frieden denken. Denn die Engländer, zumal sie im Innern manche Widerstände zu besiegen haben, da die Ausdehnung der Wehrpflicht der größten Opposition begegnet und da die Irländer unzufrieden und störrisch bleiben, find viel zu schlau, um ganz allein den Krieg weiter zu führen. In Frankreich, von den Franzosen, Portugiesen und Amerikanern unterstützt, welche freilich bisher in unendlich geringerer Zahl erschienen sind, als man in Aussicht genommen hatte, zu kämpfen, war ihnen bequem; im eigenen Lande den Feind zu erwarten oder die ängstlich behütete Flotte preistzugeben, wird ihnen höchst unwillkommen sein. Bei dem Starrsinn, der Verblendung, der fast bis zuiu Wahnsinn emporgeschraubten Einbildung dieses Jnselvolkes kann man allerdings nichts Bestimmtes Voraussagen. Ueberhaupt wissen wir sehr wohl, daß Prophezeien zu allen Zeiten ein sehr undankbares Geschäft war und daß es den ungeheuren GeschehniffenderGegenwart gegenüber ganz unfruchtbar genannt werden muß. Trotzdem versucht man immer wieder von neuem, aus den Tatsachen des Augenblicks Folgerungen für die Zukunft zu ziehen und sich eine Zeit auszumalen, in die man sich nur mit Mühe hineindenkt, eine Zeit der Ruhe, des Friedens, der gesicherten und ungestörten Arbeit. * Blickt man aus Deutschland und speziell auf Preußen, so kann man sich keiner unbedingten Freude überlassen. Die Ablehnung der Wahlrechtsvorlage in der Kommission des Abgeordnetenhauses, eine Ablehnung, die nur dadurch möglich wurde, daß drei nationallrberale Mitglieder es über sich gebracht hatten, trotz des Namens „liberal", den sie führen, die Regierung im Stich zu lassen, beweist eine so störrische Zurückgebliebenheit unserer Volksvertreter, daß man fast geneigt sein möchte, derartige Männer, welche die Forderungen der Zeit und die Rechte des Volkes so arg verkennen, nicht als Vertreter eines großen, erleuchteten Volkes anzusehen. * lieber jüdische Verhältnisse ist nicht allzuviel Neues zu sagen. Die zionistischen Bureaus im Haag, in Stockholm und in der Schweiz überschwemmen die Redaktionen, auch die unsrige, alle paar Tage mit ellenlangen Berichten aus dem zionistischen Lager. Dabei handelt es sich selten um Tatsächliches, sondern meist um Erklärungen, Zustimmungsadressen — Worte, nichts als Worte. Gelegentlich wird auch die Kunde verbreitet von Spaltungen im zionistischen Lager, in denen es sich hauptsächlich um den Gegensatz der nationalistischen und der, wenn man so sagen darf, rein idealen Partei des Zionismus >handelt. Namentlich die deutschen Zionisten erfteuen sich keineswegs mehr der vollen Sympathie ihrer Parteigenossen und besonders einer ihrer Führer, Herr Handtke, scheint es mit den Vertretern der Zionisten im Auslande gründlich verdorben zu haben. Während wir nicht die Absicht haben, aus diese häuslichen Zwiste innerhalb der großen Partei näher einzugehen, müssen wir auf einzelne erwähnenswerte Nachrichten Hinweisen, die von jenen Blättern über Rußland verbreitet werden. Es sind Auseinandersetzungen über Demokratisierung -der Gemeinden und über die bevorstehende Trennung von Kirche und Staat. Daneben finden sich in den Stockholmer Berichten interessante Darlegungen Wer das Kommissariat für jüdische Angelegenheiten und über die jüdischen Parteien in Rußland. Ich-lasse

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