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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-19 · Heft 16 (19.4.1918) · p. Seite 182

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 16 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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182 gemeldet hätten, daß in Serbien 2500, in Rumänien 3O OO0 und in Italien 1200 bis 1500 Juden in den Heeren gestanden hätten. Speziell über Frankreich berichtet er nach einer Statistik vom 8. September 1916, daß 952 .Juden irgendeine Auszeichnung empfangen hätten, daß 1276 gefallen dder in Kriegslazaretten gestorben feien, darunter drei Rabbiner und eine große Anzahl SchlÄftsteller. In seiner Auszählung, in der seltsamerweise die Russen verschwiegen werden, gibt der Verfasser an, daß in den Frankreich feindlichen Ländern, wobei wiederum von der Türkei nicht die Rede ist, in Bulgarien 5000, in Oesterreich 170 000, in Deutschland mehjö als 60 000 Juden am Kriege teilgenommen hätten, und bemerkt -dazu: „Sie haben einen gleichen Opfermut für die Vaterländer gezeigt, die weit davon entfernt find, ihre wirklichen Mütter zu sein." Das zweite und dritte Kapitel hat eigentlich nichts mit dem Kriege zu tun. In diesen Abschnitten werden nur Aktenstücke und Tatsachen zusammengestellt, die die jüdischen nationalen Bestrebungen während des Krieges erläutern. Das wichtigste ist daS vierte Kapitel, das hauptsächlich dazu bestimmt ist zu zeigen, wie das Germanentum ein Feind des Judentums sei. Ausgehend von Chambevlains Buch „Entstehung des 19. Jahrhunderts", von dem der Autor behauptet, eS sei in Deutschland in mehr als 100 000 Exemplare verkauft worden und das er bezeichnet als „Ein prophetisches Buch", das treue Abbild des verzehrenden Egozentrismus eines Volkes von Emporkömmlingen, gibt er zunächst einen Auszug auS dieser merkwürdigen Schrift. Uebereinstimmend mit dem englischen Schriftsteller bezeichnet er als den Hauptfehler der Juden ihre Weltanschauung, die im Gegensatz zu der Kants stehe. Nach seiner Angabe wird den Juden in dem Werke des Engländers die Moralität abgesprochen und als ihr Hauptverbrechen das Streben nach Weltherrschaft hingestellt. Er ruft, so sagt sein Interpret, mit allen Mitteln zum Kampf gegen das Judentum auf, und zwar zu dem geistigen, religiösen, gesetzlichen und sozialen. Nachdem er, sich stützend auf dieses einzige Zeugnis, und doch, wie er meint, unwiderleglich gezeigt hat, daß alle Deutsche geschworene Antisemiten seien, wird, wiederum nach einem beweiskräftigen Urteil, nämlich dem des Herrn Huret in seinem Buche über Deutschland, dargelegt, daß faktisch die Juden in Deutschland nichts werden könnten und daß darin die Freundschaft des Kaisers mit Herrn Ballin und anderen nichts zu ändern vermochte. Was wird nun, so srägt der Verfasser, folgen, wenn ein solches Deutschland siegte? Der Verfasser ist um -die Antwort nicht verlegen: in Deutschland und in den von Deutschland besetzten Gebieten würden Austreibungen stattsinden oder mindestens Schaffung einer Zone mit gezwungenem Wohnsitz. Von der Behandlung der Juden in den durch die deutschen Truppen besetzten Gebiete Polens werden nach den französischen Berichten die törichsten, geradezu blödsinnigsten Lügen erzählt, wobei allerdings zugestanden wird, daß seit dem Oktober 1916 ein Umschwung zum Besseren eingetreten sei. Trotzdem sei das! Elends der Juden in Polen grenzenlos. Als Forderung deutscher Blätter und deutscher Gelehrter wird allen Ernstes mitgeteilt, man solle sämtliche Juden Polens teils nach Amerika, teils nach Palästina transportieren. Das Kapitel schließt mit den Worten: „Da die ungeheure Mehrheit der Juden Europas aus Polen, Rußland, Galizien stammt und da für die deutschen Patrioten Sozialismus, menschlicher Umversalismus und Radikalismus jüdische, d. h. antideutsche, also der wahren deutschen Gesellschaft feindliche Gedanken sind, so kann man sagen, daß Deutschland von jetzt an die russische Gesetzgebungmit allen ihren schmerzlichen Folgen auf alle Juden anzuwenden bestrebt ist." Soll man sich über derartiges ereifern? Ich glaube kaum, daß es nötig ist. Ist es die Stimme eines einzelnen, so könnte man sehr schnell darüber zur Tagesordnung übergeh en;-sprechen die Worte tatsächlich die Gedanken aller franztzsischen Juden aus,: so MMte man dies als sehr bedauerlich konstatieren Und als Folgerung für die Zukunft daraus ziehen, daß. nach dem Friedeüsschlutz ein ZusämmengehSä mit den Glaubensgenossen in Frankreich schwierig, ja fast -unmöglich sein, dürste. Denn es handelt sich hier nicht um einen beliebigen Zeitungsartikel, sondern um ein ernstes Werk, das rn einer angesehenen Verlagshandlung erschienen ist. Und wenn -das Buch als solches vielleicht auch nur einen kleinen Leserkreis findet, so muß man bemerken, daß gerade -die'in diesem Kapitel vorgetragenen Anschauungen von dem Verfasser auch in einer Rede dargelegt worden sind, die in einer großen Konferenz am 16. Mai 1916 gehalten wurde, einer Konferenz, veranstaltet von der Ligue franco-zioniste, geleitet von dem bekannten Professor der Sorbonne Charles Andler, der sich durch wertvolle Arbeiten über deutsche Literatur auch in Deutschland bekannt gemacht hat. Bei der Lektüre dieses Buches habe ich die Empfindung gehabt und diese auch durch die vorstehenden kurzen Auszüge vielleicht bei meinen Lesern erweckt, daß der furchtbare Krieg das Band gelockert, wenn nicht geradezu zerschnitten hat, das bisher die Juden Westeuropas zu verknüpfen schien. Von unserem Standpunkt ans können wir ja nur begreifen und billigen, daß die französischen Juden in erster Linie gute Franzosen sind und in dem gewaltigen Ringen ganz aus der Seite ihres Vaterlandes stehen, aber die Art und Weise, in der hier von Deutschland undsomit auch von den -deutschen Juden gesprochen wird, ist eine solche, die, wenn wir uns nicht mit einem ironischen Lächeln begnügen wollen, uns geradezu zur Empörung treibt. Gewiß, die Verhältnisse der Juden in Deutschland sind keineswegs hoch-erfreulich, und wir haben jederzeit eine Besserung verlangt und die Schäden offen aufgedeckt, aber die Art und Weise, wie der Verfasser Deutschland auch in seiner Stellung zu den Juden geradezu als ein Barbavenland bezeichnet, wie er angesichts der Tatsache, das; Deutschland in -den besetzten Gebieten Rußlands geradezu als Retter und Befteier der dortigen Juden aufgetreten ist, c? wagen kann, das Deutsche Reich als den geschworenen Feind der Juden darzustellen, ist eine so sinnlose, daß man bei der Lesung solcher Stellen seine Ruhe und Geduld verlierenkönnte. Die Woche. Berlin, 16. Llpril 1918. jeder ist die Sommerzeit, eine Errungenschaft drr Kriegsepoche, da. Vielleicht bleibt diese Einrichtung auch in den Zeiten bestehen, wenn es sich nicht mehr um Licht- und Kohlenersparnis handelt; eS ist symbolisch sehr schön, daran zu denken, daß alles, wenn auch nur um eine Stunde, früher beginnt, daß der Tag offiziell verlängert wird. Schvnc Frühlingstage mit fast sommerlicher Temperatur sind einem langen, entbehrungsreichen Winter gefolgt, und wenn nicht etwa neuer Frost eintritt, ist die Hoffnung auf eine reiche Obst¬ und Gemüseversorgung und die wichtigere auf eine zufriedenstellende Getreideernte wohl berechtigt. Wären nur auch alle anderen Gefühle, die man zu hegen hat, sommerlich und freundlich! Die ungeheuren Kämpfe im Westen dauern fort. S>" sind bisher durchaus siegreich für uns verlaufen. Die Zahl der von uns gemachten Gefangenen in den letzten drei Wochen hat sich auf 100 000 Mann, die Menge der von n»e erbeuteten Geschütze aus 1500 vermehrt; seit Oktober 1917 zahlt man 517 000 Gefangene und 7246 Geschütze. Nach .großzügigem, genialem Plane, nach erstaunlichen, bewunderungswerten

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