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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-19 · Heft 16 (19.4.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 16 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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82. Jahrgang. Nr. 16 Berlin, 19. April 1918 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese ZettunK erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: önr«^ den. Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere verdciebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 in. — Postscheckkonto 32h. vesrSubet v»i» Rabbiner vr. Ludwig Philipps»« Unter Leitung des Geheimen Regierungrrats Professor vr. Ludwig Seiger Verlag: Rudolf Messe, BecUn, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition find an die Adreffe: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße zu Achten. Verlag von Rudolf rnosse, Berlin. Juden und der Krieg in französischer Beleuchtung. Von AöHLIULL. Ludwig Geiger. — Die Woche. — Zur Gemeindeorganisation. Von Rabbiner Dr. Friedmann (Lublinitz). — Julius Reumann. — Der Moses des Michel Angiolo. Von S. Aschner. — Siegfried Ochs. Zum60. Geburtstag. Von Ludwig Geiger. — Ein Brief von Prof. Michael BernahS an Rabbiner Dr. Ziemlich. Von A. Eckstein. — Feuilleton: Der Weg des jungen Hermann Kahn. Von Clement ine Krämer (München). — Miszellen. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. Der Gemeinvedote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums*). Berlin, München, Nürnberg, Hamm i. W., Homburg v. d. Höhe, Karlsruhe, Wien, Bukarest, Warschau. — Von Nah und Fern. Sie Juden und der Krieg in fran?öülcher Leleuchtung. Von Ludwig Geiger. ls ich in dem unvergleichlichen Namenskatalog der Berliner Königlichen MMothek ein französisches Buch „Die Juden und -bet Krieg" angezeigt fand, und zwar aus dem Jahre 1917 — denn so seltsam es auch erscheint: Bücher und Zeitschriften aus feindlichen Ländern kommen sehr häufig hierher —, glaubte ich natürlich, es handele sich -dabei um eine Darlegung -der Stellung der französischen Juden im Weltkriege. Diese meine Erwartung wurde zwar getäuscht, immerhin ist der Verfasser und -das Buch interessant genug, um an dieser Stelle etwas näher aus -beide einzugehen. Der Schriftsteller nämlich, -der Verfasser unseres Buches, der frühst nur als Dichter und Essayist ausgetreten war und als solcher auch einiger Juden in merkwürdiger Zusammenstellung gedacht hatte*), hat im vorigen Jahve 'das Buch geschrieben, das hier etwas eingehender betrachtet werden soll?). Gr -bemerkt in der Einleitung, -daß sv in Lothringen geboren iei, sich lange im Elsaß aufg-ehalten habe, und -daß er 1914 genötigt worden sei, sich' von der Schriftstellielvei abzuwenden und in Nancy zu einer Geschäftstätigkeit überzugehen. Er entschuldigt sich von vornherein, daß -er durch diese Lebensninstände verhindert worden sei, eine zusammenhängende Darstellung zu geben, und genötigt worden, sich mit einer Sammlung von Materialien zu begnügen. Wirklich ist «der vauptteil seines Werkes ein« Samncknng von Roden aus der russischen Duma, Aktenstücke aus der französischen Kammer, Briefe Zangwills; in einem Abschnitt des Anhanges wird auch der Antisemitismus in Deutschland seit dem Kriege behandelt, hauptsächlich nach den -französischen Zeitungen-. Die eigentliche Darstellung zerfällt in fünf Abschnitte: Jüdische Loyalität und jüdischer Mut, 2. Palästina und Syrien, 3. Polen und Rußland, 4. Germanentum und Juden- ') Andre Spire: „Quelques Juifs: Israel Zangwill. Otto Meininger. James Darmsteter“. Deuxieme edition. Paris 1913. h Andre Spire: „Les Juifs et la guerre”. Paris, Librairie i'ayot et Cie. 1907. tum, 5. Rolle der Neutralen und d«r freisinnigen Mächte der Entente. Wir erfahren aus dem ersten Teil, daß während des Krieges neue französische jüdische Journale -erschienen sind, unter anderem „L’emancipation juiye" und „La renaissance .imve". Es wird ferner von der patriotischen Gesinnung französischer und englischer Juden gesprochen, wobei hingewiesen wird auf eine in England erschienene Broschüre von Gabriel Eosta, mit einer Vorrede von Leopold v. Rothschild, die den Titel führt „The Jews and the War", in bet lebhaft die Beteiligung -der Juden am Kriege gefordert wird. Einige Schwierigkeiten haben Engländer und Franzosen, die Alliance mit Rußland zu -erklären. (Unter Rußland ist offenbar das vom Zaren regierte zu verstehen, denn unsere Schrift, vor 'der Revolution abgefaßt, geht auf diese mit keinem Worte ein.) Der Verfasser begnügt sich damit, eben die Tatsache zu konstatieren, -daß Rußland -der Verbündete fei, und kommt zu dem sehr bestreitbaren Schluffe: „Me Zukunft des Judentums kann nur dem Siege Frankreichs und seiner Verbündeten anvertvau't werden." Was Rußland selbst betrifft, so meint der Berfasfeir, -die Juden Rußlands glaubten an 'die Unteilbarkeit des großen Reiches, und es ist angesichts -der Verhältnisse, wie sie sich gegenwärtig gestaltet haben, interessant, an eine russische -Stimme vom August 1914 erinnert zu werden, worin es heißt: „Rußland kann nicht zerschnitten, kann nicht eines einzigen Teiles beraubt werden: die sieben- Mllionen russischer Juden gehören zusammen zu Rußland wie -die Litauer, Polen und andere Nationen." (Man sieht aus der eben angeführten Stelle, daß es nicht sehr ratsam ist, den Propheten zu spielen.) Das Wichtigste für uns an dem Buche ist aber die Darlegung -der Stellung -der französischen Juden zum Krieg. Der Derfaffer zeigt -die Begeisteruug, mit der 'die Juden zu den Waffen strömten. Am Anfang -des Krieges seien 20 Prozent der Zuavenregimenter und -der Fremdenlegion Juden gewesen-, in der marokkanischen- Division hätten sich mehr als ein Drittel oder die Hälfte Juden befunden. Bon einzelnen Beispi-elon erwähnt er, daß ein Jude Karl Lehmann als öljähriger -sich gemeldet habe und an feinen Wunden gestorben sei, -daß ein anderer, Renö Frank, 56 Jahre alt, als Freiwillig««: eingetreten fei und daß ein dritter, Raoül Bloch, mit 48 Jahren einqetret-en und vor Verdun getötet worden fei. (Auch aus diesen drei Beispielen, den -einzigen, die der Verfasser anführt, ersieht man, daß die als Franzosen Aufgeführten sämtlich rein deutsche Namen tragen.) Der Verfasser erwähnt sodaun, daß die fremden in Frankreich wohnenden Juden: Schweizer, Russen, Rumänen Türkm, sich bereits im August 1914 eifrig zu den Fahnen -gestellt hätten, und zwar nicht weniger als 10000 junge Leute, von denen 7000 bis 8000 angenommen worden seien. In seiner Statistik, bei der er sich seltsa-m-erweise jeder Quellenangabe enthält, gibt er ferner an, -daß -sich in Belgien die jüdischen -Studenten.

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