Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1918)
- Date
- 1918-04-12
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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22 Schwerin U M., 5 April. Am ersten Pessachtage konnte unser Landesräbbiner Herr Dr. - S ilber st ei n auf eine 2 5jährige Tätigkeit m sein,enl Amte zurückblickeu. Zu Ehren des Jubilars hatte man an diesem Tage seinen Platz in der Synagoge mi!t Lorbeer bekränzt. In seiner Pred-tgt drückte -der Landesrabbiner der Gemeinde seinen. Dankfü-r die erwiesene Aufmerksamkeit aus und legte seiner Predigt den Text .ans dem Prophetenabsch,nitt zugrunde, den er vor 25 Jahren -bei seinem. Aultsantritte in, Elbing gewählt hatte: „Gehörst du zu uns oder'unseren Feinden?" „Nein, ich bin ein Bote Gottes; der Boden, auf dem du stehst, ist heilig." Keinem zuliebe und keinem zuleide habe er, sein Amt stets verwaltet, und wenn er zu kämpfen habe, geschehe es nur mit dem Schwerte der! Wahrheit gegen die Lügendes Rechtes gegen das Unrecht; so wolle er es für alle Zeit halten. Er schloß mit den Worten: „Ich, gelobe nach Dir an für ewig, ich gelobe Dich mir an durch, Gerechtigkeit, Recht, Liebe und Barmherzigkeit; ich gelobe mich Dir an durch Treue. Gotteserkenntnis ist das Höchste." (Ho-sea, Kap>. 2, 21- 22.) Nach Beendigllllg des Gottesdienstes begab sich der Vorstand der bedürfen. Nehmen Sie zum heutigen. Tage noch den Ausdruck des Wunsches entgegen, daß es Ihnen, noch recht lange vergönnt fein möge-, in unserer Gemeinde das Amt des Seelsorgers zu bekleiden, Gott zur Ehre, den- Menschen zum Heile." Alsdann überbrachte noch das Schweriner Mitglied des Oberrates Herr Adolf Ti.-etz die Glückwünsche für die Landes,gemeinde. M. Hamburg, 5. April. Das hiesige Organ der Antisemiten, die „Deutschvölkischen Blätter", hatte gegen die Verabfolgung von Zucker zum Pessachfeste an Juden auf Zuckerruarke-u eine abfällige Kritik geübt und.darin eine Bevorzugit-itg, der Juden erblicken, wollen. Darauf ist dem.Blatte eine Zuschrift des Landrats des Kreises Stormarn, v. Bonin, folgenden Wortlautes zugegangen: „In der Numni-cr 8 der „Deutfchvölkifchen Blätter" findet sich auf Seite 31 eine Notiz „Die Bevorrechtigten". Ich bemerke dazu ergebenst, daß für den rituellen Zucker bei -dem Rabbiner Dr. Bamberger Zuckermarken -abgegeben, werden müssen. Die Frage, wohin sich die christlichen Einwohner usw. zu wenden haben, -erübrigt sich daher. Ich stelle anheim, hierauf in einer Berichtigung aufmerksam zu machen. .«szsäK' Zer«bn»-Le tay« wirft Du D«iu« freufe tyabmi Geuleinde und das Schlveriner Mitglied des Oberrates Herr Adolf Tietz in die, Wohnung des Landesräbbiners., wo Herr Bankier Louis Loeser folgende Aüfprache hielt: „Zir Ihrem 25jährigen Aurtsjubiläum spricht! Ihnen der Vorstand namens der Gemeinde die herzlichsten Wünsche fernerer segensreicher Wirksamkeit aus. Ihr Amt ist insofern ein 'dankbares, da- Sie, als Träger des Gotteswortes!, berufen sind, veredelnd auf, Herz und Gemüt zu wirken», die Entfaltung des religiösen Sinnes zn wecken und wach zu halten, einer Aufgabe, der Sie sich mit voller Hingabe unterziehen. Das menschliche Lebenbringt demjenigen, der -inseinem Berufe ganz anfgeht, eine Fülle von Arbeit. Nicht immer gleichen sich die Tage; auch für den, dev mit Ueberzeugungs,treue und Eifer an feinem Werke schafft, kommen Stunden der Enttäuschung^, wenn er sehen muh, -das; nicht, von allen das, was er erstrebt, gewürdigt und klar erkannt wird. Lassen Sie sich, sehr -geehrter Herr Landesrabbiner, durch nichts die Liebe zu Ihrem Amte beein!träch,tigen und wirken'Sie auch ferner zum Segen unserer Gemeinde, als Förderer des Wahren, Guten und Edlen! Seien Sie, wie bisher, den Notleidenden ein warmer Fürsprecher -und ein- Helfer denen, die Ihres Rates Kassel, 5. April. Die B e e r d i gü n g des S t a d t r a t e s K o m m e r z i e rt r a t G e o r g R o s enz w e i g, über dessen Hinscheiden wir in der letzten 9tnm'M,er berichteten!, erfolgte unter, ungewöhnlich zahlreicher Beteiligung auf demisraelitischen Fried- Hofe. Ter gesamte Magistrat, die Stadtverordnetenversammlung, eine -lbordnung der Feuerwehr, Vertreter vieler Behörden, dann -die Mitglieder der verschiedensten Sektionen des Vaterländischen Frauenvereins sowie zahlreiche Rote-Kreuz-Schwestern und Mitglieder der Roten-Kreu.z-Vereine, Vertreter der Handelskammer, der Ha ndwerkskamlu er, -des Kleinhandela,llsschusses, zahlreiche Handelsrichter und Angehörige sonstiger Korporationen, denen der Veristorbene nahegestanden hatte, lvaren versaaumelt. Die Beteiligung war derart groß, daß die Feier nicht in der Leichenhalle abgehalten werden konnte, sondern -unter freiem Himmel aus dem Friedhöfe stattfand. Seminardirektor Dr. Lazarus, als Vertreter des verwaisten Rabbi nats, hielt die Traueransprache, in der er den Verstorbenen -als herrlichen Mann bezeichnete, dessen- Tod eine Lücke gerissen habe, die immer offen bleiben werde, weit er seit länger als 25 Jahren, in dem Bestreben, der Vaterstadt und