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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-12 · Heft 15 (12.4.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 15 (12.4.1918)
Date
1918-04-12
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 12. April 1918 " “ "15 Der Gemeindebote. tttflage zur „Allgemeinen Leitung drK Judentums". Korrrlponden?m und Kschrichtm. SrotschlsnL. E. M. 9. April. Auf de nt F r red hofinWeißenfee wurde am So n nltag nachmittag Geheimer Rog-ierungsrat Prof. Dr. Hermann Cohen zur letzen Ruhe bestattet. Um den Sarg des großen Philosophen hatte sich eine Trauergemeinde geschart, die an Zahl wie an Bedeirtung «der erschienenen Person« lichte i-ten gleich hervorragend war. Vertreter der Universität Marburg, der Kant-Gesellschaft, des Vorstandes und der Reprasentantenversammkung der Jüdischen Gemeinde, des Verbandes der Deutschen Juden, des Zent ralVerei ns, des Deutsch-I sr ael i t r sehen Gemeindebundes, der Logen U. O. B. B., das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, eine Abordnung des Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur nrit Banner und zahlreiche andere Körperschaften waren erschienen, um dem großen Toten die letzte Ehre zu erweisen. Nach dem einleitenden Gesang des Synagogenchores der Synagoge Lützowstraße hielt Rabbiner Dr. Keller mann die Gedächtnisrede. Er verglich die Gefühle, die an der Bahre -des toten Meisters die Herzen seiner Schüler erfüllten, mit der Trauer des Prophetenjüngers bei Elias^ Heimgang. Hermann Cohens Urerlebnis war der Geist des Judentums, wie ihn die prophetische Intuition zuerst erschaute. Diese uralte Lehre bo!t er -dev Neuzeit so gefestigt dar,, daß weder Forschung noch Kunst sie je erschüttern können. Der Monotheismus der Propheten war ihm der Schlüssel zur modernen. Philosophie, die sich ihm als Glauben an die Einheit der Vernunft und des menschlichen Idealismus darstellte. Der Verstorbene entdeckte die tieferen inneren Beziehungen zwischen dem Ideal -der Propheten -und 'des großen deutschen Denkers. Alle Schichten der Vergangenheit seiner Gemeinschaft durchforschend, entdeckte er immer neue Beweise für die Kontinuität des jüdischen Geistes, die Einheit und die Einheitlichkeit des jüdischen Gottesbegriffes. Unermüdlich wies er aus die Zusammenhänge hin, die zwischen dem Ideal der Propheten und der jüdischen Denker des MtttelMers und dem deutschen Geiste unserer Tage bestehen. Bei aller Wertschätzung der jüdischen Gedankenwelt war er ein deutscher Denker: deutsch war sein Stil,, seine Sprache und seine pädagogische Methode. Der Staat war für ihn der Inbegriff der Rechte der Menschheit. Vaterlandsliebe und --ehre waren ihm gleiche Begriffe. Sein unermüdliches Kämpfen für die Ehre und Anerkennung des Judentums als Religion machten ihn zum unversöhnlichen Gegner der Apostasie, die für ihn nicht nur eine Kränkung des Judentums, sondern auch des Deutschtums und der Menschheit bedeutete. Unerschütterlich und unempfindlich -gegen alle Angriffe ging er seinen Weg. Die religiösen Feiern im Hause und in -der .Synagoge waren der Jungbrunnen, aus -dem ihm neue Kiväf-te flössen. Sein Leben war eine wahre Synthese zwischen jüdischer Religion sowie jüdischer und deutscher Humanität. Der Geist dieser .großen Persönlichkeit wird in sei nen Schülern weiter leben un d wirken. — Als Freund und Schüler rief Prof. Dr. E r n st C a s - fiter von der Berliner Universität dem Heimgegangenen warmempfundene Gedächtnisworte nach. Das Urteil über die Leistungen des toten. Forschers und Denkers wird einst die Geschichte fällen, heute soll nur die große Persönlichkeit gewürdigt werden, die geradezu als Verkörperung -der Sachlichkeit in der philosophischen Weilt anzusprechen ist. Sein philosophisches System war ebensosehr Idealismus in der Theorie wie in der Tat: es ließ keine Unterscheidung zwischen- Handeln und Denken zu. Er fühlte sich als Glied in einer großen Kette, die von Platon zu Kant führt.. Er war von 'unbeugsamer Willensstärke, wo es sich um die Vertretung seiner Sache handelte, aber von rührender Bescheidenheit für seine Person,. Sein Wesen war -eingestellt auf den Kampf gegen die geistige Unfreiheit, den er bis zum letzten Atemzuge führte. Seine Schüler verlieren in ihm den großen Lehrer und den fürsorglichen- Freund. — Die Abschiedsgrüße der Universität! Marburg überbrachte G eheimer Regierungsrat Prof. Dr. Natorp, der im Aufträge des Rektors, des Dekans und der Philosophischerl Fakultät Marburg der Trauer der dortigen Hochschule Ausdruck gab. In Marburg werden Hermann Cohens Leistungen ,unvergessenbleiben in der dankbaren Erinnerung daran, daß Cohen dort sein Allerbestes gab. Die Hochschule weih es, daß es das Verdienst des Toten ist, wenn die Marburger Universität heute mit hohen. Ehren neben den. großen Hochschulen genannt wird. Durch die Begründung und Entwicklung des philosophischen Seminars setzte er sich ein dauerndes Denkmal. Nachdem der Redner in längeren gehaltvollen Ausführungen' di-e wissenschaftliche Bedeutung des Heimgegangenen hervorgehoben hatte: schloß er seine Ansprache mit dein Gelöbnis, daß Cohens Name in der Geschichte der Marburger Universität dauernd fortleben soll. — Namens 'der Leh ra n st alt für die Wissenschuft des Judentum8 wie auch im Aufträge der Gesellschaft zur Förderung d er Wi ssenschafit des Judentums und des Verbandes der Deutschen Juden hielt Dozent Dr. El b og e n dem verstorbenen- Philosophen einen Nachruf. Die jüdische Gemeinschaft hat .einen unverzagten Führer und Vorkämpfer verloren. Es gab kein jüdisches Problem, das Cohen nicht in seiner ganzen Tiefe durchdacht, keine Juden-not, die nicht an seine große Seele rührte, doch am tiefsten ergriff ihn die seelische Not des modernen Juden. Die ewigen Ideen -des Judentums in ihrer Bedeutung für die Woktkulturd immer aufs neue zu ergründen, war ihm die wichtigste Aufgabe. In -allen Organisationen zur Pflege der jüdischen Wissenschaft arbeitete er mit. Am innigsten verbunden war er mit der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, deren Kuratorium er fünfzehn- Jahre an-gehörte. Die Lehranstalt verdankt ihm die Begründung eines eigenen Lehrstuhls für Ethik und Philosophie des Judentums und dankt if)m für seine eigene hingebungsvolle Lehrtätigkeit. Die Ewigkeitswerte, die der große Tote ausgeM, «werden feinen Namen lebendig halten in unserer M-iitte. — Direktor Dr. Adler (Frankfurt a. M.) überbrachte die -letzten Abschiedsgivü-ße der Großloge U. O. B. B. und besonders der F r -a n k f u r t - L o g e. Jahrzehn tel-ang gehörte Cohen der Loge an, in -der sich ihm ein Teil jener Idee verkörperte, der er sein Leben weihte, und in der er einen Resonanzboden für seine großen Ideen fand. Sein Name wird lebendig bleiben als Mahnung, zu hohen und edlen Werken.. — Die letzte Ansprache hievt Rabbiner Dr. Nobel (Frankfurt a. M.) namens der Frankfurter Gemeinde, die ihn mit Stolz und Liebe zu den Ihren zählte. Hermann Cohen gehörte dem ganzen Judentum, di-e Wucht seiner Persönlichkeit 'ließ sich nicht in die Enge einer Partei ein schließen. Er erkannte die unlösbare Einheit des Judentums, die aus den Ideen der Propheten, den Weisen des Talmuds und den mittelalterlichen Schriftgelehrten spricht. Seine tiefe Liebe galt der hebräischen Sprache, in 'welcher der Redner als letzte Huldigung für den toten Freund seine Ausführungen beschloß. — Nach abermaligem Gesang und dem -üblichen Gebet erfolgte die Beisetzung. Das Grab Her m a n n C o h e n s liegt in der Eh-renreihe rieben deur Lasters. A. R. Berlin, 9. April. In der diesjährigen Generalversammlung der Wissenschaftlichen Bereinigung jüdischer Lehrer und L e h r e r i n n e n z u Berlin sprach Herr Lehrer Hanfs über: „Unsere Teilnahme an der Gemeindeverwaltung". Auf Grund dieses eingehenden Referats wurde ein Gesuch an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde gerichtet, in den: ihm mit ausführlicher Begründung folgende Wünsche unterbreitet worden sind: 1. Es möge bei der im Gange befindlichen Revision des Gemeindestatuts der 8 12 des Statuts dahin geändert werden, daß dem Lehrpersonal der Unterrichtsanstalten (siehe 8 51 des Statuts) das passive Wahlrecht wiedergegeben wird. 2. Es möge die Lehrerschaft in Zukunft zu den Verwaltungskommissionen stärker herangezogen werden; insbesondere möge in das Statut des Schul- und Talmud-Thora-Vorstandes die Bestimmung ausgenommen werden, daß dieser Kommission mindestens drei Vertreter der Lehrerschaft (einer von den Rektoren der Gemeindemittelschulen, ein- Religionsschüldirigent und ein Lehrer) angehören sollen-. Aus dem I -a h r e sbericht sei folgendes mitgetei.lt: „Die Wissenschaftliche Vereinigung hielt im Jahre 1917 sieben Arbeitssitzungen ab, in denen folgende Vorträge gehalten wurden: 1. Herr

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