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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-12 · Heft 15 (12.4.1918) · p. Seite 180

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 15 (12.4.1918)
Date
1918-04-12
Page
Seite 180 (sequence 12)
Language
German
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180 Berufe noch Arzt, aber mannigfach als Schriftsteller, Dichter und Politiker tätig. Eine Zeitlang wurde er auch von Hardenberg zu Paris in diplomatischen Diensten beschäftigt. Der „Grüne Almanach", von dem Barnhagen spricht, ist ein poetisches Jahrbuch, das von Barnhagen und Chamisso in drei Bänden 1804 bis 1806 herausgegeben wurde; als „grün" wird er wegen der Farbe seines Umschlags bezeichnet.) 9. März 1853. Die Juden ausgeschlossen von Gemeindeämtern! Auch guit! Ihre Mitbürger mögen noch so großes Vertrauen in einen Mann setzen, sie dürfen ihn nicht wählen, wenn er ein Jrvde ist; wenn er aber Christ heißt, so mag er ein noch so schlechter Christ sein, er darf gewählt werden. 11. März 1853. Schändliche, erbärmliche Reden des Abgeordneten v. Sensfi-Pilsgch gegen die Juden, höhnische Hindeutungen aus Meyerbeers musikalisches Talent. Die vorstehenden Notizen beweisen aufs neue Varnhagons rnildes Urteil und die höchst humane Art, mit der er über Juden spricht. L. G. Literarische Mitteilungen. — Aus Oesterreichs Vergangenheit. Ouellenbücher zur österreichischen Geschichte Nr. 7. „Denken und Fühlen im Vormärz." Von Prof. Dr. Alfred Kleinberg, Deschen i. Schl. SchulwissenschaMcher Verlag A. Haase, Leipzig, Prag-Annahos, Men. Die kleine Schrift stellt Berichte ans Quellen zusammen, in denen die Stimmung in Oesterreich und Deutschland vom Anfänge des 19. Jahrhunderts bis zum März des Jahres 1848 dargestellt wird. Es handelt sich dabei nicht um Mitteilungen über einzelne Vorgänge, sondern um Darlegung politischer.und literarischer Auffassung. Es ist sehr lehrreich, in eine vergangene Zeit zu bliiken, um so mehrmals diese längst verklungenen Tage doch gar manche Ähnlichkeit ergeben mit den heutigen Zeiten. Auch von den Juden ist in dieser Zusammenstellung mehrfach die Rede. Unsere Leser wird es interessieren, die wichtigen Stellen, die sich auf Juden beziehen, hier abgedruckt zu finden; ich laste sie daher ohne weitere Bemerkungen folgen, da sie für sich selbst sprechen und sich ohne weiteres erklären. Sie lauten folgendermaßen: „Noch immer ist der Wahn vorherrschend, es k-ornnre in der Judensache von christlicher Seite auf eine gnädige Herablassung, auf eine christliche Barmherzigkeit an. Es ist bei weitem noch nicht zur An,- erkennung durchgedrungen, daß es eine strenge und ganz gemeine Rechtspslicht für uns ist, die Juden in die bürgerliche Rechtsgleichheit eintreten zu lassen. Von allen gewöhnlichen Bürgerlasten lassen wir sie gleichen Anteil mit uns tragen und legen ihnen überdies noch einige besondere Lasten auf; aber von den gewöhnlichen bürgerlichen Rechten, Ehren und Vorteilen schließen wir sie aus... Die Gegner der Judenfreiheit behaupten hartnäckig, dieselbe laste sich ohne die größten Nachteile nicht durchführen; die Juden seien nun einmal nicht danach, sie könnten und wollten sich nicht eigentlich und organisch unserem Volksleben anschließen, sie würden immer ein fremdes und feindliches Element bleiben. Das ist aber geradezu gelogen... Sie haben sich ja, ungeachtet aller Unterdrückung, Ausschließung und Beschimpfung bereits so vollständig nationalisiert, daß Juden in den ersten Reihen unserer patriotischen Kämpfer stehen... Das also, was die Juden für unser Nationalleben leisten, nehmen wir an..., den Juden selber aber wollen wir den deutschen Charakter absprechen. (Franz Schuselka, „Deutsche Dvlkspolitik"' 1847, in „Gvenzboten", einer Wochenschrift, herausgegeben von Ignaz Knranda, 1846, IV, 285.) Konferenz bei dem Erzh. Ludwig über die Revision der Juden- Loleranzgesetze in Wien ... Aus meine umständliche Begründung für die Aushebung einiger Beschränkungen der Juden erfolgte die Antwort eines durchlauchtigsten Erzherzogs: „Ah! die Juden muß man strenge halten!" Darauf Chorus für die Beibehaltung der Beschränkung. (Kübeck, 11. Januar 1837. „Tagebücher" (Nr. 9), I. Bld., 2 T., 751.) Hier ist... ein ziemlich unerwarteter Schritt geschehen; er betrifft die Juden in Ungarn und Böhmen. Man weiß es, in wie gedrückten Verhältnissen die Juden in Oesterreich leben, wie so mancher Paragraph der bestehenden Inden-Patente durch, die Intoleranz und das Erpressungssystem der niederen Beamten ausgelegt wird, man weiß es in Oesterreich, daß jene Beamten die besten Nebeneinkünste haben, die am meisten mit Juden zu tun haben... Eines -der festesten Bande, lvelches den Juden in solcher Stellung hielt, war die unter den verschiedenen Namen in den Provinzen erhobene Judensteuer: Summen, welche der Jude für die Erlaubnis zahlte, in Oesterreich, Ungarn, Böhmen usw. wohnen zu dürfen-. Die ungarischen Juden waren die ersten, welche sich von dieser Steuer loszumachen suchten . : . Wichtiger und als einen freien Schritt der Regierung muß.man die Aufhebung der Judensteuer in Böhmen ansehen... Die Steuer war eine der drückendsten, indem sie doppelt erhoben wurde, als direkte Steuer von fast 25 Prozent des Vermögens... und als indirekte Steuer, indem der Jude von allen Fleischarten, die er genießt, noch vor Abschlachten des Tieres eine gewisse Summe entrichten muß... Der Jude hier in Wien, der nicht das sogenannte „Toleranzrecht" hat, muß noch immer alle 14 Tage 2 Gu l den C. M. für die Ausenthaltsbewilligung zahlen; hier auf der Polizei besteht noch immer ein eigenes „Judenamt", lind es gibt noch in den österreichischen Erbländern Städte genug, wo den Juden ein längerer Aufenthalt als drei Tage verboten ist . . . (Die „Grenzboten" (Nr. 68) 1846, IN. Band, S. 213.)" L. G. Mcherrmlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet ln keinem Falle statt. Romain Rolland: Johann Christof am Ziel, Roman. Nutten u. Loening, Frankfurt a. M. Bibel und Heldentum. 5 Bibelvorlesungen, gehalten in den Akademischen Kursen zu Essen im Wintersemester 1914/15 von Rabbiner Dr. S. Samuel. Zweite, mehrfach verbesserte Auslage. Berlin, Verlag von Louis Lamm. 1918. Prof. Dr. S. Salseld, Die Mainzer Judenerben. Beitrag zur Topographie des alten Mainz. Sonderabdrwck aus der „Mainzer Zeitschrift", Jahrgang XII, 1917. Mainz 1918. Die Schulden-not der Metzer Gemeinde, 1789—1854. (Beitrag zur Geschichte der Jüdischen Gemeinde Ntetz.) Von Dr. Netter, Overrabbiner in Metz. Verlagsbuchhandlung Louis Lamm, Berlin, Neue Friedrichstraße 62/64. 1917. Aus der Zeit der Schutzbriese. Geschichtliche Erzählung für die reifere Jugend. Von Louis Uhlselder, Wilmersdorf. Berlin, Verlag von Julius Lamm. Jüdische Seelsorge an der Westfront. Won Feldrabbiner Dr. Salomonski. Verlag von Louis Lamm, Berlin. 1918. Goethe, Schopenhauer und die Farbenlehre. Von Wilhelm Ostwald. Leipzig 1918, Verlag Unesma, Gesellschaft m. b. H. Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Jahrg. 9, Heft 1. Berlin. Kriegspredigten. Gehalten am Neujahr st a ge und Versöhnungs^ tage 1917 von Prof. Dr. Ludwig Goibinskr, Rabbiner in Pilsen. Vom Kuttusvorsta-nde zugunsten des Israelitischen Freilischvereins in Pilsen veröffentlicht. Pilsen 1918. Verlag der Israelitischen Kultusgemeinde in Pilsen. Briefe von und an I. M. R. Lenz, Band I und II. Gesammelt und herausgegeben von Karl Frehe und Wolfgang Stammler. Kurt Wolfs Verlag, Leipzig 1918. Nachtrag?u Megillas jöriüngm. Ueber die Megillas Beisingen befindet sich, wie mir Herr E. Adler in Cannstadt, Schillerstraße 14, mitteilt, in Stuttgarter Privatbesitz ein Aktenstück, das den Titel führt: „Verhandlung des Schwurgerichts zu Oberndorf vom 12. bis 15. April 1851." Verfasser des Aktenstückes dürfte der Lehrer und Vorsänger Hirsch sein. Die Verhandlung wird ziemlich lebhaft geschildert; manche Aussagen, namentlich dje herrliche Ansprache des Schwurgerichtspräsidenten, sind wörtlich wiedergegeben. Dagegen sind in gar manchen Aussage« der Zeugen und Angeklagten große Unterschiede gegenüber den Schilderungen in der Megillas Beisrngen M bemerken. Besonders das Verhalten des Schultheißen erscheint in der Megilla sehr beschönigt und entschuldigt dargestellt. Ein weiteres Eingehen auf die Sache erscheint mir des bloßen lokalen Interesses wegen nicht nötig. L. G.

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