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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-12 · Heft 15 (12.4.1918) · p. Seite 178

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 15 (12.4.1918)
Date
1918-04-12
Page
Seite 178 (sequence 10)
Language
German
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178 Dann fragte «der Major den Gast seiner Tochter ein wenig ans. Und es stellte sich bald heraus, daß er mit seiner verstorbenen Frau seinerzeit öfter Einkäufe gemacht hatte in dem Manufaktur- und Modewarengeschäft von Julius Kahn u. Compagnie. Marie-Louise wollte gern dem Gespräch eine andere Wendung geben und erzählte dem Vater, daß der Herr Doktor beinahe in den Reichstag gekommen wäre. „Beinahe", lachte Hermann, „bloß daß ich erstens nicht ausgestellt worden bin . . ." — „Aber es wurde Ihnen doch angeboten, nicht wahr?" warf .Marie-Louise dazwischen. — „W ann hat man es Ihnen angeboten?" fragte der Major interessiert. — „Eben jetzt", erwiderte Hermann» „Zählkandidatur bei den Freisinnigen." Der Major bestritt, daß man dies unter allen Umständen als Zählkandidatur ansehen müsse, wie die Dinge lägen. Hermann war aber durchaus anderer Meinung, und bald waren die Herren zu Marie- Louisens großem Bedauern mitten drin in der Politik. „Nein, nein", meinte Hermann im Lause des Gespräches, „nein Herr Major, woher sollte es den Freisinnigen auch kommen? Da müßten sie rein auf beiden Seiten Umfallen, die Sozialdemokraten und die Konservativen." — „Ach", warf der Major ein, „es ist schon oft ein vutsiäer als Erster durchs Ziel gegangen, und —" — fuhr er im Eifer fort — „passen Sie mal aus, Herr Doktor, die Judenpartei übergaunert alle". (Schluß folgt.) Sen Mids. en Akiba, groß warst du und weise. Gläubig haben wir dein Wort gelesen, Wahrheit war's an die zweitausend Jal)re: „Alles ist schon dagewesen." Ben Akiba, würdest aus der Ruhe Deines heillgen Grab's du auferstehen. Würdest nochmals du im Leben wandeln, Wärst verdammt du, unsre Welt zu sehen, Ueberwältigt müßtest du bekennen: „Meine Wahrheit ist verwesen. Was die Menschen jetzt erdulden, Dies ist noch nicht dagewesen." Ottilie Franzos. Mjstrllen. Hebräische Drucke in Italien. In einem nur in hundert Exemplaren gedruckten, mit zahlreichen Illustrationen geschmückten Buche, das den Titel führt: „D. W. Amranr, The makers ot* hebrew books in Italy being chapters in the history of the hebrew printing press“ (Philadelphia 1909) wird ein Gegenstand behandelt, der nicht allzusehr bekannt ist, obgleich einzelne deutsche Forscher, namentlich jüdischen Glaubens, sich damit beschäftigt haben; vgl. z. B. meine Zusammenstellung in der von mir besorgten 11. Auflage des Werkes von Jakob Burckhardt: „Die Kultur der Renaissance in Italien", Band 1, S. 391 bis 395. Merkwürdigerweise kennt der Verfasser diese Ausführungen nicht, zitiert sie wenigstens nicht. Da er seltsamerweise auch unter den Männern, die die Wissenschaft des Judentums gefördert, meinen Vater nicht nennt, obgleich er Zunz und Steinschneider zitiert, obgleich mein Vater sich eingehend mit Josef del Medigo und anderen Italienern beschäftigt hat, und, was noch ausfälliger ist, bei der Berührung des Reuchlinschen Streites meine Biographie Reuchlins (das ausführlichste Werk über diesen Gelehrten) und bei dem Abdrucke zweier an Reuchlin gerichteten Briefe meine Briessammlung des Genannten, die einzige größere und verhältnismäßig leicht Zugängliche Sammlung, die existiert, nicht anführt, so möchte ich auf die Vermutung kommen, daß der Verfasser, auf -orthodoxem Standpunkt stehend, mit Absicht die Namen derjenigen verschweigt, die seine Gesinnung nicht teilen. Diese Vermutung soll mich jedoch nicht ungerecht machen gegen den Gewinn, den inan aus dem Buche ziehen kann. Es ist zwar keine aus handschriftlichen Quellen geschöpfte Arbeit, und mau sollte denken, daß sich gerade für unseren Gegenstand aus italienischen Archiven manches beibringen ließe. Aber das, was der Verfasser über die jüdische Familie Svncino und über, den christlichen Drucker Daniel Bömberg und die von diesem unternommenen hebräischen Drucke zusammenstellt, ist lehrreich und freudig anzunehmen, da es an umfassenden Darstellungen der Genannten fehlt: namentlich ist auf die mannigfachen Mitteilungen hinzuweisen, die über das recht sorgenvolle Leben des Gerson Soncino handeln, eines Mannes, der seinen Aufenthalt vielfach wechseln mußte, weil er dem gehäsiigen Auftreten christlicher Konkurrenten weichen mußte oder durch Verfolgungen der kleinen italienischen Machthaber aus seinem Aufenthaltsorte, sobald er an demselben festen Fuß gefaßt hatte,, verdrängt wurde. . Die Nachrichten über die von'ihm veranstalteten Ausgaben mancher talmudischen Traktate, ferner einzelner mittelalterlicher Gedichte, endlich der ganzen Bibel, die im Jahre 1488 erschiensind... von hohem Interesse. Auch die beigegebeneu Illustrationen: Büchertitel, Faksimiles einzelner Seiten sind sehr unterrichtend. Zu bemerken ist übrigens, daß dieser Soncino' durchaus kein Italiener war, sondern seinen Namen von einer kleinen italienischen Stadt Mrte, in der Francesco Sforza ihm 1454 den Aufenthalt gestattet hatte; er war ein aus dem Westen, wie es scheint aus dem Elsaß, stammender Deutscher, der ursprünglich den Namen Mentzlau führte. Bor dem Ende des 15. Jahrhunderts wurde er endgültig aus Italien vertrieben. Ich gebe diese kurzen 'Notizen, weil das genannte Werk in Deutschland ganz unbekannt zu sein scheint, und glaube freilich, daß die von dem Verfasser gemachten Angaben einer starken Nachprüfung bedürfen und daß der ganze Gegenstand einer erneuten Behandlung wert ist. L. G. Montesquieu tut* die Juden. Es würde sich lohnen, die „Persischen Briese" und Äon „Geist der Gesetze" daraufhin durchzuarbeiten, ob und wie der große französische Denker sich über das jüdische Problem ausgesprochen hat. Eine solche Arbeit mag anderen überlassen oder auf spätere Zeit aufgeschoben werden. Der nachfolgende kurze Bericht ist nur dazu bestimmt, auf eine wichtige Briessammlung hinzuweifen, die neuerdings erschienen ist. Es ist die „Correspondiance de Montesquieu publiee par Francois Debelin avec la collaboration de M. Andre Morice", 2 Bünde, Paris 1914. Merkwürdigerweise spricht der sranzöstsche Schriftsteller in seinen Briefen von Juden gar nicht, sondern empfängt nur von einem Korrespondenten die Mitteilung im Jahre 1754, die so lautet: „Es ist eine Torheit des jüdischen Volkes, sich für das auserwählt-e Volk Gottes zu halten." - Es ist anzunehmen, daß Montesquieu diese Meinung geteilt hat. Sehr auffällig ist, und aus diesem Grund hauptsächlich sei auf die neue Sammlung hingewiesen, daß Montesquieu von zwei Persönlichkeiten spricht, die den Namen „Jude" führen. Der letztere stand in Montesquieus Diensten als Schreiber und Geschäftsbesorger, der erstere war ein Subalternbeamter, und zwar gar-de-magazin du bureaii de Bordeaux. Von seinem Schreiber spricht Montesquieu mehrmals mit einer gewissen Anteilnahme; als seine Haupteigenschaft nennt er an einer Stelle seine gravite. Das Auffällige an dieser Notiz besteht darin, daß ein Franzose, denn nur um einen solchen kann es sich handeln, den Namen „Jude" führt. Es erscheint mir ausgeschlossen, daß diese Namensträger wirklich dem jüdischen Glaubensbekenntnis angehört haben. Nun kommt es zwar in Deutschland vor, daß Christen, die durchaus nicht von Juden abstammen, den Namen Jude führen, aber für Frankreich ist es wohl so bemerkenswert, daß es sich wohl lohnt, auf diesen eigentümlichen Umstand hinzuweisen. L. G. Ronssenns jüdische Tanfgenosfen. Rousseau -erzählt in seinen „Bekenntnissen", daß er 1728 in dem Kloster (Misstonsanstalt de spiritu sancto in Turin) zum Katholizismus übergetreten sei. Der französische Forscher T. M. Massen hat in der „Revue ddiistoire literaire de la France“ 1914, S. 62—71, den Aufenthalt des berühmten französischen Schriftstellers iw jener Anstalt zum Gegenstand einer kleinen Untersuchung gemacht, dabei die Seite des Registers, aus der auch Rousseaus Name steht, photographieren lassen, und kommt im Laufe seiner Darlegung zu Schlüssen, die von allgemeiner Bedeutung sind und die int besonderen auch unsere Leser interchsierew werden. Von allgemeinem Wert ist die Folgerung, daß auch durch diese Untersuchung die bekannte Tatsache neu erhärtet wird, daß nämlich Rousseau im großen und ganzen und auch in Einzelheiten

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