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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-12 · Heft 15 (12.4.1918) · p. Seite 171

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 15 (12.4.1918)
Date
1918-04-12
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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171 i llttö wenP er auch nach des großen Dichters Wort zu seiner 2uak nimmer vergessen kann, was einst sein war, so ruft er sich als Troftspende die stählende Aeußerung desselben Dichters ins Gedächtnis: Ich besaß es doch einmal. Was so köstlich ist! Me Woche. Berlin, den 9. April 1918. >ä) immer tobt die furchtbare Schlacht und eine Reihe ungeheurer Kämpfe im Westen; eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Diese -Entscheidung soll zunächst Amiens lairten; das Ziel des wuchtigen mit größtem Geschick geleiteten und mit dem wunderbarsten Heldentum durchgeführten Vordringens von deutscher Seite ist, die Engländer aus Calais ilnd die Franzosen aus Paris zu werfen, und damit diese beiden gefährlichen Gegner zu trennen und womöglich einzeln \u besiegen. Wahrlich, ein Ziel, aufs sehnlichste zu wünschen, obgleich man sich nicht verhehlen darf, daß seine Erreichung auch von deutscher Seite schwere und blutige Opfer erfordert. Liest man die feindlichen Kriegsberichte, so könnte es dem leicht zu überredenden Leser "so erscheinen, als wenn unsere Rogner nur zum Siege zuzugreisen brauchten; wir lassen uns durch solche lügnerischen Mitteilungen nicht bestimmen, trauen vielmehr unseren deutschien Heeresberichten. Die Zahl von über 90 000 Engländern, die gefangen wurden, und die Anzahl von 1300 erbeuteten Geschützen bezeugen deutlich, j wie sehr unsere Gegner geschwächt sind, und da sie -sich, tapfer I gewehrt haben, so darf man wohl annehmen, daß die Zahl ihrer Toten und ihrer Verwundeten das Doppelte oder Drei-! fache der Anzahl der Gefangenen erreicht, wenn nicht über-! steigt. Statt nun aber angesichts solcher ungeheuren, gar nicht mehr zu ersetzenden! Verluste sich zu fügen, weisen unsere j Feinde hochmütig jede Möglichkeit der Verständigung zurück,! rufen alle ihre verfügbaren Reserven ins Feld, so daß England erst jüngst'die Kriegsdienstpflicht bis zum 50. Lebensjahre ausgedehnt hat; undes ist höchst wahrscheinlich, daß, sobald Amiens, das freilich einstweilen von den ruhmredigen Franzosen als uneinnehmbar bezeichnet worden ist — ein französischer General verbürgte sich sogar dafür, daß es dauernd in der Hand der Franzosen verbleiben würde —, in deutsche Hände -gefallen ist, dies zwar aus die Gegner gewaltigen Eindruck machen, aber sie nicht eines Besseren belehren, sondern nur zu einer neuen bei ihnen beliebten Derkleinerung deutscher Erfolge führen wird. So dauert dieser ungeheure Kampf schier endlos fort, an dem nun. die Amerikaner aus das flehentliche Bitten ihrer Freunde tätigeren Anteil nehmen sollen. Wird auch gelegentlich von diesen zugestanden., daß die amerikanischen Truppen trotz ihrer guten Ausrüstung wenig zu brauchen sind, so sind es doch Tausende, die die Zähl unserer Gegner vermehren. Wann wird endlich dieses Völkerschlachten und -morden zu Ende sein! Wir können nicht aufhören, nachdem wir so oft unsere Neigung zum Frieden erklärt haben, wir dürfen nicht (Ulf die entehrenden Bedingungen eingehen, die die geschlafenen, eines großen Teils ihres Landes beraubten, und doch immer hochmütiger werdenden Feinde uns auferlegen wollen. Aber es bleibt entsetzlich, von diesem Schlachten nnd Morden immer weiter hören zlr müssen und kein Ende absehen zu können. Obgleich Rußland offiziell aus der Reihe. unserer Feinde geschieden ist, lassen unsere Gegner es an Bemühungen nicht fehlen, die gegenwärtige russische Regierung feindlich wider uns zu stimmen. Erklärt auch Japan offiziell, daß es an einem europäischen Kriege nicht teilzunehmen beabsichtigt, so werden die Anstrengungen namentlich Amerikas immer lebhafter, Rußland aufs neue .gegen uns aufzuhetzen>. Andererseits finden weiter Känrpfe der Deutschem gegen die russischen Banden, die glücklicherweise nicht die russische Regierung bedeuten, statt. In Finnland, wo diese revolutionären russischen Truppen zurückgedrängt werden, sind deutsche Truppen eingerückt; in der Ukraine ist es gelungen, einen großen mit Gewehren und Munition beladenen Eisenbahnzug fortzunehmem In Asien sind die Engländer am Jordan geschlagen und zurückgedrängt worden. Der Friede mit Rumänien ist immer noch, nicht abgeschlossen, aber laut zuverlässigen Nachrichten steht seine Unterzeichnung in den nächsten Tagen bevor. Ueber die I u de u s r a g e in diesen Friedensverhandlungen mit Rumänien schreibt das Jüdische Preßbureau in Stockholm folgendes: Die Jndenheit aller Länder ist wegen des bevorstehenden Separatfriedens der Aentralmächte mit Rumänien sehr beunruhigt. Namentlich die jüdischen Politischen Kreise der neutralen Länder und der Entente-Staaten befürchten allgenrein, daß die Rechte der Juden beim bevor stehend eir Friedenssch.lllß ignoriert oder daß sie jedenfalls nicht auf genügende Weise sichergestellt werden könnten. Allerdings sollen sich der österreichische Außenminister Czerniusonne auch di-e -bulgarische Regierung mit Energie für die jüdische Eleichberechtiguug in. Rumänien einsetzeu, allein die führende Regierung der Mittelmächte, .die deutsche Regierung, verhält sichanscheinend sehr kühl zu den jüdischen Forderungen, obgleich der Deutsche Reichskanzler, der eine Abordnung der neu ge gründeten Bereinigung jüdischer Organisationen Deutschlands zur Wahrung der Rechte der Inden des Ostens in dieser Ungelegenheit empfing, erklärt hat, daß die deutsche Regierung an einer befriedigenden Regelung der rumänischen Judenfrage Interesse nehme und si-e bereits zum Gegenstand von Besprechungen im Rahmen der in Bukarest stattsindenden Verhandlungen gemacht habe. Es wird darauf hingewieseu, daß gerade Deutschland diejenige Slignatarluacht des Berliner Vertrages ist, die zuerst die rumchrische Konstitution, die die Juden ihrer in diesem Vertrage festgesetzten Rechte beraubte, anerkannte und daß sie immer ihre schützende Hand über das Judemnorden der Rumänen hielt, während England und Amerika wiederholt gegen die Verfolgungen im Bojarenlande Einsprache erhoben. Die rumänische Regierung ist gegenwärtig bemüht, durch neue Versprechungen die internationale Oeffentbichkeit irrezuführen, indem sie durch ihre offiziellen Vertreter -erklären läßt, daß sie nach Friedensschluß aus freien Stücken an die Lösung der Judenfrage schreiten werde irnd daß eine Intervention anderer Mächte für die Juden schädlich sei. Die jüdische Welt hat es aber satt, sich von der rumänischen Regierung mit Versprechungen abspeisen zu lassen, und besteht darauf, daß die Emanzipation der Inden Rumäniens durch den Friedensvertrag sestgelegt wird, und zwar ineiner Weise, die der rumänischen Regierung jede Handhabe zu neuen Verdrehungen und Verschleppungen nimmt. Welches Mißtrauen Rumänien gegenüber geboten ist, beweist zum Ilebersluß die Tatsache der andauernden. grausam-eu Judenv erfolgu ngen in dem von rnmäni-scheu Truppen besetzten Beßarabien. Die jüdische Welt fordert -deshalb die Bestimmung, daß innerhalb einer kurzen festzusetzenden Frist die Juden Rimlänieus zu Bürgern des Landes erklärt und sämtliche sogenannte Fremdengesetze außer Kraft gesetzt werden sollen. Die jüdische Welt begnügt sich aber heute auch nicht mehr mit bürgerlichen Rechten mrd fordert di-e Anwendung des Prinzips der nationalen Selbstbestimmung aus die Jndenheit Rumäniens, die in- Sprache, Sitte und Tradition einen Bestandteil des Ostjudentums bildet. * P ogro in e in T u r k e st a n und in der U k r a i n e. Kopenhagen, 5. April. (W..T. B.) Das Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation erhielt von der HauPtorgauisation in Petersburg Nachrichten über furchtbare Judenpogrome in Turkestan. In Kokaud wurden 300 Inden getötet und Tausende ausgeplündert. Aus allen kleineren Orten werden Raub und Mord gemeldet. .In Samarkand wird stündlich der Ausbruch von Judenpogromen erwartet. Der Finanzminister der turkestanischen Republik, Herzseld, der Vorsitzende des Zionistischer:

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