Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1918)
- Date
- 1918-04-05
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, 5. April 1918 82. Jahrgang Nr. 14 «eilase zur „Allsemrtnen Leitung drß Judentums". Lorrrlpondkn?m und Aschrichtm. Srutschlsnd. Berlin, 2. April. Das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums kündigt für das Sommersemester 1918 folgende Vorlesungen an: Herr Dr. Baneth wird lesen: 1. Talmud bab., Baba Kamma K. I, 6 Stunden. 2. Talmud bab., Ta'amt K. I, 2 Stunden. 3. Talmud jer., Megilla K. IV, 1 Stunde. 4. Mischne Thora, 14. Buch, 2 Stunden. 5. Jore De'a, Hil. T'refot, 2 Stunden. Herr Dr. E l b o g e n wird lesen: 1. Bibel kurs., 2 Stunden. 2. Bibel mit alten Kommentaren, 2 Stunden. 3. Entwicklung der shnagogalen Poesie^ 2 Stunden. 4. Erklärung von hebräischen Geschichtsquellen, 2 Stunden. Herr Dr. Täubler wird lesen: 1. Jüdische Geschichte in der hellenistischen und römischen Zeit, 2 Stunden. 2. Die Bücher der Chronik als Gesichtsquelle, mit Interpretationen, 2 Stunden. 3. Der Chronist als Paraphrast (Uebungen), 2 Stunden. Herr Dr. Freund wird lesen: 1. Die literarische Behandlung der Judenfvage in der deutschen Literatur seit 1848 in ihrer Rückwirkung aus Gesetzgebung und Politik in Preußen (Abendvorlesung), 2 Stunden. Herr Dr. Hochfeld wird lesen: 1. Die biblische Weisheitsliteratur. im Religionsunterricht, 1 Stunde. 2. Apologetischer Unterricht auf höheren Schulen, 1 Stunde. Das Mitglied des Kuratoriums Herr Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Hermann Cohen wird lesen: 1. Einführung in die Psychologie, 1 Stunde. 2. Uebungen: a) zur Vorlesung, 2 Stunden: b) Maimonides, More, II, 2 Stunden. In der Präparandie werden, wie bisher, Kurse über Bibel und Kommentare, hebräische Grammatik, Mischna und das Gebetbuch gehalten werden. Näheres wird durch Anschlag am schwarzer: Brett bekanntgemacht werden. Die Festsetzung der Stunden wird bei der Eröffnung des Sommersemesters erfolgen. Alle Vorlesungen und Uebungen find unentgeltlich. Die Eröffnung des Sommersemesters erfolgt Montag, den 22. Llpril, ll Uhr vormittags. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Lime rite immatrikulierte Saldierende der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Falkultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt bei dem derzeitigen Vorsitzenden des Lehrerkollegiums, Herrn Dr. Baneth, am Montag, den 22. April, 12 Uhr, Donnerstag, den 25., und Montag, den 29. April, 11 bis 12 Uhr im Sprechzimmer der Lehranstalt. Außerdem ist Herr Dr. Baneth stets in den Pausen zwischen seinen Vorlesungen zu sprechen. N. C. Berlin, 2. April. Am 23. v. M. fand im Brüdervereirr, Kurfürstenstraße 15/16, die ordentliche Mitgliederversammlung der - Gesellschaft H a ch n a s s a t h K a l l a h (zur Ausstattung von Bräuten) statt. Rach Eröffnung der Sitzung erstattete der Vorsitzende, Herr Emil Pincus, den Jahresbericht, aus dem hervorgeht, daß in dem abgelanfenen dreijährigen Zeitraum der Gesellschaft im allgemeinen die Mittel zur Verfügung standen, die für die erbetenen Aussteuerbeihilfen erforderlich waren. Es wäre zu er- | warten, daß nach Beendigung des Krieges Gesuche in größeren Mengen eingehen würden und es dann notwendig sein wird, eine kräftige Propaganda zu entfalten. Nur zwei Jahre trennen uns noch von der zweiten Säkularfeier der Gesellschaft, die am 23. Mai 1720 gegründet worden ist, und die seitdem ihre segensreiche Wirksamkeit ausübt. Nach dem hierauf erstatteten Revisionsbericht wurde dem Vorstand die beantragte Entlastung erteilt. Bei den sodann vollzogenen Wahlen wurden die bisherigen Vörstandsmitgli>eder Emil P i n e u s, Martin F e r n b a ch, Ernst F i e g e l, Heinrich F r ä n k e I, Max Freude u h e i> m, Gustav Sachs, Siegfried S a dy s einstimmig wiebergewählt. Hieran schloß sich die Wahl der Revisionskommission, deren bisherige Mitglieder Hermann Aron, Paul B l a ch st e i n und Nathan Cohn durch Zuruf wiedergewählt wurden. E. M. Berlin, 2. April. Die am 24. v. Nt. stattgehabte Hauptversammlung der Jüdischen Blind ena n sta l t für T e u t s ch l a n d wurde vonr Vorsitzenden Professor Dr. R o s i n mit einem Nachruf für die verstorbenen Vorstandsmitglieder des Vereins Geheimrat Potsdamer, Conrad Sch aher, Geheimrat Tr. Plotke und Willibald Loewental eingeleitet. Ter Geschäftsbericht weist keine wesentlichen Veränderungen gegen das Vorjahr auf. Die Zahl der Anstaltsinsassen ist mit 25 unverändert geblieben. Die Leitung mußte sehr zahlreiche Ausnahmegesuche ablehnen. Da die gegenwärtige Lage einen Neubau nicht gestattet, soll nach vierjähriger Pause eine Vergrößerung der Anstalt vorgenommen werden, in der diejenigen Winden untergebrachit werden sollen, deren Neuaufnahme erfolgen m «u h, weil jh!nen sonst körperlicher oder seelischer Sch.aden erwachsen würde. Diese Maßnahme ist aber auch mit Rücksicht auf die Fürsorge für erblindete Soldaiten erforderlich, die der Verein ini kommenden Jahre ausnehmen will. Die Fürsorge für die Blinden soll auch nur auf die Zeit nach dem Verlassen der Anstalt ausgedehnt werden. Für den Kriegsblindenfonds soll eine lebhafte Werbetätigkeit ausgenommen werden, damit der Verein hinter den anderen Blindenanstalten nicht zurückbleibe. Das vergangene Jahr hat hohe wirtschaftliche Anforderungen gestellt. Tie Unkosten haben sich verdreifacht, die Zahl der Mitglieder ist infolge des Krieges zurückgegangen. Den Kassenbericht erstattete Herr Fränkel. Von den Einuah m e n entfallen auf die Mitgliederbeiträge 18 650 Mark: an Spenden gingen 19 500 Mark ein, an Pflegegeldzuschössen wurden 4500 Mark vereinnahmt. Aus dem Verkauf von Bürstenwaren, welche die Anstaltsinsassen verfertigt haben, wurden 1100 Mark erzielt. Bei den Ausgaben wurden 17 500 Mark für Verpflegung, 10 000 Mark für Gehälter, Bureau Unkosten verausgabt: Heizung und Beleuchtung erforderten 3400 Mark, während di>e eigentlichen Hausunkosten 3000 Mark betragen haben. Der Verein besitzt etn Vermögen von 133 000 Mark. Nachdem der Vorstand durch die Zuwahl der Herren Gewerberat Plotke, Manuel Schwarz und Paul K o st e r l i tz ergänzt worden war, schloß der Vorsitzende die Sitzung mit einem Appell an die Mitglieder, sich eifrig an der Werbetätigkeit für die Jüdische Blindenanstalt in Deutschland zu beteiligen. F. C. N. Berlin, 2. April. Mt Geheimem Sanitätsrat Dr. Max Gold stein, der vor einigen Tagen die Zeitlichkeit verließ, um zu einem besseren Jenseits einzugehen, verlieren nicht nur seine Familie, seine Freunde ein treues, goldenes Herz. Auch seine Patienten, die ihm stets treu blieben, weil seine Persönlichkeit sie anzog, verlieren in dem Verstorbenen den wärmsten Berater, den uneigennützigsten Arzt. Ungleich anderen neuzeitlichen Aerzten, betrachtete Dr. Goldstein sein von ihm im Verein mit denr vor mehreren Jahren auch verstorbenen Sanitätsrat Dr. Lilienfeld begründetes Sanatorium in Lichterfelde-Ost nicht etwa als bloßen Erwer'bszweig. Nur das Wohl der Leidenden lag ihm am Herzen. Jedem, soweit es in seiner Machtsphäre lag, zu helfen, war sein Sehnen. So hat Dr. Goldstern auch nur stets sehr bescheidene Preise in seiner Anstalt berechnet, aber dennoch für'geringen Preis stets die beste Vervslegung, die'weitestgehende Behandlung den Patienten zuteil werden lasseu. Und Mwieviel Gutes tat dieser edle Mann! Im stillen linderte. unter- ^stützte er Kranke, Arme weit über seine Verhältnisse. Im Jahre 1854 zu Cracow in Mecklenburg als Sohn eines Kultusbeamten geboren, war er von früher Jugend an bestrebt, seinen Eltern die Last zu erleichtern. Er hat es wahrlich nicht leicht gehabt. Bald nach seiner Promotion erhielt Dr. Goldstein eine Anstellung am Jüdischen Krankenhaus der Berliner Gemeinde. Er schloß einen Ehebund mit der Tochter des Verwalters daselbst, dein eine glückliche Ehe und eine befriedigende Tätigkeit später in seinem Sanatorium folgte. Nun, nach dreißigjährigem Wirken, das im wahren Sinne des Wortes segensreich genannt zu werden verdiente, hat der Schnitter Tod dieses harmonische Band gelöst. „Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist einaeweiht ..." Berlin, 2. April. Der Verein zur Pflege hebräischer Gesänge (Dirigent Kapellmeister A. Keller m a n n) veranstaltet am 10. d. M. sein diesjähriges Konzert im Blüthner-Saal. Solisti'sch wirken mit Lotte Stein (Sopran), Alfred Goltz (Tenor), Wlad. W a g h a l t e r (Violine), Walter Fischer (Orgel). Karten bei Bote u. Bock sowie A. Wertheim. Der Reinertrag ist für die Odd-Fellow-Ferienkoloniie bestimmt.