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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-05 · Heft 14 (5.4.1918) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 14 (5.4.1918)
Date
1918-04-05
Page
Seite 168 (sequence 12)
Language
German
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Es wirken tief geheime Kräfte, Selbst in des Winters eis gem Bann, Sie drängen auswärts zum Geschäfte In Feld und Wiese, Berg und Tann. Erst wenn die Sonnenstrählen füllen Die kalte Erd' mit milder Glut, Dann wird das Leben sich enthüllen. Das still jetzt noch verborgen ruht. Auch aus der Menschheit ruft dies Sehnen: LH, daß die Sonne endlich schien'. Vor der versiegen alle Tränen, . Des Krieges trübe Schatten fliehn! Seit dieser Welten Anbeginne Der Mensch sich fromm gen Osten wandt'. Wo seinem kindlich schlichten Sinne Der Wunder herrlichstes erstand. Und Israel in Not und Bangen, In Glück und Leid nach Osten blickt. Wo stets das Licht ihm aufgegangen. Das alles Dunkel überbrückt. Dann betete es auf den Knien: „Gepriesen seist du, Herr der Welt, Der Tag bricht an, die Nebel fliehen. Gelobt seist du, der uns erhält!" Nach Osten einst die Väter zogen. Zum Lichte aus der Knechtschaft Nacht, Und in des Roten Meeres Wogen Versank der Pharaonen Macht. Noch heut, wie einst, das Brot der Tränen, Das bittere, ist unser Teil, Noch heut, wie einst, das tiefe Sehnen Nach wahrer Freiheit künft'gem Heil. Und wieder wir nach Osten schauen. Dort flammt ein leuchtend Strahlen auf, Wird es zerstreuen düstres Grauen, Vertreiben schwarzer Wolken Haus? Wird sich dort glanzvoll jetzt erheben, - Was mächtig jedes Herz bewegt. Der junge Tag, das neue Leben, Das Glück, Gedeihen mit sich trägt? Da heißt es: Schassen aller Enden! Die Menschheit in Begeistrung loht. Sie möchte bessern, heilen, wenden. Daß nie mehr solch ein Krieg uns droht. Sie möcht in Einigkeit und Stärke, In treuer Arbeit, kühner Tat Hingeben sich dem Friedenswerke, Wenn jetzt nur die Erlösung naht! O Sonne komm, v Friedensbote, Beglücke uns mit deinem Schein! Der Osten strahlt im Morgenrote, Mög' dann der Tag gesegnet sein! Litersrilchr Mitteilungen. D i e i n t e r n a t i o n a l e W i r k f a m f -c i t des Judent u m s in der Vergangenheit und in der Z u k u n f t. Bon Professor Wilhelm Foerster (Bornim b. Potsdam). Preis 25 Pf. 1918. Otto Hendel, Halle. 16 Seiten Oktav. „Die Schilderung der internationalen Betätigungen des Judentums ist eindrucksvoller, wenn ein Nichtjude die Ergriffenheit von 168?——- diesen Entwicklungen darlegt." Der einstige Direktor der Berliner Sternwarte und Leiter der „Ethischen Kultur" darf aufmerksamsten Gehörs sicher sein, wenn er „mit der Absicht einer Wirkung auf möglichst weite Kreise" in noch so gedrängter Kürze sich vernehmen läßt über die Leistungen der Juden in der Ueberlieferung, aber auch der Fortbildung, der Naturwissenschaft, und der sozialen Sittlichkeit während, dreier Jahrtausende. Er beginnt mit der Sage vom Turmbau zu Babel. Laut der Volkskunde vieler Literaturen ist daran nichts besonderes Israelitisches, sondern nichts als psäfsische Warnung vor der« Vermessenheit des Uebermenschen und allgemein der Zorn der Gottheit über die Himmelshöhe des Baues. Der Anblick des Wunderwerks eines orientalischen Despoten wird den Erzähler angeregt haben, gerade in der Baukunst die Ueberstiegenheit zu schildern. Von einem echt philosophischen Geist aber zeugt das Erstaunen über die Verschiedenheit der Nationen auf Erden, die der Schluß der Sage erklären will. Aus dieser Fragestellung höre ich den austlärerischen Rationalisten, während der Antwortgeber, der in der Bibel das Wort führt, mit seiner Voraussicht, es werde der Menschheit nichts unerreichbar sein, schwerlich, tute Foerster auslegt, ein. Vertrauen auf die Zukunft der Menschheit äußert, sondern die Eifersucht und Vorbeugung der durch sie bedrohten Macht schildert: dieser Konservative hält die Völkerverfei'ndung für gottgewollt. Mit schönent Lobe hebt Foerster die Verkündung eines einmütigen Genteinschaftslebens in Jesajas hervor. Denn seit der babylonischen Gefangenschaft und rnehr noch seit Alexander beginnt die internationale Rolle der Juden. Foerster betont den Einfluß der Bibel auf Griechen, Römer und Germanen. Letzteren ward aber das Alte Testament keineswegs erst durch Luther vertraut; unter den frühesten Literaturdenktnäleru der deutschen wie der romanischen Sprachen sind Uebertragüngen des Pentateuch und der Psalmen,. Karl der Große übernimmt Exodus-Stellenfreilich nur irl lateinischer Form, Alfred aber überträgt sie ins Englische; und beide tun das in Gesetzen, also fürs ganze Volk. — Die Uebersetzungsliteratur, durch die das lateinische Christentum von der Philosophie, der Naturkunde und Heilkunst des alten Hellas und des Islam erfuhr, verdankt Juden viel. Jn Levi ben Gerson, dem Südfranzosen, um 1325, der zuerst die Camera obscura für die astronomische Forschung verwertete, steht dieser zuständige Beurteiler „einen mathematischen und astronomischen Denker und Forscher sehr hohen Ranges". Nachdrücklich betont -Foerster sodann, wie gerade Deutschlands Klassik, besonders Lesfing und Goethe, an Spinoza hängt, wie gerade Berlins geistiges Leben mit jüdischen Familien verknüpft ist. Und mancher, der vielleicht weiß, daß Heyses Mutter Saling hieß, erfährt erst hier, daß Baeyer von Hitzig abstammte. Ich möchte hinzufügen, daß der Nachfolger des großen Chemikers Millstätter ist. Natürlich konnte Vollständigkeit nicht entfernt in dieser Kürze angestrebt werden. Aber weshalb blieben sogar Heine und Börne unerwähnt? Zum Schlüsse widmet Foerster dem Zionismus einige Worte. Er sieht darin eine Art des die ganze Kulturwelt bedrohenden Nationalismus: „ein überschwengliches Ziel, verkündet glücklicherweise wohl nur von einer kleinen Minorität". Jur ganzen ist den: Aufsatz weite Verbreitung zu wünschen. F. Lieber mann. Sprechlssl. Vereheliche Redaktion! Hierdurch stellen wir Ihnen ergebenst anheim, nachstehende Notiz in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen: In letzter Zeit erhalten zahlreiche Familien, deren Angehörige militärische Auszeichnungen erhalten haben, von einer in Worms ansässigen Frau Gilückwunschschr-eiben, in Venen sich die Einsenderin, ohne eine Geldforderung zu stellen, als eine arme Mutter von zehn Kindern bezeichnet, -die für das Wohl des jungen Kriegers betet. Es hand>elt sich, nach maßgebender Auskunft aus Worms, um eine anscheinend in g.uten Verhältnissen lebende Frau, deren Mann reichlich verdienen soll und die drei unbeschäftigte, erwachsene Töchter int Hause hat. Vor Berücksichtigung wird gewarnt. Hochachtungsvoll Deutsche Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge.

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