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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-05 · Heft 14 (5.4.1918) · p. Seite 161

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 14 (5.4.1918)
Date
1918-04-05
Page
Seite 161 (sequence 5)
Language
German
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161 der Niederlassung der Juden in ihrem alten Heimatlande verbunden sind. Sie wird sich auch bemühen, die Rückkehr der Flüchtlinge zu erleichtern, die kurz nach Kriegsausbruch und auch später sich aus den Händen der Türkei retteten und -es vorzogen au szuw andern, um unter dem Schutze derer zu leben, die berysen waren, ihre Erlöser zu werden. Die zionistische Kommission fährt nach Palästina, um die Basis zum Wiederaufbau des Landes zu sichern. Der Grundstein wird auch^znr Gründung der hebräischen Universität in Palästina gelegt werden, der ersten Institution, die die nach ihrer Heimat zurückkehrenden Juden schaffen werden. Wenn jemand die Aufrichtigkeit des britischen Verhaltens den Juden gegenüber bezweifelt hat, so müssen seine Zweifel vollends durch die Tatsache beseitigt werden, daß die Mitglieder dieser Kommission frei v o n j e d e r äußeren Beeinflussung von der zionistischen Organisation gewählt wurden, um als Bindeglied zwischen -den Juden im Heiligen Lande und der militärischen Verwaltung während der Okkupation zu dienen, Daß diese Mission ihre wichtigen Funktionen in erfolgreicher Weise erfüllen möge, ist der sehnlichste Wunsch all derer, die gleich mir ein tiefes Interesse den großen Problemen der zionistischen Zukunft entgegeubringen." * lieber die Zukunft der rumänischen I u d e n ist schon in den einleitenden Betrachtungen dieser Uebersicht gehandelt worden. Ein anderes freilich ist die gesetzliche Regelung, ein anderes die praktische Ausführung. Bisher war selten von einer wirklichen Geneigtheit der rumänischen Regierung die Rede, die Verhältnisse der Juden menschenwürdig zw gestalten; nun liest man in den Zeitungen fast zum ersten.' Male von einer solchen Bereitschaft, und es scheint mir daher außerordentlich wichtig, diese, wie man glauben darf, authentische Nachricht an dieser Stelle mitzuteilen: Bern, 15. März. Wie die „Neue Züricher Zeitung" von zuständiger rumänischer Seite erfährt, ist die Jassyer Regierung fest entschlossen, ihre Pflicht lgegen die jüdische Bevölkerung zu erfüllen und ihr die Gleichberechtigung zu erteilen. Es ist zweifellos, daß die rumänische Regierung möglicherweise noch in diesen Tagen oder immittelbar nach dem Abschluß des Friedens mit den Mittelmächten die Gleichberechtigung der Juden proklamieren wird. Die dazu notwendige, gesetzliche Gutheißung durch die Kammern kannallerdings -erst nach den Neuwahlengeschehen, da die gegenwärtige Regierung 1914 rni>t der einzigen Ausgabe, die Agrar- und Mahlrechtsfrage zu lösen, gewählt wurde und sich gleich nach Friedenschluß auf lösen wird. * Endlich mag auf einen Artikel der „Norddeutschen Zeitung": „Polnische Ausblicke" hingewiesen werden. In diesem werden die industriellen Aussichten Polens, auch die der deutschen Arbeiterbevölkerung, beleuchtet. Es wird sodann darauf hingewiesen, daß bisher in Polen die Plätze des sogenannten Mittelstandes durch Juden urtb Deutsche eingenommen waren. Der Artikel schließt mit folgender Betrachtung: Durch die russische Politik waren die Juden gerade irr Polen in großem Maße zu sa m mengest fercht, so daß sie hier ein eigenes Volkstum bilden und sich nicht mir kaufmännisch, sondern in großem Nmfa-nge auch im- Handwerk betätigen. Von der Bevölkerung Warschaus beispielsweise ist ja mehr als ein Drittel jüdisch. Neuerdings tritt die antisemitische Bewegung in Polen wieder sehr stark hervor. Den Warschauer jüdischen Studenten ist die Gründung eigener Korporationen ebenso verweigert, worden wie die Aufnahme in polnische Korporationen. Lebhafte Erregung verursachte in den jüdischen Kreisen Warschaus noch in den letzten Tagen eine vom dortigen Magistrat -eingeführte Steuer für Geschäftsreklameschilder, die vornehmlich die nichtpolnischen Schildertexte treffen soll, was als schwere und. gewollte Beeinträchtigung namentlich der jüdischen Geschäfte ansgelegt wurde. Das Judentum wird im selbständigen Polen, nach den heutigen Stimmungen und Strömungen zu urteilen, einen schweren Stand finden, auch wenn vorläufig die Rechte der Minderheiten verfassungsmäßig sicher gestellt sind. Hoffen wir, daß diese Betrachtungen etwas zu trübe gefaßt sind und daß in Polen wie in Rumänien die Gleichstellung der Juden in Zukunft nicht bloß auf dem Papiere steht, sondern daß ihre Verhältnisse sich in jeder Beziehung erfreulich gestalten» mögen. *- Während dies geschrieben wird, blickt heller Sonnenschein durch die Fenster. Könnte doch auchdie Seele erfüllt sein von Sonnenglanz und ungetrübter Freudigkeit! Aber noch will Bangen das Herz beschleichen und mannigfache Sorge bedrückt uns. Die ungeheueren Kämpfe gehen ununterbrochen weiter; die Fest- und Feiertage, in denen sich sonst die ganze Menschheit frohen und friedlichen» Frühlingsempsindungen hinzugeben geneigt ist, sehen unendliche Scharen in beispiellosem Ringen gegeneinander stehen. Wohl sind unsere Aussichten glänzend, die von uns errungenen Erfolge ungeheuer, aber noch lange ist das Ziel nicht erreicht und statt der Friedensglocken sprechen die ehernen Geschütze ihr grausames Wort. Möge, das ist unser innigster Herzenswunsch, das gegenwärtige Pessach^ und Osterfest das letzte sein, das die Welt in Waffen starren steht. Trotz ihrer fürchterlichen Niederlagen-, trotz ihrer ungeheueren Verluste wollen die Gegner keine Ruhe geben; folglich müssen sie durch Gewalt belehrt werden. Möge die Stunde bald schlagen, in der sie ihr Unrecht und ihr Verbrechen einsehen, um Frieden bitten, und möge dann eine lange ungetrübte Friedensära die Menschheit wieder zu gesegneter Kulturarbeit vereinigen! Radirrungm?u rinrr haggadah von Iolrph Ludlw. Von H. Friedeberger. uf der jüngsten Frühjahrsausstellung der Berliner Sezession fesselte ein Radierungszhklus eines jungen polnischen Graphikers die Aufmerksamkeit. Es waren Radierungen zu einer Prachtausgabe der Haggadah, und als ihren Schöpfer wies der Katalog Joseph Budko aus, einen Schüler Hermann Strucks. Es handelt sich um 26 Blätter, Zierstücke, Schriftseiten und -zeilen mit Schmuck, Illustrationen und Initialen, sowohl solche mit figürlichen als solche mit rein ornamentaler Verzierung. In allen aber — und das macht ihren besonderen .Wert ans — spricht sich die ausgeprägte Begabung eines geborenen Graphikers aus. 'Budko ist in den Kreisen, die an der Entwicklung der neueren Radierungskunst Anteil nehmen, kein Fremder mehr. Er hat eine Anzahl Arbeiten in den letzten Jahren geschaffen — namentlich Buchzeichen —, die in den verschiedenen Fachzeitschriften veröffentlicht worden sind. Man konnte in diesen Arbeiten eine immer mehr zunehmende Reise feststellen, ein immer sichereres Fortschreiten auf den Bahnen reiner Graphik, dabei die allmähliche Ausbildung eines persönlichen Stils. Natürlich hat Budko seine Vorbilder gehabt, und es ist nicht schwer, angesichts einiger dieser Haggadah-Radierungen, namentlich der Initialen, Marcus Behmer als seinen Leitstern zu erkennen, ebenso wie die eigentlichen Illustrationen, besonders in der Bildung der Landschaften, deutlich an Struck erinnern. Aber aus alledem spricht doch auch wieder etwas, was weder Struck noch -Behmer gehört und was bei dem Ernst, der den Budkoschen Arbeiten bisher auch im kleinsten immer innegewohnt hat, einen Graphiker von eigener und nicht gewöhnlicher Prägung zu versprechen scheint. Bei dem Haggadah-Zhklus kam dem Künstler eines hilfreich entgegen: der ornamentale Wert der hebräischen Schristzeichen. Er hatte ihn — gleichsam so nebenbei — schon auf einzelnen seiner Buchzeichen erprobt. Jetzt versucht er zum ersten Male, die Schrift monumental-dekorativ zu verwenden, ihr — in

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