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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-05 · Heft 14 (5.4.1918) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 14 (5.4.1918)
Date
1918-04-05
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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neue Kriegsanleihe Näheres zu erfahren, beherrscht das Interesse aller in einem derartigen Umsange, daß alles andere hinter diesen gewaltigen Ereignissen zurücktritt. Trotzdem soll daraus hingewiesen werden, daß der Friede mit Rumänien, dessen . Abschluß sich durch die Ernennung eines neuen Ministeriums verzögert hatte, nun ganz nahe bevorsteht. Dieses Ereignis ist für uns Deutsche nicht nur wichtig, dadurch,, haß damit ein zwar nicht gefährlicher, aber immerhin unangenehmer Gegner aus den Reihen unserer Feinde scheidet, sondern besonders dadurch, daß durch die gezwungene Ruhe Rumäniens sich eine neue reiche Quelle für unsere Lebensrnittel- und unsere Oelversorgung eröffnet. Für uns Juden ist dieser Friedensschluß von hoher Bedeutung, weil sich in dem geschlossenen Vertrage nun auch wohl eine Bestimmung über die Lage der Juden finden wird? Man darf dieser neuen Bestimmung nicht skeptisch mit dem Bedenken entgegentreten, daß schon vor 40 Jahren in dem Berliner Vertrage von 1878 eine solche Bestimmung gestanden hat. Denn man muß daran denken, daß der feste Wille der Mittelmächte, diese Bedingung auch wirklich durchzuführen, ein ganz anders starker ist als früher, und daß vor allen Dingen die Lage Rumäniens jetzt eine derartige ist, daß es durchaus gezwungen ist, sein gegebenes Wort unter allen Umständen zu halten. * Ueber j üdi s ch e V er h ält ni s s e im einzelnen ist aus den verschiedensten Quellen nachstehendes zu berichten. Zunächst geben wir einen Aufruf, der schon vor etwa 14 Tagen erlassen ist, der aber als ein wichtiges Zeugnis an dieser Stelle nicht fehlen darf. Ein Aufruf an alle freiheitlich Gesinnten. Berlin, 18. März. Die einmütige begeisterte Hingabe, mit der ganz Deutschland in den ihm aufgezwungenen Kamps trat, hatte die Hoffnung. erweckt, daß. es für immer vorbei sei mit der Bewertung der einzelnen Volksteile nach Klauben und Abstammung; hatte diese doch dem deutschen Namen im Ausland unendlich geschadet, im Innern unendliche Verbitterung .geschaffen, die Gegensätze verschärft. Diese hochgemute Auffassung, die eine Beendigung unserer Arbeit in naher Frist ins Auge fassen zu können glaubte, hat sich nicht verwirklicht. Schon wieder hat ein neuer antisemitischer Feldzug begonnen; alle Anzeichen lassen erkennen, daß er nach Beendigung des Krieges in schärfster Form fortgesetzt werden' soll; umfangreiche Vorbereitungen sind dazu getroffen, gewaltige Geldmittel dafür gesammelt. - Unter Verleugnung der Tatsache, daß leider mitten im schweren Kampf Habsucht und Wucher in allen Kreisen des deutschen Volkes Platz gegriffen haben, sollen Verfehlungen einzelner jüdischer Volksgenossen verallgemeinert und zur Grundlage eines Kampfes gegen die deutschen Inden gemacht werden; gegen unsere jüdischen Mitbürger, die im Kriege genau so ihre Pflicht getan haben wie die anderer Konfessionen, die a>uf zahllosen Schlachtfeldern geblutet, die Tausende ihrer Söhne dein Vaterlande zum Opfer gebracht haben. Die Absicht der Judenfeinde zielt aber tiefer. Sie wollen den Judenhaß, als Mittel ausnutzen, um die stark gefährdete unberechtigte Vormachtstellung einer kleinen. Kaste noch einmal gegen die doch nicht auszuhaltende Neuordnung der inneren Verhältnisse Deutschlands zu befestigen. Demgegenüber ist es Pflicht aller vaterländisch Gesinnten, den Ansturm der rückschrittlichen Parteien zu bekämpfen. Das Vaterland bedarf bei seinem Wiederaufbau, der Kräfte eines jeden, der sich freudig zu ihm bekennt, unbeschadet seines Glaubens und seiner Abstammung. Es .gilt, die in ihrem tiefsten Grunde unsittlichen Ideen des Antisemitismus niederzuwerfen. Alle, die eine freie und friedliche Zukunft des deutschen Volkes erstreben — Christen wie Juden —, rufen wir auf zu diesem hoffentlich letzten Kamps um die wahrhafte Gleichberechtigung, aller Deutschen ohne Unterschied des -Glaubens. Die Höhe des Beitrages ist satzungsgemäß in das Belieben der Mitglieder gestellt. Ter Durchschnittsbeitrag betrug bisher 3 bis 159 - 6 Mark, doch hat ein großer Teil unserer Mitglieder in den letzten Jahren aus freien Stücken diesen Betrag erhöht. Die gegnerischen Organisationen haben ihre Beiträge durch offiziellen Beschluß ihrer Generalversammlnngen verdoppelt und verdreifacht. Durch die Zahlung eines Beitrages von 300 Mark kann die lebenslängliche Mitgliedschaft erworben werden. Auch einmalige größere Spenden ohne fortlaufende Verpflichtung find erwünscht. Mitgliedsanmeldungen.und Beiträge bitten wir zu senden an die Adresse .unseres Bureaus in Berlin, W 35, Flottwellstraße 7. Der Vorstand des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus. Bergrat Gothein, M. d. R., erster Vorsitzender; Geheimer Regierungsrat Professor Wilhelm Foerster, stellvertretender Vorsitzender; Geheimer Justizrat L,andgerichtsdirektor Kanzow, M'. d. A., Schatzmeister; Justizrat Dr. Bollert, M. d. R.; Rechtsanwalt Dr. Baerwald, Frankfurt a. M.; Jnstizrat Dr. Gehrke, Stadtverordnerer, Frankfurt a. M.; Bankier Aby S. Marburg, Hamburg; Dr. A. Südekum, M. d. R., Zehlendorf b. Berlin. Schon dieser Ausruf zeigt, wie nötig es ist, in Deutschland alle Kräfte gegen den Antisemitismus zu sammeln, der eben, weil er sich nicht belehren lassen will, sich trotz aller Erfahrungen während des Krieges rührig genug gezeigt hat, so daß zu befürchten ist, daß nach dem Kriege die Anstrengungen doppelt und dreifach stark aufleben werden. Eine solche agitatorische Tätigkeit gegen die Juden, die fveilich von den Führern, der „V a t e r l a n d s p a r t e i" geleugnet wird, während sie in den Kreisen dieser Partei üppig genug emporschießt, soll nach einem neuerlich verbreiteten Aufrufe von der „Deutschen Arbeiter- und Angestelltenpartei" entfaltet werden. In einem Ausrufe dieser neuen Gruppe, der am 22. März in manchen Zeitungen veröffentlicht worden ist, wird unter den Forderungen, die sich auf äußere und innere politische Fragen beziehen und die unter anderem auch den Anschluß sämtlicher Deutsch-Balten an das deutsche Volk verlangen und die in Arbeiterfragen sich hauptsächlich gegen die sozialistische Partei wenden, auch die folgende ausgenommen': „Gegen die Herrschaft des jüdisch-demokratischen Geldsacks." Eine solche Forderung heißt, wenn auch verblümt, eine offene Kriegserklärung gegen Juden und Judentum, und wir werden gut tun, nicht etwa bloß von einer solchen Erklärung Notiz zu nehmen, sondern werden uns bemühen müssen, uns kräftig gegen sie zu rüsten. Nicht minder rührig als in Deutschland ist der Antisemitismus auch in Oesterreich-Ungarn. Besonders lebhaft tritt er in der „Wiener Reichspost" hervor. Nur daß sich hier der Kampf nicht vorzugsweise gegen das jüdische Kapital, sondern gegen die jüdische Intelligenz, speziell gegen die akademischen Kreise richtet. Das genannte Blatt hat das Schlagwort „von der Verjudung der Wiener Universität" aufgewärmt und sieht eine große Gefahr für das deutsche Geistesleben in der Stärkung des jüdischen Elements an der österreichischen Hochschule. Ihr sekundiert die „Ostdeutsche Rundschau", welche die „arischen Studenten" zum Zusammenschluß auffordert. Wenn es in diesem Aufrufe, unmittelbar nachdem von der Bewahrung des deutschen Charakters der Wiener Universität die Rede gewesen war, heißt: „Heraus mit den Fremdlingen", so wird man diese Aufforderung richtig deuten, indem man sie nicht in erster Linie gegen Tschechen und Slawen und andere Völkerschaften, sondern gegen die Juden gerichtet hält. Darum ist es dankbar zu begrüßen, daß die „Wiener Sonn- und Montagszeitung" gegen diese törichten Insinuationen Stellung nimmt und das jüdische Bildungsstreben von seiner achtungswerten, wahrhaft kulturfördernden Seite zeigt. Der betreffende Abschnitt, der allerdings auch manche Schäden, die sich in jüdischen Kreisen offenbaren, offen darlegt, lautet folgendermaßen:

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