Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1918)
- Date
- 1918-04-05
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
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158 Wem aber von all denen, die heute in Gedanken bei ihren Lieben daheim sind, das Glück zuteil werden sollte, im nächsten Jahre am heimischen Herd den Sedertisch zu bereiten, der wird dann aus tiefster Seele das Glück erfassen können, das in dem Wort liegt: Heimat und Frieden! Dir Woche. Berlin, den 2. April 1918. er gewaltige Vorstoß -er deutschen Truppen im Westen, der schon am Schluß der vorigen Berichtswoche einsetzte, ist in dieser weiter fortgeschritten und hat die glänzendsten Resultate erlangt. Natürlich ist diese furchtbare Schlacht, wohl die ungeheuerste, die je in der Kriegsgeschichte da war, eine Schlacht, die man. in jeder Beziehung als einen Entscheidungskampf wird bezeichnen dürfen, noch keineswegs abgeschlossen. Schon am28.März waren gegen 1100 Geschütze, eine ungeheure Masse von Maschinengewehren, etwa 1000 Tankwagen und 70 000 Gefangene gezählt; die blutigen Opfer, welche die Engländer erlitten, sind ungeheuerlich, so daß sie im einzelnen gar nicht, sestgestellt werden können. Von den Engländern sind 45 Divisionen im Kampf, drei Viertel ihrer gesamten Heeresmacht. Schon bis zum 27. Mürz war aller Ländergewinn, den die Engländer nach entsetzlichsten Verlusten und mit unsäglichen Mühen seit dem Jahre 1916 gemacht haben, wieder zurückerobert; ja manche Dörfer und Städte, auch einzelne beherrschende Höhen, deren außerordentliche Wichtigkeit von den Gegnern selbst zugestanden wird, sind neu in die Hände unserer heroischen, nach glänzendem einheitlichen Plane geführten und ihre Aufgabe mit wunderbarster Tapferkeit und Zähigkeit erfüllenden Truppen gefallen. Es versteht sich von selbst, daß bei diesem, hoffentlich letzten Messen aller verfügbaren Kräfte die Entscheidung nicht ohne Verluste unsererseits möglich ist, obgleich nach der Versicherung unserer Heeresleitung diese Verluste verhältnismäßig gering sind. ' Es ist ferner vorauszusehen, daß die Erfolge, die unsere herrlichen Truppen im ersten Ansturm in so überraschender Weise davongetragen haben, nun in langsamerem Tempo die Entscheidung herbeizufühven vermögen. Aber jedenfalls ist ganz Außerordentliches erreicht worden.' Die Anerkennung der neutralen Staaten, die ungeheure Bestürzung der Gegner, -das sichtliche' Bemühen der Minister und Herrscher, ihre Völker trotz der Eingeständnisse unserer kaum für möglich gehaltenen Fortschritte zu beruhigen, ihre lügenhaften Meldungen von Erfolgen, die sie errungen haben, sind untrügliche Zeichen für die ganz außerordentlichen, fast ungeahnten Siegeszüge der deutschen Wasstn. Es wirkt daher geradezu lächerlich, wenn man nicht bei den ruhmredigen Franzosen gerade bei ihren schweren Niederlagen auf solche törichten Aeußerungen gefaßt wäre, daß Elemenceau und die Seinen sich befriedigt, ja entzückt über die Lage äußern und sich zu der hirnverbrannten Phrase versteigen: „Seien wir überzeugt, daß der deutsche Militarismus mit gesenktem Kopse in seine letzte Niederlage rennt." Bisher nämlich hat dieser Krieg noch immer gezeigt, daß die Deutschen erhobenen Kopfes marschieren und daß sie von Sieg zu Sieg schreiten. Und wenn es auch hier und dort an Schlappen nicht gefehlt hat, so haben die unvergleichlichen Siege im Westen und Süden, im Südosten und Osten bewiesen, daß unsere Triumphe die kleinen Schlappen weit übersteigen. Das empörendste in dem Gebaren unserer Gegner aber ist, daß sie noch immer vom deutschen Militarismus zu reden wagen, sie, die den schlimmsten Militarismus seit Jahren üben und nur durch diesen unsere grandiose Volksorganisation zu bekämpfen versuchen, um sie womöglich zu besiegen. Dieser Versuch kann, dessen sind wir sicher, nicht gelingen. Die. Beschießung von Paris, die aus weiter Entfernung (man spricht von 120 Kilometern) unternommen worden ist, über deren Resultate freilich nichts Bestimmtes bekannt ist, außer daß sie die entsetzlichste Beklemmung in der Hauptstadt Frankreichs hervorrust, die Franzosen zu ungewohnten Maßregeln' nötigt, viele Tausende zum Verlassen der Hauptstadt gezwungen hat und selbst der Regierung, den Plan nahe legt, Paris zu verlassen, ferner die außerordentlich zahlreichen Luftsiege, endlich die Fortsetzung unserer gewaltigen, U-Boot- Ersolge — das sind alles Anzeichen, daß die letzte Phase eingetreten ist. Unsere Gegner selbst sprechen sehr kleinmütig über den Ernst und das Bedrohliche ihrer Lage, obgleich sie sich immer noch nicht klar werden wollen 'über den Zustand, in den sie durch ihre unverminderte Hartnäckigkeit und ihre unveränderte Verblendung geraten sind. Wäre ein Funke von Verstand und Selbsterkenntnis bei unseren Gegnern vorhanden, so würden sie jetzt die Hand zum Frieden bieten. Aber die Engländer, die nur als Bundesgenossen Frankreichs zu handeln vorgeben und heuchlerisch genug ihre eigenen Machtpläne verbergen, gestehen mit vollem Zynismus, daß sie bei ihrem Rückzug, den sie gar nicht in Abrede zu stellen wagen, alle Brücken sprengen, blühende Landschaften (französische Provinzen) planmäßig zerstören; sie reden sich ein, auf ihre Truppen, deren Tapferkeit von unserem Kaiser selbst anerkannt worden ist, vertrauen zu dürfen, stärken sich mit Huldigilngsadressen, Vertrauensvoten und Belobigungsschreiben und winseln doch dabei um die Hilfe der Amerikaner. Die wunderbaren Erfolge, die wir bisher errungen haben, sind eine herrliche Einleitung zu dem Pessach- oder Befreiungsfeste, in dessen Mitte wir stehen. Möchten, so erschrecklich und betrübend auch die Zerstörungen und Abschlachtungen sind, die im Westen geschehen, so niederdrückend auch unsere eigenen Verluste sein mögen, die letzten Tage des Festes weitere große Fortschritte bringen, damit das Ende des Festes die „Zeit unserer Befreiung" sei und die Friedensverhandlungen eröffne. Unter dem Eindrücke dieser geradezu märchenhaften Ereignisse schreitet die Zeichnung auf unsere 8. Kriegs anleih e weiter fort. Geld ist und bleibt nun einmal die notwendigste Bedingung zum Kriege: die ungeheuren, schon ins Riesenhafte gewachsenen Mittel müssen vermehrt werden, um all das zu schaffen, was zu diesem noch nie erlebten Völkerringen notwendig ist. Möge jeder Deutsche an seine Pflicht gemahnt werden. Wir bezeichnen nicht nachdem törichten Vorgänge unserer Gegner diese Anleihe als eine Siegesanleihe; wir wissen leider, daß auch sie eine der Kriegsanleihen ist, leider nicht die letzte. Aber wir müssen uns dessen inne bleiben, daß, wie jeder Soldat im Felde trotz seiner Friedenssehnfucht und seinem Verlangen nach Ruhe in vorbildlicher Weise seine Pflicht tut, jeder der Heimgebliebenen als erste und oberste Pflicht erkennen muß, die Mittel zu schaffen für die Fortführung und endliche, glückliche Beendigung des ungeheuren Krieges. Man kann das oft Gesagte nicht stets mit neuen Wendungen ausführen; darum wiederholt sich die Mahnung ihrem Inhalte und ihren Worten nach. Möge jeder Deutsche und besonders jeder Jude sich gesagt sein lassen, daß er durch Darreichung seines Beitrags seine heiligste Pflicht erfüllt? daß kein feiges Bedenken, keine Scheu und keine Rücksicht ihn abhalten darf, seinen Beitrag zu geben, daß jeder sich inne bleiben muß des Gedankens, daß es auch aus ihn ankomme, daß keiner sich zurückhalten lassen darf, daß vielmehr die Zeichnung auf die Kriegsanleihe die vornehmste und heiligste Pflicht jedes vaterländisch Denkenden sein und bleiben muß. * Die begierige Aufmerksamkeit auf die Ereignisse im Westen, der Drang, von den Fortschritten der Zeichnungen auf die