Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1918)
- Date
- 1918-03-27
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 'naturgemäß als durchaus wünschenslvert." Ter Präsident des 2vb- Uovdnetenhauses Karl v. Sasz erklärte: „Ich gehöre zu den Liberalen alten Schlages. Wer da weiß, wie glückliche Erfahrungen wir. in Ungarn mit der Gleichberechtigung der Juden gewacht haben, wird es auch ipr Interesse des rumänischen Volkes wünschen müssen^ daß das im Berliner Vertrag niedergelegte Prinzip der Gleichberechtigung' der rumänischen Juden ehestens Wirklichkeit werde." — Anläßlich des Ablebens des Exsultans Abdul Hanrid weist Otto May bäum iw „Eghenlöseg" auf die Shnrpathien hin. welche. der Verstorbene den Juden seines Reiches gegenüber i'n vielen Fällen bekundete. So war e^' der erste türkische Herrscher, der ihnen die volle Gleichberechtigung mit den Mohammedanern sicherte. Bei seiner Thronbesteigung erließ er ein Jrade, auf Grund dessen die Großrabbiner im Türkischen Reiche ständige Gehälter bezogen, womit er sie zu Staatsbeamten erhob. Alljährlich zu Pessach mußten auf seinen Auftrag dem Großrabbiner der Türkei 8000 Franken zur Verteilung an arme jüdische Koustantinopler Fallülien übermittelt werden. Ms im Jahre 1881 die kretensische Regierung die Juden voll dem Wahlrecht für die Städte ausschloß, annullierte Abdul Hamid die mit Ausschluß der Juden vorgenommenen Wahlen und erteilte den schuldigen Behörden eine scharfe Rüge. Nach der großen Brandkatastrophe vom Jahre 1882, durch welche 7000 jüdische Familien obdachlos wurden, bot er alles auf, um die Not der Betroffenen zu lindern. Im Jab re 1883 wurde der damalige Großrabbiner Moses Lewv mit einern Orden ausgezeichnet. In der darauffolgenden Audienz gab der Sultan auch versönlich seiner Sympathie für die Juden Ausdruck und gedachte mit Bedauern der Tatsache, daß in anderen Ländern die Juden so vieler Leiden, Versolgnnaen und Unterdrückunaeu ausgesetzt sind. „Ich meinerseits," betonte Abdul Hamid, „bin mit meinen jüdischen Beamten außerordentlich zufrieden, sie sind sebr arbeitsam, fleißig, verläßlich, und ich habe auch die Absicht, ihre Zahl zu vergrößern." Die Folge dieses Versprechens war, daß die Juden von dieser Zeit an in der Türkei leichter m Staatsstellungen gelangten. Im Staatsrat sitzt auch.,der Jude Bebar Eifendi Askenaii und im Tiplomatenkorps fungieren fünfzehn indische Gesandte. Konsuln und Vizekonsuln als Vertreter der Türkei. Im Türkischen Reiche selbst würden an die Stütze mehrerer Gouvernements indische Gouverneure gestellt, und verbältlnsmüßig groß ist die Zahl der.Inden-, welche zu dem Titel und der Würde eines Pascha gelangten, was für die Juden früher unerreichbar war. Abdul Hamid bat sein Wohlwollen für die Inden auch dadurch bekundet, daß er den verso laten rumänischen Juden in Kteinasien Siedlungskonzessionen erteilte und ihnen auch materielle Unterstützungen in Form von Boden mib Geldmitteln bewilligte. Von Nah und ffern. — Der Charakter als Sanitätsrat ist verliehen worden: den Aerzten Tr. Bertbold Glückstein, Dr. Otto Hannemann, Dr. Georg I a c v b s o h n . Dr. Julius I a c o b f ohn . Dr. Hermann K a it t o f o w icz . Dr. Hugo Meyer, Dr. Leopold P u l Vermacher. Dr. Julius Sternberg in Berlin; den Aerzten Dr. Alfred M a r c u s e . Dr. Emanuel Rosenberg. Dr. Leo Spicker, Dr. David Wittkowski in Charlottenburg!: den Aerzten Tr. Isidor A u e r b a ch, Dr. Ernst I o s e v h und Dr. Moritz Lewitt in Berlin-Schöneberg. Den Charakter als Geheimer Sanitätsrat erhielt Sanitatsrat Dr. Bruno Schaefer in Charlottenbnrg. — Den 75. Geburtstag beging Herr Siegfried Loewenw ald, der sich als Mitglied der A r m e n k o m m i s s i o n , der Kommission für arme durchreise n d e I u d e n und der B e r a n l a g u n g s k o m m i s s i o n im Ehrendienste der Berliner Jüdischen Gemeinde betätigt. Besondere Verdienste hat Herr Loewenwald sich als Kurator des K r a n k e n b a u s e s erworben, dessen Vorstand er seit langen Jahren angehört. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde und die einzelnen Verwaltnnaskommissionen, in denen Herr Loewenwald in jugendlicher Frische mitarbeitet, haben dein greifen Jubilar ihre Glückwünsche übermittelt. — Dem Schöneberger Stadtverordneten Geheimen Sanitätsrat Dr. Friede m a n n ist die Roie- Kreuz-Medaille 2. Klasse verliehen worden. — Am 14. d. M. wurde auf dem Friedhofe zu Weißensee Direktor Benno Cob mann zur letzten Ruhe bestattet. Die Krieasfürsorge der Berliner Jüdischen Germinde, der Coßmann seine ganze Kraft in den letzten Jahren gewidmet hat, verliert in dem Entschlafenen einen rastlosen Mitarbeiter. - - D i e Bibliothek der Berliner I disch e n G e m e i n d e hat in der Handschristenversteigerlmg bei Karl Ernst H e n r i c i verschiedene Autogramme für ihre. HlMdschrrftenfammlung erworben. Ein Albumblatt Moses MelidelssohllH MteinevBleistiftzeichnung des.Philosophen ging für 1100 Mark in Privathände über. — Dem Kaufmann Herrn Josichh Pinkus in Berlin-Wilmersdorf, Augustastratze 8/9, der seit Kriegsbegrnn als SemMtsunteroffizier im Felde steht, ist das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen worden. — ^er Geheime Sanitätsrat Dr. Max Gold stein, Besitzer eines Sanatoriums in Berlin-Lichterfelde, ist im 64. Lebensjahre gestorben. — Der Lehrer Max Kaufmann in Posen konnte am 1. d. M. auf eine 40jä'hrrge Tätigkeit im Religionsschuldienste der Shnagogeygerneinde zurückblicken. — In -der ersten diesjährigen . StadtverordnetMfitzmrg in Exin wurde zum 1. Vorsitzenden Justizrat Loewh, zum Schriftführer' Kaufmann Leiser gewählt. — Vizefeldwebel und Offiziersafpirant Max Lehmann, Schn des Kaufmanns Gustav Lehmann in Altona, wurde zum Leutnant der Reserve befördert. — Aus Kassel wird uns geschrieben: Herr Michael Pulvermacher, der sich hervorragende Verdienste um die deutsche Industrie und Volkswirtschaft erworben hat, feierte hier feinen 80. Geburtstag. Das Vorsteheramt der hiesigen Jüdischen Gemeinde brachte dem Jubilar Glückwünsche dar. — Am 19. d. M. ist in Kassel Stadtrat und Kommerzienrat Georg R o s e n z w e i g gestorben. -- Dem Vorsitzenden des Vorstandes der Synagogengemeinde Bonn Herrn Bankier Louis David wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen. — Ntan schreibt uns aus Göppingen: Am 10. d. M. feierte Herr Privatier Julius Rein g an um mit seiner -Frau aeb. Hirsch iln körperlicher und geistiger Frische die goldene Hochzeit. Entsprechend dem schlichten Sinne des Jubelpaares wurde von einer öffentlichen Feier abgesehen. Ein weiter Kreis von Freunden und Bekannten jedoch, besonders aber die hiesige israelitische Gemeinde, deren ältestes Vorstandsmitglied Herr Reinganum ist, bekundeten den ehrwürdigen Eheleuten herzliche Teilnahn^e. begleitet von km besten Segenswünschen. — Albert Steine r , Sohn des Herrn Rechtsanwalt und Notar Steiner in Göppingen, erhielt das Eiserne Kreuz II. Klasie. --- Das Israelitische Konsistoriun^ des Unterelsaß hat durch ein an die Rabbiner und Sllnaaogenverwaltung gerichtetes Rundschreiben auf die Wichtigkeit der achten Kriegsanleihe hingewiesen und die ihm untergestellten Behörden und religiösen Anstalten ersucht, dam beiz nt ragen. daß auch die neue Anleihe m einem vollen Erfolg geführt wird. -- Der Genfer Staatsrat hat Fräulein Lina Stern, Doktor der Medizin, zum außerordentlichen Professor der physiologischen Chemie an der medizinischen Abteilung der Genfer Universität ernannt. Fräulein Lina Stern ist die erste Frau, die einen Lehrauftrag an der Genier Universität erhielt; sie ist eine aus Rußland stammende Jüdin. — Ans Wien wird berichtet: lieber die . heimkehrenden Kriegsgefangenen aus Rußland wurde im österreichischen Abgeordnetenhause intervelliert. Danach werden die zu rückkehrenden Gefangenen wie Verdächtige behandelt; sie werden im Heimkehrlager in Zolkiew auraehalten und dort sogleich gemustert und die als frontdiensttanglich Klassifizierten sofort in die Marschkompagnie eingekeilt. ohne daß ihnen ein Urlaub zum Besuche ihrer Familienanaehöriaen gewährt werde. — In Wiien ist der bekannte österreichische Finanzmann Ritter Hermann v. Goldschmidt, der lange Jahre im Wiener Haufe Rothschild «eine hervorragende Stellung einnahm, i.m 78. Lebensjahre gestorben. — Die jüdischen Parteien in der Ukraine erhielten in der Rada. die 809 Mitglieder umfaßt. 50 Sille, und rwar Zionisten 13, Pocrle Zion 9, Bund 13, Berei>ni.gte Sozialisten 13, Volksparter 2. — Das Warschauer Rabbinat, das im vorigen Jahre in Anbetracht der schwereir Zeitverhältnisse den Genuß von Hülsenfrüchten an den Passahtagen gestattete, hat, wie uns mitgeteilt wird, auf Befehl der Chassidiwrabbis und der mit ihnen verbündeten deutschen Orthodoxie für dielen Pessach den Genuß dieser Lebensmittel verboten. — In einer Sitzung der Jüdischen Gemeindeverwaltung in Schanghai, die sich mit der Frage der Schaffung eines Fonds für die Entwicklung der jüdischen Institutionen in Palästina befaßte, wurde initgeteilt,. daß von seiten einiger hervorragender jüdischer Persönlichkeiten Schanghais den Führern der zionistischen Bewegung in London 10 000 Pfund Sterling zum Bau eines Hospitals in Jerusalem angeboten seien, unter dev Voraussetzung, daß Palästina den Juden zurückgegeben werde. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeiqenteil: Mar Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.