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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-27 · Heft 13 (27.3.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 13 (27.3.1918)
Date
1918-03-27
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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aus städtischen Mitteln bezahlten Betrag von 240 Mark auf 440 Mark zu erhöhen, da nach einer Umfrage in den meisten Städten höhere Zuschüsse geleistet würden als in- Schweidnitz.. Stadtverordneter Sani Lätsrat Dr. Hertzog erhob Einspruch gegen diese Bewilligung sowie überhaupt gegen jegliche Leistung für diesen Zweck aus städtischen Mitteln; es sei dies eine reine Privatsache der jüdischen Gemeinde. Im weiteren erhob er schwere Vorwürfe gegen die Judenschaft, die er als treibende Kraft der vaterlandsseindlichen Bestrebungen hinstellte. Erster Bürgermeister Cassebaum und verschiedene Stadtverordnete erhoben energisch Einspruch gegen die Ausführungen des Sanitätsrats Dr. Hertzog, und bei der Mstimmung ergab sich die Annahme des Magistratsantrages mit 18 gegen 8 Stimmen. M. Hamburg, 22. März. Der Jsr ael i ti sch e hum-a nitäre -Frauenverein hielt im Logenheim seine Hauptversammlung unter Vorsitz von Fräulein Sidonie Werner ab. Aus dem erstatteten Jahresbericht war zu entnehmen, daß der Verein auch im verflossenen Jahre seine Haupttätigkeit aus die von ihm ins Leben gerufenen und teilweise allein, teilweise in Gemeinschaft mit anderen Institutionen aufrechterhaltenen Wohlfahrtseinrichtungen erstreckte. So wurden z. B. in der vom Verein geleiteten!, nach den Prinzipien der allgemeinen Kriegsküchen durchgeführten rituellen Volksküche noch täglich 900 Liter Essen verabfolgt. Allerdings ist die Benutzung der Kriegsküche seit Erhöhung der Markenablieserung von 1400 auf 900 zurückgegangen; aber anderseits erhalten seit November 1917 die Schulen.noch täglich aus der Küche des Vereins 100 Liter Essen geliefert. Auch die übrigen Einrichtungen des Vereins, wie Kinderstube, Säuglings für sorge ustv., standen unter dem Zeichen des Krieges. Bezeichnenderweise mußte die seit Beginn des Krieges ins Leben gerufene Nähstube geschlossen werden, da die meisten Arbeitskräfte entweder in die Munitionsfabriken abgewandert sind oder im Straßenbahn- und Eisenbahndienst Anstellung gefunden haben. Der Verein arbeitet nach wie vor in Gemeinschaft mit der Allgemeinen Kriegshilfe, in deren engerem Vorstand die Vor-- sitzende des Vereins seit Kriegsbeginn tätig ist. Trotz dieser Kriegsaufgaben wurde die übrige Arbeit des Vereins auf dem Gebiete der - sozialen Frauenfürsorge nicht vernachlässigt, ja konnte sogar in einzelnen Punkten noch eine Erweiterung finden. So wurde das Erholungsheim in Segeberg durch Erwerbung eines zweiten Grundstückes vergrößert und konnte in der Kurperiode das Jahres 1917 365 Frauen und Mädchen ein vierwöchiger Aufenthalt gewährt werden. Bei allen Zöglingen konnte eine bedeutende Gewichtszunahme festgestellt werden. Aus der Jahresabrechnung war zu entnehmen, daß der Verein im Jahre 1917 an Mitgliederbeiträgen 5461 Mark und an Spenden 6620 Mark vereinnahmte, während die vom Verein verausgabten Sparbüchsen einen Ertrag, von 5907 Mark ergaben. Außer den verschiedenen Zuschüssen für die vom Verein geleiteten Institutionen, von denen insbesondere die Kinderstube einen Zuschuß von 2824 Mark erforderte, wurden für Unterstützungen 5570 Mark und für Stipendien 1410 Mark verausgabt. Der vom Verein in Gemeinschaft mit den beiden Logen unterhaltene Arbeitsnachweis erforderte einen Zuschuß von 475 Mark. Zuwendungen von 441 bzw. 3O5Mark erhielten der Mädchenklub sowie die Jugendgruppe des Vereins. Weitere Zuwendungen erhielten noch „Die Sammlung für Säuglings- und Kinderschutz", die vom Verein ins Leben gerufene Säuglingsfürsorge, die Berufsberatung für Juden und israelitische Knaben- und Mädchenhorte. Tie Abrechnung, die einen Vermögensbestand von 23 774 Mark aufweist, wurde als richtig anerkannt und genehmigt. Es fanden dann die Vorstandswahlen statt. Am Schluß der Versammlung dankte der- Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums, Herr Joseph Lippmann, im Namen der Wohlfahr tskommission der Gemeinde dem Vorstand für seine segensvolle Tätigkeit auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege, dem sich Herr Marx für die Henrh-Jones-Loge anschloß. München, 22. März. Anti se m itische Anwa nd - Ingen d e r b « h e r t s ch en Z e n t r u m s P a riet sind schon lange kein überraschendes Ergebnis mehr. In einer der letzten Sitzungen des Finanzausschusses erhob der Abgeordnete Pichler (Zentr.) heftige Beschwerden darüber, daß christliche Schüler zu jüdischen Lehrern in den Unterricht gehen müßten, wogegen Abgeordneter Schmitt (München) (Soz.) einwendete, daß auch im umgekehrten Fall jüdische Schüler nicht Schaden leiden. Minister v. Knilling erklärte demgegenüber, daß das Judenedikt bald eine Aenderung erfahren uWd eine MäMnKber Lage der israelitischen Lehrer bringen werde. „Die UnterrichLsaushilse durch gsMelitische Lehrer war eine Kriegs Maßnahme und ist nur -mstBustim-mung der Eltern der Schüler ungeordnet worden. Die Aushilfe MMGMermvmder^in Frage kommenden Lehrer haben ihre Lehrtätigkeit mch erfolgreich ausgeübt." , "" '> 4 * s — Dortmund, 32. März. Seinen 70. Geburtstag feierte kürzlich d:r Begründer der Firma N. Heimann u. Eo. Herr Nathan Heimann. . Aus diesem Anlaß machte er verschiedenen wohltätigen Anstalten Stiftungen und -bedachte eine Anzahl bedürftiger Glaubensgenossen mit Geschenken. Seit 33 Jahren gehört Herr Nathan Heimann der Vertretung bzw. dem Vorstände der hiesigen Synagogeng? mein de an. Besondere Verdienste erwarb er sich Um die Hebung des Gottesdienstes in musikalischer Hinsicht. -Seit dem Tode des langt-, jährigen Rendanten Nierneher verwaltet er ehrenamtlich die Kassengeschäfte der Synagogengemeinde. Dem Geburtstagskinde, das sich ob seiner Sachkenntnis und seines lauteren Charakters allgemeiner Wertschätzung erfreut, überbrachten Vorstand und Repräsentanten sowie der Rabbiner Herr Dr. Jacob die Glückwünsche der Gemeinde. Auch der Vorsitzende der Chewra und ein Vertreter der Märkischen Loge erschienen nebst vielen Freunden zur Beglückwünschung. Bemerkenswert ist, daß Frau Heimann am gleichen Tage wie ihr Gatte Geburtstag feiern kann. er. Essen, 22. März. Hier fand vor kurzem eine Ausstellung „Die jüdische Jugendschrist" statt, die einen sehr befriedigenden Verlauf genommen hat. In der Hauptsache waren jüdische Jugendschriften-ausgestellt, auch eine Abteilung Kriegsliteratur wurde gezeigt. Die Jüdische Gemeinde - zu Berlin und Essener Prrvatöesitz hatten Leihgabenzur Verfügung gestellt. In der Eröffnungsrede begrüßte Rabbiner Dr. Samuel die anwesenden Ehrengäste, unter denen sich zahlreiche Rabbiner und Lehrer der Nachbargemeinden befanden,- und entwickelte die Zwecke und Ziele-der Veranstaltung. Rektor F e i ne r (Hamburg) hielt einen Vortragüber die Bedeutung des Volksbuches für -die Volksbildung. Er erläuterte die Notwendigkeit und die Bedingungen guter Jugendschriften und behandelte eingehend. die- Fragej, inwieweit die künstlerische Jugendschrift die Tendenz ausschließt. Die Tendenz ist zuzulassen, wenn'die Schrift religiöse oder sittliche, also vaterländische oder soziale Bestrebungen mit den vornehmsten, ethisch und ästhetisch ei'Nwandfreien Mitteln verfolge. Für die Gemeindevertretung sprach an Stelle des verhinderten Vorsitzenden des Vorstandes Herr G u st a v Her z b.-e r g, für die Gäste Rabbiner Dr. David (Bochum). Die ausgestellten Bücher wurden viel gekauft; hierbei' bestä>tigte sich die erfreuliche Erscheinung«, daß die Vorliebe für gediegene Lektüre sich gehoben hat. Neben Schriftstellern, wie Mosenthal, Auerbach, K. E. Franzos, I. Loewenberg oder Zangwill, wurden Werke von Martin Buber, von Lazarus und Steinthal begehrt, daneben auch die für das jüdische Kind zur Ergänzung seines Religionsunterrichtes geschaffenen Bücher und die Literatur über die Juden in Osteuropa. Abends wurden vor einer großen Zuhörerschaft Proben und Stücke aus neujüdischen Werken mit musikalischen Einlagen geboten. Herr Lehrer Abraham erläuterte die Ausgaben, die der Ausschuß für jüdische Volksbildung sich gesetzt hat, und erwartet von allen Wohlmeinenden der Gemeinde Förderung seiner Ziele. Die Kosten der Ausstellung sind durch frerwillige Zeichnungen gedeckt ' ' — Frankfurt a. M., 22. März. Me Beziehungen der mi ttelalterlichen Femgerichte zu den Juden behandelte Pros. Dr. I. Kracauer in einem Vorträge irn Verein für Geschichte und Altertumskunde Hinter den vielen Prozessen, die die freie Reichsstadt Frankfurt a. M. gegen die heilige Feme führte, sind besonders viele Akten, welche Femprozesse gegen.Frankfurter Juden betreffen. Der Frankfurter Rat bestritt dem Freien. Stuhl energisch, die Gerechtsame über die Juden. Der Kamps gegendie Femgerichte gestaltete sich für die Stadt recht schwierig, da jeder um die. Gunst der Frieiftühle buhlte. Kaiser Friedrich III. schuf 1442 im Landsriedensgesetz scharfe Bestimmungen gegendie Feme. Die Frage, ob die Juden vor die Feme -gehörten, war viel umstritten. Obwohl sie die Weis? . tümer verneinten, kehrten sich die Freistühle nicht im mk-desten daran. Der Frankfurter Rat beharrte auf den ihm verliehenen kaiserlichen und -auch päpstlichen Privilegien, wonach die Juden -nur vor das städtische Schöffengericht gehörten. Alle feine Maßnahmen gegen die Gerichte blieben trotzdem fruchtlos; nach «wie vor veruriteilte

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