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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-27 · Heft 13 (27.3.1918) · p. Seite 154

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 13 (27.3.1918)
Date
1918-03-27
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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154 worden sind, so wenig bedarf es der, Zustimmung der bayerischen, württembergischen oder sonstigen außerpreußischen Gemeindevertreter zu'dem lediglich für preußische Verhältnisse bestimmten Judengesetze. Den sertiggestellten Gesetzentwurf müssen wir zur Einreichung an die Regierung bei günstiger Zeit bereit halten. Hoffentlich kommen wir in nicht zu ferner Zeit zum Ziele. D rr Weg des jungen Hermann Lahn. (8. Forts.) Bon Clementine Krämer (München). arauf sagt nun Hermann, der sich indessen völlig gefunden hat und ganz ruhig oben steht: „Vielleicht ist der Herr da unten so liebenswürdig und erlaubt mir, allemal einen ganzen Satz zu Ende zu sprechen, ehe er seine beachtenswerten Bemerkungen macht, weil er sonst ja gar nicht wissen kann, worauf ich hinaus will." Einige lächeln und von ein Paar Seiten ruft man: „Sehr gut! — Bravo! — Ganz richtig " — „Wenn zwei sich um eine Meinung streiten", fährt nun Hermann fort, „so hat allemal einer unrecht, denn es gibt nicht viele Wahrheiten und viele Richtigkeiten, sondern nur immer eine. Das will sagen: rein sachlich kann nur einer recht haben. In diesem speziellen Fall möchte ich es so auszudrücken suchen: Da sind zwei Wege zur Befreiung des Juden, der zionistische und..." — er besinnt sich eine Minute — „und der andere Weg. — Welcher Weg der rechte ist, das heißt: welcher von beiden geradliniger zum Ziel führt, das wissen wir nicht. Gang gewiß sind nicht beide gleich gut; ein Weg muß besser, kürzer seinwie der andere, direkter, geradliniger zum Ziel führen. Welcher, ist nicht zu entscheiden. Erst der Erfolg wird's lehren, wer sich geirrt hat, das heißt, wir alle, wir alle, die wir hier in diesem Saal beisammen sind, Werdens nicht erleben, aber das tut nichts zur Sache. Also meine ich, -verehrte Anwesende, wer objektiv recht hat, ist nicht zu sagen. Doch dies alles ist im Grunde graue Theorie, und ich meine nur dies, daß nicht alle den rechten Weg gehen können, von allem Anfang nicht. Denn wir Menschen — um es mit dem schönen Wort auszudrücken — müssen werden, was wir sind. Wir können nur das werden, wozu wir geboren sind. Und so bin ich der Ueberzeugung, es gibt geborene Zionisten und geborene — und geborene — Nichtzionisten. Und darum hat der Referent so durchaus unrecht in der Art, wie er das Thema gefaßt hat. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die waren durch Geburt oder durch Tradition durchaus vorbestimmt, den Blick nach dem Osten zu richten, daß ihnen von dort das Licht werde, -ex Oriente lux!‘ Das Heil zu erwarten nur dort von einer jüdischen Nation. Die andern aber..." „Assimilant!" — kam es fanatisch von eines Zwischenrufers Lippen aus dem hintersten Winkel des großen Saales. „Nein," schüttelte Hermann — „nein, da mißverstehen Sie mich, mein Herr! Ein anständiger Mensch ist kein Assimilant." Ein hundertfaches Bravo durchbrauste den Saal. Hermann steht gelassen da und denkt, daß die Menschen wie Kinder wären, die bloß allemal das einzelne Wort ausnähmen, ohne es in seinem Zusammenhang zu wägen. „Ein anständiger Mensch", fährt der Redner fort, „ist kein Assimilant, sage ich. Einer, der eine Persönlichkeit ist, sagt nimmermehr, ich bin Assimilant, ich gleiche mich dir an, damit du mich wertest. O nein, einer, der eine Persönlichkeit ist, der sagt ganz anders,- nämlich so: vielleicht kommen sich-unsere Meinungen und Strebungen mit der Zeit näher und- - wir sind dann eirsts Tages nicht mehr so trostlos weit voneinander entfernt. Sehen Sie, meine Damen und Herren, und das ist die Hoffnung desjenigen Juden, der nun einmal Deutschland — ich hoffe, man kann es hier sagen, ohne gelyncht zu werden — der nun einmal Deutschland als sein Vaterland empfindet. Desjenigen Juden Hoffnung — begeistert hob er die Stimme — der die deutschen Eichen- und Tannenwälder liebt und das deutsche Lied zum Beispiel; und vor allem unsere — jawohl unsere herrliche deutsche Muttersprache, denn was mich betrifft, so habe ich keine andere. Und kurz und gut: desjenigen Juden Hoffnung, der in dieser ganzen Kultur groß geworden ist, in seiner, der deutschen Kultur." Er schwieg einen Augenblick, seiner Erregung Herr zu werden. Und die Hörer schwiegen mit. Nach, einer kleinen Weile fuhr er, einen leichteren Ton anschlagend, fort: „Verehrte Anwesende! Ich kenne einen Menschen, der hat sich — wie wir in Süddeutfchland sagen — „hintersinnt" — und sitzt jetzt in einer Nervenheilanstalt — und wissen Sie auch, weshalb? — weil es ihm so zu Herzen ging . . . daß — ja, daß er — als Jude — nicht Offizier werden kann." — Die Ergriffenheit von vorhin löste sich in Heiterkeit. — „Nun, verehrte Anwesende, wir wollen uns darum zwar nicht hintersinnen; dagegen wollen wir — wir, die wir nach unserer ganzen Veranlagung nicht Zionisten sein müssen, sondern deutsche Juden, wir wollen zäh weiterkämpfen-, um — um all unsere Rechte — besonders" —er machte eine kleine Pause — „besonders durch die strenge Erfüllung all unserer Pflichten." „Bravo!" riefen einige und klatschten in die Hände. Die vielen aber horchten still auf... „Verehrte Anwesende," fuhr der Redner fort, „ich komme zum Schluß und wiederhole nach einmal: man kann nicht, wenn man unten am Berg steht und sich erst den Weg bahnen muß, ganz genau im voraus bestimmen, von welcher Seite man den Gipfel am schnellsten erreichen wird; zunächst kommt es darauf an, sich einen guten Weg zu suchen und ihn unentwegt zu wandern. Sie, die ostwärts Gerichteten den Ihren, wir anderenden unsrigen . . wir anderen, wir deutschen Juden ..." Und es hatte in dieser Stunde, in der großen Zionistenversammlung, der junge Hermann- Kahn seinen Weg gefunden. * Hermann trat in die Hütte oben am Berg. Da ging's lustig her. Einer sang Schnadahüpfl und drehte dazu —.wie einen Leierkasten — die Kaffeemühle: Z'nächst Hot ma mei Deandl a Brieferl zua g'schrie'm. Warum i denn bei da Nacht gar nimma kimm. Sie moant i war schlimm. Weil i gar nimma kimm. . Da—ru—la, da—ru—la, du—liöh! Hermann war an der Tür stehengeblieben, und erst, wie er anfing, den Refrain mitzusingen-, blickte der Sänger aus — es war Bäumke. Erfreut kam dieser auf ihn zu, entschuldigte sich aber sogleich, er habe — dabei untersuchte er genau den noch, un» gemahletten Inhalt der Mühle — er habe — taxiere er — noch gut und gern zwei Schnadahüpfl zu mahlen, denn er und seine Gesellschaft lechzten schon nach dem Kaffee. Auch habe ihm Fräulein Friederike — die ehr- und tugendsame Jungfrau — einen Kuß versprochen, sobald er seine Arbeit getan habe. „Oder net, Rickele?" wandte er sich der Kellnerin zu. „Aelleweil, Herr Leutnant," lachte die und blies in das Herdfeuer, daß die Funken stoben. Und der junge Offizier begann von neuem:

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