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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-22 · Heft 12 (22.3.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 12 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 des PersLöVbeneä, der, eine kraftvolle Persönlichkeit, Vor 35 Jahren auf seinen Posten berufen und seitdem, ohne nach rechts oder Links zu schielen, den Weg gegangen sei, den seine Pflicht als Diener Gottes, und als Priester der Gemeinde ihm vorschrieb. Hochangesehen als Prediger, geachtet im Kreise seiner Amtsgenoffen, ein Organisator und Sammler in der Liebestätigkeit und im sozialen Streben, ein Vater der Waisen undder hilflosen Kinder, habe er überall in seinem werten Berufskreise unermüdlich gewirkt. Die „Heilige Brüderschaft" verliere-viel an ihm und durch seine genealogischen Studien über alte jüdische Familien habe er den Zusammenhang der Gemeinde gestärkt. Er sei ein Pfleger nicht nur'der hiesigen Gemeinde, sondern aller Gemeinden seines'Bezirks gewesen, bis in die kleinsten hinein. Mit Hingebung und Treue sei er auch allezeit für das Vaterland eingetreten. Kraft und innere Festigkeit, die auch vor Kämpfen nicht scheuten, wenn es die Sache der Ueberzeugung galt, seien ihm erhalten, geblieben in seinem reichen Leben bis zu seinem schönen Tode. Als mahnendes Vorbild werde ihn seine Gemeinde in der Erinnerung behalten. Nach abermaligem Gesänge wurde der Sarg. hinausgetragen' und der viele Hunderte von Leid-? tragenden zählende Trauerzug geleitete den Entschlafenen durch die die Synagoge umstehende Menge nach dem Friedhofe. Am offenen Grabe widmete dann Seminardirektor Dr. Knoller der Familie des Entschlafenen herzliche Trostesworte. Justizrat Dv. Wolfes sprach die Scheidegrüße der Gemeinde und des Bezirkes aus und rühmte die hohe sittliche AufsaffunA die Dr. Gronemann.- in seinem Amte erfüllt und mit der er es vermocht habe, die Gegensätze zu Überdrücken., Laudrabbiner Dr. Lewinski (Hildesheim) überbrachte die letzten. Grütze .des Rabbinerverbandes Deutschlands und hob besonders die kollegialen Eigenschaften des Verewigten hervor. Lehrer K-atz (Nienburg) widmete dem, Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf, seitensder israelitischen Lehrerschaft, Lehrer Zuckermann namens der Loge, in der er ein reiches soziales Wirken entfaltet habe. Das von Rabbiner Dr. F r eu n d gesprochene Gebet beschloß die Feier am Grabe. Nach der Feier auf dem Friedhof hielten im Trauerhause Ansprachen, die Herren Landrabbiner Dr. Hof'fmann (Emden), Rabbiner Dr. Rosenack (Bremen) und . am folgenden Tage Rabbiner Dr. M u n ck- (Berlin). .SS Kobnrg, 15. März. Durch plötzlichen Tod schied hier Herr-Kommerzienrat D. Löwenberg aus einem tatenreichen- Leben. Seine hohen geistigen Gaben und feine seltene Hochherzigkeit wurden in weiten Kreisen gebührend, geachtet «und geschätzt. Sein jüdisches Herz betätigte sich nicht nur im Wohltun, sondern auch in -gewichtiger-Vertretung jüdischer Interessen, deren er sich als Vorsitzender derOrtsgruppedes Zentralvereins deu.tscher Staatsbürger jüdischen Glaubens annahm. Selbst literarisch gebildet, förderte er eifrig Künste und Wissenschaften. Besaß er doch die seltene Auszeichnung der Großen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft, die ihm schon in jungen Jahren zuteil geworden. Außerdem waren seine Verdienste anerkannt worden durch Verleihung des Ritterkreuzes 2. Klaffe, der Karl-Eduard-Medaille 1. Klaffe, des Meininger Ehrenkreuzes und des Oesterreichstchen Ehrenkreuzes. Der so früh Dahingefchiedene — er war erst 44 Jahre alt —- hätte noch. Großes für das Judentum und die Mitwelt geleistet. üatfStttfye, 15. März. Am 3. d. M. beging der badische Minister desKultus und Unterrichts. Dr. Wilhelm Hübsch seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlässe richteten die Mitglieder.-des Oberrats der Israeliten an Seine Exzellenz nachstehendes. Schreiben: „Eurer Exzellenz gestatten wir uns zum siebzigsten Geburtstage unter Ueberreichung eines Blumenangebindes die herzlichsten Glückwünsche des Oberrats der Israeliten darzubringen. Eure Exzellenz haben den Angelegenheiten, und Bedürfnissen der Landesshnagoge stets ein warmes Interesse entglegengebracht und der Tätigkeit des Oberrats -wohlwollendste Fövderung zuteil werden lassen. Dies wird von den badischen Israeliten allezeit dankbar anerkannt werden. Mjöge Eurer Exzellenz noch lange -beschieden sein, an der. Spitze des Großherzo glichen Kiulchusministeriums als eine Stütze wahrer religiöser Kiultur sich zu bewähren', die nach dem Ende des Weltkrieges nicht an letzter Stelle -dazu berufen, sein wird, das Leben des deutschen Volkes zu erneuen und zu veredeln." Hierauf erfolgte nachstehende Antwort des Herrn Ministers: „Euer Hochwohlgeboren wie den Herren Mitunterzeichnern des mich hoch erfreuenden GlüMvunschschreDens beehre ich mich, für die freundlichen Worte, die Sie mir namens der'Mitglieder des Oberrats anläßlich meines 70. Geburtstages zu widmen' die Güte hatten, meinen 'herzlichsten Dank nicht minder wie für das beigefügte Prächtige Blumengebinde ergebenst mit der Versicherung auszus-prechen, daß ich, dankbar für die Anerkennung, meines seither bemeiner Amtsführung auch fernerhin zählen werde und auch darin tätigten guten Willens, die Pflege und Förderung, der religiösen Interessen der badischen Israeliten zu den vornehmsten Aufgaben mich mit dem Oberrat eins weiß, daß die Wiederaufrichtung, und Neubelebung der durch die lange, schwere Kriegszeit hart geschädigten sittlichen Kultur unseres Volkes nur auf der Grundlage der Religion versucht und erreicht werden kann. Inausgezeichneter Hochachtung Euer Hochwohlgeboren sehr ergebener Hübsch." Holland. 22 Den Hang, im März. Das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds versendet folgende Mitteilung: Das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation hat den Beschluß, gefaßt, zur Ehrung des dahingeschievenen Führers Dr. Jechiel T schien o w eine Kolonie in Palästina aus seinen allen Zionisten teuren Namen zu begründen. Durch die .zionistischen Verbände in allen Ländern soll allen Zionisten und darüber hinaus den Verehrern Tschlenows Gelegenheit gegeben werden, ihre Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Vorerst ist für den Erwerb des erforderlichen Bodens der Betrag von mindestens einer. Million Frank innerhalb kurzer Zeit auszubringen. In Ausführung dieses Beschlusses hat die I Nationalfondsverwältung ihre Landessammelstellen ausgesordert, die nötigen Maßnahmen zur baldigen Durchführung der Sammlung im Einvernehmen mit den Landesorganisationen zu ergreifen und dahin zu wirken, daß das Ergebnis der. Aktion, dem Lebenswerk des großen Toten entspricht. Tschlenows Sinnen und Sorgen galt allen zionistischen Schöpfungen, seine besondere Sympathie und Hingebung widmete er bis zum letzten Atemzug dem Gedanken der Geulath Haarez und damit dem Jüdischen Nationalfonds. Er nahm hervorragenden Anteil bei Festsetzung der Grundprinzipien des jüdischen Volksschatzes auf den zionistischen Kongressen. Ms Direktor des Nationalfonds hat er sich große und bleibende Verdienste um du Verwaltung und Mehrung dieses Volksschatzes und die Wahrung seiner Grundsätze erworben. Unter dem zaristischen Regime organisierte er — allen Gefahren zürn Trotz — die Sammlungen für den Jüdischen Nationalfonds in Rußland und wurde der erfolgreichste Vorkämpfer für die Popularisierung des Nationalfonds in diesem Lande. Sein. Lieblingsgedanke war die Selb st b e st euer,it n g jedes einzelnen Juden zugunsten des Jüdischen Nationalfonds, und er suchte ihn trotz aller Schwierigkeiten gerade in seinem Lande immer wieder durchzusetzen. Es liegt daher, neben P ra ktischj-or gani satorischen Erwägungen, auch im Sinne des Verewigten, daß jeder Zionist und die sonstigen zahlreichen Verehrer Tschlenows zu einer Selbstbesteuerung veranlaßt werden. Zu diesem Zwecke soll eine Kontingentierung der Gesamtspende für den Boden der Kolonie nach Ländern und Orten durchgeführt werden. Es i'ft in erster Linie danach 31t streben, daß Wohlhabende, eventuell durch Zusammenschluß in Gruppen, sowie Vereine mindestens eine „Nachlaß", das sind 100 Dunarn — 5000 Frank, spenden. Weite Kreise werden willens sein, für eine Tschlenow-Kolonie mehrere Dun am zu 5(0 Frank oder wenigstens einen Dunarn beizutragen. Um aber auch den breiteren minderbemittelten Schichten die Beteiligung zu ermöglichen, hat die Natlonalfondsverwaltung beschlossen, eine höherwertige Tfchlenow-Marke herauszugeben, deren Erträgnis für die Tschlenow-Kolonie bestimmt ist. Wie im. Aufruf des Zionistischen Aktionskomitees hervorgehoben ist, bleibt der Grund und Boden der Tschlenow-Kolonie wie aller Grund und Boden, den. der Jüdische Nationalfonds erwirbt, 'für -ewige Zeiten Gemein,schaftseiglmtum, Eigentum des jüdischen Volkes. Es versteht sich von selbst, -daß die Aktion für die Tschlenow-Kolonie in keiner Weise die laufenden Sammlungen für den Jiüdischen Nationalfonds! beeinträchtigen darf, äderen notwendige Stärkung angesichts! der bevorstehenden Kolonisationsaufgaben die Nationalfondsverwaltung feit Beginn des Krieges betont hat. Es ist vielmehr zu wünschen, daß di e Aktion für die Tschlenow-Kolonie in den weitesten Kreisen des jüdischen Volkes das Verständnis wecken soll für die finanzielle Bereitschaft des nationalen Landfonds.

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