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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-22 · Heft 12 (22.3.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 12 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 mehrere für§ Vaterland ge fallen fiiib, veva.usga.btie er nur 19 000 Mark, die Hälfte des Durchschnitts der Friedenszeit. Trotz harter Zeit erhielt er 6000 Mark zurückgezähl'^ Das- Vermögen .'beträgt über 600 000 Mark. Vorsttzen-der ist Justizrat Dr. Ä . Seligs o hm, Schriftführer Prof. Dr. F. L i e b e r m a n. n , Bendlerstraße 10. E. M. SBetlin, 19. März. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am IO. d. M. seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, die der Vorsitzende, Dozent Dr. Jsmar Elbogen, mit einem Bericht über das 25. Geschäftsjahr eröffnete. In herkömmlicher Weise wurden auch im Jubiläumsjahre Vorträge veranstaltet, die sich eines besonders regen Zuspruches erfreuten, und der Herausgabe des Jahrbuches Aufmerksamkeit zugewendet. Die beabsichtigte Einrichtung von Fortbildungskursen für reifere Schüler konnte aus verschiedenen Gründen nicht verwirklicht werden. Für das neue Jahr liegt ein Vorschlag vor, jüdische Volkshochschulkurse nach der Art der Hunrboldt-Akademie zu begründen. Die Mitgliederzahl ist dank der eifrigen Werbearbeit, der sich besonders Herr Benas Levh unterzog, gewachsen. Der hierauf von Herrn Benas Levh erstattete Kassenbericht ergibt, daß die Einnahmen 15 041,17 Mark, die Ausgaben.14 619,54 Mark betrugen und daß ein Kassenbestand von 421,63. Mark verblieb. Auf Antrag der Revisionskommission wird dem Schatzmeister einstimmig die Entlastung erteilt. Nach der durch Zuruf erfolgten Wiederwahl des Vorstandes und der Revisionskommission wurde Schriftsteller Albert Katz (Pankow) zum Ehrenmitglied, des Literaturvereins ernannt, wobei der Vorsitzende seine. Verdienste um die Begründung des Vereins und seine 25jährige Mitarbeit im Vereinsvorstande mit herzlichsten Worten würdigte. Lebhaft erörtert wurde, die Frage der Einrichtung von Voltshochschulkursen in der Art der Freien Hochschule in Berlin. Dieser Gedanke, der vom Literaturverein ausging, ist neuerdings auch von anderen Kreisen ausgenommen worden. Der Literaturverein will die Angelegenheit jetzt seinerseits energisch verfolgen und durch die Presse die jüdische Oeffentlichkeit und besonders prominente Persönlichkeiten für diesen Gedanken interessieren. Es wurde ein stebengliedriger Allsschuß eingesetzt, der ein Programm entwerfen und die nächsten Maßnahmen vorbereiten soll. Den letztere Punkt der Tagesordnung bildeten die Festsetzung des Haushalts mit 14 500 Mark und die Bewilligung verschiedener Subventionen. E. M. Berlin, 19. März. Die Generalver s >a nt nt jung des Verein>s für Arbeitsnachweis wurde von Dr. Max Ginsberg als Vorsitzendem mit einem warm empfundenen Nachruf für den verstorbenen Mitbegründer und Förderer des Vereins Geheimen Sanitätsrat Maretzki eröffnet. Nach dem von Dr. Ginsberg erstatteten Geschäftsbericht sind im vergangenen Jahre 1278 Personen Stellungen nachgewiesen und 203 Krtegerfrauen und -Witwen lohnende Beschäftigung vermittelt worden. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist erheblich. zurückgegangen, dagegen hat die Lehrstellenvermittlung, die gemeinsam mit der Berufsberatungsstelle ausgeübt wird, eine erhöhte Bedeutung gewonnen. Die Lehrkurse für Buchführung, Stenographie und Schreibmaschine, in denen junge Mädchen eine gediegene Berufsausbildung erhalten, haben auch im letzten Jahre erfreuliche Ergebnisse gezeitigt. Durch die „Schreibstube" wrrrden schwer kriegsvierletzten, älteren Leuten und Müttern, die an ihren Haushalt gebunden sind. Verdien stmöglichkeiten verschafft. Insgesamt wurden hier 352 Schreibausträge ausgesührt und 340 000 Adressen geschrieben.. Die Abrechnung für das Jahr 1917 weist Einnahmen in Höhe von 26000 Mark auf, von denen 5271 Mark auf Mitgliederbeiträge und 886 Mark auf Spenden für laufende Ausgaben entfallen. Für den Eisernen Fonds gingen 2200 Mark lein, das Subventionskonto weist eine Beihilfe von 3000 Mark von der Berliner Jüdischen Gemeinde und 1000 Mark von den vier Berliner jüdischen Logen U. O. B. B. auf. Von den 25 779,98 Mark betragenden Ausgaben entfallen etwa 3850 Mark auf Löhne, die in der Schreibstube gezahlt werden. 7000 Mart erforderten die Gehälter, 3300 Mark wurden für Miete ausgegeben. Dem Vorstande, dessen Mederwahl einstimmig beschlossen wird, wurde die nachgesuchte Entlastung erteilt. Im Anschluß an ben Rechenschaftsbericht, den Herr Blankenburg erstattete, fand eine Aussprache über den Arbeitsplan für das «neue Jahr statt. Rechtsanwalt Baum betonte die Wichtigkeit der Berufsberatung, die mit einer planmäßigen Bearbeitung der Jugendlichen einsetzen soll. Herr Caspar y wünscht, daß Berufsberatung und Arbeitsvermittlung Hand in Handgehen, -mn sich gegenseitig zu ergänzen. Die Wichtigkeit dieser Aufgaben wird von der Versammlung anerkannt, die der; Vorsitzende mit -dem Wunsche schließt, bätz-der Verein im kommenden Frieden Gelegenheit haben möge,., zahlreiche Existenzen, durch Arbeit und nicht durch Almosen aufzürichten. E. M. Berlin, 19. März. Heber jüd-ischen Humor sprach Chefredakteur Dr. I. L an d a u am 7. d. M. im Verein für jüdische Literatur. Die -mterestanten Ausführungen des Redners gingen von -der'psychologisch verständlichen Tatsache aus, daß 'Humor und Mtz oft gerade bei Ki den den oder bedrüMen Individuen und Völkern zu finden sind; so haben z. B. die Juden', die unter allen Völkern am meisten gelitten haben, denschärfsten und schlagfertigsten Witz aufzuweisen. In Großbritannien sind wiederum die bedrückten Iren die Witzbolde Englands. Den Juden wird häufig der scheinbar berechtigte Vorwurf gemacht, daß sie wohl Mtz, aber keinen Humor besäßen. Zur Widerlegung dieses Vorwurfs beleuchtete der Vortragende den Unterschied zwischen Mtz und Humor: der Humor lebt in der geruhsamen Behaglichkeit des Hauses, während der Witz o'ft der Abwehr dient und häufig die einzige, oft gebrauchte Waffe des Unterdrückten darstellt. ' Aus diesem Grunde ist der jüdische Humor nicht so bekannt geworden wie der jüdische Witz, der draußen auf der Straße sooft der Abwehr geistiger Angriffe diente'. Auch zwischen Ironie und Satire sind Unterscheidungen zu machen; beide sind scharf, aber verschieden in den Zielen, die sie verfolgen. Während die Ironie nur verletzen will, soll die Satire besser machen. ' Die Juden haben gerade auf dem Gebiet der Satire viel-geleistet, während die'Ironie bei ihnen, weniger gepflegt wird. Verwerflich ist die ätzende Selbstirönie mancher Juden, deren Produkte den Weg aus dem Kreise, in dem ste entstanden und als Witz verstanden werden, bis in ldi-e Reihen unserer Feinde finden, die diese als vergiftete Waffe gegen ihre Erzeuger zurückschleudern. Mit dem Wunsche, daß auch für die Judendie Zeit herannahen möge, wo ste den Witz harmlos und friedlich pflegen können und ihr Witz keine Waffe mehr sein mutz, schloß der Redner seine interessanten und von lebhaftem Beifall begleitet Ausführungen. W. Posen, 15 März. Der Verein „Anschei Chessed" (Vereinder liebenden Brüder), hier, hielt seine -diesjährige' ordentliche' Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende Max Ehrenfeld eröffnete die Sitzung und gedachte zunächst der verstorbenen Mitglieder des'Vereins rm vergangenen Jahres Hierauf wurden die Einnahmen und Ausgaben vorgetragen und auf Antrag der Rechllungsprüfer dem Kassierer die Entlastung erteilt. Die turnusmäßig ausscheidenden Vorstands- Mitglieder Moritz Aschheim, Max Ehrenwerth, Gustav G o l d s ch m i d t, Julius Schwarz, Michaelis H e p p ne r und Nathan Tuch wurden durch Zuruf wiedergewählt. Die Unterstützungen an Kriegerfrauen wurden in gleicher Höhe wertergezahlt, ebenso sonst erforderliche Ünterftützu'ngen gewährt. Die Mitgliederzahl betrug Ende 1916 — 272. Hiervon schieden im Berichtsjahre 1917 aus: durch Verzug 5, durch Tod 6; neu traten hinzu 8, so daß der Verein 1917 .einen Mitgliederbestands von 2ft9 auszuweisen hatte.' Die Gesamteinnahme im abgelaufenen Rechnungsjahre betrug mit dem Bestände am 1. Januar 1917 6851,55 M., nach Abzug der Ausgaben verblieb ein Kassenbestand von 1285,33 M. . Hannover, 15. März. Die am 10. d. M. erfolgte Beisetzung des Landrabbiners Dr. Grone mann gestaltete sich zu einer höchst eindrucksvollen Trauerfeiev, an der nicht nur die. Mitglieder der jüdischen Gemeinde in großer Zahl sich beteiligten, sondern die arrch die Anteilnahme weiterer Kreise der Stadt fand. .In der Synagoge, wo eine Tr auerseier zu Ehren des Verstorbenen äbgehalten wurde, -herrschte ein geradezu beängstigendes Gedränge. Der prächtige Raum, in dem vor dem „Allerheiligsten" der schlichte Sarg ausgebahrt war, bildete mit seinen umflorten Lichtern einen imposanten Rahmen für die eindrucksvolle Feier, zu der sich neben dem Geheimen Regierungs- und Schulrat Nickell als Vertreter der. Königlichen Regierung auch zahlreiche auswärtige Rabbiner, darunter die Landrabbiner aus Hildesheim, Emden, Oldenburg, Bremen und Braunschweig, eingesunden hatten. Gesang des Chors und des Vorsängers leitete die Feier ein. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dru Freund. Zum letzten Male habe sich die Gemeinde um ihren langjährigen Priester und Lehrer versammelt, um an heiliger Stätte von ihm Abschied zu nehmen. Unter Zugrundelegung der Worte des Psalmisten: „Heil dem Menschen, der seine Kraft in dir hat, o Gott", beleuchtete -er das segensvolle Leben und Wirken

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