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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-22 · Heft 12 (22.3.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 12 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Von Ash und Lern. — Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde hat Veranstaltungen getroffen, um den jüdischen Soldaten der Garnison Berlin an den ersten beiden Abenden des Passahs-estes, 27. und 28. d. M., die Teilnahme am Festvortrag, und Ostermahl Und bis zum 4. April die rituelle Beköstigung zu ermöglichen. Die Speisung, der Soldaten findet in den Alterversorgungsanstalten, Große Hamburger Straße 26, Schönhauser Allee 22 und Exerzierstraße 13, aber auch im Israelitischen Heimathaus, Gormannstrahe 3, statt. Es ist angeordnet worden, daß der» Soldaten jüdischen Glaubens, soweit es die dienstlichen Verhältnisse gestatten, die Teilnahme, an den Gottesdiensten ermöglicht wird, desgleichen auch den Verwundeten- und Kranken, soweit es deren Gesundheitszustand erlaubt. — Aus Anlaß seines goldenen Doktorjubi'läums ist Herrn Geh. Regierungsrat Prozessor Dr. Ludwig Geiger der preußische Kronenorden dritter Klasse mit -der Zahl 50 verliehen worden. — Anläßlich der goldenen Hochzeit ihres Mitinhabers, des Kommerzienrates Julius Cassirer, hat die Firma Dr. Cassirer u. Co., Charlottenburg, für die bei ihr bestehenden und für öffentliche Wohlsahrtseinrichtungen 200 000 Mark gestiftet. Auch der Jubilar und seine Gattin haben wohltätigen Zwecken erhebliche Mittel Zugewandt. — Dem Inhaber der Firma Hopp & Kurzweg, Berlin, Neue Friödrichistrahe 38/40, Herrn Caspar Lazarus, ist das Berdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen worden-. — Herr Max Süßkind, Kastellan der Synagoge Rykestraße, begeht am 1. Llpril sein 25jähriges Dienstjubiläum als Beamter der Jüdischen Gemeinde. — Professor Dr.-Jng. Rudolf Goldschm id t, Berlin, hat das Eiserne Kreuz am weiß-schwarzen Band erhalten. — Für die Armen der Stadt Schubin überwies Kommerzienrat Louis K r o n - heim aus Bromberg, der vor einiger Zeit das Rittergut Pinsk käuflich erwarb, dem Magistrat aus seinem Walde 100 Strauchhausen und 500 Mark in bar zur freien Anfuhr des Holzes. — Der in Breslau seit 49 Jahren bestehende Verein Israelitisches Speisehaus (Volsküche) verausgabte im bergangienen Jahre 125116 Portionen Essen, ungefähr die Hälfte Mittelstandsessen zu 35 Pfennig und die Hälfte Volksküchenessen zu 12 Pfennig. — Anläßlich der Goldenen Hochzeit des bayerischen Königspaares haben die Bankiersgatten Otto und Maria Wolfsthal in Aschasfenburg zum Wiederaufbau der Volkskraft nach dem Kriege 50 000 Mark 5prozentiger Reichsanleihe gestiftet, aus deren Zinsen bedürftigen Frauen Entbindung und Pflege in der gynäkologischen Abteilung des Städtischen Krankenhauses zuteil werden soll.—Aus Saarbrücken wird geschrieben: Anläßlich der Barmizwahfeier seines einzigen Sohnes stiftete der hiesige Fabrikant Franz Maas den Betrag von 10 000 Abart. Er übergab diese Summe der Saarloge unter der Bezeichnung Jeannette-und-Ferdinand-Maas-Stiftung. Die Zinsen sollen jährlich an unterstützungsbedürftige jüdische Kriegsteilnehmer verteilt werden. — Am 1. April begeht Rektor Graf in Essen, der frühere Vorsitzende des Lehrerverems Rheinland-Westfalen, der sich um diesen Verein und besonders um dessen Pensionskasse große Verdienste erworben hat, sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Den größten Teil seiner Dienstzeit, 46 Jahre, .amtierte er als Lehrer und gleichzeitig als Kantor in Essen. Die Gemeinde wird den Tag festlich begehen. — Aus Bocholt wird uns geschrieben: Herr Lehrer a. D. I s. Sp i er, hier, feiert am 23. d. M. seinen 89. Geburtstag in beneidenswerter geistiger und körperlicher Rüstigkeit. Er beherrscht noch die Politik wie manch junger Mann nicht und macht täglich seinen Spaziergang. Er war in jungen Jahren unter anderem m Ostinghausen, Beckum-, Borgentreich, Mülheim (Rhein), Sinzig, Ruihrort tätig und wirkte bis zu seiner Pensionierung hier. —- Die Rothschildsche Bibliothek in Frankfurt a. M. umfaßt nach kürzlich erfolgter Ausnahme des Bestandes jetzt 83 209 Bände Druckschriften, 264 Bände Handschriften und 3454 Stück Exlibris. — Dem Herrn Hauptlehrer B. Adler in Niederstetten wurde vom König von Württemberg für hohe Verdienste während des Krieges in der Heimat der Charlottenorden verliehen. Herr Hauptlehrer B. Adler sieht im. Oktober d. I. auf eine 40jährige Amtstätigkeit als Jugendbildner sowie als Verwaltungsbeamter in der Gemeinde Aushausen und Niederstetten zurück und hat sich während dieser Zeit allgemeine Beliebtheit und Wertschätzung erworben. — Professor Tr. jur. Georg Cohn, Ordinarius des deutschen Rechtis und der Rechtsgeschichte an der. Universität Zürich, ist im Älter, von 72 Jahren gestorben. Er ist gebaren in Breslau, war vom 16. bis 18. Lebensjahre .iM.BemcheschGt tätig, wendete sich jedoch bald wieder dem Studium zu. Bis zum 29. Jahre war er nn preußischen Justizdienst, habilitierte sich in Heidelberg, wurdemit F3 Jahren dort Professor, 1892 ordentlicher Professor für deuftMs Recht, Handelsrecht und RecWgeschichte in Zürich, wo er 19Ü.2 bis 1904 das Rektorat 'bekleidete. Er war ein Meister 'der deutschen Sprache, wie sich vor allem/in seinem populärsten Buche,„Das neue deutsche, bürgerliche Recht in Sprüchen" zeigt, das im Hjörsaal und in Lehrbüchern oft und Mn gebraucht wird. Auch war er Mitbegründer der „ZeitschristMr vergleichende Rechtswissenschaft". Seine beiden Söhne stehen als Aerzte bei der deutschen Feldarmee. — Aus. Budapest wird geschrieben: Exminiister Polonyi hat in der jüngsten Sitzung des Wahlrechtsausschusses sich dagegen ausgesprochen, daß auch Frauen wahlberechtigt sein sollen. Speziell protestierte er. gegen die Bestimmung der Vazsonyischen WahlrechLsvorlage, wonach das Wahk- . recht allen jenen Frauenspersonett verliehen wird, die vier Bürgerschu'lklassen absolviert haben. Zur Motivierung feines Protestes sagte Polonyi, er möchte es nicht gern sehen, daß man ihm konfessionelle Beweggründe zumuteaber die Statistik beweise, daß unter den Zöglingen der Mädchenbürgerschulen die jüdischen Mädchen in überwiegender Mehrheit seien; demnach müsse diese Bestimmung vom konfestionellen Standpunkte bekämpft werden, sonst werden die jüdischen Frauen den christlichen Frauen gegenüber beim Wahlrecht in gewaltig großem Vorteil sein. Exminister Polonyi hat die Gewohnheit, sich dagegen zu verwahren, als ob er Antisemit wäre. Aber stets folgt dann 'bei ihm» ein nächster Satz, der den Ernst seiner Verwahrung Lügen straft. Auch diesmal erging es ihm so. — In - Lemberg fanden Flugschriften, die zu Ausschreitungen gegen die Juden auffy-rdern, Verbreitung. Eines dieser Pamphlete bezeichnete sich sogar -als Monatsschrift unter dem dem Titel „Entjudung Polens". Die Polizei leitete eine energische Untersuchung ein, um die Quelle dieser schädlichen Agitation heran szusinden. Es. wurden einige Personen bei . der Verteilung dieser Flugschriften betroffen und verhaftet. — Der Allrussisch-jüdische Kom greß mußte infolge der gegenwärtigen Ereignisse in Rußland vorläufig auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Alle Parteien find übereingekommen, einen provisorischen jüdischen Nationalrat für Rußland zu organisieren-, in welchem die Parteien im Verhältnis zur Zahl' der Mandate, die sie bei den Wahlen zum Jüdischen Kongreß gewannen, vertreten sein werden. Dieser Nationalrat wird bis . zum Zusammentreten des Jüdischen Kongresses die Vertretung der Interessen des russischen Judentums übernehmen. — Laut „Hamburger Fremdenblatt" meldeit Reuter aus Petersburg: Der.'frühere Präsident der ersten Friedensdelegation, der russische Friedensdemokrat Joffe, wurde zum russischen Botschafter, in Berlin ernannt. — Die Warschauer Jüdische Gemeinde hgt in diesen Tagen aus Amerika über Holland 1200 000 Mart erhalten, die als O st e r u n t e r stü tz n n g unter urtbemittelte Juden verteilt werden sollen. — Dem Jüdischen Preßbureau in Stockholm wird aus New Aork berichtet: Die Zionistische Organisation Amerikas beabsichtigt die Gründung eines Fonds von 100 Millionen Dollar für die Kolonisation Palästinas nach dem Kriege. Es wurde eine nationale Finanzkommission eingesetzt, die sogleich die Vorbereitungen für die Sammlung dieses Fonds in Angriff nehmen soll. Kriegsanleiheversicherung. Leicht und vorteilhaft kann Kriegsanleihe erworben . werden durch die KriegsaNlei'he-Berstcherung, wie sie z. B. die Karlsruhe r L e b e n s v e r j i ch e r u n g bietet. Die Zahlungen können hierbev auf mehrere Jahrzehnte verteilt werden. Die Kr.iegsanileihestücke, die die Versicherungsanstalten für den Versicherungsnehmer zeichnet, sind auch erworben, wenn der Versicherte innerhalb' der Zeit stirbt, auf die die Zahlungen verteilt sind. Spätestens werden sie. übergesben, wenn das Ende der Versicherung erlebt wird. Vorher kann man sie erhalten gegen entsprechende Zuzählung. Wer nicht genügend bares Geld hat, versichere Kriegsanleihe; wer hat, zeichne und versichere daneben.

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