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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-22 · Heft 12 (22.3.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 12 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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82. Jahrgang Nr. 12 Berlin, 22. März 19i8 Der Gemeindevoce. Beilage zur „Allgemeinen Leitung de- Judentum-". Korrelponvrn?ru und Machrichten. Lkulschlsnd. er. Berlin. 17. März. Die heutige Sitzung der Repräsentanten- Versammlung hatte ein umfangreiches Arbeitspensum zu. erledigen. Der Vorsitzende, Direktor Dr. M in den, eröffnete die Verhandlungen mit der Verlesung der geschäftlichen. Eingänge,, unter denen die vom Gemeindevorstande dem Zentralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde «erteilte Antwort.auf dessen Antrag, schon die nächsten Repräsentant en\vahlen nach dem Verhültniswahlre-cht vornehmen zu Lassen, besonders hervorzuheben ist. Tie Einführung des Proportionalsystems kann nach der Entscheidung des Gemeindevorstandes nur im Zusammenhänge mit den anderen schwebenden Fragen, betreffend die Abänderung des Gemeindestatuts, behandelt werden. Die Versammlung hat, wie Herr Direktor Dr. M i n d e n mitte ilt, bereits vor einigen Monaten beschlossen, die seit Kriegsbeginn vertagten Verhandlungen über die verschiedenen Abänderungsvorschläge "für. das Gemeindestatut wieder aufzunehmon. Bereits vor Kriegsausbruch war die Einführung des Proportionalwahlrechts und Erhebung der Gemeindesteuern nach Maßgabe der Staatseinkommensteuer angenommen worden. Die Fortführung der Beratungen soll nunmehr wieder ausgenommen werden. Wie der Vorsitzende weiter mitteilt, hat er dem früheren langjähri'genbNitglied der Versammlung Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Geiger anläßlich seines goldenen Doktorjubiläums die Glückwünsche des Repräsentantentollegiums übermittelt, für die der Jubilar herzlich gedankt und dabei die große Anteilnahme betont habe, die er den Arbeiten der Reprä\tnlaulenoersammlung entgegenb ringt. —- Vom Vorstände wird die Annahme einer großen Anzahl von Zuwendungen beantragt. Herr Aron H i r s ch hat dem Krankenhause 15 000 Mark zur Errichtung einer „Mallhi-und- Aroir-Hirsch-Bettstiftung" überwiesen; mit 12 000 Atark hat Frau Gertrud Jsaacsohn bet der Alterversorgungsanstalt eine Zimmerstiftung errichtet. Rechtsanwalt Kurt Holz hat 2000 Mark zur Erhaltung seines Grabes vermacht, Herr Georg Eise u m a n n hat 25 000 Mark für erblindete jüdische Krieger gespendet und weitere 25 000 Mark zur Erhaltung von drei Gräbern auf dein Friedhofe in Weißensee bestimmt. Der Armenkommission stiftete Fran Elisabeth Holländer 500 Mark, und 300 Mark erhielt das 2. Waisenhaus von Herrn Hugo Weigert zur Erhöhung der Fritz-Diax- Älehlich-Stiftung; Herr Rabbiner Dr. Stier hat eine Thorarolle mit kunstvollem Silberschmuck gestiftet. Sämtliche Zuwendungen werden mit Dank angenommen. — An Stelle des Geheimen Regierungsruts Dr. Pieck, der, wie wir bereits jßchher berichtet haben, sein Amt als Vorsteherstellvertreter niedergelegt hat, wird Königlicher Baurat Herr N. Mareuse zum Aeltestenstellvertreter gewählt. — In das Kuratorium der Jos ephu n d- Si mo n-Loe w e nthal - S t i st u n g, demdie Herren Dr. M i n d e n, Emil Cohn, Dr. G i n s - berg, Benas Levy und Emil Pincus angehören, wird Herr B. K i r stein als Stellvertreter berufen. In die Armenkommisston wird Herr Siegfried Kochmann, m die Veranlagungskommission die Herren Caspar Lazarus und Eugen Proskauer gewählt; die Qrlellbadverwalttmg erhält eine Vermehrung ihrer Mitgliederzahl durch die Zuwahl des Herrn Rabbiner Dr. Loewenthal. — Bei der Regelung der Teuerungszulagen für die Gemeindebeamten und idie bei der Gemeinde Haupt- oder nebenamtlich tätigen Personen war für die Hiilsslehrträste an den Religionsschulen und den städtischen Gemeindeschulen eine Erhöhung des Jahresstundensatzes von 100 Mark auf 120 Mark beschaffen worden, 'die'auch für die Lehrkräfte an den Schulen der von der Gemeinde unterstützten Religionsvereine Geltung hat. Hingegen waren die Lehrkräfte an den subventionierten Privatschulen und an den Königlichen Schulen bisher unberücksichtigt geblieben. Auch für diese Lehrkräfte soll billigerweise eine Erhöhung der Bezüge eintveten, die nach folgenden Bestimmungen bemessen wird: Die Lehrkräfte an den von der Gemeinde subventionierten Privatschulen erhalten bei dem Jahresstundensatze von 100 Mark, eine Teuerungszulage von 20 Mark, beim Satze von 120 Mark eine solche von 10 Mark für die Wochenstunde. Die Inhaber der Schulen sollen veranlaßt werden, entsprechend der sonstigen Verteilung der Kosten ein Drittel der Teuerungszulage zu übernehmen. Die Religionslehrer an den Königlichen Schulen sollen Teuerungszulagen in Gestalt von Zuschlägen von 10 Mart zu den Sätzen der Skala erhalten; soweit der Staat nicht dazu beiträgt, sollen die ganzen Kosten von der Gemeinde übernommen werden. Für die Lehrkräfte an den städtischen höheren Lehranstalten soll zunächst die Gewährung von Teuerungszulagen durch die betreffenden Kommunen angestrebt werden. — Infolge eines in der letzten Sitzung von der Versammlung gefaßten Beschlusses .beantragt der Vorstand die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Beratung über eine anderweitige Festsetzung der Beerdigungsgebührendie aus drei Mitgliedern des Genreindevorstandes, sechs Repräsentanten und vier Mitgliedern der Friedhofskommission bestehen soll. Der Vorstand hat die Herren Kommerzienrat E i s n e r, Dr. Netter und B ad t abgeordnet; von der Versammlung werden die Herren Emil Cohn, B. Kirstein, .Benas Levy, S. Sachs, O. Tietz und S. Weile deputiert. — Für die P e s s a ch b e k ö st i g u n g j ü d i - s ch e r Sold a t e n i m Felde werden auf Antrag des Rabbinerverbandes 15 000 Mark bewilligt. Herr Benas Levy verweist als Berichterstatter auf den gleichzeitigen Aufruf des. Rabbinerverbandes, der jüdischen Lesestoff für unsere Soldaten fordert. Unsere Feldgrauen brauchten die geistige Kost ebenso nötig wie die leibliche Nahrung. Ter Gemeinde Vorstand habe die Gemeindebiblioihek als Sammelstelle für die Bücherspenden zur Verfügung gestellt und in einer Bekanntmachung im „Gemeindeblatt" hierauf hi'ngewiesen. — Die Abrechnung über den Neubau dev Synagoge am Kottbuser Ufer wird genehmigt. An Stelle der vorgesehenen 714 072 Mark hat der Neubau 753 660 Mark erfordert; der Betrag von 39 587 Mark wird nachbewilligt. — Folgende Subventionen werden bewilligt: Neligionsverein Gesundbrunnen 8700 Mark; Jüdische Resormgemeinde 23 000 Mark; Religionsverein Westend 13 500 Mark; ReUgions,verein Lippmann-Tauß 10 100 Mark; Religionsverein Agudas Achim 4000 Mark; Jsraelitischfephardhcher Verein 2000 autark; Synagogeuvssrein Ahawaiy Scholaum 10 600 Mark; Israelitische Vereinigung Lichtenberg 5000 Mark; Neligionsverein Moabit und Hansabezirk 10 800 Marc. Bei der Beratung über den Beitrag für den letztgenannten Verein weist Herr Gewerberat Plotke daraufhin, daß in Moabit und uu Westen von Mitgliedern dieses Vereins gegen den Gottesdienst und den. Besuch der Synagoge Levetzowstraße Stimmung gemacht wird. „Jmncer wieder wird dort das Bedürfnis nach einem liberalen Gottesdienst für den Nordwesten bestritten und behauptet, daß der Besuch der Synagoge Levetzowstraße sthr schlecht sei. Der Besuch der Synagoge Levetzowstraße ist außerordentlich gut; hier ijt vielleicht nächst der Fasanenstraße und der bleuen Synagoge der meist besuchte liberale Gottesdienst. Die Agitation. gegen die Gemeindesynagoge Levetzowstraße ist durchaus unangemessen." — Bei der Besprechung der Subventionen für die Wohltätigkeitsvereine tritt Herr K i r st e i n für eine allgemeine zeitgemäße Erhöhung der von der Gemeinde gewährten Beiträge ein. Herr Kommerzienrat E i s - n e r kann als Vorstandspertreter keine Hoffnung auf eine solche Maßnahme machen. Die Gemeinde kann ihre sehr erheblichen Aufwendungen für diese Zwecke keinesfalls erhöhen. Die Vereine müssen ihren Mehrbedarf durch, vermehrte Werbung, bei Privaten decken. Die Versammlung bewilligt am Schlüsse der Verhandlungen noch folgende Subventionen: Israelitischer Unterstützungsverein für Obdachlose in Hamburg 300 Mark; Israelitischer Bolkskindergarten und Volkskinderhort M Mark; Israelitische Kinderheilstätte in Königsdorf-Jastrzemb 300 Mark; Verband der Deutschen Juden 11400. Mark; Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem 800 Mark; Jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee 3000 Mark; Verein für Ferienkolonien jüdischer Kinder 1200 Mavk; Verein für jüdische Geschichte und Literatur 800 Mark; Verein für Arbeitsnachweis 3000 Mark; Jüdisches Kurhospital Kolberg 800 Mark. Nach zweistündiger Dauer wird die Sitzung geschlossen. Berlin, 19. März. Am 14. d. M. Hielt der H i l s sv e r e i n für j ü d i s ch e Studierend e feine ordentliche Generalversammlung ab. Ter 77 Jahre bestchende Verein unterstützte bisher fast 3000 hiesige Hochschüler durch Darlehen; im letzten Jahre, da jetzt die Abiturienten meist sofort ms Heer treten und von bisherigen Stipendiaten

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