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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-22 · Heft 12 (22.3.1918) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 12 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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136 Holland durch eine Ablehnung/wie wir sie erhoffen, Deutschland in die Arme getrieben, so erlangt unsere Sache einen nicht ganz unerheblichen Gewinn; sieht es sich dagegen durch Ueberlegungen zu einem Anschluß an die Westmächte genötigt, so würden wir vielleicht einen neuen Gegner haben, der uns zwar militärisch nicht viel schaden kann, dessen Feindschaft oder dessen gezwungene Entfremdung allerdings geeignet ist, unsere Ernährungsschwierigkeiten zu steigern. Allmählich wächst sich dieser furchtbare Krieg, den man schon längst nicht mit Unrecht einen Weltkrieg genannt hat, zu einem Kampfe aller gegen alle aus, in dem es keinem, selbst dem Friedliebendsten nicht, gestattet ist, Ruhe zu wahren und sich neutral zu verhalten. Käme nur endlich ein Entscheidungsschlag und bewiese unseren Feinden ihre Ohnmacht. Die Fortdauer unserer Lustsiege, die immer größeren, fast täglich gemeldeten U-Boot- Ersolge haben unsere Gegner nicht zur Besinnung bringen können, obgleich der neueste gegen Holland geführte Streich die immer größer werdende Schwäche Englands deutlich beweist - die unterdessen erfolgte Zwangsrationierung in England, die immer deutlicher sich kundgebende Schwächung Frankreichs, die vollkommene Hungersnot, di« in vielen Teilen Italiens herrscht, vermögen unsere verblendeten Feinde nicht zum Eingeständnis ihrer Schwäche und noch weniger zur Nachgiebigkeit oder Unterwerfung zu zwingen. Hoffentlich wird ein großer, nachdrücklicher Erfolg unserer Waffen sie zur Erkenntnis nötigen, mag ihnen diese auch noch so schwer fallen. Wenn über dies geschieht, dann darf, da sie unbelehrbar und verstockt, trotz hochtönender Worte von Menschenbeglückung, Verteidigung des Rechtes, Sicherung der Kleinstaaten und Gewährung der Freiheit, ausschließlich bedacht waren auf Stärkung ihres Einflusses, aus Vermehrung ihrer Macht, auf Demütigung, ja vollkommene Riederzwingung ihrer Feinde, die sie lügnerisch genug zugleich als Feinde der Menschlichkeit und Freiheit auszugeben wagten, keine Rücksicht genommen werden. Unsere Gegner müßten, wie Rußland und Rumänien dies zu tun genötigt waren, sich unseren Forderungen; fügen; sie, die in wahnsinniger Selbstverblendung die unerhörteste Erniedrigung Deutschlands verlangt hatten, müßten nicht bloß dazu gezwungen werden, Deutschland in seiner völligen Integrität anzuerkennen, die beschlagnahmten Schiffe herauszugeben, unsere Kolonien in ihrem alten Zustand uns wieder auszuliefern, sondern sie müßten zu Entschädigungen genötigt werden und in das einwilligen, was wir über das Schicksal der von uns okkupierten Länder zu entscheiden für gut befinden, und sich den Bedingungen unterwerfen, die wir ihnen aufzuerlegen für nötig erachten. Von sonstigen allgemeinen politischen Angelegenheiten ist nur zu melden, daß Odessa von den deutschen und österreichischungarischen Truppen eingenommen, daß der Friede mit Rußland ratifiziert ist und daß die Friedensverhandlungen mit Rumänien, in dem ein leitender Minister dem anderen Platz gemacht hat, sortschreiten, ohne bisher zu gänzlichem Abschluß gelangt zu sein. * Von dem Verband der' Deutschen Juden erhalten wir folgende Zuschrift, der wir gern Raum geben: Der Deutsch-Israelitische Gcmeindebund hat beschlossen, die seit fast einem Jahrzehnt liegengebliebenen Arbeiten für die Vorbereitung eines Gesetzentwurfes über den Zusammenschluß der jüdischen Gemeinden in Preußen wieder auszunehmen, und hat bei dem Verbände der Deutschen Juden angefragt, ob er sich an dieser Arbeit.wie früher beteiligen wolle. Der große Ausschuß des Verbandes hat beschlossen, an diesen Arbeiten sich wieder zu beteiligen. Die Frage der Stellung von Anträgen bei der Regierung oder den, Landtag bleibt für den geeigneten Zeitpunkt Vorbehalten *> Aus Ruß l a n d kommt eilte sehr befremdliche, und wenn sie sich bestätigt, sehr betrübende Nachricht. Das Jüdische Korrespondenzbuveau im Haag und nach ihm die „Frankfurter Zeitung" melden aus London, daß der Vorsitzende des Komitees für den Jüdischen Kongreß, der am 2. (14.) März in Petersburg zusammentreten sollte, in der letzten . Stunde von den Volksbeauftragten verhaftet worden sei. Der Bericht schließt mit den Worten „Redakteure jüdischer Blätter sitzen im Gefängnis". Die Nachricht, so befremdlich sie zunächst klingt, wirkt nicht ganz überraschend; mir schien es immer — und genaueren Kennern russischer Verhältnisse war es noch klarer —, daß die Verhältnisse der Juden unter der gegenwärtigen Regierung noch keineswegs gefestigt seien. Freilich meinte ich eher an eine Aonetgung der Volksmassen glauben zu dürfen als an eine Feindseligkeit der Regierenden. Daß nun diese, unter denen sich noch immer Herr Trotzki und auch andere Juden befinden, zu einer solchen Maßregel geschritten sind, bildet ein höchst trauriges Symptom für die Zukunft. Diese Freiheitsberaubung des Vorsitzenden des Kongresses und mehrerer Redakteure ist eine Gewaltmaßregel, die nichts Gutes für die Juden erkennen läßt. Ob damit das Zustandekommen des Jüdischen Kongresses überhaupt gefährdet ist und ob die Wirksamkeit dieses Kongresses von besonderer Bedeutung gewesen wäre oder sein würde, wage ich nicht zu entscheiden; immerhin muß man in der getroffenen Maßregel ein trauriges Vorzeichen für die Lage sehen, der die Juden auch unter der neuen russischen Regierung entgegengehen. * Was Rumänien betrifft, mit dem, wie schon erwähnt, die Friedensverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind, jo kann man mcht sagen, ob in diesem endgüllrgen Friedensschluß der Inden gedacht wird (in den vorläufigen Friedensbedingungen war dies nicht der Fall). Doch wäre eine solche Erwähnung im höchsten Grade zu wünschen, ja zu fordern, obgleich ja papierne Versprechungen für Rumänien sehr wenig bedeuten, wie man in den letzten 40 Jahren beobachten konnte, denn der Berliner Kongreß mit fernem bekannten Artikel 44 stammt aus dem Jahre 1878, ist also wirklich 40 Jahre alt. Daher müßte man auf das entschiedenste verlangen, daß Rumänien mit der Gleichstellung der Juden Ernst macht, bevor man ihm den Frieden gewährt. Die Sache selbst wird nicht bloß von den Juden besprochen, sondern von den gesetzgebenden Körperschaften und von der Presse Deutschland und Oesterreichs. Was Deutschland angeht, so ist folgendes zu melden: Im Hnushaltsausschuß des Reichstags brachte am letzten Montag der Abgeordnete Gothein eine Angelegenheit zur Sprache, die schon viele Erörterungen hervorgerufen hat. ES handelt sich um die Forderung der vollständigen Gleichberechtigung der rumänischen /luden. Der Abgeordnete Gothein forderte, daß beim Abschluß deS Friedensverttnges mit Rumänien Deutschland die Rechte der rumänischen Juden wahrnehmen müsse, damit diesen die staatsbürgerlichen Rechte gewährt würden. Abgeordneter Bruhn trat dieser Auffassung entgegen, indem er darauf hinwies, daß die Verbündeten bei den Vertragsabschlüssen mit der Ukraine und mit Groß-Rußland ausdrücklich festgestellt hatten, daß sie sich in die inneren Angelegenheiten dieser Staaten nicht einmischen wollen. Da sei es auch nicht angängig, Rumänien gegenüber Ausnahmen zu machen. Es feien andere Schwierigkeiten genug vorhanden, so daß man der rumänischen Juden nicht bedürfe, um noch roettere zu schaffen. Unterstaatssekretär von dem Bussche-Haddenhausen wies darauf hin, daß es den in Rumänien lebenden Juden während der Zeit der Okkupation durch die Truppen der Verbündeten sehr gut gegangen sei. Das Zionistische Aktionskomitee hat an den Haushalkungsausschuß ein Telegramm gerichtet, das fordert, in dem Friedensvertrag mit

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