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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-15 · Heft 11 (15.3.1918) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 11 (15.3.1918)
Date
1918-03-15
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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126 bescheidener und trockener ist. Sie sind wie jene Vorfreude die oft der beste Teil der Freude ist. So Haben -auch unsere Träume vom Frieden uns in schweren Tagen geholfen, zu tragen und doch auszuschauen. Sie sind ein Teil unserer Kraft geworden, mag auch die Bestimmtheit, wie sie jetzt erscheinen will, so viel trockener und nüchterner zu unserem En cp finden heränziehen. Denn es ist wahr, die Kunde vom Frieden, die jetzt erklingt, hat uns nun anders ersaßt, als wir vorher geträumt hatten. Sie hat uns nicht auf Schwingen des Jubels zu blauen, strahlenden Höhen emporgetragen, sondern wir sind auf der Erde geblieben, und wir sehen vor uns die Wege, die noch zu durchschreiten,' noch zu bezwingen sind. Und der oft Enttäuschte blickt und sucht aus ihnen alle die Mühen und Irrungen wieder, die eine Vergangenheit so oft entgegengestellt hatte. Nicht das ganze Glück ist vor uns aufgestiegen, sieghaft und erhebend wie alles Erfüllte, sondern vor dem Zweifelnden liegt ein Bruchstück .erst, woran sich Teil um Teil zur Vollendung fügen soll. So ist es eine gedämpfte Stimmung, die den ersten Friedensboten empfing, und in . ihr erklingt der ganze geänderte Ton, zu dem sich unser Empfinden in diesen drei Jahren allmählich gewandelt hat. Wir sind in dieser Zeit älter geworden, nicht in dem selbstverständlichen Schicksalssinne bloß, daß jedes Jahr, das dahingeht, ein Stück unseres Lebens mit sich nimmt. Viele sind auch innerlich älter , geworden; sie stehen bedenklicher, zweifelnder, frostiger allem Kommen und Gehen, allem Versprechen und Versagen gegenüber. Aelter werden bedeutet kälter werden. Man kann es den Menschen gegenüber werden, indem man nicht den ganzen Menschen mehr ihnen erschließt und in ihnen sucht, sondern sich nur von einer Gemeinschaft der Arbeit oder der Interessen mit chnen verbinden läßt; an die Stelle der warmen Jugendfreundschaft tritt die kühle Lebensbeziehung. Man kann kälter, werden auch gegenüber den Aufgaben und Geboten des Lebens; man erfüllt,, was die Stunde verlangt, man leistet, was man leisten kann, aber keine heiße Teilnahme, keine Begeisterung glüht mehr darin; der Glaube an die Pflicht wird zur bloßen Strenge der Pflicht, zur bloßen Arbeit in ihr. Das ist immer ein Aelterwerdien, ein Abstieg im Dasein, wenn sich so die Kühle des Empfindens herniedersenkt. Es ist kein Zweifel, daß in diesem Sinne auch viele während des Krieges und durch ihn älter geworden sind, älter in der Stimmung, imganzen Sinnen und Fühlen. Das Pflichtbewußtsein ist geblieben, stark und zuverlässig, aber das warme Singen und Klingen von ehedem will sich nicht mehr darin vernehmen laffen. So gehen manche jetzt dem kommenden Frieden ohne die große Erwartung entgegen, mit den Schritten und den Gedanken derer, die älter geworden sind, in deren Leben viel harte Wirklichkeit wohnt und zu wenig Hoffnung und Traum. Die Zukunft wird aber junge Menschen brauchen. Wenn in diesen Jahren des Krieges auch ein geistiger Kampf, , ein geistiges Ausharren not tut, so ist es nicht zum mindesten der Kampf um das Bleiben der Jugend. Wenn das Wort des Feldgeistlichen, sei es in der Predigt, sei es in geselligem Zusammensein, an seinem kleinen Platze eine Aufgabe erfüllen soll, so muß es sich innig darauf hinrichten, daß es in manch einem, dem das Alter droht, die starke Erwartung der Zukunft, diese Jugend des Empfindens wach erhalte. Es soll, in dieser guten, edlen Bedeutung, gläubig sein und damit anderen diesen Glauben zu geben vermögen. Das ist das beste Geschenk für Heimat und Frieden. In unserer jüdischen Gemeinde wird dieses zuversichtliche Wort seinen eigenen Ton dann noch besitzen, den des starken Glaubens an unsere jüdische Zukunft. Wir brauchen und erhoffen "jüdische Jugend, diese Jugend unseres Denkens und Empfindens, die wir: besitzen können, die nicht in den Jahren gegeben ist, noch von den Jahren genommen wird. Das Wesentlichste an dem Kommenden sind doch die Menschen, die sein werden. ' Nicht die Institutionen, nicht die'Rechte, nicht die Plätze, so viel diese auch bedeuten mögen, sondern wir selbst, wir alle sind die lebendige, die wachsende Wirklichkeit. Menschen' zu finden und Menschen zusammenzuführen, Menschen, welche Tage Nicht bloß gehen, sondern nahen sehen, ist zumal die beste Seelsorge, ist die beste Arbeit für unser Judentum draußen'wie daheim. Wie wir sein werden, so wird unsere Zukunft sein. Und der Blick zu ihr hinaus, so scheint es, darf uns erheben; unsere Gemeinde, verspricht eine Zeit neuer Jugend. < Wir leben in Tagen, in .denen das Friedenswort des Propheten wieder tyahr wird, daß. „die Schritte dessen, der verkünden soll", ,vernehmbar werden. Eine Zukunft will heranschreiten. > Wer sie Sypfantzen will, muß an sie glauben, und wir können an das. Mein glauben, was wir in uns selber auch hegen. . ■ . *.—■ ' Ein Paar wissenschaftliche Notizen mögen' den Schluß dieser Ueberstcht machen. Das „Jüdische Preffebureau" in Stockholm berichtet: : - In der Schweizerischen * Gesellschaft für Volkskunde, welcher der bekannte Gelehrte Professor Hofftnann-Krayer vorsteht, hat sich eine Sektion für jüdische Volkskunde gebildet, die zum Zwecke hat die Erforschung - der Sitten, Bräuche, Ueberlieferungen, Volksmärchen und Lieder vorzüglich der OstjudLnheit. Wie wir vernehmen, hat die Gesellschaft bereits ein ziemlich Umfangreiches Material gesammelt, das in absehbarer Zeit.zur Veröffentlichung gelangen wird. Endlich fei aus der „Germania" folgendes übernommen: Neue Forschungen über die Anthropologie der Juden. Während man früher eine verhältnismäßige Reinheit der Juden als Rasse annahm, sind die neueren Anthropologen der Meinung, daß in ihnen verschiedene Raffenelemente vereinigt, sind. Ripley, Jkow, v. Luschan. und andere halten die modernen Juden Zusammengesetzt aus arischen Amoritern, dann aus wirklichen Semiten, aus Armeniern, und aus Nachkommen der Men Hethiter; Neben diesen Elementen werden auch noch andere Beimengungen angenommen. Professor. Kollmann ist dem „Korrespondeuzblatt der deutschen Gesellschaft für Anthropologie" zufolge der Ansicht, daß in der HaUptsächie zwei Physiognomien Vorkommen, welche sich sowohl am Gesichtsschädel als am Gesicht der Lebenden erkennen laffen. Eine Form besitzt ein schmales, hohes Antlitz mit gebogener,, oft stärk gekrümmter Nase, was schon von assyrischen Denkmälern her bekannt ist. Es sind Pas die Schmalgesichter der Leptöprospen, mit dunklen, großen Äugen, schwarzem Haar und dunkler Haut. Die Lippen leicht geschwellt, ist es jene Gesichtsform, welche Michelangelo in seinem Moses dargestellt hat. Von diesem Gesichtsschnitt gibt es sowohl Männer als Frauen. Die zweite Gesichtsform der Israeliten Europas besitzt ein breites Gesicht. Die Nase ist an der Wurzel'breit, der Rücken eingebogen, das Nasenende verbreitert. Der Zahnbogen -des Oberkiefers ist weit, so daß die Zahnreihen breit sind. Lebende Vertreter dieser zweiten Gestchtsform sind ebenso häufig zu finden wie die der ersten. Bei dem zähen Festhalten der jüdischen Familien untereinander ist es begreiflich, daß die Merkmale der beiden erwähnten Formen, deutlich gemischt, nebeneinander in demselben Angesicht zum Vorschein kommen. Mischlinge sind zahlreich. Professor Kollmann schreibt weiter- Zu den Verschiedenherten der Schädel und der zwei Unterschiede in dem Bau der Gesichter kommen noch die auffallenden Merkmale der Augen, der. Haare und der Haut. Es gibt bekanntlich Brünette und Blonde. Man bezeichnet die Brünetten als Leute mit dunklen Augen, dunklen Haaren und dunkler Haut. Im Gegensatz dazu besitzt die blonde Spielart blaue Augen, blondes Haar, helle Haut. R. Virchow hat einst Mitterlungen über 75 000 jüdische Kinder erstattet. Danach hatten 65 Prozent dunkles Haar, 52 Prozent dunkle Augen; 32 Prozent' helles Haar und 46 Prozent helle Augen. Die brünetten Juden zählt Kollrüann den mediterranen Völkerrassen zu; sie haben' sich wahrscheinlich in Verbindung mit den übrigen mediterranen Formen an den Ufern *des Mittelmeeres ausgebreitet und zogen dann der Iberischen Halbinsel entlang nach Gallien bis zum Aermelkanal und mit den verwandten Phöniziern bis an die Ostsee. Das geschah schön in alter Zeit, wie die Nachrichten über die Phönizier, die^ Hebräer Aegyptens und über die Juden im alten. Rom annehmen laffen. Der Fluch zum Wandern durch alle Lande lastet auf den mediterranen Formen seit uralter Zeit. Was die Körperlänge betrifft, so herrscht im ganzen die mittlere Statur vor.. Vorderasien darf als die alte Heimat der Juden betrachtet werden. Die schwarzen und die gelben Juden Asiens sind Abkömmlinge der schwarzen und der gelben polymorphen Rasse; sie sind mit den jüdischen Unterraffen der weißen Haüptraffe nicht ' verwandt. " \ : ' - * "

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