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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-08 · Heft 10 (8.3.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 10 (8.3.1918)
Date
1918-03-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Gesamhcharäkter des JuldentumH, dem keine nationale Schranke zukoyUW't. Die Aulssaffung der Lehre der den Schrift-gelehrten und Rabbinern des- WttMlters schlägt jeden Einwand nieder, der aus Gründen der He,vabs-etzu.ng des Judentums auch in heutiger Zeit noch oftmaW erhoben wird. Er schloß diese Apologie mit dem Hin-, weis, daß diejenigen, welche den Geist deK Judentums in eine naturalistische Schr cmke zwängen wollen, entweder große Unkenntnis der Quellen oder eine unlautere Gesinnung bezeugen, die in einer von ernstem -wissenschaftlichen Geist erfüllten Zeit im Gewände der Gelehrsamkeit und im Namen, der Wissenschaft nicht ptit Ausdruck gebracht werden dürfte. — Die zahlreich erschienene -Zuhörerschaft bekundete ihren leibhaften Beifall für den nach Inhalt und Form ausgezeichneten Vortrag. Namens des Vereins zollte -an Stelle des behinderten Vorsitzenden Justizrat Chohke Sanitätsrat Dr. Wiesenthal dem Redner wärmsten Dank. §^2 Dresden, 1. März. Im Verein für jüdische Geschichte und L i ter a tu r sprach am Büßtag (27. Februar) der Sekretär der israelitischen- Religion sgemeinde zu Dresden, Herr Lambert P l o e m a ch e r, über die „Rechtsverhältnisse der Juden m Sachsen". Der Vortrag, der die Rechtsstellung der sächsischen Juden historisch' entwickelte, wurde durch praktische Beispiele aus dem Gemeindeverwaltüngsbetriebe be>lebt. Ganz besonders anerkennenswert war es, daß Herr Ploemacher seinen Hörern in das komplizierte Getriebe des Kultussteuerverfahrens Einblick gewährte. Der anregende Vortrag fand reichen Beifall, der sich nach- Dankesworten des Vereinsvorsitzenden, des Herrn Kommerzienrats Max Elb, zu einer persönlichen Ehrung des beliebten Gemeindebeamten steigerte. — München, 1. März. Die Beerdigung des Hofantiq ü a r s A d ol s Ster n h a r t e r, der als Autorität auf dem Gebiet des Antiquitätenhandels galt, erfolgte unter großer Beteiligung auf dem neuen .israelitischen Gemeindefriedhof. In der Gedächtnisrede rühmte Rabbiner Professor Dr. Werner an dem Entschlafenen, daß er kraftvolle Energie mit Weichheit und Milde glücklich verband. Sein hoher Kunstsinn, womit er die Interessender Kunst zu fördern verstand, verschaffte ihm Ansehen und Anerkennung weit über Baverns Grenzen hinaus: Fürsten und < Behörden holten sich semen fachmännischen Rat. Die - zahlreichen- Stiftungen für die Kultusgemeinde, Kriegsblinden-Fürsorge und viele andere humanitäre Zwecke bekunden seinen edlen WoMätigkeitssinn, der keine konfessionellen Schranken kannte. Bei aller Gesckäftstüchtigkeit -eickmete den Entschlummerten ein hoher Grad von Redlichkeit und Rechtlichkeit aus. Unter den zahlreichen Kranzspenden waren Widmungen vom Baverrschen Nationalmuseum („seinem hochherzigen Gönner") und der Münchener Liedertafel. S. J. Hamburg, 1. März. Im 5. Buch Mose 15, 4 findet sich der Ausspruch: „Es wird kein Dürftiger bei dir sein, denn Gott wird dich segnen" und im gleichen Kapitel,. Vers 11, steht zu lesen: „Es werden Dürftige nicht aufbören im Lande, deshalb befiehlt dir der Ewige: Oeffnen, öffnen sollst du deine Hand deinem Bruder, deinem Armen und deinem Dürftigen." Hier ist doch ein Widerspruch: in dem ehren wird die Möglichkeit eines Notstandes geleugnet und 7 Strophen weiter wird das Vorhandensein eines solchen, als durch die Verhältnisse bedtngit, behauptet. Um'den Zwiespalt in der Auffassung über die Ungleichheit deS Besitzes, der in diesen beiden Stellen zum Ausdruck kommt-, zu mildern, hat die jüdische Wohltätigkeit von jeher es sich angelegen sein lassen, für Arme und Bedrängte einzutreten und „Zedaka" zu üben, und je weniger der „Gebende" bekannt wird, desto wertvoller wird seine „Gabe". Aus diesem Gedanken heraus entstand vor nunmehr 70 Jahren in-unserer Gemeinde ein „Verein zur Unterstützung bedürftiger jüdischer Familien an Sabbat- und Festtagen". Der Zweck dieses in hiesiger Gemeinde segensreich wirkenden Vereins ist: zu den-Sabbat- und Festtagen bedürftigen Familien Fleisch und Mehl zu liefern, damit sie sich einen „oneg schabbos we jomtow" bereiten können.. Die Zuteilung dieser Lebensmittel geschah zu der Zeit, wo die Rationierung dieser Lebensmittel durch die Kriegsversorgung sich als notwendig erwies, in. der Weise, daß für jeden Sabbat und jeden Festtag eine Anzahl Vereinsmitglieder, durch das Los bestimmt, Karten erhielten, die fle an ihnen als bedürftig .bekannte jüdische Familien .Weitergaben, ohne daß die Empfänger der. Karten erfuhren, wer ihnen diese Lebensmittelkarten, die gegen ein -bestimmtes Quantum, das auf den Karten verzeichnet war, bei den betreffenden Händlern eingetauscht werden konnten, zustellte. Jetzt wird als Hilfsmittel der „Gutschein" angewendet und bekommen die von den Vereinsmitgliedern bekannten Familien eine bestimmte Anzahl solcher Gutscheine, von derven jeder eine gewisse Summe wert ist, durch die Post zugefchickts sie geben dieselben als „Geld" bei den auf dem Scheine be- Zeichneten Lieserantenvon'Lebensmitteln, die sie bei der Kasse des Vereins zur Einlösung 'bringen. So wurden im abgelaufenen Jahre ca. 200 Familien mit solchen Gutscheinen bedacht. Zu dem bevorsteheden Pessachfeste ergeht jetzt schon die Aufforderung an die 'Vereinsmitglieder, ihre diesbezüglichen Wünsche an den Vorsitzenden des Vereins, Herrn S. Plo cki, Hamburg 30, gelangen lassen. Köln, 1. März. Hündertundein Jahr alt wurde am 26. v. M. der älteste Mitbürger unserer Stadt, Herr N. M. Loeb, Frankfurter Straße 20. Das seltene Fest gab, wie im Vorjahre der 100. Geburtstag, den zahlreichen Freunden des unverändert geistesfrischen Jubilars Gelegenheit, ihn besonders herzlich zu beglückwünschen. Der 101jährige Herr hat sich bis heute die optimistische Lebensauffassung des besten Männesalters bewahrt und unterrichtet sich noch täglich durch eigene Zeitungslektüre über die Erlebnisse der Gegenwart. Mit besonderer Genügtuung verfolgte er den Gang des U-Boot-Krieges gegen England. Launig äußerte er, als man ihm weitere gute Lebensjahre wünschte, er würde schon, soweit es an ihm liege,'durchhalten, um noch die Wiederkehr friedlicher Zeiten mitzuerleben. Hoffen wir, daß ein solcher von kräftigem Lebenswillen diktierter Wunsch recht bald in Erfüllung gehe. er. Straßhuvg i. Elf., 1. März. Die 1>m Dezember und Januar durch die Stadtverwaltung veranstalteten Kochkistenlehräbmde, verbunden mit Verabreichung von Kostproben, waren zahlreich besucht und haben vi-ele Hausfrauen zur Beschaffung einer Kochkiste veranlaßt. Um auch der - ffraelitifchen Bevölkerung Gelegenheit zu bieten, sich von dem vielseitigen Nutzen der Kochkiste zu überzeugen, hat die -Stadt am- 18. Februar abends in -der rituellen Gewerbeschule einen rituellen Kochkistenlehraben-d veranstaltet. Andiesem Abend wurden in einem Vortrag Wesen und Vorteile sowie billige Selbstherstellung und Gebrauch der Kochkiste erläutert und praktisch vorgeführt. Im- Anschluß daran wurden Kostproben der in Kochkisten rituell zuberei-teten Speisen verabreicht. Der Lehrabend war sehr zahlreich besucht. Gksterreich-Angsrn. er. Wien, 1. März. Der Verein zur Rettung verwahrloster jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina hielt unter großer Beteiligung von Delegierten jüdischer Gemeinden und Vereine seine Generalversammlung ab, an der als Vertreter des Ministers für soziale Angelegenheiten und als Vertreter des Kriegshilfsamts Prinz von u n d z u Liechten st ein, für den Minister für Galizien Hosrat N e u m a n n und ferner die Abgeordneten Dr. Ko lisch er und Dr. v. Loewenstein teilnahmen. Der Verein hat in zwanzig neuen Anstalten 1200 Kinder untergebracht. Diese Anstalten befinden sich in Lemberg, Przemhsl. Sambor, Tarnow, Krakau, Kolomea und anderen Orten; weitere 5000 Kinder sind in Familienpflege untergebracht. Für diese 6200 Kinder leistet die Regierung einen Zuschuß von 750 000 Kronen, die natürlich bei weitem nicht alle Aufwendungen decken können. In einer längeren Ansprache würdigte Hofrat Prinz Liechtenstein die Leistungen des jüdischen Vereins, dessen Fürsorge für christliche Kinder er besonders lobend anerkannte. Im Namen der Sektion Lemberg, die allein 3500 Kinder zu versorgen hat, dankte Dr. Parnaß dem Verein für die Werktätige Hilfe, die er den Kindern angedeihen läßt. Professor Ehr mann sprach namens des Verbandes. der Humanitätsvereine den Bestrebungen der Vereinsleitung, die dem Elend preisgegebenen Kinder der gesamten Menschheit als nützliche Glieder wiederzugeben, die vollste Anerkennung aus. Als Vizeprästdentin dankte'Frau Gelber dem Vertreter der staatlichen Kriegswaisenfürsorge für die dem Verein gezollte Anerkennung. Abgeordneter Dr.R a p p a p o r t beantragte die Einsetzung einer Kommission, welche die religiöse und sittliche Erziehung der Kinder in den Heimen zu überwachen hat. Abgeordneter Dr. v. Loewenstein verzeichnete es mit Genugtuung, daß die Aktion des Vereins nicht nur jüdischen, sondern auch christlichen Kindern gelte. Der Menschheitsverbrüderüngsgedanke spreche aus dieser' Aktion. «Spanten. r. Madrid, im Februar. Mitten im Weltkriege ist ein wichtiger Gedenktag -der spanischen Judenheit ohne jede Feier vorübergegangen: die fünfzigste Wiederkehr des Tages, an dem die Juden in Spanien nach 374jährjgem Unterbrechen

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