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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-08 · Heft 10 (8.3.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 10 (8.3.1918)
Date
1918-03-08
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 das, erste Stück Erde in Spanien wieder erwerben Wie, überall aus der ganzen Erdewo sich jüdische Gemeinden bilden oder Juden leben und, sind es auch nur wenige Familien, eines Stammessich anfledeln, war es auch hiev ein Friedhof, der den ersten jüdischen. Grundbesitz bildete Bis 1867 war es nämlich den in Spanien ansässigen Juden.nicht gestattet,. ihre Toten in spanische. Erde zu betten; sie mutzten dieselben zur letzten Ruhe nach Frankreich bringen. Im November 1867 wandte sich das französische Zentralkonfistorium der Israeliten an den ihm Vorgesetzten Kultusminister, um durch diesen den Minister des Auswärtigen zu veranlassen, sich bei der spanischen Regierung in Madrid dafür zu verwenden, daß den französischen Juden die Erlaubnis zum Erwerb eines Grundstückes zur Anlage eines Friedhofes erteilt werde. Der Erfolg dieser Bemühungen brachte ein relativ günstiges Resultat. In der vom spanischen Minister des Auswärtigen dem französischen Botschafter in Madrid übergebenen Antwortnote heißt es: „Es soll den im spanischen Staate wohnenden französischen Israeliten gestattet werden, Grundstücke zur Bestattung von Leichen zu erwerben oder zu besitzen und sie mit einer Mauer zu umgeben. Es ist ihnen jedoch verboten, eine Kapelle oder irgendeine Art von Tempel daraus zu bauen oder einen öffentlichen oder privaten Gottesdienst dort abzuhalten." Mit diesem Erlaß war ein weiterer Schritt auf dem Wege zur Wiederaufnahme des Judentums in Spanien getan. 374 Jahre mußten also verfließen, bis die Juden wieder ein kleines Stück Erde aus spanischem Boden erwerben durften. Von Ogh und ffmt. — Das Kriegsamt hat unterm 21. Februar unter Nr. M. L. 3707 11 21 8 K on sämtliche Kriegswirtschaftsämter, Provinzialschulkollegien und sonstige in Betracht kommende Stellen eine Verfügung erlassen, wonach bei der Heranziehung von jüdischen Schülern zum landwirtschaftlichen Hilfsdienst auf die Währung der Vorschriften des jüdischen Reliqionsgesetzes Rücksicht zu nehmen ist.. Es wird erwartet, daß die Rabbinate und Synagogengemeinden mit den zuständigen Krieaswirtschaftsämtern in Verhandlung darüber treten, in Webber Weise durch Bildung jüdischer Schülergruppen diesen die Beobachtuna des Sabbats und der rituellen Speisegesetze beim landwirtschaftlichen Hilfsdienst ermöglicht werden kann. Die Verfügung weist außerdem ganz allgemein darauf hin, daß die Schüler beim Hilfsdienst in der Landwirtschaft zur Ausübung ihrer religiösen Pflichten angehalten werden sollen. Es ist dies eine Sache der. Führer, und wenn solche nicht vorhanden sind, Aufgabe des Arbeitgebers. —- Geheimer Neaierungsrat Professor Dr. Ludwig Geiger begeht am 8. d. M. sein fünfzigjähriges Doktoriubiläum. Er promovierte als Zwanzigjähriger 1868 an der Universität Güttingen mit einer Arbeit „Ueber Melanchtbons Oratio continens historkm Capnionis", die den Anfang einer langen Reihe von literatur- und kulturgeschichtlichen Werken bildet, mit denen er in fünfzigjähriger schriftstellerischer Tätigkeit die Wissenschaft bereicherte. — Dem Hofjuwelier Eugen Marcus, Berlin, sind das Derdienstkreuz für Kriegshilfe und -der Lippische Leopold- Orden dritter Klasse verliehen worden. — Kommerzienrat Julius Easfirer hat die der Stadt. Charlottenburg zugunsten alleinstehender Frauen und Mädchen zugewendete Stiftung von 2 0 000 Mark um weitere 10 000 Mark erhöht. — Generaldirektor Kurt Lübschütz von der . Hotelbetriebs-Aktien- . gelellschaft hat das Ehrenzeichen 2. Klasse vom Oesterreichischen Roten Kreuz erhalten. — Aus Buk wird uns berichtet: Herr Kaufmann Isaak Lewin und seine Gattin feiertendas Fest der goldenen Hochzeit. Die hier bestehenden Wohltätigkeitsvereine übersandten Glückwünsche, auch seitens der Bürgerschaft wurden ihnen Aufmerksamkeiten erwiesen. — Das Derdienstkreuz für Kriegshilfe wurde verliehen der Gattin des Justizrats Bernhard Falk in Köln: — Das Goldene Derdienstkreuz für Kriegsfürsorge erhielt Herr Hermann Cohn, Inhaber der Firma Union-Oel-Jmport in Düsseldorf. - - Feldrabbiner Dr. Paul Lazarus aus Essen, der feit einem Jahre ander mazedonischen Front wirkt und kürzlich das Eiserne Kreuz 2. Klaffe erhielt, wurde nunmehr auch mit dem Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens ausgezeichnet. Ferner wird uns aus Essen geschrieben: Als die erste Veranstaltung des hiesigen Ausschusses für jüdische Volksbildung ist eine Ausstellung „Die jüdische Jugendschrift" im städtischen Saalbau in Aussicht genommen. Die Leitung des Ausschußes liegt in den Händen der Herren Rabbiner Dr. Samuel und Lehrer M. Abraham. — Herr Fabrik^ befltzer Richard L i e brecht m Liegnitz hat der dortigenÖrts« gruppe für künstlerische VolkserN'chung' 10 000 Mark zur Ver» fügung gestellt. — ^Jn Görlitz Mrb nach vierzigjähriger Tätigkeit. als Repräsentant der Shria-gogenAemeinde Herr Bernhard G ro ß im Alter von 73 Jahren. Er gehörte zu den bekanntesten Persönlichkeiten und erfreute sich großer Beliebtheit.. Auch zahlreiche Wohl-' tätigkeitsvereine beklagen den Verlust eines fleißigen Mitarbeiters. — Zu der anläßlich der goldenen Hochzeit des Königs und der Königin von Bayern veranstalteten Lündeshuldigungsfeier, die im Hinblick auf den Ernst der Zeit in engen Grenzen begangen wurde/ war, wie die christliche Geistlichkeit, auch' Herr Rabbiner Professor. Dr. Werner in München geladen. Ihm wurde'to\&den anderen Anwesenden die Auszeichnung zuteil, vvn der Hand des Wriigs' selbst das zu dem Jubelfest gestiftete Ehrenzeichen zu erhalten, -r Distriktsrabbiner Dr. Meyer in Regensburg erhielt auf Einsendung feiner Festpredigt zur goldenen Hochzeit ein Bild des Königs-" vaares, unter welchem zu lesen ist: „Herzlichen Dank für die treuen' Wünsche zu Unserer goldenen Hochzeit, 20. Februar 1918.' Maria Therese. Ludwig." — Amtsrichter Joseph Hesse lber ger in Nürnberg wurde zum Oberamtsrichter und Hofrat Emil Fech-' heimer zum Handelsrichter ernannt — Aus Weich wird geschrieben: Die Initiative für das jüdische Lungenfrankenheim in Davos geht vorwärts. In der Sitzung vom letzten Sonntag wurde von Herrn Sa-lh Guggenheim (Alschwil) ein Beitrag von 25 000 Francs gezeichnet Die Zeichnungen ergaben bis heute die Summe von 50 000 Francs. Es gehen fortaesetzt neue Zeichnungen ein. — Die „Oesterreichische Wochenschrift"^ berichtet: Seine Majestät der Kaiser hat den Oberstleutnant in Lokalverwendung Salomon Adler zum Oberst ernannt. — Leutnant d. R. Robert Groß, J.-R., rückte nach Absolvierung des technologischen Gewerbemuseums freiwillig ein, kämpfte in Wolhynien, Beßarabien, um Riga, in Rumänien und machte drei Jsonzoschlachten mit. Für seine Tapferkeit und vorzügliche Dienstleistung als Komvagniekommandant. wurde er mit dem 'Militärverdienstkreuz, 8issnun§ knäis. der silbernen und bronzenen Tapferkeitsmedaille und dem' Karl-Truppen-Kreuz ausgezeichnet. — Der vor kurzem verstorbene Großkaufmann Rud. N o s s a l in Wien hat in seinem Testament insgesamt 170 000 Kronen für humanitäre Zwecke hinterlaffen, wovon 60 000 Kronen für eine zu errichtende Stiftung für indische Krebskranke in die Verwaltung der hiesigen Jüdischen. Gemeinde übergehen. — Die Ungarische Israelitische Landeskanzlei hat bei der ungarischen Regierung Schritte unternommen, beim Grafen Czernin dahin zu wirken, daß in dem mit Rumänien abzuschließenden Friedensvertrag die seit dem Berliner Kongreß fällige, aber nicht durchaefübrte Emanzipation der rumänischen Juden endgültig zur Wirklichkeit werde. — Auf dem Friedhöfe Montmartre in Paris wurde der Fliegeroffizier Pierre H alphen beerdigt, der bei dem jüngsten Flieaerangrisf auf Paris aus tragische ^Weise sein Leben verlor. Er fiel am 30. Januar als .Abwehrflieger mitten in den Straßen der Hauptstadt ab. Sein Leichenbegängnis war eine große Ehrung für den Toten. — Der Handelsattache bei der französischen Gesandtschaft in Bern, Herr Charles U l l m a n n aus Paris, ist in Menton gestorben. — Im Alter von 35 Jahren ist in Tripolis Rabbiner Huato Guetta gestorben. Mit ihm verschwindet einer der gelehrtesten und beliebtesten Rabbiner. Mit großer Gelehrsamkeit wirkte er als Lehrer und als Mitglied des Beth Din. . Er hat. auch viele hebräische Gedichte verfaßt: — Der. derzeitige ruffische Justizminister I. Steinherg hielt sich bis kurz vor Kriegsausbruch in Heidelberg auf, wo er an der Universität, mit einer Doktorarbeit über „Das Strafrecht im Talmud" promovierte. Steinberg zählt kaum 30 Jahre, er ist aus Cheder und Jeschibah hervorgegangen und gehörte in Heidelberg dem Kreise der damals um Dr. Simon und Herrn Rabinkow sich, scharenden gesetzestreuen Studenten. In Gemeinschaft mit letzteren betrieb er fleißig das Talmudstudium und fertigte auch seine Doktordissertation aus. Ein jüngerer Bruder des Ministers, ebenfalls zu den talmudbeflissenen und gesetzestreuen Studenten zählend, befindet sich zurzeit noch in Heidelberg. Berantwortkicker Redakteur? Albert Kotz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Mar Iunqe, Berlin-Friedenau. . Druck und Verlag von Rudolf Mofle.

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