Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1918)
- Date
- 1918-03-08
- Page
- Seite 118 (sequence 10)
- Language
- German
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118 jüdischen Gegner verstummen. Dann wLHdMWir auch/jMsche Schulen zur.praktischen Wirklichkeit-wetzden sehen/ . Hier liegt ein Mißverständnis vor» das sich in derMischenPreffe bei Behandlung, der Frage der Mischen Volksschule^ immer und immer wiederholt und die Erörterung-diesesProblemsinganz falsche Bahnen gelenkt hat. Demgegenüber ist festzustellen, daß die Gegnerschaft gegen die jüdische BESschule ganz unabhängig von der Frage ist, ob in- Deutschland die Trennung von Kirche und - .Schwle durchgeführt wird - oder ob es — woran in PreÄßeMMv-MseWwe.-Aeit-- NÄyft-M zweifeln ist — bei den alten Verhältnissen-verbleibt: Die Frage, um die es. sich hier handelt, ist also meines Erachtens nicht: Simultanschule oder KonseMonsschule. sondern sie lautet: jüdische Schule oder allgemein deutsche (wenngleich protestantisch geleitete) Schule. . - Auf nichts anderes läuft aberdieAgitation der jüdischen Nationalisten hinaus, als uns deutsche Juden in ein neues geistiges Getto einzuschließen. Fordert doch Dr. Kollenscher (vgl. S. 326) die Gemeinden auf, nicht nur jüdische Volksschulen, sondern auch höhere Schulen zu errichten, und ganz in demselben Sinne verlangt Dr. Loewe (der bekannte Zionistenführer) in den „Neuen Jüdischen Monatsheften" vom 10. Oktober 1916 jüdische. Volksschulen, Realschulen und Gymnasien. Hierbei ist. es besonders bemerkenswert u nd für die eigentlichen Motive dieser Agitation überaus bezeichnend, daß Dr. Loewe unter dem Deckschild der jüdisch-konfessionellen- Schule in Wahrheit die jüdisch-natio nale Schule zu errichten strebt; doch muß ich mir Vorbehalten, bei anderer Gelegenheit auf diese bedeutsame Tatsache zurückzukommen. Die von Loewe vorgebrachten Argumente sind sehr wenig beweiskräftig; so z. B. wenn er das'Verlangen nach jüdischen Volksschulen mit dem Hinweise verteidigt (a. a. O. S. 15): „Der Geschichtsunterricht, der von christlichen Lehrern erteilt wird, wird immer davon ausgehen, daß das Judentum feit der Entstehung des Christentums eine überlebte Größe ist." Ich habe bei den verschiedensten christlichen Lehrern Geschichtsunterricht gehabt und kein einziger von ihnen ist davon ausgegangen, daß das Judentum eine überlebte Größe ist. Im übrigen ist eine religiöse Heb er zeugun g, die zunichte wird, weil der Gesch ichts lehrer von dem oder jenem „ausgeht", überhaupt nichts, wert. Und sollte unS nicht vollends der Krieg die Frage noch in einem neuen Lichte zeigen? Weniger als je kann man uns heute damit schrecken, wenn man sich — wie Dr. Loewe — auf die angebliche Feindschaft der christlichen Mitschüler beruft. Das ist jene ungesunde Ueberängstlichkeit, aus der man erst die Kinder aus der Schulbank trennt, dann die Reiferen in den (wenn auch zuweilen nützlichen) konfessionellen Jünglings- und Mädchenvereinen voneinander abschließt und schließlich die konfessionelle Scheidung sogar in die Fach- und Standesvereine trägt, damit nur ja Konfession von Konfession hübsch gesondert und geschieden bleibt, damit nur ja kein gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen Platz greift. Hat man denn aus Angst vor solcher „unbegründeter Feindschaft" auch unsere Soldaten in den Kasernen und Schützen- . graben getrennt, bleichen nicht die Gebeine christlicher und Mischer Helden im Feindesland unter einem Grabhügel? Hinweg also mit einer Sonderung, die für. uns Juden besonders verhängnisvoll ist, weil aus ihr nur Mißtrauen und Vorurteil, ja, der schlimmste Aberglaube — wie etwa die Ritualmordanklage—neue Nahrung ziehen kann! Wichtiger als alle noch so wichtige Apologie ist im sozialen Leben die Fühlungnahme der einzelnen. Weg also auch aus unserer Seite mit einer aüS dem Gettotum übernommenen Ueberängstlichkeit! Gin. fr/eieA sebbstbswußtes- Deutsches ^Judentum, das üst die Lo sung unserer. Tgge. Und mir werdenMe Fratze der .Konfessionsschule -nur richtig betrachten, wenn wir.sw betrachten vop. dem Geiste, aus dem allein eine Gesundung unseres,.;Staatslebeizs erstehen kann,- von dem Geiste der deutschen ^Einheit. DrrMrgDrsMKTMtzMMMnOghn. (5. Forts.) Von Clementine Krämer (München). jnpm ewiß", meinte Hermann, „zugegeben: wir sind ekelhaft VJ empfindlich — gemacht worden, aber das ist nun einmal nicht anders, und, wie gesagt, kein anständiger Mensch verläßt die Fahne in dem Augenblick, da sie bedroht ist, und unser Fähnlein..." „Im Grunde ist das alles ja sehr einleuchtend," erwiderte der Freund, „und es ist auch alles sehr interessant, bloß daß mir mein Rekrutendrill nicht Zeit läßt, es einmal ordentlich durchzudenken." Danach blickte er nach der Uhr und fand, daß es höchste Zeit sei, zur Bahn zu kommen. Hermann blieb sitzen. Gr blickte den Freund nach und sreute sich, einen Menschen zu haben, der all diese Dinge nicht schon hundertmal durchgewürselt hatte und mit dem man darum frisch und ab ovo darüber reden konnte. Ganz anders als mit den jüdischen Bekannten. Sie waren alle gebunden, sie alle miteinander. Der Jsaaksohn, weil sein Elternhaus, wie er erzählte, noch heute irgendwo da droben in Westpreußen eine Trutzburg der Orthodoxie war. Er sehbst aß Schinken, aber -da er doch irgenwvie ein Verhältnis zum Judentum haben mußte, war er glühender Zioniist geworden. Auch der Fingerhut — wie kann man nur Fingerhut heißen! — auch der war Zionist, und -bei dem wiederum kam es wohl daher, weil seine Großeltern noch in Przemhsl lebten und seine Eltern erst ein paar Jahre nach ihrer Verheiratung nach Berlin gekommen waren, und er so als osteuropäischer Jude... Uebrigens das Netteste au dem Fingerhut war seine Schwester.' Salomea. hieß sie. Komisch, ein fast mondäner Name. Komisch, wenn man in Przemhsl geboren ist. Ihr Großvater Salomon sei den Tag nach ihrer Geburt gestorben, und so war ihr der Name eigentlich gar nicht aus so mondänen Ideen geboren, wie zum Beispiel Thusnelda Veilchenfeld oder Tristan Levi, wodurch sich Juden in seinen Augen immer ein wenig lächerlich machten. * Das war droben in der Wirtschaft zu Füßen des Heidelberger Schlosses. „Nein. Fräulein Salomea", sagte Hermann, „nein, nein, nein,, mein . Vaterland laß' ich mir nicht rauben, nein, nein, von keinem einzigen, — nicht für mich und nicht für meine Kinder und Enkel" — und er. blickte mit frohen Augen -das Neckartal hinab, hinein in die Mühenden Lande, „nein,-nein, Fräulein Salomea, so wenig von den Antisemiten wie von Ihnen. Apropos, ist Ihnen noch nie bange geworden vor dieser Brüderschaft?" „Die Extreme" . .. .. machte sie achselzuckend, „das kann nicht bestimmend fein." Erregt fuhr Hermann fort: „Nun soll ich aus einmal kein Deutscher fein, kein Vaterland mehr haben! Wissen Sie, Fräulein Fingerhut, schon mein Großpapa -hat zu meiner Barmizwah den Schiller deklamiert. Die Kapuzinerpredigt, jawohl, ausgerechnet den Schiller, — wenn's in einem Buch