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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-08 · Heft 10 (8.3.1918) · p. Seite 112

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 10 (8.3.1918)
Date
1918-03-08
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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112 zu madjen, daß audfj sie am besten fahren, wenn sie dem ukrainischen Beispiel Folge leisten? * ' Im Gegensatz zu solchen Darlegungen bespricht E. E. Schweitzer in den „Grenzboten" Nr. 8 zionistische Aufsätze in den „Neuen Jüdischen Monatsheften" (Behr) und in der. Zeitschrift „Der Jude". Aus seinen Ausführungen gebe ich folgende Sätze wieder: Ich halte — um es noch einmal zu wiederholen — die „nationale Heimstätte in Palästina" für ein Ziel, des Schweißes der Edeln wert. Ich habe auch, so entschieden ich das Bestehen einer jüdischen Nation in Deutschland bestreite, stets den nationalen Charakter des Ostjudentums anerkannt, und ich meine, daß alle Bestrebungen der Ostjuden, diese ihre nationale Sonderexistenz zu schützen, unsere größte Sympathie verdienen. Nur in dem kann ich mich mit Herrn Behr nicht einverstanden erklären, daß es die Aufgabe des deutschen Volkes wäre, für die jüdische Autonomie in Polen seine Haut zu Markte zu tragen. Eine deutsche Negierung, die um der nationalen Rechte der Juden willen sich die Polen unnötig verfeinden wollte, würde keine acht Tage im Amte bleiben. Und was wäre denn damit erreicht, wenn die deutsche Verwaltung, gestützt auf ihre militärische Macht, von den Polen die nationale Anerkennung der Juden erzwingen sollte? Die nationale Empfindlichkeit der Polen würde aufs äußerste gereizt werden, und es würde sich diese Erbitterung nach Friedensschluß in furchtbarer Weise gegen die kleine jüdische Minderheit Luft machen. Besonders aber unterschreiben wir die nachfolgenden Ausführungen desselben Artikels: Es fällt mir nicht ein, das reine Wollen dieser jüdischen Nationalisten zu bezweifeln, aber es ist nicht länger zu dulden, daß sie als die berufenen Vertreter der deutschen Juden angesehen werden. Wir wollen nicht, daß das Elend der russischen Juden das unsere werde, nicht, daß unsere Kinder sich als entrechtete Parias in Deutschland fühlen, sondern wir. wollen, daß sie als freie Bürger eines freien Staates ihren Kops aufrecht tragen — einen Erdenkopf, der der Erde Sinn schasst. Weit von uns weisen aber müssen wir alle Bestrebungen, die darauf hinauslaufen, uns in Gegensatz zu unserem Vaterlande zu bringen. Dahin gehört es, wenn in derselben Nummer des „Juden", die mit dem Behrschen Artikel veröffentlicht wird, in einem weiteren Aufsatz Egon Nosenberg einen „Kongreß der deutschen Juden" und im Anschluß hieran einen Kongreß der Juden aller Länder fordert. „Der Friedenskonferenz werden die Kongresse, wird der Kongreß der Juden aller Länder vorangehen. Er wird die Forderungen für das jüdische Volk, denen, die Sympathien der Völker gesichert sind, in dessen, eigenem Namen aufstellen und wird die Organisation und die Mittel schaffen, diese Forderungen durchzuführen. — Es soll der Kongreß der Juden aller Länder werden. Auch der deutschen Juden. Es ist sicher, daß sich gegen den Gedanken des Kongresses diejenigen Kreise der deutschen Juden wenden werden, denen an einer Erhaltung und Fortentwicklung des Judentums nichts gelegen ist. Aber es muß endlich die scharfe Trennungslinie gezogen werden. Die aus dem Judentum heraus wollen, dürfen nicht länger ihre, das Judentum zerstörenden Absichten hinter dem Schein jüdischer Interessen verstecken. Die deutschen Juden aber, die ihr Eigendasein verteidigen und das Leben ihrer Gemeinschaft sichern wollen, werden sich dem großen Geschehen dieser Zeit nicht entziehen können." Wir deutschen Juden verwahren uns ganz entschieden gegen die Zumutung, mit Angehörigen feindlicher Staaten zu paktieren. Ein solcher alljüdischer Kongreß könnte sich auch nicht durch den Hinweis auf die internationalen Sozialistenkonferenzen rechtfertigen; denn diese sollten im Interesse aller Länder den Frieden anbahnen, jener aber soll national eigensüchtige Zwecke verfolgen. Wir deutschen Juden können auf dem Friedenskongreß keine andere Vertretung als die unsere anerkennen denn die unseres Vaterlandes. Und wir weisen es zurück, daß man unsere selbstverständliche, staatsbürgerliche und nationale Stellungnahme zum Anlaß nimmt, unsere Treue zum Judentum in Zweifel zu ziehen, ja daß eine kleine Minderheit den Versuch macht, alle, die ihre Irrungen nicht billigen, geradezu aus dem Judentum herauszudrängen. Man hat den Patriotismus der deutschen Juden früher oft dadurch zu verdächtigen gesucht, daß man auf ihre Zugehörigkeit zu den Parteien der Linken hinwies; allerdings, die deutschen Juden stehen im allgemeinen zum Liberalismus, dem sie ihre Gleichberechtigung verdanken; aber dann gilt von ihnen auch, was Ziegler einst von den deutschen Demokraten sagte: die Herzen der deutschen Juden sind da, wo Deutschlands Fahnen wehen. ' * Nicht minder wichtig als die ostjüdische ist die Palästina- Frage. Darüber verbreiten sich in unendlicher Ausführlichkeit die. Mitteilungen des Schweizer, Haager und Schwedischen Korrespondenzbureaus. ... Es^ ist unmöglich, die Bogenlängen Auseinandersetzungen dieser Blätter: Reden, Zustimmungs adressen, Berichte über Versammlungen, Zeitungsartikel wiederzugeben. Von neuen Tatsachen fei erwähnt/ daß am 17. Februar eine große jüdische Kongreßdemonstration in Amsterdam stattfand, in der fast einstimmig folgende Resolution angenommen wurde: „Im Hinblick aus die von den organisierten Juden in der gegenwärtigen polnischen Konstellation geäußerten FoiMrungen bezüglich der Emanzipation der Juden, der Gewährung Wil ttMmalen Rechten in Nationalitätenstaaten und der nationalen KonHentrMmrdes Mischen Volkes, daß beim Frieden allen Völkern Recht widerfahre, spricht die Versammlung von in Holland wohnhaften Juden, die bprch die „Jsraelite Universelle", die zionistische Weltorganisation und die „Jewisch Territorial Organisation" einberufen wurde, als ihre Forderung aus: _ Daß für. immer ein Ende gemacht werde mit der ZyrücksttzMg und Unterdrückung, der die Juden fortdauernd ausgesetzt firw, und denn Unrecht, das durch Jahrhunderte an ihnen geüht wurde. Sie beschließt, bei der holländischen Regierung darauf zu dringen, ihren Einfluß, ihre Jahrhunderte alten Traditionen zugunsten der Juden anzuwenden und zu befördern, daß die Judenfrage bei einer Friedenskonferenz, zumindest beim Abschluß des Friedens nach Anhörung der befugten Vertreter der organisierten Juden im vMen Umfange gelöst und diese Regelung mit kräftigen Bürgschaften versehen werde? . > ' . , Sie appelliert an alle Juden in Holland, in diesem historischen Augenblick ihre Solidarität zu bezeugen." Ferner sei aus der „Jüdischen Arbeiterkorrespondenz", die in Stockholm erscheint, nachstehendes mitgeteilt: Mobilisierung des jüdischen Proletariats für Palästina. Unter, dieser Losung hat die jüdische sozialistische Arbeiterpartei Poale-ZMr Amerikas nach der Erklärung der englischen Regierung betreffs der Zukunft Palästinas eine große Aktion unter den jüdischen Arbeitern Amerikas eingeleitet. Die Losung hat einen doppelten Sinn: Die englische Regierungserklärung, die Aufnahme der nationalen jüdischen Forderungen in das Friedensmanifest des Holländisch- Skandinavischen Komitees, die Stellungnahme der Arbeiterorganisationen verschiedener Länder für die nationale Emanzipation des jüdischen Volkes und insbesondere für die Sicherstellung seiner Palästinabestrebungen im Friedensvertrag, all das hat den Boden für eine großzügige Propaganda der poale-zionistischen Ideen unter den großen jüdischen Arbeitermassen Amerikas vorbereitet, und die Partei geht nun daran, diese günstigen Bedingungen, im vollen Maße auszumrtzen. Anderseits soll aber auch eine Mobilisierung der jüdischen Arbeiterschaft für Palästina in engerem Sinne stattfinden. Die jüdische Arbeiterschaft soll rechtzeitig alle ihre Kräfte zusammensassen, um an der nach dem Kriege zu erwartenden beschleunigten Kolonisationstätigkeit in Palästina einen tätigen Anteil zu nehmen und sie im Sinne ihrer Interessen und Ideale zu beeinflussen. Das Zentralkomitee der Poale-Zion Amerikas erließ im November 1917 einen Aufruf an das jüdische Proletariat, worin auf die Bedeutung der Erklärung Balfours hingewiesen wird und die jüdischen Arbeiter aufgesordert werden, dafür zu sorgen, daß die neue Mische Heimat auf der Arbeit der jüdischen Massen ausgebaut und gemäß, den. Ideen des Sozialismus ausgestaltet werde. Das jüdische Proletariat ist berufen, das Land durch die Kraft seiner Muskeln zu bauen; es muß daher in allen Kolonisationsinstitutionen auch entsprechend vertreten sein. Der Aufruf fordert dann die schleunige Einberufung des amerikanischen Kongresses, damit die aus den demokratischen Wahlen hervorgegangene-n Vertreter des jüdischen Volkes Gelegenheit haben, vor

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