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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-01 · Heft 9 (1.3.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 9 (1.3.1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Vortrag des Pfailnres „Enausch kechuzir" 103, 15—17 von Herrn Kantor H elischkowsky.-Hieranf-hieltHerrRabbiner Dr.SiIHerbe r gdie Predigt, in .welcher er ein getreues Bild über das Wirken unseres großen Lehrers Moses entrollte und zur Nacheiferung, diesenigen ermahnte, die ein Lehr- und Führeramt inne haben.. Nach Beendigung verlas er die Namen der Heimgegangenen Mitglieder und gedachte auch der gefallenen Kämpfer dieses'Krieges, die den Tod fürs Vaterland gesunden haben. .Anschließend wurde das Awhorachamim-Gebet gesagt. Mit dem „Schiwisst" schloß die 'bedeutsame Feier, die auf alle einen tiefen Eindruck machte. — Wenige Jahre, nachdem er sich in das Privatleben zurückgezogen hatte, starb' zu Breslau Herr Justizrat Jacob S ch o t t l ä n d e r. Die Rechts- .auwälte Posens widmen ihm folgenden Nachruf: Mehr als 30 Jahre hat er in Posen eine umfangreiche Anwaltspraxis ausgieübk. Er nmr der erste Anwalt, der sich nach Einführung der freien Advokatur im Jahre 1879 in Posen niedergelassen blatte. Seine volkstümliche humorvolle Art der Menschentebandlung, seine allen nationalen und konfessionellen Gegensätzenabholde Sinnesart und seine stete kollegiale Hilfsbereitschaft batten ihm allgemeine. Beliebtheit eingetragen. — Dem vraktiscken Arzt Dr. Paul Salomon, zurzeit als landftisrnrpflichtiger Arzt im Felde, - ist das bulgarische Berdienftkreuz mit Schi verlern verliehen worden. . - er. Dresden. 22. Februar. Nach einem Referat des Abgeordneten Dr. Kaiser (Natt.) würde von der Kammer einstimmig beschlossen, d'e Regierung um eine Vorlage noch wahrend des gegenwärtigen Laudtaaes zu ersuchend wonach § 7 Ziffer 1a und § 13 Ziffer lb des Ki rckensteneraesetzes dahin f-estaelegt werden, daß durch diese Gei>^a8hestimmnnaen das Reckt jeder einzelnen einer Kircke oder iaionsaelneinsckaft züaehöriaen Gemeinde zur Einführung von B^sisiweckselabaaben und Grundsteuern für Kultuszwecke nickt berührt wird smvie die politischen Gemeinden an-aew'^sen werden, diese TO* a^ben aeaen die gesetzlichen Gebühren eiuzubeben. Mit diesem Beschluß ist ein wichtiger Schritt zur finanziellen Sicherung unserer Religionsaemeinde getan. — Zweibrttcken, 21. Febuar. Bon denr biesiaen Schon r ge rickt bekannten Modewarensirma Gnst. Wilh. Unaer, ist nach ^i-mailens weaen Ermordung des Lederhändlers Walter Löwenth.gl aus Berlin-Gharlottenbura zum Tode verurteilt. Das Urteil erfolgte auf Grund eines Indizienbeweises, weil die Leicke n'ckt ansgesunden war, und Gebhard bis zuletzt jede Schuld in Abrede stellte. Um der Todesstrafe zu entgehen, hat Gebhard beute vnrmittgg ein umfassendes Geständnis abgelegt und erklärt, daß er fernen Geschäftsfreund Löwenthal während eines Streites in feiner Pirmasenser Wobrnrng mit einem Hammer erschlagen und die Leicke in .der Nähe feiner Wohnung verWarrt habe. Die Leicke i st bereits a u f a e f u n d e n. Angesichts der veränderten Sachlage wird vermutlich jetzt wieder, dm neues Gerichtsverfahren eingelei'tet wer du. M. Hamburg, 22. Februar. Herr I u l i u s P i n c u s , Inhaber ^r bekannten Modewarenfirma Gull. Wilh. Unger ist nach schwerer Krankheit in Wiesbaden aus bem Leben geschieden. Der ^erblichene, der nur ein Alter von 55 Jahren erreicht bat. war auch d"r Mitbegründer von F. W. F. Unaers Handschuhfabrik in Zeist- .^mnburg und erfreute .sich in Kaufmann streifen großer Wertschätzung. In unserer Gemeinde zeichnete er sich durch Betätigung in-'cker Wohltätigkeit, aus. - Zur Trauerfeier, die im Krematorium in Lblsdorf stattfand, hatten sich außer den Verwandten, Freunden, den vielen Angestellten der Geschäftsbetriebe, auch Vertreter unserer Kansmannswelt eingefunden. Die Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Dr. Leimdörfer, der anknüvfend an das Wort aus Prediger Salomonis (Kap. 5, Vers 11): „Wie süß ist der Schlaf des Arbeiters gsw.", den Lebensweg des Dahingeschiedenen schilderte, der durch Fleiß und Arbeitskraft es verstanden batte, sein Geschäft zu so hoher Wüte zu bringen. Arbeit und Nächstenliebe waren die Ziele seines Lebens. Er übte echt jüdische Wohltätigkeit aus, denn er gab am l'>hsten, ohne seinen. Namen zu nennen. In der Vollkraftseiner Tätigkeit wurde er uns allen viel zu früh entrissen. Mit seiner Gattin, seinen Kindern, seinen Angestellten, denen er. ein teurer Freund und Berater gewesen, stehen auch viele Arme und Bedürftige trauernd der Leiche des Wohltäters. Mit Trostesworten an die Hinterbliebenen schloß die ergreifende Trauerrede. Nachdem der Geistliche dann noch Gebet und Segen gesprochen hatte, sank der Sarg unter Klängen von Trauerweisen in die Tiefe, um die irdischen Ueberreste den Mammen , zu übergeben. , Jn-FiMrWrgrifsenheit.-trennte sich die große Trauerversammlung. B. Göttrngen, 22. Februar. Am 9. d. M. ist anläßlich des 60.- Geburtstages des Herrn Direktor Professor Dr. Techau (Wolfenbüttel) von einer Reihe ehemaliger Sams o n - Sch ü I e r eine Sti ftung errichtet worden, die den Namen Direktor-Professor- Dr.-Tachau-Stistung tragen und zugunsten der Lehrer - Witwen und -Waisen der Anstalt verwendet werden soll. Die Wünsche der ehemaligen Schüler sind -in einer A d r ef s e ausgesprochen, die die Beurkundung der Stiftung enthält. In nächster Zeit werden die ehemaligen Samson-Schüler, soweit sie eine Aufforderung noch nicht' erhalten haben, gebeten werden, zu dieser Stiftung, beizutra-gen, die schon bisher das freudige Interesse und die fbrderude Teilnahme der alten Sarnson-Schüler gefunden hat. Beiträge werden weiter an den Unterzeichneten erbeten. ^rankfrrrt a. M.. 22. Februar. Das Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, E. V." teilt mit: Das K r i e g s m i n i st e r i u m bat mit Verfügung vom 8. Februar Nr. 1871/1, 18, Cia., der Staatssekretär des Reichsm a r i n e a m t e s mit Verfügung vom 19. Januar Nr. A I b. 736 . den in Betracht kommenden Stellen nachfolgende Wünsche betreffend die jüdischen Pessachfeiertage mit dem Änbeimstellen mitgeteilt, ihnen, soweit es angängig ist und sich mit den dienstlicken Interessen vereinbaren läßt, zu entsprechen: 1. Für die in den heimatlichen Garnisonen oder an festen Standorten in den Etavvengebieten befindlichen Mannschaften Heimurlaub oder Urlaub nach der nächsten jüdischen Gemeinde; wo dies aus dienstlichen Gründen unmöglich, Dienstbefreiung gn den vier H a u v t f e i e r t a g e n und deren Vorabenden. Ferner für die in den Garnisonen Verbleibenden an den beiden ersten Vorabenden S t a d t u r l a u b b i § 12 Uh r nachts zur Teilnahme am Gottesdienst und der häuslichen Andacht (Seder). 2. Für die Mannschaften an der Front, soweit es die Kriegslage gestattet, znm mindesten die Möglichkeit, die beiden Abende, Mittwoch, den 27. und Donnerstaig, den 28. März (die sogenannten Sedevabende), in gemeinsamer gottesdienstlicher Feier gruppenweise zu begehen, soweit nicht weiter gebende Einrichtungen wie unter 1. für sie in östlich sind. Wenn möglich, Ausdehnung der für das Fest beantragten Vergünstigungen auf den an die ersten -Festtage unmittelbar anschließenden Sabbat. Die Kommandobehörden werden darauf binaewiesen, daß strenggläubige, jüdische Mannschaften von einem mit Reisen verbundenen Urlaub nur dann Gebrauch machen können, wenn ihnen die Möglichkeit gewährt wird, die Reise selbst vor Beginn und stach Ende der Feiertage bzws. des an die ersten Hauptfeiertaae diesmal unmittelbar an sch l i e ß e n d e n S ab b a t s <30. März) zurückzulegen. Wegen Regelung der Einzelheiten werden sich die Feldrabbiner an die Armee-oberkon.mandos, denen sie zugeteilt find, wenden. Etwaige Wünsche der in. den Etavpenlazaretteu und Rese r v e l a z a re t te n befindlichen jüdischen Verwundeten nach Meldung der am Vessachfeste verbotenen und nach Vervfleanng mit rstirell znbereiteten Speisen mögen seitens der leitenden Aerzte an die am Plaste oder in der Nabe befindlichen Rabbinate, wo solche fehlen, an die Shnagogengemeinden weitergegleitet Vierden. Es wird sich dann in den meisten Fällen die Möglichkeit bieten, dem religiösen Empfinden der Verwundeten, und Kranken ohne Schädigllng der gesundheitlichen und disziplinären Interessen Rechnung zu tragen und dadurch einen schweren Gewissenszwang zu vermeiden. O. b. Mainz, 22. Februar. Wie der frühere Bibliothekar der Großherzioglicken Hofbibliothek in Darmstadt, Gustav Freiherr Sckenk zu Schweinsberg, in der Festschrift zum 500jährigen Geburtstage Johann Gutenberas nachgewieien hat, unterliegt es keinem Zweifel, daß der Erfinder der Buchdruckerkunst im Hofe zum Gutenberg, -dem heutigen Eckhause der Schuster- und Christophsstraße, in Mainz das Licht der Welt erblickte. Freiherr v. 'Schenk machte schon damals daraus aufmerksam, daß dieses Haus früher in jüdischem Besitz sich befand, und nunmehr hat Professor Dr. Salseld (Mainz) in einem in der wissenschaftlichen „Mainzer Zeitschrift", Jahrgang 12, 1917. erschienenen Aufsätze: „Die Mainzer Judenerben", in dem alle Wohnstätten der Juden in Mainz im frühen Mittelalter übersichtlich zu summen gestellt sind, neues Material hierfür erbracht. Vor der großen Jildenverfolgung

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