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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-01 · Heft 9 (1.3.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 9 (1.3.1918)
Date
1918-03-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, I. März 1-18 Der Oemeindeüote. »tllast zur ^Allgemeinen Leitung deK Judentum-". Lorrrlpondmrrn und Sachrichtm. SklltschlML. 22 26. Februar. Die Gesel lfcha ft zurFö r Peru n g der Wissenschasst des Judentums trifft Vorkehrungen, um ihre wissenschaftlichen Bestrebungen, die auch während des Krieges keinen Augenblick geruht haben, mit der Wiederkehr des Friedens in . .erweitertem Maße fortführen zu können. Die Zeitverhäliniffe bringen es mit frch^ daß weite Kreise, die bisher der Wissenschaft vom Judentum gleichgültig oder gar ablehnend gegenülberstanden, ihr jetzt ihr besonderes Interesse zuwenden werden. Allgemein herrscht die Ueberzeugung, daß das Judentum ernsten Zeiten entgegengeht; alle Anzeichen deuten darauf hin, daß unsere Feinde zu einem erneuten Ansturm rüsten. Als wirksame Waffe für unsere Abwehr wird sich aber wie in den früheren auch in den kommenden Kämpfen die Wissenschaft des Judentums erweisen. Diese Erwägung hat den Vorstand der Gesellschaft veranlaßt, mit der Werbetätigkeit, die während des Krieges geruht hat, wieder zu beginnen. Am 12. d. M. tagte in Berlin in den Raumen des Vrüderver«eins eine größere Versammlung, deren Aufgabe die Organisation der Werbetätigkeit zunächst für die Reichshauvtstadt war. In eindringlichen Worten verbreiteten sich die Herren Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Hermann Cohen und Rabbiner Dr. Weiße über den hohen Wert der Wissenschaft gerade innerhalb des Judentums, das als eine nur auf ihre geistige Bedeutung gestellte Gemeinschaft ohne wissenschaftliche Vertiefung auf die Dauer nicht bestehen könne. Die begeisterten und begeisternden Ausführungen der Redner hatten zur Folge, daß noch während der Versammlung eine größere Reihe von Herren der Gesellschaft als Stifter oder Immerwährende Mitglieder beitrat. Es wurde ferner ein Werbeausschuß gebildet, dessen Aufgabe es fein wird, die weitesten Kreise «der Glaubensgenossen der Reichshauptstadt für die Gesellschaft zu interessieren und ihr diejenige Zahl von Mitgliedern zuzuführen, deren sie für rhye Arbeiten in Zukunst bedarf. Die Leitung des Ausschusses liegt in den Händen des Herrn Prof. Dr. Kalischer. Konstanzer Straße 1, und des Schatzmeisters der Gesellschaft, Herrn Paul V e i t Simon, Hinter der Katholischen Kirche 1. Die genannten Herren find zu jeder Auskunstserteilung bereit. — Weitere Werbeausschüffe sollen demnächst , auch in anderen Gemeinden gMldet -werden. E. M. Berlin, 26. Februar. Die Neuorientierung der jüdisschen Misssenschast behandelte Dozent Dr. Jsmar Elboaen im Rahmen der letzten Montaasvorlesungen an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Für die jüdische Wissenschaft bat der Krieg durch die Aussicht auf ein jüdisches Kulturzentrum im Heiligen Lande und die Befreiung der Ostiuden verheißungsvolle Perspektiven eröffnet. Der Gedanke einer Systematisierung der jüdischen Wissenschaft geht auf Z u n z zurück, der sich auch das unsterbliche Verdienst erworben bat, die Wissenschaft des Judentums ihrer Einseitigkeit entzogen und der Gesamtwissenschaft eingereiht zu haben. Mit seiner Erstlingsschrift „Etwas über die rabbinische Wissenschaft" erösfnete Zunz Persvektiven von ungeahnter Ausdehnung. Der von ihm eingeschlagene Weg darf nicht mehr verlassen werden, damit eine unabhängige wissenschaftliche Erforschung der jüdischen Kultur und Literatur gewährleistet bleibt. Der in unserer Mite geäußerten Forderung, nur überlieferte Wissenschaft zu pflegen, muß energisch entgegengetreten werden. Die Besonderheit der Wissenschaft des Judentums darf lediglich der Stoff, nicht aber die Methode oder die Arbeitsweise bilden. Die wissenschaftliche Forschung wird dann zwar nicht ohne Folgen für die religiöse Anschauung bleiben, aber wir dürfen zum Judentum das Vertrauen haben, daß auch die Wissenschaft nur ein neuer Weg zur Erkenntnis seiner Wahrheiten wird.' Die begriffliche Arbeit, welche die Voraussetzung jeder wahren Wissenschaft ist, wird unsere Einheit stärken und dem Parteikamvf seine Schärfe nehmen. Die nächste Aufgabe muß die systematische Herausgabe zuverlässiger Texte sein, an denen sich unsere junge Auslegungskunde erproben muß. Wir brauchen Kommentare, zu denen wir aus dem Mittelalter klassische Vorbilder besitzen. Für diese Ausgaben -ist ein Stamm geschulter Arbeitskräfte erforderlich, der bisher fehlt:' Früher war der Rabbiner der gegebene Träger der jüdischen Wissenschaft; heute sind ihm so viele neue Aus^- gaben erwachsen, daß er sie nur verfolgen, aber nicht durch Mitarbeit fördern kanw Durch den Dilettantismus ist kein Fortschritt zu erzielen; die Wissenschaft kann nur durch Fachmänner ausgebaut werden, die neben ihrer allgemeinen wissenschaftlichen Schulung einen guten Uoberblick über das Spezialgebiet besitzen. Die Zukunft der Wissenschaft des Judentums darf nicht in Frage gestellt werden, weil es an geeigneten Mitarbeitern fehlt; die Heranziehung und Schulung tüchtiger Kräfte ist deshalb die bedeutungsvollste Ausgabe der nächsten Zukunft. Der Vortrag, der durch das Amt und die Persönlichkeit des Vortragenden sowie durch den Ort. an dem er gehalten wurde, eine besondere Bedeutung gewann, fesselte ein zahlreiches Publikum, das den Ausführungen des Redners lebhaft zustimmte. - E. M. Berlin 26. Februar. Der Der ei n z u r Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands hat im dritten Kriegsjabre seine Arbeit in bewährter Weise fortgesetzt. In enger Zusammenarbeit mit der von der Simonschen Stiftung begründeten Lehranstalt in Steinborst wurde die Ausbildung tioti Landwirtschastslehrlingen geiördert: einen breiteren Raum in der Vereinstarbeit nahm die Ausbildung weiblicher Zöalinae ein. Für Unterstützungen, Darlehen. Sti-vendien und für die Förderung agronomer Zwecke wurden erhebliche Aufwendungen gemacht. Die Ausaaben des Vereins betragen 9400 Mark, denen eine Einnahme von 16 000 Mark gegenüberstebt, von denen ca. 6000 Mark durch die Beiträge von Ei-nzelmitalliedern -aufgebracht wurden, während von Gemeinden und Logenetwa 700 Mark einainaen. Das Vereinsvermöoen beläuft sich gegenwärtig auf 40 000 Mark: die mit b*m Verein verbundene B o denkulturgesellschaft verfügt über ein Vermögen von 20 600 Mark. Die Zahl der iunaen Leute, die sich dem landwirtschaftlichen Berufe zuwenden, ist im sieten Wachstum begriffen: erfreulicherweise wenden sich auch Zahlreiche iunae Leute aus höheren- Schulen der Landwirtschaft m. Auch unter -dem weiblichen Geschlecht st-eiot das Interesse an der Bodenkultur. Von den Frauen wird allerdings die leichtere From derselben in Gestalt der Gartenwirtschaft bevorzugt. der sich dter Obsi-- und Gemüsebau sowie die Kleinster- und Bienenzucht angliedern. D^e Errichtungeiner eigenen Lohranstalt fftr weibliche Zöalinae soll ersi nach der M'is-kkebr normaler Verhältnisse anigesirebt werden, um Mißerfolge nach Möglichkeit m vermeiden. °*n verschiedenen Städten werden Schulgärten subventioniert. Ein anderer Wen. die Tugend für die Landwirtschaft zu interessieren. wird i-n Berlin ern-geschlagen. wo der Verein eine iü bische Gartenkolonio (Schveberoärtenl begründet hat. inder sich die Kinder oem-einiam mit ibren Eltern betätigen. Der Verein beklagt eL lebbgsi. daß ib-m kai-ne größeren Svend-en.zur Gründung ländlicher Heimstätten für indische Krieaer zu-aeflossen sind, deren lleberleiituna nir Land^nirtschasi in der Tat eine geei-gnote Aufgabe für die Organisation d-arstellen würde. E. M. Berlin. 26. Februar. Die Cbewr a Kadischa Groß- Berlin beging ihre Jahresfeier am 19. Februar (7. Adars. dem gngeblichen Geburtstage Moses, der von diesen Cbewroth in der ganzen Welt durch gemeinsamen Gottesdienst und ein Liebesmabl ausgezeichnet wird. Am Vormittag wurde in berköIimlicher Weise der Friedhof in Weißenfee besucht, wo Oberkantor Königlicher Musikdirektor -Friedmann an den Gräbern der gefallenen Krieger das Elmole-rachamim-Gebet verrichtete. Mittaas sand in den Vereinsräumen ein Gottesdienst statt, bei dem wiederum Oberkantor F r i e d m a m n die kantoralen Funktionen versah, während der erste Vorsitz,ende des Vereins, Dozent Dr. Banet-H, die Festvredigt hielt. Abends versammelten sich die Mitglieder im MlaAbotel zu einer einfachen Feier, die durch -gemeinsames Gebet vingeleitet wurde. Im Verlause des Abends hielt Rabbiner Dr. Ludwig A. Rosen tbal einen geistvollen Vortrag über die Unsterblichkeit der Seele. Gesangsvorträge des Oberkantors Schwarz wechselten mit Ansprachen der Rabbiner Dr. Baneth und Loewenthal ab. Zwanglose Geselligkeit vereinte die Mitglieder bis zu später Stunde. W. Posen, 22. Februar. In der Synagoge „Verein der wohltätigen Freunde" fand am 7. Adar eine Seelengedenkfeier statt, welche sehr stark besucht war. Gingeleitot wurde die Feier durch

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