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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-01 · Heft 9 (1.3.1918) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 9 (1.3.1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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leicht ein wenig der Typus der Leute — aber auch das ist nicht so auffallend, wie ich es mir gedacht habe. Aber ich weiß nicht, du, der ganze Anblick, es war anders wie aus unseren Kirchhöfen, ich kann mir nicht helfen." Obgleich Hermann nicht eben angenehm berührt ward in dem Gedanken, daß einer kühl beobachtend dabei gestanden, wie man ihm den lieben Vater begrub — wenngleich er sich wiederum sofort vorhielt, daß er selber bei Bäumkes Vater gewiß nichts anderes getan haben würde —, trotz alledem konnte er sich nun des Lachens nicht erwehren: „Und ^das bist du, der Bäumke mit dem famosen Anschauungsvermögen, den ich das ganze Pennal hindurch aufrichtig beneidet Hab' um seinen Einser im Zeichnen, während mir mein giftgeschwollener Vierer allemal -das gute Zeugnis versaut hat. Du weißt wirklich nicht den Grund, wieso ein Judenfriedhos anders ausschaut wie einer bei euch?" — „Nein", machte Bäumke verwundert, „es muß irgendein undefinierbares Etwas '-—" — „Ach nein!" lachte Hermann, „gar nicht undefinierbar — ganz im Gegenteil — sehr greifbar ist dieser Unterschied, bei uns sind doch keine Kreuze — nicht wahr?" Der andere schaute verblüfft: „Herrgott, ich Rindvieh, ich bin wahrhaftig nicht darauf gekommen. Also sieh' mal, was ganz Aeußerliches ist es, und ich Hab' mir natürlich eingebildet, irgendein mystischer Hauch, oder so! Was folgt aber daraus? Daß am Ende an dem ganzen Unterschied zwischen Juden und Christen auch das meiste bloß in der Einbildung besteht, hm?" — Hermann schwieg. „Wie gesagt" lachte Bäumke, „ich kenn' mich halt nicht aus mit -dieser sogenannten Judenfrage." — „Zum Teufel, glaubst du vielleicht ich?" fuhr nun endlich Hermann los. „Bloß, daß es für dich nur rein theoretisch interessant ist, und eine der vielen Fragen, denen man dahinterkommen möchte, für mich aber, für mich ist es die Frage." „Laß dich taufen, Kahn, laß dich taufen, laßt euch alle taufen und heiratet Christemnädchen — das ist die beste Lösung", sagte Bäumke im Scherz. Und meinte es doch ein ganz klein wenig im Ernst auch. „Eine schöne Lösung, das" — und Hermann verzog verächtlich die Lippen, „ich glaube" — fuhr er fort — „an Gott Vater, Gott Sohn und den Heiligen Geist, hm? In Wirllichkeit glaube ich an keinen von allen dreien — übrigens so wenig wie du —, aber ich behaupte es eines schönen Tages, während du halt da hineingeboren worden bist. Im übrigen ist die Judenfrage überhaupt nicht bloß Religionssache, sondern da spielt doch auch die Frage der Rasse noch mit herein. Dadurch kompliziert sich doch bei uns alles so schrecklich." „Richtig", sagte der andere langsam und überlegend und schien diese Seite noch nicht bedacht zu haben. „Und endlich", fuhr Hermann fort, „und endlich das Trutzjudentum — wie wir sagem Man läuft nicht von der Fahne weg in dem Augenblick, wo sie bedroht ist. — Also nimm an, du kommst plötzlich zu -der Ueberzeugung, daß einzig und allein die Friedensberta recht habe-" „Quatsch!" machte der Offizier. „Laß mal das Beispiel," -sagte -der andere; „also du hättest plötzlich die Idee, Krieg muß -nicht sein, und .Friede aus Erden und den Menschen ein Wohlgefallen' und solchen Sums, und wärst eben drauf und dran, des .Kaisers Rock', wie man schön sagt, auszuziehen. Da aber knallt's vor dem Kasernentor und der Franzos steht draußen, biss baff buff — da sagst du ihm wohl auch nicht: .Pardon, Monsieur, schießen Sie soviel Sie wollen nach meinen Kameraden, was aber mich betrifft, so habe ich soeben den bunten Rock ausgezogen. Sie sehen, ich stehe schon in Hemdsärmeln da. Und ich tu' nimmer mit, es ist gegen meine Ueberzeugung. Sieh' mal, Bäumke, -lös ■vdieser Augenblick ist bei uns immerwir sind immerzu angegriffen, man schießt fortwährend." „Ach", erwiderte der andere, „Ähr seid auch ekÄhäft empfindlich; wennman mal ,Jud' sagt, schreit ihv gleich Zeter und Movdio, man sagt aber auch „Schlawiner" oder „Saupreuß" und all so was; du, und vor dem Preuß zum Beispiel haben wir denn doch mächtig Respekt, wenn wir's uns auch nicht merken lassen wollen, oder mW?" (Fortsetzung folgt.) * Mcherriulsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet to keinem Falle statt. Das Bruch der Wichten des Herzens. Von Rabbi Bachja b. Joffes Jbn Bakuda. Ins Hebräische übertragen von dem Arzte Juda Tibbon, ms Deutsche von Ern. Bamngarten. Die dritte, vierte und fünfte. Pforte der Naturbetrachtung, des. Gottesdienstes und des Gottvertvauens. Mit einem Vorworte von Rabb. Dr. Selig Bambevger Hamburg, Verlag von George Kramer, Hebräische Buchhandlung. 5678 (1818). Micha Josef bin Gorion Joseph und seine Brüder. Ein altjüdischor Romaru Literarische Anstalt Ruhten u. Loening, Frankfurt a. M. 1917. Sprrchlaal. Das Kuratorium des Vereins Lehrlingsheim Pankow versendet soeben nachstehenden Aufrufdessen Ausführungen die Beachtung aller derer verdienen, die gleich uns die Förderung des Handwerkes unter «den deutschen Jwden für eine der wichtigsten Forderungen der Gegenwart halten. Die Redaktion. Sehr geehrter Herr! . Wie Ihnen bekannt, wird den Juden vielfach zum Vorwurf gemacht, -daß sie bei der Wahl eines Berufes sich nur selten einem Handwerk zuwenden. Ist der Vorwurf auch unberechtigt, so steht doch -leider fest, daß das akademisch oder kaufmännisch gebildete Proletariat unter den Juden ständig wächst. Um diesem Uebelstcmde abzuhelfen, hat der Verein „Lehrlingsheim Pankow" sich die Aufgabe gestellt, jüdischen Knaben, die ein Handwerk erlernen wollen, denen .aber das Elternhaus entweder fehlt oder wegen Armut Leinen genügenden Halt geben kann, Haus und Heimat zu bieten-, Wohnung, Kleidung und Ernährung zu schaffen, ihre berufliche, geistige, -moralische Entwicklung zu beaufsichtigen und sie zn sittlich und wirtschaftlich vollwertigen Menschen heranzubilden. Wir besitzen dank dem Wohltätigkeitssirme edler Gönner ein Anstaltsgebäude mit einem für 50 Zöglinge ausreichenden' Inventar, verfügen -aber leider nicht über die notwendigen Betriebsmittel. Die Zahl der Waisen und Hilfsbedürftigen ist durch den Weltkrieg leider sehr gestiegen; wir können aber -der großen Zahl der an uns herantretenden Gesuche nur entsprechen, -wenn uns neue reiche Mittel zur Verfügung gestellt werden.' Wir erlauben uns daher an Sie die herzliche Bitte zu richten, uns einen größeren Kapitalbeitrag zu gewähren oder unserem Verein als Mitglied beizu,treten. Dos Kuratorium des Vereins Lehrlingsheim Pankow. Dr. h. c. Rudolf Masse, Verlagsbuchhändler und Rittergutsbesitzer, Berlin W, Leipziger Platz 15, Vorsitzender. Oskar Li eß, Warenhausbesitzer, SW, Leipziger Straße 45, stellvertretender Vorsitzender. Kraft, Justizvat, W, Lützowstrahe 85, Schriftführer. Dr. Alt mann, Waifenhausdirektor, N, Schönhaufer Allee 162, stellvertretender Schriftführer. Georg Lach mann, W, Bendlerstrahe 8, Schatzmeister. Max Fraenkel, Maurermeister, W, Maaßenstraße 36. Dr. S. Feist, Waifenhausdirektor, N,/ Weinbergsweg 13. Oscar Oliven, Direktor NW, Dorotheenstraße 36. Dr. Paul Friedrich Richter, Universttätsprofessor, W, Kleiststraße 19. Paul Löwenstein, Rentier, Rankestraße 23. Eduard G r o w a l d, Kausnrann, Reichskanzlerplatz 1. I. Man d e I - bäum, Kommerzienrat, Dahlem, Rheinbabenallee 23/27. Geh. Kommerzienrat A ro n s o h n, Landtagsabgeordneter, Bromberg.

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