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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-01 · Heft 9 (1.3.1918) · p. Seite 105

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 9 (1.3.1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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105 ' aiich:^»- fttlajuiien AuKgabe der Schmiften des^ Wektweisen 1843 zum Abdruck gelangt ist; ferner einl ZWurMättMendekssöhnß miteiuem häufig von ihm benutztenSpruche.üas viÄsältig gedruckt worden ist, außerdem Mcherrliche^Schreiben-des-Genanntenan I. H.Eampe' aus dem Jahre 1775, das bruchstückweise und seinem Wortlaut nach sich an mehreren Stellen findet,'ein Brief, , der über das von Campe errichtete Philanthropinum und die Beteiligung der Juden daran Kunde gibt und ausführliche Mtteilungen darüber enthM, wie Mendelssohn die Stellung der Juden an öffentlichen Bildungsanstalten ansah. Ich habe durch die Güte des Herrn Henrici Einsicht von diesen Stücken genommen und würde sehr froh sein, dazu beizutragen, daß dieses wundervolle Stück in die rechten Hände gelangt. Ist es nun leider auch nicht möglich, das eben skizzierte, inhaltreiche, formvollendete und gefinnungStüchtige Schreiben abzudrucken, so ist es mir durch das freundliche Entgegenkommen der genannten Buchhandlung gestattet, zwei kleine, aber nicht unbedeutende Schreiben hier folgen, zu lasten. Das erste ist ziemlich kurz, ein Begleitbrief für einen Aufsatz, der in den Werken Mendelssohns steht, an einen Adressaten, der nicht, genannt ist, und bedarf keiner weiteren Erklärung. Es lautet folgendermaßen: Hochgeborener Gras, Gnädiger Herr, Als E. H. die Frage auf» warfen: durch welche philosophische Merkmale sich Enth us i a st, Visionär Und Fan a t i - - ker unterscheiden, hatte ich einen flüchtigen Einfall, der mir damals der Sache Genüge zu tun schien. Nunmehr , aber, da ich ihn auf E. H. Befehl zu Papier bringen soll, finde ich die Idee viel zu schwankend, die Grenzen dieser Wörter genauer zu bestimmen. Ich wage es, in beikommendem Aussatze die Begriffe etwas tiefer heraufzuholen, und gebe mir die Ehre, solchen E. H. gehorsamst zu überreichen. Ich bin mit ehrfurchtsvoller Hochachtung E.H. untertäniger Berlin, den 12. Februar Moses Mendelssohn. 1775. Der zweite Brief ist an den Buchhändler Nicolai gerichtet. Es ist ein wertvoller Zusatz zu den mancherlei Briefen Mendelssohns, an jenen vielfach tätigen Buchhändler und Schriftsteller, mit dem Mendelssohn'eng verbunden wär. Bei der Beliebtheit, der sich augenblicklich bei den knappen Verhältnissen der Reichshauptstadt gerade die mecklenburgische Gegend erfreut, ist die Keine etwas spöttische Stelle, gleich am Anfang des Briefes, über oder gegen Mecklenburg geradezu aktuell zu nennen/) h Erst nachträglich sehe ich, daß auch dieser Brief abgedruckt i st, aber nur in der gänzlich vergriffenen 1. Auflage des Kayserlingschen Werks. Der darin erwähnte v. Hennings ist ein damals bekannter Schriftsteller, mit dem Mendelssohn in ziemlich reger Verbindung stand. (Ich habe die darauf bezüglichen Schriftstücke vor etwa drei JahMhnten in der damals von mir heräusgegebenen „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland"-geruckt und dabei zugleich Näheres Mitgeteilt über tue in unsrem Briefe erwähnte Schrift des Genannten: „Olavides".) Höchst charakteristisch für Mendelssohn und gewiß recht zeitgemäß ist sein gegen Ende des Briefes angedeutetes Verlangen, Juden zu Handwerkergesellen machen zu wollen. Endlich sei darauf hingewiesen, daß der am Schluß erwähnte Michaelis der bekannte Professor in Göttingen ist, von dem ich einige Briese an Mendelssohn in dem Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur (1916) herausgegeben habe. Sonst bedarf das Schreiben, das recht interessant ist, keiner weiteren Erklärung. Auch bei diesen beiden Schriftstücken hege ich den innigen Wünsch, daß fie nicht in einer beliebigen Sammlung vergraben werden mögen, sondern daß sie an eine Stelle kommen, von der aus sie benutzt und der Allgemeinheit sichtbar gemacht werden können. Der Brief an Nicolai lautet folgendermaßen: Bester Freund! In einem Jahrhundert schon habe ich das Vergnügen nicht gehabt, mich mit Ihnen zu unterhalten. Die Schuld liegt freilich mehr an mir, als an Ihnen; denn ich war einige Wochen verreist, und habe mir zu Strelitz die Weste verkürzen lasten, so gut es Mecklenburger können. Indessen war es zum Theil eine Reise in Geschäften und stand es nicht bey mir solche zu vermeiden. Ich habe unterdessen beikommendes Schreiben von Hennings, nebst der Einlage an Sie erhalten. Dev Mann hat wirklich gute Absichten, und führt sie zum Thell auch da und in Dänemark, wo er wichtigen Einfluß hat, wirllich aus. Sie haben ihn also nach den Grundsätzen des guten Geschmacks sehr richtig -beurteilt, aber er scheint von seiner Seite mit gutem Grunde diesen häßlichen Honigseim gewählt zu haben, um die Pille verschlucken zu machen. Da seine Schrift Olavides im Grunde doch auch nicht schlecht ist; so tun Sie, bester Freund! der guten Sache immer den Dienst und rezensieren Sie selbst. Ach! wenn ich mit einer Rezension 50 Judenbrüder zu Handwerksgesellen und 30 Leibeigene zu Freibauern machen könnte, so würde ich den guten Geschmack um Verzeihung bitten und aus eine halbe Stunde ins Nebenzimmer zu gehen ersuchen. Und nun wieder zu Geschäften — Michaelis Uebersetz. des A, T. so viel davon heraus ist, bitte einpacken, unter Adresse Joseph Seligmans Vater, Sohn u. Comp, mit erster Post nach Königsberg in Preußen abgehen zu lasten-, mir aber Faktur zu senden, die ich alsosort bezahlen will; daher ich sie zu quittieren bitte. Leben Sie wohl! Den Sonnabend besuche ich Sie gewiß Moses Mendelssohn den 8. IM 1779. Untersuchung vor der Annahme für den Bursus.

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