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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-01 · Heft 9 (1.3.1918) · p. Seite 101

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 9 (1.3.1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 Erlass dienen. Zu diesem Zwecke erfolgte im Frühling 1917 die Evakuierung Jaffas. Zu diesem Zweck wurden, auch die aus Jaffa Evakuierten, die sich in Petach-Likwah niedergelassen hatten, später wiederum vertrieben. Mese Vertreibung erfolgte nach altrusstschem Muster. Im Verlause von 24 Stunden muhten alle zum zweiten Male Evakuierten die Kolonie Verlässen. Eine der angesehensten Personen unter den Evakuierten wurde für die pünktliche Durchführung der Anordnung verantwortlich gemacht. Tatsächlich sind die Vertriebenen zum großen Teile infolge ihrer Leiden zugrunde gegangen und die im Lande Gebliebenen waren materiell, physisch und moralisch gebrochen. Dasselbe Bureau ^berichtet nachstehendes: D ie Zio n i strsche Pa l äst i na- Ko mmi s s io n. Einer Reuter-Meldung zufolge bevollmächtigte die englische Regierung die Zionistische Organisation, eine Kommission zwecks Untersuchung' des gegenwärtigen Zustandes der jüdischen- Kolonien nach Palästina zu entsenden. Me Kommission hat auch die Aufgabe, die evakuierten Kolonisten zu repatriieren, eine Hilfsaktion für die Kriegsopfer einzuleiten, die unter dem früheren Regime gesperrten Institutionen' wieder in Tätigkeit zu setzen und Maßnahmen zum Wiederaufbau der Kriegsschäden in den Kolonien durchzuführen. Die Mitglieder der Kommission sind: -der Vorsitzende der englischen zionistischen Föderation, Professor Weitzmaun, ferner die russischen Zionisten Usfischkin, Rosow und Jsa-ac Goldberg. Die Kommission wird sich in allernächster Zeit nach Palästina begeben. Frankreich für den Zionismus. Reuter teilt mit: Pichon habe Sokolow erklärt, daß die jransische und englische Regierung einig seien betreffs der Idee, in Palästina eine jüdische nationale Heimat zu gründen. * Wir schließen diesen Bericht mit Ausdrücken der Erwartung und Sehnsucht: Erwartung der großen Ereignisse, die sich im Westen vorbereiten, der Sehnsucht nach Frieden. Wir hoffen, daß die große Offensive unseren Feinden zeigen wird, daß ihre Anstrengungen vergeblich find, und wir vertrauen, daß diese^KriegshaMüng.wirüich die letzte ist, die uns den Frieden bringt. Heil und Segen unseren Heeren erflehen wir aus tiefstem Herzen. So traurig es auch jeden Menschenfreund und jeden Vckterlandsfreund stimmen muß, daß viel kostbares deutsches Blut vergossen werden wird, wir dürfen diese Opfer nicht scheuen, um endlich zu dem notwendigen Ziele zu gelangen. Möge der Frühling, der in der Natur nahe ist, nach der furchtbaren Zeit, die wir durchlebt haben, uns endlich einen- Völkersrühling bringen! Sir iho>?synsgogrn im Bftm’l Von Landsturmmann Walter Jäger. „Und sie sollen mir ein Heiligtum machen daß ich unter ihnen wohne" 2. Mose 25, 8. o weit muß man schon zurückgehen, um von vornherein den Begriff der Synagoge feftzulegen. Denn auf, dem Gebiet des religiösen Kultus der Juden herrscht im allgemeinen große Unklarheit in nichtjüdischen Kreisen, und so ist es auch -dem Wort Synagoge ergangen. Synagoge ist der Tempel der Juden, so hört man oft sagen. Und gerade dieses Zusammenwerfen zweier verwandter, aber doch grundverschiedener Begriffe ist falsch. Die Synagoge ist ein Zweites, der Tempel ein Erstes und Einziges. Er besteht nur Einmal in der ganzen Judenheit: in Jerusalem. „Die Wohnung sollst du machen, von zehn Teppichen, von gezwirnter Leinwand, von blauem und rotem Purpur und von Scharlach. Cherubim Mst du dran machen künstlich," so bestehlt der Herr; n „stiftet" das Heiligtum, unter dem er wohnen will; es ist das heilige Zelt oder die „Stistshütte", dieUrform des Tempels. Das war am Sinai. — Die zweite Form ist der Tempel Salomons auf dem Berge Moria bei Jerusalem. „Und will meinem Volk Israel einen Ort setzen, und will es pflanzen, daß es daselbst wohne, und *) Aus der ,-SMachtier", Beilage zur „Zeitung der 10. Armee" vom 3. Februar 1918. Die zahlreichen Illustrationen, die dem Abdruck ^gegeben sind, konnten hier nicht wiederholt werden. Die Red. nicht mehr in der Irre gehe, und es die Kinder der Bosheit nicht mehr drängen wie vorher . . (2. Sam. 7,10). Eine feste sichere Kuttstätte sollte erstehen, der Märchenbau König Salomons, au dem 180 000 Menschen 7)4 Jahre gearbeitet haben. Um das Jahr 1000 v. Chr. war das Werk vollendet. Eine eingehende, ja auch nur oberflächliche Beschreibung untersagt der beschränkte Raum; auch kann es jeder in der Bibel, der einzigen Quelle, Nachlesen (1. Könige Kap. 5, Vers 15 bis Kap. 7). — Im Jahre 588 v. Ehr. war der Salomonische Tempel bei der, Zerstörung Jerusalems niedergebrannt. Nach der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft baute Zorobabel einen anderen Tempel, den Herodes um das Jahr 16 v. Chr. um- und in seiner prachtliebenden Weise auszubauen begann, so daß jener um Christi Geburt vollendet war und so ausgesehen haben mag, wie ihn die auf, gewissenhasten Forschungen beruhende Zeichnung wiedergibt. Seine Grundform, die bereits in der Stiftshütte enthalten und im Tempel Salomons erweitert ist, ist zugleich die Urform sür die Synagogen. Es wird später noch davon die Rede sein. Der Tempel wurde 70 n. Chr. von Titus zerstört. Seitdem gibt es das alte NaLionalheiligtum der Juden nicht mehr. Es gibt nur noch Synagogen, An der Spitze des Tempels stand >der Hohepriester; die Synagoge kennt ihn nicht. Im Tempel war der Opfer-Mar; die Synagoge verbannte ahn aus ihren Mauern. Das sind schon zwei wesentliche Unterscheidungsmerkmale. Der Tempel ist die von Gott selbst erwählte Stärte, an der einzig geopfert werden darf; die opferlose und Priesterlose Kultstätte ist die Synagoge. Sie ist, wie ihr griechischer Name sagt, ein Versammlungsort. Bor, aber noch mehr nach dem Exil bildete sich der Stand der Schristgelehrten heraus, und an allen größeren Orten strömte das Volk ihnen zu, sammelte sich an den Sabbaten, an bestimmten Fest- und Wochentagen, betete mit ihnen und ließ sich im Gesetz unterweisen und dieses erklären. Diese- Schriftgelehrten waren manchmal Priester, meist jedoch vorn Priestertum unabhängig, oft im Nebenberuf Handwerker. Die Synagoge war und ist ja heute noch, da» es keinen Priesterstand 'bei den , Juden mehr gibt. (vgl. A.-Z. Nr. 319: „Was ist ein Row?"), eine priesterlose Einrichtung, die aus jenen uralten Formen hervorgegangen ist. Die Laienpri-ester, wie wir die Schriftgelehrten nennen wollen, hatten aber noch eine andere Aufgabe. Solange der Tempel bestand, solange geopfert wurde — und nur aus dem Berge Moria.durste geopfert werden —, handelte es sich um die Frage: wie kaun ein Opfer dargebracht werden, wenn der Spender'fern ist? Da traten nun die Laienpriester vor. Entsprechend den 2.4 Priestern in Jerusalem, die .abwechselnd den Opferdienst versahen, gab es 24 Staudmannschaften, -die je aus 24 Laienpriestern bestanden. Jede Standmannschaft sandte für zwei Wochen einen ihrer Schristgelehrten nach Jerusalem, um sich durch deren bloße Gegenwart beim Opfer vertreten zu lassen. Für diese Vertreter wurde 'unmittelbar nach der Opferung ein eigener Gottesdienst eingerichtet, der nur aus Gebet, Thoravorlesen und Priestersegen bestand, und zwar in einem eigenen Raum, der den Namen Synagoge erhielt. Der daheim gebliebene Teil der Standmannschaften hielt an den einzelnen Orten den gleichen Gottesdienst ab. Die Synagoge ist also gleichsam die dienende Magd des Tempels, -die,- «als sie ihre mächtige Herrin verloren hatte, einige Vorschriften aus dem Opferdienst, sozusagen zum Ersatz, übernahm. Die Priester jedoch wurden ausgeschaltet. Das Laienelement beherrscht seitdem den gesamten Kultus; der opserlose Gottesdienst der Maamadot erreichte allmählich seine gewaltige Bedeutung und bezeichnen.de Prägung. Wie nun die dienende Magd oft die Kleidung und das vornehme Gebaren der Herrin nachzu-ahmen sucht, so sind auch die Synagogen eine ferne Nachahmung -des Tempels, die sich mit echt jüdischer Zähigkeit bis aus 'den heutigen Tag fortgeerbt hat. Die Urform ist die Stistshütte; die Grundform sür die Synagoge ist das eigentliche Tempelgebäude. Es ist der kleinste Teil des riesigen Dempelbezirks, auf -dem Tausende Platz fanden , und glanzvolle Umzüge veranstalten konnten. Reste dieses Bezirks finden wir bei jeder -größeren Synagoge, soweit nicht bei neueren Bauten das Häusermeer der Großstadt Grenzen vorschreibt. Meist, wie z. B. in Wilna, gruppieren sich um die Hauptshnagoge die kleinen „Schulen" 'der Innungen und sonstigen Gemeinschaften sowie die Gemeindebücherei und die Wohnung des Rabbiners. Also der

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