Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1918)
- Date
- 1918-02-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Vordergrund drängt, seines Amtes- bis aus den heutigen Tag. Sein äußeres Leben, in jungen Jahren, bewegter, hat hernach« den ruhigen Verlauf eines Lehrerdaseins genommen. In Lissa geboren, besuchte Rosenthak zue-rst die Volksschule in Ketzin an der Havel, sodann in Potsdam und Berlin das Gymnasium und von Ostern-1870 ab die Jüdische Lehrerbildungsanstalt in Berlin. Der Krieg 1870 führte den jungen Seminaristen als Kriegsfreiwilligen nach Frankreich. Seine Kriegserlebnisse hat er in einem für Jugend und Erwachsene gleich lesenswerten Buche klar und interessant erzählt. (N. H. Rosenthal, Aus großer Zeit. Erlebnisse eines Kriegsfreiwilligen von 1870/71. Berlin 1910.) Ein volles Jahr hielt ihn der Krieg von der Schulbank fern. Trotzdem bestand er schon Ostern 1872 seine Lehrerprüfung. Ueber vier Jahre war er als Erzieher am Reichenheimschen Waisenhallse und von 1875 ab daneben auch an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde tätig. Seit 1877 ist er ordentlicher Lehrer an dieser Anstalt. Im Nebenamt erteilte er, der selbst einvorzüglicher Geiger ist, lange Jahre den Geigen- und Turnunterricht an der Jüdiscken Lehrerbildungsanstalt und übernahm 1883 das neugeschaffene Amt des Seminarübungslehrers. Als solcher und als Lehrer an der Knabenschule ist er noch heute tätig. Mit Befriedigung kann Herr Rosenthal auf die Jahre seines bisherigen Schaffens zurückblicken. Seine Zöglinge wirken als Lehrer überall in den weiten Gauen unseres Vaterlandes, und ihre Dankbarkeit für das, was er ihnen gegeben, mag ihn für die Mühen, für so manche Enttäuschungen entschädigen, die ihre ersten Unterrichtsversuche ihm bereitet haben. Mögen ihm noch recht viele Jahre rüstigen und glücklichen Schaffens beschieden fein! # Berlin, 12. Februar. Der sechzigste G e burts t a g des Herrn Aron Hirsch brachte dem Jubilar, dessen Verdienste um die deutsche Industrie wir bereits gewürdigt haben, zahlreiche Ehrungen. Vertreter aller im Hirsch-Konzern vereinigten Werke begrüßten Herrn Hirsch schon in früher Morgenstunde bei seinem Erscheinen in den Bureaus des Hauses. Bon den Prokuristen wurde dem Jubilar als Geburtstagsgabe das vom Bildhauer P l e ß n e r geschaffene Standbild eines Waffenschmiedes mit einer künstlerischen Adresse überreicht. Direktor Siegmund Hirsch gab den Glückwünschen der Abteilung Messingwerk Ausdruck; für die alte Stammfirma Aron Hirsch u. Sohn in Halberstadt sprach Dr. Abraham Hirsch: die Glückwünsche der Direktoren und Prokuristen überbrachte Direktor Seeg all. Unter den Glückwünschenden befanden sich auch die Vertreter zahlreicher jüdischer Körperschaften. Der Vorstand der Synagogengerneinde A d a ß - I i s r o e l und der Vorstand des K r a n k e n h e i m s der Adaß-Jisroel-- Gemeinde waren erschienen; die Glückwünsche des Talm ud - Vereins, dessen Vorstand Herr Hirsch seit fast zwanzig Jahren angehört, überbrachte Herr Felix G o ld s chm i d t. Die Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft für experimentelle Therapie hatte ihrem Mitglied ein herzliches Glücktvnnschschreiben mit einer Blumenspende übersandt. Von den führenden Persönlichkeiten der Finanz- und Handelswelt bemerkte man Kommerzienrat v. Wassermann, Geheimrat Steinthal und die Kommerzienräte Hermann Wassermann und Oskar Wasser m. an n. Den Traditionen seiner Familie folgend, hat Aron Hirsch zu seinem sechzigsten Geburtstag eine Anzahl von Stiftungen errichtet, mit denen er sowohl seine Heimatstadt Halberstadt wie auch die jüdische Gemeinde zu Berlin bedacht hat, deren Krankenhaus und Kriegshilsskom Mission von ihm besonders berücksichtigt wurden. .. Besondere Erwähnung verdient die von Herrn Aron Hirsch aus Anlaß seines sechzigsten Geburtstages -für die Arbeiter- und Beamtenschaft der Hirschschen Werke errichtete Stiftung „Erholungsheim Altenhof". Die Einweihung -des Erholungsheims-, dessen nähere Beschreibung wir uns für spä'ter Vorbehalten, findet im nächsten Monat statt. Berlin, 12. Februar. Jüdischen Lehrern, die ein über die Bedürfnisse des Elementarunterrichts hi-nausgehendes Wissenauf dem Gebiete der Religionswissenschaften- Nachweisen wollen, ist Gelegenheit geboten, vor einer vom Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde eingesetzten Kommission durch Ablegung einer Prüfung den gewünschten Nachweis zu erbringen. Die Prüfung, die jährlich im März und September stattfindet, erstreckt sich auf folgende Gebiete: Methodik, biblische Geschichte, Hebräisch, jüdische Geschichte, Religionslehre, Neligionsphilosophie und Einleitrlngswi-ssenschaft. Gesuche um Zulassung zur Prüfung sind zu richten an den Schul- und Talmud- Thora-Vorstand der jüdischen- Gemeinde, Berlin N 24, Oranienburger Straße 29. Interessenten wird auf Ersuchen Abdruck des Prüfungsreglements verabfolgt. E. M. Berlin, 12. Februar. Der Ausschuß zur Be-, schaffung jüdischer und hebräischer Literatur für russische kriegsgefangene Juden, der sich unter dem Protektorat der königlich spanischen Botschaft in Berlin gebildet hat, wird am 4. März einen jüdischen Volksliederabend im Blüthner-Saal veranstalten, dessen- Ertrag für die jüdische Kvieg-sgefaingenenfürsorge bestimmt ist., Als Solisten sind das Mitglied der Warschauer Residenzoper, Herr Kipnis, gewonnen, der als bester Interpret des jüdischen Volksliedes gilt, sowie die Warschauer Operns-ängerin Fräulein Se lig seid; von Berliner Künstlern hat bereits der bekannte Cellist Felix RobertMendelssohn seine Mitwirkung in Aussicht gestellt. L. G. Graudenz, 8. Februar. An der Winterversammlung des Westpreußischen Rabbinerverbandes, die in Marienburg stattfand, nahmen außer zwei durch Reisen verhinderte, sämtliche Mitglieder teil. Der Vorsitzende, Rosenberg (Thorn), begrüßte die Erschienenen und berichtete zunächst über die Ausführung der Beschlüsse, welche in der vorigen Versammlung gefaßt waren. Diese betrafen hauptsächlich Anregungen, welche dem Allgemeinen Rabbinerverband in Deutschland gegeben werden sollten zur Hebung des Ansehens der deutschen Judenheit als beachtenswerter Bestandteil des deutschen Volkes sowie zur Gleichstellung der Rabbiner mit den Geistlichen der anderen Konfessionen. Er teilte ferner mit, daß alle Kollegen sich bereit erklärt haben, in der Berufsberatung, für die schulentlassene Jugend mrtzuwrrken, und daß das Oberpräsidium in Danzig sich an unseren Westpr-eußisckren Rabbinerverban-d mit dem Ersuchen um Mitarbeit in der Ausschmückung von Kriegergräbern, in der Fürsorge für unsere Kriegsgefangenen und in der Säuglingspflege gewandt habe. Er empfahl, diesem Wunsche zu entsprechen, und ging dann schließlich 31t einem Bericht über die Verhandlungen in der letzten Ausschußsitzung des Allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland über. Dann sprachen N e u f e l d (Briefen) über „Die Behandlung des jüdischen Lebens der Gegenwart im Religionsunterricht" und Bernstein. (Pr.-Stargard) über „Die Stellung des Rabbiners und die Gemeinden", worauf die Resolution angenommen wurde, daß es wünschenswert sei, dem Rabbiner die Mitgliedschaft im Vorstande zuzuerkennen. In einer von Bernstein (Pr.-Stargard) gewünschten Besprechung über eine Revision der seinerzeit vom Nabbinerverband in Deutschland -erlassenen Erklärung gegen den Zionismus wird eine solche Revision gegenwärtig für nicht geeignet gehalten. Nach weiteren Mitteilungen und Ansprachen, welche allen Teilnehmern wertvolle Anregungen gaben, wird beschlossen, die nächste Versammlung am Hirnrnelsahrtstage abzuhalten. §£§ Breslau, 8. Februar. Der Jüdisch-liberale Tugend verein zu Breslau hat auch im Winter 1917/18 seine Tätigkeit im alten Geiste weiter geführt. Der Verein hat durch den Weggang seines Ehrenmitgliedes, des Herrn Gemein-derabbiners Dr. Goldmann, von Oppeln nach Leipzig, eine schwere Einbuße erlitten; doch hat Herr Dr. Goldmann sein altes Wohlwollen für den Verein durch eine Festgabe zur Cbanukkafeier aufs neue bestätigt. Insbesondere hatHerr Rabbiner Dr. D i e n e m a n n (Ratibor) in aufopferungsvoller Weise die Tätigkeit des Vereins unterstützt und durch einen Vortragszyklus über den jüdischen Prophetismus die Vereinsmitglieder aufs äußerste interessiert. Des weiteren verdient insbesondere noch ein Vortrag von Herrn Lehrer Hirschfeld über „Abraham Geiger und seine Zeit" Hervorhebung, in dem Herr Hirschfeld in eingehender Weise die großen Verdienste Geigers um das Judentum nachwies. Der Verein hat jetzt bereits 350 Mitglieder, und er hat die besondere Freude gehabt, in Breslau auf dem ersten Delegiertentage jüdisch-liberaler Jugendvereine auch die Delegierten der Brudervereine aus Berlin, Posen und Hamburg begrüßen zu können er. Köln n. Rh., 8. Februar. Die hiesige Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt als erste von allen Gruppen des Vereins aus Anlaß des 26jährigen Bestehens des Zentralvereins eine Festversammlung ab, die im vollbesetzten großen Saale der Lesegesellschaft stattfand. Der um die Entwicklung unserer Ortsgruppe hochverdiente Vorsitzende Feilchenfeld betonte in seiner