Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1918)
- Date
- 1918-02-15
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Begrüßungsansprache, daß die deutschen Juden verpflichtet seien, nicht nur gegen den äußeren, sondern auch gegen den inneren Feind, den Antisemitismus, zu-kämpfen. Die Ansprache des Rechtsanwalts Dr. Frankl war dem Gedächtnis des verstorbenen Justizrat Max Horwitz gewidmet, der das Lebenswerk Gabriel Riessers, den Kampf für die Gleichberechtigung der deutschen Juden, fortgesetzt, habe. Zu diesem Zwecke sei die Organisation des gesamten deutschen Judentums nötig. Front zu machen sei gegen den wirtschaftlichen und sozialen Antisemitismus, dessen Welle hereinzubrechen drohe. Die Festrede hielt Landtagsabgeordneter Justizrat Dr. Cohn (Dessau). Auch er forderte die lückenlose Organisation, Einigkeit an Stelle der jetzt herrschenden Zerrissenheit, Klärung der Stellung der Rabbiner, der Erziehungs- und Berufssrage und der Frage des Uebertritts zu anderen Konfessionen. Bei der Erfüllung jüdischer Wünsche in der Gesetzgebung könne man sich auf Nationalliberale, Freisinnige und das das Zentrum stützen; bei-letzterem liege die Entscheidung auch in der Zukunft, während die Sozialdemokraten sich den Kuckuck um Synagogen usw. scheren würden. Die zukünftige Stellung des Rabbiners könne allein das Aussterben des Judentums hintanhalten. In allen Fragen, die das Judentum betreffen, sollen sie einträchtig Zusammengehen, sonst aber im Berufs- und öffentlichen Leben ganz im deutschen Volke aufgehen. Die harmonische Feier klang in eine Schlußansprache aus/in der Rabbiner Dr. Rosenthal zum Eintritt in den Zentralverein ausforderte. — Bad Kissingen, 8. Februar. Die Israelitische Kinderheilstätte in Bad Kissingen E. V. hat 2% Jahre lang ihr gesamtes Anwesen der Militärbehörde als Reservelazarett überlassen und sich während dieser Zeit mit gemieteten Räumen beholfen. Jetzt aber dient sie in verjüngter Schönheit wieder ihrem ursprünglichen Zwecke. Im Jahre 1917 waren 200 Kinder ausgenommen, so daß die Zahl der seit Begründung der Anstalt 1905 aufgenommenen Kinder aus allen Teilen Deutschlands bereits 2000 beträgt. Aufnahmegesuche sind bis spätestens 15. März an den Vorstand einzureichen. Erster Vorsitzender des Vereins ist Herr Adolf S ch w a r z in Nürnberg, stellvertretender Vorsitzender und leitender Arzt ist Herr Dr. P. Münz in Bad Kissingen. '"ffrantifutt a. M., 8. Februar. Am 29. v. M. traten hier Delegierte der führenden orthodoxen Organisationen -in den Gebieten der Mittelmächte zu einer Konferenz zusammen, um die programmatischen Forderungen zu beraten, die -anläßlich der beim Friedensschluh bevorstehenden Neuordnung der Dinge im Osten im jüdischen Interesse zu stellen sein werden, um außerdem eine gemeinsame Vertretung dieser Interessen bei den Regierungen der Mittelmächte zu sichern. Die Konferenz war durch Beratungen der in Betracht kommenden Organisationen in den einzelnen Ländern seit längerer Zeit vorbereitet worden. Durch Delegierte vertreten waren: Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums E. V.", der „Deutsche Gruppenverband der Agudas JiSroel", der „Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands", die „Vereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands", der „Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer", die „Galizische Landesorganisation der Agudas Jisroel", der „Verein zur Wahrung des orthodoxen Judentums in Wiestösterreich", der „Rabbinerverband in Galizien". Die „Agudas hoortodoxim" und die „Agudas horabonim" in Polen, sowie die „Palästinensische Landesorganisation der Agudas Jisroel" hatten, da ihre Vertreter aus äußeren Gründen nicht mehr rechtzeitig eintresfen konnten, ihre Beschlüsse schriftlich übermittelt. Die „Ungarische orthodoxe Landeskanzlei" hat ihren Anschluß an die Aktion Vorbehalten. Die Tagesordnung lautete: 1. Gruppenrechte der Juden im Osten; 2. Palästinafrage; 3. Religiöse Forderungen im Staatsleben; 4. Bürgerliche Gleichberechtigung; 5. Form und Methode der Vertretung. Während der zweitägigen Verhandlungen, in denen naturgemäß manche Gegensätze der Auffassungen zwischen den verschiedenen Landesgruppen zutage traten, wurde eine prinzipielle Uebereinstimmung in Grundfragen erzielt. Als Ergebnis der Generaldebatte in Verbindung mit dem ersten Punkte der Tagesordnung wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: 1. Bei ihrer Erhebung zur Volksgemeinschaft hat Gott der Judenheit, deren Existenzberechtigung, Ideale und Ziele lediglich in der Religion verankert sind, sowie jedem einzelnen Juden für alle Zeiten die treue Erfüllung des offenbarten Gesetzes zur Pflicht gemacht. Auf dieser gemeinsamen Wicht beruht das Band gegenseitiger Verantwortung, das die Juden umschlingt. 2. Die Juden-! gemeinschaft fordert die ungehinderte Freiheit zur pflichtgemäßen Erforschung und Erfüllung ihres offenbarten Gesetzes. 3. Sie fordert den Schutz von Leben und Eigentum, sowie Freiheit der geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung der Juden der Einzelländer gleich allen Bürgern des betreffenden Staates. 4. Die Formulierung der prinzipiellen Forderungen und die Art ihrer Durchführung muß den berufenen Vertretern der Juden der Einzelländer überlassen bleiben. Die in Punkt 4 enthaltene Entschließung bezieht sich insbesondere auf die ausgiebig erörterte Frage der Personalautouomie, die nach Ansicht der Versammlung nicht grundsätzlich, sondern nur gemäß den besonderen-Vorbedingungen in jedem Lande gelöst werden kann. Zur 1 Palästinafrage faßte die Versammlung eine Entschließung, deren prinzipieller Teil wie folgt lautet: 1. Die Orthodoxie erblickt — unter unverbrüchlichem Festhalterl an den messianischen Zionshoffnungen der Judenheik — zu allen Zeiten in der Besiedelung des Heiligen Landes durch Juden die Erfüllung einer im Religionsgesetz begründeten Wicht, deren möglichst ungehinderte und umfassende Ausführung Zll sichern Aufgabe der jüdischen Gesamtheit ist. Wunsch und Wille zur Ein- Umänderung entsprach stets dem tiefsten religiösen Sehnender jüdischen. Volksseele. 2. Die Orthodoxie erwartet, daß die Türkei diesen aus tausendjähriger religiöser Ueberlieferung beruhenden Palästinabestrebungen Vertrauen entgegenbringen und der jüdischen Einwanderung nach dem Kriege sowohl Lei der Ansiedelung als bei der Entwicklung des religiösen und wirtschaftlichen Lebens im eigenen Staatsinteresse systematische Förderung angedeihen lassen wird. Es folgt hierauf eine Auszählung der an die türkische Regierung im Interesse der jüdischen Siedelung zu stellenden Forderungen und der Ausdruck der Ueberzeugung, daß „mit der Zugehörigkeit des Heiligen Landes zu einer reorganisierten Türkei die günstigsten Vorbedingungen für eine gedeihliche Entwicklung der palästinensischen Ansiedelung im religiösen Sinne gegeben sind". Hinsichtlich der Vertretung wurde die Bildung eines Vollzugsausschusses der jüdisch-orthodoxen Organisationen im Geb i ete der Mi ttelm äch t e beschlossen, in den jede der beteiligten Organisationen zwei Vertreter und zwei Stellvertreter entsendet. Der Vollzugsausschuß ernennt einen oder mehrere ehrenamtliche Geschäftsführer. Der Vollzugsausschuß wurde beauftragt, zur Vermeidung jedes Gegeneinandernrbeitens der verschiedenen jüdischen Organisationen unverzüglich in Fühlung mit anderen Organisationen, welche gleiche Ziele verfolgen, zu treten und, soweit sachlich möglich, eine Verständigung mit ihnen behufs gemeinsamer Arbeit berbeizuführen. Die wegen der vorgerückten Zeit nicht mebr im einzelnen beratenen Punkte der Tagesordnung wurden dein Vollzugsausschuß zur weiteren Bearbeitung überwieseu: insbesondere sollen dabei die Berücksichtigung des Sabbats in der Sonntagsruhe- Gesetzaebung, di-e Sicherung d-er Schechita, die Fragen des jüdischen Eherechts im Osten beachtet werden. Dem Vollzugsausschuß wurde ferner zur Vorberatung ein der Versammlung vorliegendes Programm zur praktischen Erez-Jisroel-Arbeit überwiesen. Grstrrrkich-Nngsrn. Z. Wien, 8. Februar. Unter ganz außerordentlich starker Beteiligung wunde -am 1. d. M. der Seelsorger der türkischen Jsr-a elit engenrein de in Wien, Rabbiner Ebacham Baschi M v ch a e l P a p o, zu Grabe getragen. Vom Sterbehaus. Novaragasse 27, wurde die Leiche nm halb zehn Uhr vormittag-S in den türkischen Tempel getragen, der schwarz verkleidet war. Hier wurde sie vor dem Altar au-sgebahrt. J-nr Tempel hatten sich außer der Familie eingebunden: in Vertretung des Bürgermeisters Stadtrat Dr. Oskar Hein-, Oberrabbiner Dr. Gü de mann mit den Mitgliedern des Nabbinatskollegiunls, der Polizeibezirksleiter der Leopoldstadt Polizeirat B r a n d h über v. E t s ch s e l d, für die israelitische Kultusgemeinde die Herren Dr. Wilhelm P a ppe nheim, Sekretär Dr. Emil Adler und Amtsleiter F r e i sta d t, Tempelvorsteher Regierungsrat Wilhelm,' der Präsident der „Ehewra-Kadischa", Landesschulrat Dr. Markus Spitzer, die Rabbiner Dr. G r u n w a I d, Dr. F e u ch t w a n g, Dr. Rosenmann undDr. F un k, Oberkantor M or ge n st er n, Erster Kan- >tor I u r be r g e r, Chordirigent Heim a n n. Als Vertreter des Verbandes der- Religionsprosessoren der Mittelschulen Oberrabbiner Reich (Baden), die Vorstandsmitglieder der Wiener Bethäuser, bas Professorkollegium des israelitischen theologischen Seminars, Rektor Dr. Schwarz, Professor Kraus, ixtnn kaiserlicher Rat L. Jal t itschek, Hofrat Dr. Julius. Schlag, Präsident des