Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1918)
- Date
- 1918-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229339-3229346--73789-3286272- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
82. Jahrgang Nr. 7 Der Gemeindeüote. Berlin, 15. Februar 1918 Beilage zur „Allgemeinen Leitung drß Judentums". korrrlpLlldrn?rn und Aachrichtttt. Srulschland. E. R. Berlin, 10. Februar. Der heutigen Sitzung der Rc- P r ä s e n t a n t e n v e r s a m m l u n g ging eine geheime Sitzung voran, welche 1% Stunde -da'u.erte. Nach, Vorlesung des' Protokolls der letzten Sitzung.teilte der Vorsitzende, Herr Direktor Dr. Minden, mit, daß -ein Dankschreishen der Frau Justizrat Siegmund Weher auf die ihr zum 80. Geburtstag, gesandte Gratulation eingelausen sei., und verlas sodann ein vom Zentralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde eingegangenes Schreiben, indem, wie von uns bereits mitgeteilt, der Vorstand ersucht wird, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit schon bei der nächsten Wahl oder Ersatzwahl zur R-epräsentantenversammlung nach dem Verhältniswahlsystem gewählt wird. — Die Versammlung beschließt hierauf die Annahme folgender Zuwendungen: Herr Kommerzienrat Alfred Zielen zig er hat der Mtersversorgungsanst-ält 12 000 Mark gespendet; Herr Geheimer Sanitätsirat Dr. Ludwig Plotke 12 000 Mark der Armenkommission; Herr Martin und Ernst Jacob y 12 076 Mark der Altersversorgungsanftalt, Frau Berta Loewh geborene Rosenthal 30 000 Mark der Altersversorgungsanstalt. — Zu Gemeindeältesten sind wiedergewählt die Herren Leopold B a d t, Geheimer Sanitätsrat Dr. Stern, Kommerzienrat Dr. Netter, Sanitätsrat Dr. Feilchenseld; an Stelle des Herrn Justizrats BreSl-auer ist Herr Amtsgerichtsrat W o l f f in Charlottenburg neugewählt; zum Stellvertreter Herr Justizrat Magnus. Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Pieck hat sein Amt niedergelegt. — ES folgen Wieder- und Neuwahlen von Verwaltungskommissionen: In dm Vorstand der Neuen Synagoge Herr Robert Baszynski; in die Armenkommission die Herren Adolf Apt, Eugen Felix B l u m e nseld , Sanitätsrat Dr. C a s p a r i, Max C o h n , Leopold D o m.n a ue r , Benno F r ae n ke l, Felix Frankfurter, Bernhard F r i e d l ä n d e r, Adolf I a c o b o w i tz, Geheimrat Dr. Köhler, Bennp K o f ch m a n n, Hermann Lehmann, Martin Lesse r, Dr. Lew inski, Salo London, Gustav Michalski, Verthold P i n t u s, Paul K o st e r l i tz , Sanitätsrat Dr. S a l - feld, Gustav Sachs, Magnus Samuel, Theodor Schück, Richard S o m m e l, Siegntunb Singer, Theodor Steinthal, Sanitätsrat Dr. Hermann Strauß. Ernst K 0 h n, Sanitätsrat Dr. Gebert, Adolf Böhme, Dr. I. Klötzer, Max Hoffmann, Dr. G. Fischer, Max Sonnen feld, Sally Wittenberg. Herr Emil Pincus spricht den Wunsch aus, daß durch neue Mitglieder die Kommission verjüngt werde, da die Leistungsfähigkeit abgenommen habe. Die Anforderungen seien sehr gewachsen. Mehrleistungen könne man Leuten von 60 bis 70 Jahren. nicht zumuten. In die Friedhofskommission wird Herr Karl Fuchs gewählt; in die St-i'ftungSkommifsion bie Herren Sanitäitsrat Dr. I u t r 0 s i n s k v, Josef N e u fel d, Direktor R. Ltpschütz, Sanitätsrat Dr. R e im a n n, Dr. O p p e n h> e t rn; in die FürsorgekomMission die Herren Siegfried Alle, Josef Wachs mann, Kosack, Willy Simson, Siegmund Fürst; in die WarsenkomMission die Herren Martin F e. r n b a ch, Dr. P e y s e r, Hugo Weigert, Professor Dr. Czewpin, Karl Fuchs, Isidor Rieß; in die gemischte Deputation zur Beratung über einen Antrag wegen Schaffung geordneter Gemeindeseelsorge die Herren Professor Dr. K a l i s ch e r, Dr. M i n d e n, Sanitätsrat Dr. Stein th al; in die Deputation zur Beratung über die Verwertung 'des Krankenhau sgrundftücks Auguststra'ße 14/15 die Herren Oskar Tietz, Samuel Weile, Dr. Ginsberg; in die Deputation zur Beratung über die Frage der Umwandlung der Knabenschule und der Mädchenschule in öGentliche Mittelschulen di,e Herren Oskar T i e tz, Samuel Weile, Dr. G i n s b e r g; in die Deputation zur Beratung über ein anderweitiges Verfahren bei Vergebung der Plätze in den Synagogen und Betlokalen Bena>s Levh, Emil Cohn, Siegfried Sachs!, Ti etz; in die Deputation zur Beratung über die Revi.sion des Gemeindestatuts Dr. M i nd e n, Dr. Wer g e r t. Professor Türk, B. Lev y, Dr. Halle; in die Deputation zur Prüfung der Frage der Weiterbewilligung von Subventionen Emil Cohn, Tietz, Caspary; in die Deputation giur Beratung der Frage eines zweiten Friedhofes Dr. Minden, Grünfeld, Kirstein, Pincus. — Bon Ausgaben werden bewilligt: 1000 Mark zur Reparatur eines Zaunes; zur Errichtung einer Wochenstunde für den jüdischen Religionsunterrichit 'in der Lorenzschen höheren Mädchenschule 80 Mark; Herrn Prediger Katz in Kiel 150 Mark zur Pessachlbekösti-gung jüdischer Mannschaften; 150 Mlark der Frau Ulrike Goldberg zur Anschaffung einer Thorarolle. — Den Rabbinern des subventionierten Religionsvereins wird die bisher erteilte Genehmigung zur Mitwirkung auf dem Friedhofe in Weißensee im Ornat unter den bisherigen Bedingungen auf die Dauer eines weiteren Jahres verlängert. — Infolge Aenderung des Bebauungsplanes ist die Belegung der Straße 16 auf dem Friedhofe in Weißensee möglich geworden. Der Vorstand hat die Anlegung von fünf Erbbegräbnisfeldern und von Reihengräbern beschlossen, und zwar nach einem höheren Tarife, da die Stellen sehr begehrt sind. Bezüglich der Reihengräber, in denen nur Beerdigungen erster Klasse stattfinden sollen, erachtet der Vorstand eine Gebühr von 225 Mark für angemessen, während bei den Erbbegräbnissen der Preis für ein zweistelliges auf 1000 Mark angesetzt ist und jede weitere Stelle . 500 Mark kosten soll. Es werden in jedem Falle 64 zweistellige Erbbegräbnisse abgegeben werden können, so daß sich das finanzielle Ergebnis aus 320 000 Mark stellen wird. Herr Emil Cohn spricht den Wunsch m\%. es möge mit dem Klassenfystem aebrocken werden. Herr Vorsteher Blankenburg erklärt, der Vorstand habe bereits eine Vorlage über Abänderung der Tarife in Aussicht. — lieber den Neubau der Synagoge Kottbuser Ufer konnte bisher eine Abrechnung nickst erteilt worden, weil die Abrechnung mit der Firma Josef Fraenkel noch eine Anzahl Differenzpunkte aufweist, die sich erst nach der Rückkehr des Regierungsbaumeisters Baer klären lassen. Da aber im übrigen die Abrechnung vollendet ist. unterbreitet sie der Vorstand der Versammlung und ibittet, sie zu prüfen und den Mehrverbrauch von 8 9 5 8 7,84 Mark nachzubewilligen. Die Versammlung beschließt dementsprechend. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. L. N. Berlin, 12. Februar. Am 19. d'. M. feiert der Lehrer an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde und Seminarübungslehrer, Herr Nehemias Rosen thal, mitten in der Schularbeit stehend, seinen 70. Geburtstag. Alle, die ihn und seine Tätigkeit kennen, feine Freunde und Kollegen, werden sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, ihm an diesem Tage ihre Anhänglichkeit und Freundschaft zu beweisen. Insbesondere aber haben seine ehemaligen Zöglinge Veranlassung, des Mannes sich in Dankbarkeit zm erinnern, dem sie vorwiegend ihre praktische Ausbildung zum Lehrerberufe zu verdanken haben. Stattlich ist die Reihe der jüdischen Lehrer in Deutschland, die seine Schüler gewesen sind, die er in die Unterrichtstätigkeit eingeführt und bei ihren ersten tastenden Versuchen geleitet hat. Wie er seine Aufgabe aufgefaßt hat, kennzeichnet das Goethesche Wort: „Bei dem Unterricht ist das höchste Gebot, gegen alle Zerstreuung zu arbeiten." In den Unterrichtsproben, die er vor den Seminarzöglingen gehalten hat, konnte man beobachten, wie er stets das Ziel der Lektion im Auge behalten, wie er der Ablenkung entgegengearbeitet, wie er verstanden hat, den Geist der Kinder in zielbewußter Weise zu konzentrieren und zu leiten. In den Konferenzen, die er mit seinen Zöglingen abhielt, wies er immer wieder darauf hin, wie notwendig es sek, die Kinder bet der Sache zu halten und den Geist der Kinder ohne Abschweifung auf das Ziel der Lektion hinzulenken. So versteht er es meisterhaft, die Zöglinge dahin zu führen, das Wesentliche einer Unterrichtslektion zu erfassen, sie scharf und übersichtlich zu gliedern/ die wichtigen Punkte klar herauszuarbeiten und bei der Darbietung an die Kinder festzubalten. In ihm hat der jupge Lehramtskandidat, der seine ersten Unterrichtsversuche macht, einen sicheren Führer, dem er sich getrost überlassen kann. Im Verkehr mit seinen Zöglingen vermeidet er jene Steifheit und Härte, die oft genug eine Scheidewand zwischen Lehrer und Schüler aufrickstet; er ist ihnen ein väterlicher Freund und Berater, der menschliche Schwächen versteht, ein milder Beurteiler der Mißgriffe, die keinem Anfänger erspart bleiben. So waltet Herr Rosenthal in unermüdeter Treue, mit selbstloser Bescheidenheit, die nie die eigene Person in den