Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1918)
- Date
- 1918-02-15
- Page
- Seite 82 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Die meisten Artikel sind ganz kurz; Unter den ausführlichen verdienen die von Freimam» über Bonn, Kober über Köln, dem eine gewisse stilistische Feinheit nachzurühmen ist, eine ausdrückliche Erwägung; ein sehr großer Teil lehrreicher Notizen ist von dem schon genannten Tycocinsky beigesteuert. Die vorstehenden kurzen Bemerkungen sollen uur.das Jnteresse bekunden, das ich an dieser wichtigen Veröffentlichung genommen haben. Die flüchtigen Notizen erheben in keiner Weise den Anspruch eine Renzension des Werkes zu geben. Eine solche Rezension könnte gar nicht von einem einzigen Gelehrten geliefert werden; den Fachmännern, die, in einer Arbeit von VA Jahrzehnten mit großer Entsagung (denn aus einzelnen kleinen Artikeln hätten sich ausführliche Abhandlungen machen lasten) und mit außerordentlichem Fleiß und Scharfsinn diese Bausteine zusammengetragen haben, kann ein einzelner unmöglich eine Kritik entgegenhalten. Eine derartige Arbeit ist natürlich kein Lesebuch, sondern ein wichtiges Ouellenwerk, aus dem man die reichste Belehrung zu schöpfen hat. Die Schwierigkeiten der Arbeit sind außerordentlich: historische Schulung, Scharfsinn, jüdisches Wissen müssen sich vereinen, um solche Ausführung zu ermöglichen. Wer selbst ähnliche Arbeiten gemacht hat, weiß am besten, wie unendlich mühsam derartiges zu gestalten ist, wie viele Arbeit in einem kleinen Artikel von wenigen Zeilen, steckt. Daher sei allen Mitarbeitern und in erster Linie den Herausgebern für ihre Leistung der beste Dank gesagt; ein nicht geringerer Dank gebührt auch der Gesellschaft, die dieses Werk anregte und ihr die nicht unbedeutenden Mittel zu seiner Ausführung bereit stellte. Möge es allen Schwierigkeiten zum Trotz fortschreiten und sich zu einer wirklichen Grundlage der Geschichte der Juden in Deutschland entwickeln. Gewiß werden noch viele Jahre vergehen, bevor die Arbeit, die bis zu den Wiener Verträgen fortgeführt werden soll, ihren Abschluß erreicht; aber bei derartigen Unternehmungen wäre Hasten und Drängen nur von Uebel; man muß in Geduld warten, damit die einzelnen Artikel mit der Sauberkeit und Genauigkeit abgefaßt werden, die notwendig sind, um ein wirklich grundlegendes Werk zu schaffen. Dir Geilten- und Gemütshygirne im sltjüdilchrn Schrifttum. Eine Psycho-hygienische Studie. Von Dr. med. Rainer (Schluß.) Arzt zu Wiesbaden, z. Z. Kopenhagen. III. och nicht allein die Geistes- und Gemütspflege, sondern auch die physischeLebensw eise in ihrem Einst uß auf Geist und Gemüt — in richtiger Einsicht der stetigen Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche — wird von den altjüdischen Lehrern mit bewunderungswürdrger Weisheit geregelt. Ebenso wie die Beherrschung, die Zügelung der Gemütsafsekte zum Heil, zur geistigen Harmonie gelehrt wird, ebenso wird die Mäßigkeit, die Bemeisterung der p h y s i s ch e n B e g i e r d e n als Mittel für die Gesundung von Körper und Geist dringend empfohlen. Da steht in er st er Linie die Mäßigkeit in Speise und Trank obenan, welche bei jeder Gelegenheit in den zahlreichen Traktaten als bewährtes Prophylaktikum gegen seelische — ebenso körperliche Disharmonie vorgeschrieben wird'). Hier mag nur einzelnes darüber kurz erwähnt ') Die Mäßigkeit der Lebensweise in ihrer ganzen B e > d e u tung als hervorragende v v l k s h y g i e n i s ch e Maßregel wird im altjüdischen Schrifttum — vorüber ich einzelnes in meinen zahlwerden. So lehren die Weisen (Traktat Pefachinr 114 a 712S 121 *73*2- 2121 *73*2): »Sei genügsam, iß die Zwiebel, sie ist nicht übel; waudle im Schatten grünender Matten; gelüste nicht nach Gänsen und Puten, das führet nicht zum Guten!" Oder: »Wer Grünes ißt zur Mahlzeit, bleibt frei von Schulden (Sorgen!) allzeit" (ibid.). Ebenso (daselbst): „Spar' an Fraß und Suff, gib es zur Wohnung druff" (suche dir für das Ersparte eine gesunde, geräumige Wohnung zu mieten gemäß dem anderweitigen Ausspruch: *?12 W D'2’110 2121 1121*712, 121 183rm P 1*7'81 ms — eine schöne Wohnung wirkt' wohltuend, erheiternd aus Geist und Gemüt. — Auch die Wichtigkeit physischer Arbeit in ihrem wohltätigen Einfluß auf Geist und Gemüt erkannten zur Genüge die altjüdischen Lehrer. „Nichts ist zu gering; jede körperliche, nutzbringende Arbeit adelt", so lautete stets ihre Lebensmaxime. (Waren sie .ja doch selbst meist Handwerker und scheuten vor der niedrigsten Arbeit nicht zurück. Vgl. hierüber Ausführliches und sehr Interessantes in meiner Abhandlung „Schulhygienisches usw.", „Hygienische Rundschau" 1911, 21). Ganz charakteristisch ist hierin der Spruch (Traktat Pesa- ' chim 114a): *“OJ 1081 *781 8138 *7121 8P1122 1*723 Bit» 838 83.121 821): „Schind' sogar ein Aas auf öffentl i ch e m Markte, verdien' dir den Lohn, sprich nur nicht,', du seist Herr „von" (zu vornehm dazu!)- Sogar der g ei st ig «Arbeiter wird zur Ausübung einer körperlichen Tätigkeit wiederholt ermahnt (Pirkeh Abvth II, 2): „Jedes Studium, das nicht mit der Ausübung einer körperlichen Tätigkeit verbunden, ist verloren und führt zur Sünde" (yir 111131 1*722 .1212 .128*70 .1011 s'812.1111 *72>°). — Ueber die Wirkung des übermäßigen Alkoholgenusses auf Psyche und Körper finden sich im altjüdischen Schrifttum so viel merkwürdige, geradezu modern e Ansichten — manches hierüber habe ich bereits bei anderer Gelegenheit schon angeführt, vglz. B. meine „Psychotherapie usw,", „Geringere Sterblichkeit an Tuberkulosen usw.", „Geschlechtliche Hygiene usw." in der „Hygienischen Rundschau" verschiedener Jahrgänge —, daß sie wohl eine besondere längere Betrachtung verdienten. Im Midrasch Rabbah zu KIM und ^£12 finden sich großartige Ansichten über die verführerische Gewalt des Alkoholteufels sowie über die große Bedeutung der Mäßigkeit in Baccho. An dieser Stelle seien nur einige charakteristische Aussprüche flüchtig erwähnt. So z. B.: „Mit Maß genossen erfreut er (der Alkohol), übermäßig — betört er (Traktat Jomah 77a: n2T 112120 12t 8*7 110120). Oder (ibid.): ,M ein wird er genannt, weil er Weinen und Jammern auf die Welt bringt" <2*712*7 1*7*7' 8'2012 '320 s"). Siehe Raschikommentar daselbst, wo er erklärt: „Weil übermäßiger Weingenuß und Trunksucht, Ausschweifung und Lüsternheit erizeugen." reichen Abhandlungen in der „Hygienischen Rundschau" (1909 bis 1917) sowie auch anderwärts vielfach erwähnt — mit besonderer Ausführlichkeit abgehandelt — und verdient wohl wegen ihrer großen Wichtigkeit in einem besonderen Aufsatz ausführlich wiedergegeben zu werden. Vielleicht bietet sich noch demnächst Gelegenheit dazu. (Vergl. noch Traktat Berachüth 44 a: V'*?12 *7128 121 t2'*7t2 1311 12'*712 11121 d. h. Mäßigkeit in Speise und Trank, um bei, Aufregungen nicht zu Schaden zu kommen!.) 5) Geradezu frappierend ist der Spruch (Traktat Berachoth 5): Größer (würdiger) ist, wer von feiner Hände Arbeit sich ernährt, als der Gottesfürchtige!" (KI'O 111’ 122 2’3’0 13131 *7113 Ebenso (Pirkeh Woth I, 10): Liebe die Ar beit, hasse 'die Herrschsucht." Vgl. daselbst II, 15. Faszinierend ist schließlich die Mahnung: lN1'12*7 1123*1 *781 *711 11212 1122 im Trak.it Bezah 16.