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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-08 · Heft 6 (8.2.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 6 (8.2.1918)
Date
1918-02-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Berlin, 5. Februar. Der j üd i sch - liberale Jugendverein zu Berlin sendet uns nachstehenden Bericht über seine Tätigkeit irn zweiten Halbjahr 1917: Wir nahmen unsere Tätigkeit Mitte August wieder auf in zwei Vorstandssitzungen. In der einen wurde ein. Satzungsentwurs für die Arbeitsgemeinschaft der Jli festgestellt. In der zweiten wurde über das Winterprogramm gesprochen und beschlossen, an eine Anzahl von Herren heranzutreten mit der Bitte, uns Vorträge zu halten. Die Herren Rabbiner Dr. Lew kow i tz und Dr. C ob l e n z sollten gebeten werden, Kurse zu halten. Zu dem uns offiziell mitgeteilten Udbergang des bisher neutralen Jugend- Vereins „Makkabi" in das national-jüdische Lager soll in der Weise Stellung genommen werden, daß wir uns an die uns bekannten liberal gesinnten Mitglieder dieses Vereins wenden und sie zum Eintritt bei uns auffordern sollen. Am 11. September fand der erste Vortragsabend statt, an dem unser Mitglied Herr Dr. med. Fleischer über: „Die Stellung der deutschen Juden in der Rassensrage" sprach. Seine Ausführungen wurden durch reiches, wissenschaftliches Material gestützt und liefen auf den von uns schon immer festgestellten Standpunkt hinaus, daß wir Juden keine Rasse, sondern nur eine Religionsgemeinschaft sind, und daß darum alle nationalen und Rassebestrebungen Zurückzuweisen sind. Am 2. Oktober hielt Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern einen Vortrag über die Frage: „Zu welchem Zwecke gründen wir jüdisch-liberale Jugendvereine?" Er legte in programmatischer Weise die Gedanken dar, die uns zur Neugründung von jüdischen Jugendvereinen führen sollen. Am 13. und 14. Oktober nahmen an der Delegiertenversammlung von uns. teil: Frau A l t m a n n, Fräulein Schönberger, die Herren Dr. Breslauer und C h o y k e. Außerdem als Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft die Herren Robert Hirschfeld und Rechtsanwalt Stern. Als Gast war Herr Sieburg anwesend. Durch die Vorlegung des Entwurfes zu den Satzungen, der auch angenommen wurde, und durch den Vortrag des Herrn Hirschfeld über das Verbandsthema beteiligten wir uns in hervorragender Weise an der Versammlung. Am 13. November sprach bei uns Herr Joseph Kauffmann über: „Die Bibel und ihre Zusammensetzung, ihr Inhalt und ihre Entstehung." Cr löste seine Aufgabe, indem er in eingehender Weise den Inhalt und die Zusammensetzung der Bibel darstellte und mit Begeisterung erweckenden Worten .ihren Wert aufwies. Am 28. November erläuterte Herr Oberkantor Davidsohn durch einen Vortrag über: „Melodien und Gesänge des jüdischen Gottesdienstes" die Entstehung und das allmähliche Werden des Haupttetles unseres Gottesdienstes. Durch zahlreiche Gesangsdarbietungen machte er seine Ausführungen klar und verständlich und ergriff zugleich durch die gefühlvolle Art des Vortrages die Zuhörer. Im gemütlichen Teil des Abends erfreute er uns durch einige weltliche Lieder. Am 15 Dezember veranstalteten wir eine Chanukkafeier, zu der sich über 300 Personen versammelten. Nach dem Anzünden der Chanukkalichte durch Herrn Oberkantor Davidsohn hielt der Leiter unseres Vereins eine kurze Festrede. Ihr folgten in bunter Reihe musikalische und deklamatorische Darbietungen, zu d^nen sich in liebenswürdigster Weise Frau Altmann, Fräulein Ruth Arndt, Fräulein Klara und Lisa Brodskh, Fräulein Helene und Lotte Croner, Fräulein Schönberger und die Herren Oberkantor Davidsohn, Konzertmeister Rosenthal und Rechtsanwalt Stern zur Verfügung gestellt hatten. Da es auch möglich gewesen war, für einige leibliche Genüsse zu sorgen, blieben die Versammelten bis zur Polizeistunde in angeregter Stimmung zusammen. Der Reinertrag soll unseren Feldgrauen zugute kommen. Im verflossenen Vierteljahre hat die Vereinstätigkeit einen erfreulichen Aufschwung genommen. Dies zeigt sich in dem stets regeren Besuch unserer Veranstaltungen und in dem erfreulichen Wachstum unserer Mitgliederzahl. Es wurden ungefähr 30 Mitglieder aufgenommen. Mit unseren Feldgrauen stehen wir in regem Verkehr. Wir schickten ihnen zu den Feiertagen Pakete, soweit es in dieser Zeit möglich ist. W. Posen, 1. Februar. Seit Dezember vorigen Jahres findet eine So l d a t c n vera n statt u n g für die hier in der Garnison weilenden jüdischen Soldaten statt. Diese Veranstaltungen, die zuerst von der zionistischen Ortsgruppe ins Leben gerufen wurden und auch in den Vereinsrüurnen Berliner Straße 5 stattsanden, werden jetzt, da die Räume sich als zu klein erwiesen, von den jüdischen Vereinen Posens, der „Loge", der „Vereinigung für das orthodoxe Judentum", „Verein zur Förderung jüdischer Interessen", der „Liberalen Vereinigung" und der „Zionistischen Ortsgruppe", gemeins a m im Hotel Friedrichshof veranstaltet. Ein dazu gewähltes Komitee (in dem sämtliche Vereine vertreten sind) von neun Damen leitet diese Sonntagnachmittage in vorbildlicher Weise. Den Soldaten werden musikalische und deklamatorische. Vorträge geboten, zu denen sich Damen und Herrren aus der Gesellschaft in liebenswürdiger Weise zur Verfügung stellen. Gegen ein kleines Entgelt wird auch den Soldaten ein warmer Imbiß gereicht. Die Beteiligung ist sehr groß, die jüdischen Soldaten freuen sich, ihren dienstfreien Sonntagnachmittag im Kreise ihrer jüdischen Kameraden gemütlich verbringen zu können. er. Breslau, 1. Februar. Das jüdisch-theologische Seminar (Fr aenkels che Stiftung) veröffentlicht seinen Bericht für das Verwaltungsjahr 1917. Die Zahl der Hörer ist die gleiche wie im Vorjahre geblieben; zehn derselben stehen gegenwärtig unter den Fahnen. Die Zahl der aus dem Seminar hervorgegangenen neun Feldrabbiner ist durch die Ernennung des Hörers cand. phil. Albert Wolfs zum Feldrabbiner auf zehn gestiegen. Die im letzten Berichtsjahre abgehaltenen Vorlesungen behandeln Bibelexegese, Talmudstudium, jüdische Geschichte, Religionsphilosophie und Homiletik. Der Lehrkörper bestand aus den Dozenten Professor Dr. Brann, der den Vorsitz im Lehrerkollegium führt, und den Herren Dr. H o r o v i tz, Dr. L e w k o w i tz und dem verewigten Seminarrabbiner Professor Dr. Israel Le Wh, dessen im September 1917 eingetretener Tod von dem Kuratorium und dem Lehrkörper des Seminars beklagt wird, lieber die Neubesetzung des' erledigten Amtes schweben noch Verhandlungen. Von den ehemaligen Hörern, der Anstalt wurden die Herren Dr. A. Kantorowskh, bisher Rabbiner in Bernburg, zurzeit Rabbiner der jüdischen Brüdergemeinde in Berlin-Neukölln, Herr Rabbiner Tr. Ochs, bisher Rabbi natsverweser in Gleiwitz, zum Rabbiner daselbst und Herr Dr. M. Schüft an zum zweiten Rabbiner in .Düsseldorf berufen. Für den verstorbenen Kurator Stadtrat Dr. Alfons Marck trat Privatdozent Dr. Siegfried Marck als Mitglied in das Kuratorium ein. Die Seminarbibliothek, die nach dem letzten Abschluß 19 217 Druckwerke in 25 996 Bänden und 212 Handschriften in 248 Bänden umfaßt, hat durch Kauf und Schenkung eine beträchtliche Zunahme erfahren. — An Stelle der wissenschaftlichen Abhandlungen, welche in früheren Jahren den Jahresbericht einleiteten, enthält der Bericht die Ansprachen, die bei der Gedächtnisfeier für den verstorbenen Professor Dr. Lewy bei der Trauerfeier am 11. September in der Anstaltshnagoge gehalten wurden. — Stettin, 1. Februar. Der Israelitische Frauenverein veranstaltete für seine großen und kleinen Freunde einen Märchennachmittag mit Lichtbildern in der Bismarck-Oberrealschule. Als Einleitung gingen.den Märchen, die Otto Stelter fesselnd zu erzählen wußte, Gesangsvorträge von Lucie Rosen voran. Den Beschluß des Nachmittags machte eine kleine Aufführung, ein Puppentanzspiel. Zwei Puppenmütter führten die Künste ihrer Puppen vor, und diese lebendigen Puppen tanzten allerlei Reigen und machten ihre Sache ganz ausgezeichnet, von den „Babies" bis zu den strammen „Soldaten". Besonders das „Meißner Porzellan" siel durch Grazie und Leichtigkeit der Bewegungen auf. Auch das Puppenspiel fand den lebhaftesten Beifall der kleinen und der großen Zuhörer. M. Hamburg, 1. Februar. Das Repräsentantenkollegium der Teutschi-Jsraelitischen Gemeinde hielt im Gemeindchause eine Sitzung unter Vorsitz des Herrn Joseph L v P Pm a n n ob. Bei den zunächst vor genommenen Vorstandswahlen wurde der bisherige Vorsitzende einstimmig wiedergewählt. Ter Gemeindevorstand 'teilt mit, daß unter anderem die folgenden Stist tungen der Gemeinde neu errichtet worden sind: 1. die Gottlieb - F l ö r s h e i m - Stiftun g mit einem GrÄndungsjöa-pii't'al von 5000 Mark. Sie ist errichtet worden von Herrn I. Flörsheim zum Andenken an seinen auf dem Felde der Ehre gefallenen Sohn Gottlieb Flörsheim. Die Zinsen der Stiftung sind alljährlich am Todestage des Verstorbenen an bedürftige Angehörige der Gemeinde zu vergeben. Zu dem Gründungskapital ist von dem Bruder des Verstorbenen noch eine weitere Summe hinzugefiügt worden; 2. die Levin-Lio n-Sti stu ng, welche der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, .Herr Levin Lion, mit einem Betrage von 11 956 errichtet hat, die ihm anläßlich seines 90. Geburtstages von Verehrern und Freunden zur Verfügung gestellt wurden; 3. ist auf Grund der Bestimmungen des Testaments des verstorbenen Herrn Joseph Schlesinger ein Betrag von 100 006 Mark in die Verwaltung der Gemeinde über gegangen, dessen Zinsen alljährlich an vier Bräute zu

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