Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- Seite 72 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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72 Lrim Frieden. enn Friede wird — kehrt Ehrist, und Jud' und Heide Auif Regenbogen siegreich aus dom Streite, Jungfrauen geben ihnen hold Geleite Und eitel Glück wird dann aus all dem Leide. Hoch dom Altan herab wird Lorbeer regnen. Getrennte werden freudig sich begegnen. Langjährige Feinde sich umarmend segnen. Dem Zweifler wird der Gläubige entgegnen: „Nun sieht den Irrtum ein der lang Betörte, Ein freies Wort spricht der noch nie Gehörte, Man darf sich edlen Werken wieder weihen! Die Menschheit wird sich auf sich selbst besinnen. Ein größres, neues Dasein jetzt beginnen. Und überall herrscht unbegrenzt Verzeihen!" Alfred Fried mann. Mitzelle. Zu Treitschke und die Juden. Bei Gelegenheit des Graetz-Jubiläums habe ich den Artikel von Treitschke Wer Graetz wieder gelesen und kann nicht leugnen, daß ich gar manches strenge Wort, das der streitbare Mann über den jüdischen Historiker gesagt hat, durchaus 'beistimmend ausgenommen habe. Der eben erschienene erste Halbband des dritten Bandes von Treitschkes Briefen veranlaßte mich, die früheren Bände dieser Briefsammlung anzusehen. In dem ersten Bande tritt nur ein Korrespondent hervor, der damals noch dem Judentum angehörte. Es ist der berühmte Rechtslehrer Frensdorfs in Göttingen, der jetzt noch in hohem Alter lebt und wirkt. Er muß Treitschke sehr nahegestanden haben, denn er wird von ihm mit dem traulichen Du .angeredet und stets in freundlichster Weise von ihm begrüßt. Außer Frensdorfs verkehrte Treitschke seit 1855 in Bonn und in späteren Jahren in Göttingen sehr intim mit dem aus Hamburg stammenden Alfons Oppenheim. (Die Briese an ihn scheinen nicht erhalten zu sein.) In denen an andere gerichteten Briefen bezeichnete er ihn mehrmals als „seinen fast einzigen vertrauten Umgang". Oppenheim war mit Treitschke so eng verbunden, daß dieser dem Freunde einen sehr stimmungsvollen Nachruf widmet. Er muß ein ganz hervorragender Mann gewesen sein; ein anderer Freund charakterisiert ihn einmal als das „freundlichste, liebevollste Herz, das je geschlagen". L. G. Literarische Mitteilungen. — Theodor Storm, Briefe an feine Freunde Hartmuth Brinkmann -und Wilhelm Petersen. Herausgegeben von Gertrud Storm, 1917. Berlin, Braunschweig, Hamburg. Verlagvon Georg Westermann. Theodor Storms sämtliche Werke, Band 12,. Für unsere Zwecke kommt diese neue (glücklicherweise letzte) Sammlung von Storms Briefen außer einigen gleichgültigen Stellen über Berthold Auerbach, Otto Brahm, Sonnenthal hauptsächlich -in Betracht wegen 'folgender sehr schönen Stelle über den schon genannten Auerbach (23. August 1852, Seite 45/46): „Aber ein Buch will ich dir empfehlen, das wir hier mit großem Gefallen gelesen, worin der Philosoph mit dem Dichter, oft zum Nachteil des letzteren, abwechselt, worin aber auf jeder Seite ein liebes, warmes Menschenherz, einkindliches fast, zu lesen steht: „Neues Leben von Berthold Auerbach". Das' Thema ist die Heiligkeit der Arbeit, Liebe zur Heimat. Vertrauen zu unserem Volke ist der Grund, auf dem die Szenen gemalt sind. Lies es! doch! . . . Jeder ernste, wahrhaftige und gebildete Mensch muß diesem Buche inseinem Hauptinhalte beistimmen. Es ist wirklich eine Tat dies Buch, wie sie diese Zeit verlangte. Ein Bund -der Geister gegenden- Mißbrauch der Gewalt von oben und unten, ein festes Eingeständnis^, sich unter keiner Bedingung gegen Ueberzeugrtng gebrauchen &u lassen oder überhaupt um der lieben 'bürgerlichen Existenz, -willen so zu handeln. Ob der Verfasser an praktische Folgen gedacht, ob das Buch schon solche gehabt, ich weiß es nicht; aber -schon allein diese ganze unerbittliche Entwicklung der faulen Verhältnisse mit der siegenden Krafjt der Wahrheit und des sittlichen Ernstes muß viele Unklare klar, viele Schwankende fest machen. Lies das Buch sobald als möglich; es liest sich nicht schwer, -denn man bleibt ja im heutigen Tag." Sonst werden in dem Buche, soweit ich gesehen habe, Juden nicht erwähnt, auch Jüdischeisl nicht gestreift. Höchstens wäre darauf hinzuweisen -- aber gerade dies ist von besonderer Bedeutung —, daß Heine häufig vorkommt. Einmal heißt es „Heine ist ohne Zweifel unser größter Lyriker"; an einer anderen Stelle wird nach einer Polemik gegen Platengesagt, „Heine ist ohne Zweifel der größte Meister der Form von diesen beiden." An einer dritten Stelle (März 1852) findet sich -folgende Bemerkung über den Romanzero (Seite 40): „Dein Urteck über Heines Romanzero unterschreibe ich. im ganzen. Am meisten von den mir noch unbekannten Sachen hat, und zwar vorzüglich Anfang und Ende davon, das Gedicht „Waldeinsamkeit" angesprochen: auch die Personifikationen von Glück, Unglück und der Frau- Sorge sind prächtig. Sch-r bezeichnend, d-aß kein einziges Lied mehr vorkommit. .Frau Jutt-e ist doch gut, denn auch das Ungeheure hat in der Poesie fein Recht; es -ist nicht bloß Grauen, es kommt auch eine Gestalt dabei heraus." Sodann ist die Bemerkung zu notieren (30. Dezember 1852, Seite 64): „Heine — wo ist der Mann, der uns diese Lieder unserer Jugend sang, der die Welt so bräutlich angesehen?" Endlich heißt es bei einem Hinweis auf einen über Storm handelnden Artikel der „Preußischen Zeitung" (23. Juni 1853, Seite 70): „In der Literatur wird mir der Platz zwischen Mörike und Heine angewiesen, wo-mit ich denn in alle Wege zufrieden sein kann." Mich hat diese außerordentliche Bewunderung Heines höchlichst überrascht, da ich sie Storm nicht zutraute: schon deswegen mag das inhaltreiche Buch meinen Lesern empfohlen sein. Die Beeinflussung Storms durch Heine wird in einer kürzlich erschienenen Biographie von Hartwig Jeß, Braunschweig, G. Westermann, 1917, in folgender Weise dargelegt (Seite 148): „Wie stark der Eindruck w'a»r, den Heine bei erster Bekanntschaft auf unseren Dichter machte, lassen seine eigenen. Worte erkennen: „Ich warwie verzaubert vondiesen stimmungsvollen Liedern-. . . . Da -war es mir, als seien die Tore einer neuen Welt vor mir aufgerissen worden. Gleich am anderen Morgen kaufte ich mir. . . das Buch der Lieder-." Gewiß sind Heine und Storm grundverschiedene Naturen, gemeinsam ist ihnen nur — so weint dieser selbst — die große Reizbarkeit der Empfindung. Was. Storm äls dauernden Gewinn Heine zu verdanken hat, ist vor allem die „Simplizität des Ausdrucks". Weltschmerzliche Anwandlungen, Stilisierung des Liebeskummers, ritterliche Anbetung der Geliebten oder gar ritterliches. Kostüm, verschwinden! später, gänzlich. Witz und Ironie, die etwas oberflächlich-samMäre Art -des Verkehrs mit der Natur fehlen bei Storm. Ganz überwunden freilich hat er Heines Einfluß nie, auch hier beobachten wir das lange Hja.ften von Jugendeindrücken." L. G. Mchrrrinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Aurücksendung der Bücher findet ln keinem Falle statt. M. Abraham und Th. Rothschild. Ausgewählte Stücke der hebräischen Bibel, erster Teil Pentateuch, Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M. Dr. M. S. Zuckermandel s. A. Zur Halacha-Kritik, erster Teil Schlußheft, Frankfurt a. M., Komm.-Verlag I. Kauffmann. Franz Rosenzweig. Zeit ifFS . . . ., Verlag der Neuen jüdischen Monatshefte, Berlin-München 1918. Archiv für jüdische Familienforschung: Wien, Jahrgang 1912, Heft 1; Wien 1918, 1. Jahrgang Nr. 2 und 3; Wien 1913, 1. Jahrgang Nr. 4, 5 und 6; 2. Jahrgang Nr. 1 und 2. Die Juden in der Geschichte. Von Dr. Edmund Münzer. Wien und Leipzig, Wilhelm Braumüller, k. k. Univerfitätsverlagsbuchhandlung m. b. H. 1918.